„Wie kommt denn eigentlich der Ökostrom dann in unsere Steckdose, wenn wir den Anbieter wechseln?“ fragte mich neulich meine bessere Hälfte und, was soll ich sagen, brachte mich mit dieser Frage wirklich zum Kopfschütteln. Denn natürlich wird unser Toaster auch nach dem Anbieterwechsel noch mit der gleichen Energie betrieben wie davor. Nur fließt unser Geld woanders hin und letztlich ja auch ein klein wenig mehr Ökostrom durch die deutschen Stromnetze. So oder so, Grund genug sich einmal mit den deutschen Stromnetzen auseinander zu setzen.

Die Vorstellung ist ja sicherlich ganz niedlich, aber so viel die kleinen Elektronen auch in unserer Welt bewirken, so intelligent, dass sie wissen würden in welche Steckdose sie nun gehören, sind sie dann doch nicht. Im Gegenteil, denn einmal ins Stromnetz eingespeist verschmelzen sie mit all ihren Kumpanen aus den anderen Kraftwerken und Stromgewinnungsanlagen zu einer großen unüberschaubaren Masse. Da lässt sich wirklich nicht mehr unterscheiden, wer hier ökologisch erzeugt wurde und wer in einem der großen Atomriesen seine Reise begonnen hat, aber letztlich geht es ja auch nicht darum, den eigenen Wasserkocher mit ökologischen Strom zum Kochen zu bringen, sondern durch seine Anbieterwahl mit zu entscheiden, wer auf dem Strommarkt das Sagen hat und wer das eigene Geld für seine Zwecke weiter einsetzt.

Das Stromnetz

Über das Stromnetz wird die, an verschiedenen Orten gewonnene, Energie über Land und Regionen verteilt und letztlich in die einzelnen Haushalte transportiert. Damit das klappt, gibt es verschiedene Netze, mit verschiedenen Spannungen, die dann in wachsender Nähe zum Verbraucher immer weiter runter transformiert werden und so schließlich auf die übliche Steckdosenspannung geregelt werden. Je nach Region werden die Netze jeweils von einem Anbieter betrieben, der die Netze ausbaut und in der jeweiligen Region auch als Grundversorger dient. Das heißt, dass man beispielsweise nach einem Wohnungswechsel zunächst einmal, wenn man sich um nichts anderes kümmert, bei diesen Grundversorger gemeldet ist und von diesem seinen Strom bezieht.

Der Wechsel zu Ökostrom

Bei dem Wechsel zu einem neuen Versorger, beispielsweise einem von dem Grundversorger unabhängigen Ökostromanbieter, greifen dann festgelegte Regelungen nach denen dieser neue Anbieter dementsprechend seine Stromeinspeisung neu reguliert. Simpel formuliert bedeutet das, dass die Menge Strom, die man selber verbraucht und nun über Windkrafträder oder Solaranlagen gewonnen wird, portioniert in das große, allgemeine Stromnetz geschickt wird. Wo dann exakt diese Stromportion landet, wird man wohl nie herausbekommen, doch ist es sicher, dass sie in die Welt geschickt wurde und sich eine andere Portion, die zuvor in Atomkraftwerken oder ähnlichen gewonnen wurde, den Weg sparen kann.