Eine Kreuzfahrt mit Moni

Nach der Buchung meiner Schiffsreise bei Dreamlines-Kreuzfahrten, ging die Seereise schon los. So sehr ich mich auf die Kreuzfahrt an sich gefreut hatte, immerhin wurden frische Luft im Überfluss, vorzügliches Essen und interessante Landgänge geboten, so groß waren auch meine Bedenken, dass dieser Urlaub zu einer echten Herausforderung für meine Ehe mit Moni werden könnte. Kurz vor ab. Schließlich würden wir sehr viel Zeit miteinander auf engem Raum verbringen – Gelegenheit zum Streiten würde es also reichlich geben. Mit ziemlich gemischten Gefühlen fuhren wir also los. Meine Laune wurde auch nicht besser, als ich die Berge von Gepäck sah, die sie mitschleppen wollte. Warum müssen Frauen nur immer so viel Klamotten mitnehmen?

Übertriebene Erwartungen kann man mir beim besten Willen nicht vorwerfen. Es war mir schon klar, dass es nach mehreren Jahrzehnten des mehr oder weniger glücklichen Zusammenlebens eher unwahrscheinlich war, mich neu in Moni zu verlieben. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass ich mir fest vorgenommen hatte, mich auch in keine andere Frau zu vergucken (unter uns: das war nicht leicht, insbesondere bei den Servicedamen waren wirklich heiße Feger dabei). Eigentlich wollte ich nur ein paar Tage abschalten von dem ganzen Stress und kein Generve mit der lieben Gattin haben. Doch es kam anders, diese Kreuzfahrt hat unserer Beziehung richtig gut getan, wer hätte das gedacht?

Ich habe mich auch wirklich angestrengt, ja, auch wenn es mir oft schwer fiel. Das fing schon bei der Kabine an, Außenbord, extra groß und mit Balkon. Eigentlich hätte ich mich auch den ganzen Tag aufs Bett lümmeln und Krimis lesen oder am Laptop spielen können, aber Moni zuliebe habe ich mich zu allen möglichen Aktivitäten aufgerafft: Wir haben gemeinsam gewalkt, diverse Shows besucht und sogar eine Massage genossen. Nur bei Origami musste ich passen, da konnte ich nun wirklich nicht hingehen, das musste Moni allein machen.

Moni wirft mir immer vor, dass ich an ihr so viel herumnörgele. Das ist in meinen Augen das falsche Wort „positive Kritik üben“ wäre zutreffender. Aber wie dem auch sei, ich beschloss, während unserer Kreuzfahrt mal nett zu sein und meinen Mund zu halten. Das war nicht immer einfach, insbesondere wenn es um ihre lästigen Angewohnheiten ging: Jeden Abend mindestens zwei Stunden Verkleiden und Anmalen fürs Dinner. Aber ich schwieg, und das Ergebnis war dann auch ganz passabel. Meine Moni mit lackierten Nägeln, in einem schicken Kleid und mit etwas Make up sah doch wesentlich ansprechender aus als gedacht.

Auch diverse Shopping Touren ließ ich klaglos über mich ergehen: An Bord gab es ein kleines Geschäft, dessen Angebot ich am Ende der Reise auswendig kannte. Großzügig war ich dabei auch, habe ohne zynischen Kommentar den 35. Lippenstift und Nylonstrumpfhosen für 50 Euro bezahlt. Genauso habe ich jeden Abend eine Flasche Bordeaux für uns bestellt, mag sein, dass dies auch ein wichtiger Grund für unsere heitere Stimmung war. Na ja, Monis Laune wurde auch immer deutlich besser, wenn ihr der kleine philippinische Kellner ziemlich alberne Komplimente auf Englisch machte. Das habe ich durch großzügiges Trinkgeldgaben unterstützt, natürlich nur, wenn Moni nicht hinguckte.

All meine Anstrengungen haben sich gelohnt, es gab keinen größeren Streit und meine gute, alte Moni wurde wieder so liebenswürdig und zärtlich wie schon lange nicht mehr…..