Jeder kennt wohl die Werbung, in der der Postbote von einer vor Freude schreienden Frau und einem kopfschüttelnden und hilflos blickenden Mann im Hintergrund begrüßt wird. Und auch wenn sich der dazugehörige Versandhandel inzwischen ja großer Bekanntheit erfreut und sich sicherlich guter Verkaufszahlen dazu, verstehe ich beim besten Willen nicht den Werbeeffekt dieses Fernsehspots. Denn das, was dort gezeigt wird, ist keineswegs lustig und noch nicht einmal witzig auf die Spitze getrieben, sondern bittere Realität. Zumindest für mich, seitdem ich mit meiner Liebsten zusammengezogen bin.

Der tägliche Wahnsinn

Ich weiß nicht, wie oft ich von der Arbeit heimgekommen schon unbedacht durch die Haustür schlürfen wollte, um dann plötzlich von einem gelben Zettel aufgehalten zu werden, aber hätte ich eine Zahl, sie wäre hoch. Diese kleinen gelben Zettel, sie sehen so harmlos aus und sind doch die größten Nervensägen. „Päckchen für Sie bei Nachbar X“ steht da vermerkt und bedeutet dann für mich, dass ich direkt wieder umdrehen darf, den Zettel in der Hand vom vierten wieder in den ersten Stock pilgern, um bei Herrn Nachbarn X zu klingeln. „Was haben sie denn da schon wieder bestellt“ beginnt der folgende Dialog dann mit Sicherheit, während Herr X ein Riesenkarton mit gefühlten 5000 Wackersteinen hochhievt und mir in die Hand drückt. „Die gleiche Frage habe ich mir auch gerade gestellt“ würde ich gerne sagen, bringe aber unter dem Gewicht einmal mehr nur ein geschnauftes „Danke, schönen Abend noch“ hervor.

Oben wieder in der Wohnung angekommen, präsentiert sich mir dann meist das aus der Werbung bekannte Bild. Eine Frau, die voller Freude auf das Paket zustürmt und Schicht um Schicht abreist um schnell an die Beute zu kommen. Dass es sich dabei häufig um Klamotten, Schuhe sowie unglaublich nützliche Haushaltsgeräte handelt, von denen in einer Woche mehr als die Hälfte auch wieder die Rückreise antreten wird, kann ich vermutlich unerwähnt lassen.

Der Lerneffekt

Manches Mal gelingt es mir jedoch, den geeigneten Moment abzupassen und meine Liebste direkt auf frischer Tat zu ertappen. Ich sehe es schon an dem festen Griff, mit dem die Maus gesteuert wird und den weit aufgerissenen Augen. Da wird wieder einmal ein virtueller Einkaufswagen gefüllt, der alleine die Last schon nicht mehr tragen würde, wäre er nicht bloß aus Pixeln zusammengesetzt. Nicht schon wieder, denke ich und frage scheinheilig nach dem Auflauf im Ofen. „Oh, den habe ich ja ganz vergessen“ höre ich sie sagen und erziele den erwünschten Effekt. Die Maus wird fallengelassen und der Platz geräumt. Schnell setzte ich mich hin, um unbemerkt den Einkaufswagen zu leeren, da fällt mein Blick auf eine Anzeige. „Herrenuhren exklusiv kaufen“ heißt es da über einem Bild mit einem wirklich schönen Model. Und dieser Anzug mit den Nadelstreifen sähe bestimmt super dazu aus, denke ich mir noch während ich schon die passende Größe auswähle. Während ich gerade durch die Sportbekleidungsabteilung scrolle, höre ich meine Freundin wieder ins Zimmer kommen. „Na hast du was Schönes gefunden?“ fragt sie kopfschüttelnd und mit einem breiten Grinsen auf den Lippen.
Gut, was lernen wir daraus? Letztlich fallen wir wohl alle auf die gleichen Dinge rein.