Shopping, Schnäppchen, Rabatte – all diese Worte flitzen bei vielen Schnäppchen-Jägern durch den Kopf, wenn sie einen Supermarkt oder ein Einkaufszentrum betreten oder im Internet nach reduzierten Schuhen stöbern. Es gibt viele Gründe shoppen zu gehen, sei es, um anderen eine Freude zu bereiten, um das seelische Tief zu überwinden oder weil es gerade reduziert ist. Das Shopping wird von den meisten Verbrauchern als positiv assoziiert und verkörpert Lebensfreude, Leichtigkeit und Entspannung. Was passiert allerdings, wenn das Shopping zur Kaufsucht wird? Nicht nur Frauen neigen dazu, aus dem Schaufensterbummeln ein echtes Sucht-Gefühl zu entwickeln. Verstärkt wird dieseSucht durch Kreditkarten und der Verlockung, einfach Mal was zu kaufen.

Was ist der Kontrollverlust?

Einen Kontrollverlust hatte sicherlich jeder schon einmal. Wenn man nur ein Stück der Tafel Schokolade essen will und sie dann schließlich doch ganz aufisst, hatte man einen solchen Kontrollverlust. Somit ist der Verlust der Selbstkontrolle jedem Menschen bestens bekannt. Man könnte den Kontrollverlust als ein Streben nach lustvollen Gefühlen kategorisieren, obwohl er subjektiv eher als Zwang empfunden wird. Es gibt immer verschiedene Dinge, die wir tun wollen, aber nicht können bzw. dürfen. Sei es, weil wir es uns selbst untersagen, beispielsweise den übermäßigen Konsum von Schokolade, oder weil es verpönt ist. Wenn der Drang, die Verlockung, eine kleine Sünde zu begehen, groß ist, dann können sich viele Menschen nicht kontrollieren. Problematisch wird es, wenn man das Schamgefühl abschiebt und die Schuld dem Kontrollverlust in die Schuhe schiebt.

Therapie für den Shopping-Rausch

In Deutschland gibt es seit wenigen Jahren eine wirksame Hilfe für Kaufsüchtige. Mithilfe einer Gruppentherapie hat die Uniklinik Erlangen Kaufsucht-Patienten erfolgreich behandelt. Von den 60 Teilnehmern konnte etwa die Hälfte ihr unkontrolliertes Kaufverhalten in den Griff bekommen. Die Therapie läuft jede Woche 90 Minuten lang, selbst nach Abschluss der Sitzungen gab es kaum Rückfälle. In 12 wöchentlichen Sitzungen erhielten die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Erfahrungen zu präsentieren und das Kaufverhalten zusammen mit Therapeuten zu analysieren. Einer Studie zufolge sind etwa 5 bis 8 Prozent der deutschen Bevölkerung kaufsuchtgefährdet. Dabei spielt es keine Rolle, zu welcher Bildungsschicht sie gehören. Gleichermaßen betroffen sind Frauen und Männer, jedoch tritt das Problem öfters bei jüngeren Personen auf. Nur ein Teil dieser Gruppe sei allerdings behandlungsbedürftig.

Die Reue nach dem Kauf

Alle Shopping-Addicts berichten ähnliche Erlebnisse. Der Drang etwas Neues zu kaufen ist wie ein Gefühl starker Erregung. Werden die neuen Klamotten gekauft, folgt ein Gefühl tiefer Befriedigung. Kaum verlässt man allerdings das Kaufhaus mit zahlreichen Tüten, folgt die Reue und der Selbstzweifel. Der Kaufzwang brachte bereits vielen Menschen Hunderttausende Euro Schulden, einige mussten sogar ins Gefängnis. Beim Shopping kaufen viele Menschen nicht unbedingt günstige Artikel oder halten Ausschau nach Schnäppchen und reduzierter Ware, oftmals werden ausschließlich hochwertige Güter im Fachhandel gekauft. Dementsprechend schnell häufen sich die Schulden an.

Die Lösung

Der Grund für das impulsive Shopping kann vielseitig sein. Viele haben einen Ehepartner verloren, die Ehe endete in einer Scheidung oder der Druck auf der Arbeit wurde zu groß. Eine Therapie in einer Selbsthilfegruppe hilft oftmals nicht oder nur temporär. Die Kaufsucht tritt oftmals wieder auf. Um sich abzulenken, können die Betroffenen ein Hobby verfolgen, sei es das Fotografieren oder eine Sportart. Dieser Ansatz wird auch in der Therapie der Uniklinik Erlangen verfolgt. Ihrer Meinung nach ist die Kaufsucht eine Störung der Impulskontrolle. Aus diesem Grund müssen die Betroffenen selbstständig erkennen, wann sie zu Einkäufen neigen und wie sie diesen Zwang unterdrücken können. Wichtig ist es, das eigene Verhalten genau zu beobachten und Kauftagebücher oder Protokolle zu führen. Ebenfalls hilfreich ist es, Kredit- und EC-Karten nicht mehr beim Einkaufen zu nutzen. Stattdessen hebt man das monatliche Budget als Bargeld ab. So hat man immer vor Augen, wie viel Geld noch übrig geblieben ist und neigt erst gar nicht dazu, das Konto zu überziehen.