Rosenstrauß

Vor kurzem kam ein Riesenrosenstrauß für meine Liebste. Sie schaute nur kurz auf die beiliegende Karte und steckte die dann ein. Sie stellte die Blumen ins Wohnzimmer und ich fragte sie natürlich, wer ihr solche Blumen schickt.

„Ach, kennst du nicht.“
„Was soll denn das?“

„Was soll was?“
„Naja, deine Mutter schickt dir ja kaum rote Rosen!“

„Stimmt. Von meiner Mutter sind die nicht.“
„Also? Jemand kennengelernt?“

„Ich lerne ständig Leute kennen. Du doch auch.“
„Ja, aber ich krieg keine Rosen geschickt.“

„Na, das wäre ja auch komisch. Ein Mann kriegt Rosen geschickt, hab ich noch nie gehört.“
„Eben. Frauen kriegen Rosen geschickt.“

„Eben.“
„Ja. Von wem sind die Rosen?“

„Eifersüchtig?“
„Ja. Sind die protzigen Dinger etwa von dem neuen Kollegen, von dem du neulich erzählt hast?“

„Nein. Und die sind doch nicht protzig. Und Schatz, für Eifersucht gibt es keinen Grund.“
„Da bin ich aber beruhigt. Trotzdem will ich wissen, von wem hier diese Dinger sind.“

„Was heißt Dinger? Das sind total schöne Rosen! Und die duften auch so gut. Hier, schnupper mal.“
„Nein. Ich will jetzt wissen, was das soll!“

„Ich freue mich über die Rosen.“
„Wer schickt dir rote Rosen? Zeig mal die Karte vom Strauß her!“

„Du kannst ja richtig eifersüchtig sein! So kenne ich dich ja gar nicht!“
„Ja. Meine Freundin soll keine roten Rosen von anderen Männern bekommen.“

„Warum? Wenn sie sich über Rosen freut.“
„Ja, aber wenn sie Rosen will, kriegt sie Rosen von mir!“

„Eben nicht! Wann gab’s den letzten Rosenstrauß?“
„Neulich erst.“

„Wann war neulich?“
„Naja, vor einiger Zeit.“

„Vor sehr, sehr langer Zeit.“
„Ja. Stimmt. Ich bin unaufmerksam in letzter Zeit. Tut mir leid. Ich lieb dich doch trotzdem. Ich hatte halt die letzte Zeit viel Ärger und Stress auf Arbeit. Von wem sind denn jetzt die Rosen?“

„Das tut nichts zur Sache. Ich wollte nur mal wieder hören, dass du mich liebst.“
„Aber Schatz! Natürlich liebe ich dich, auch wenn ich es nicht dauernd sage. Wollen wir heute abend schön essen gehen? Ich bestelle einen Tisch beim Italiener.“

„Gern. Das können wir machen.“
„Gut. Könntest du die Rosen dann vielleicht aus dem Wohnzimmer entfernen?“

„Ach, Schatz. Die sind von mir.“
„Wie? Die sind von dir?“

„Naja, ich dachte ich schick mir mal Rosen, wenn von dir keine kommen.“
„Jetzt bin ich platt. Auf was für Ideen du kommst! Du hättest doch einfach was sagen können!“

„Ach, Schatz. Ich geh mich jetzt mal umziehen für den Italiener!“
„Ja, mach das.“

„Hier ist übrigens noch die Karte: ‚Für den neugierigen Schatz als Erinnerung, damit er ab und zu auch mal Blumen bringt.’“

Kopfschüttel…

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Gefährliche Lektüre II

Die Liebste ist bereits seit Stunden am Telefonieren. Es muss wohl um irgendwas Wichtiges gehen, aber da kann ich mich auch täuschen – als sie endlich wieder ansprechbar ist, frage ich natürlich, warum sie so ewig telefoniert.

„Ich hab nur mit Elke gesprochen.“
„Was gibt’s denn da so lange zu besprechen? Ihr seht euch doch regelmäßig.“

„Ach, das war ein Notfall.“
„Was ist denn los?“

„Ach, nichts für Männer.“
„Na, dann eben ein Frauenthema.“

„Obwohl es doch um Männer geht. Elke ist ganz fertig.“
„Wieso? Ist sie nicht glücklich verheiratet?“

„Doch, dachte sie bisher.“
„Oha, sie hat lange blonde Haare auf seinem Hemd gefunden.“

„Nein, das nun nicht gerade.“
„Ach, dann hat sie fremde Damenunterwäsche in seinem Auto gefunden?“

„Nein, wieso kommst du überhaupt auf sowas?“
„Naja, Elke war doch schon immer so eifersüchtig und kaum, dass er mal später heimkam, gab’s Verhöre, wo und mit wem er unterwegs war. Erinnerst du dich noch an das eine Silvester? Da gab’s doch auch Stress, weil er zu oft mit anderen getanzt hat, dabei wollte sie doch gar nicht tanzen…“

„Ja, das stimmt schon. Aber jetzt hat sie wirklich einen Grund.“
„Grad hast du gesagt, sowas ist nicht der Grund.“

„Naja, direkt fremdgehen ist ja auch nicht der Grund, aber sie hat im Schrank zwischen seinen Klamotten so Hefte gefunden.“
„Paah, Schatz, das ist doch kein Grund für Aufregung.“

„Wieso?“
„Naja, so ein Heft hat doch nichts zu sagen.“

„Wieso nimmst du ihn in Schutz?“
„Nehme ich doch gar nicht.“

„Hast du auch so einen Kram im Schrank?“
„Nein, natürlich nicht.“

„Soll ich gucken gehen?“
„Quatsch, ich hab nichts zu verbergen. Aber über sowas muss sich Elke doch nicht aufregen.“

„Aber warum liest er so ein Zeug, wenn er doch Elke hat und verheiratet ist?“
„Naja, man kann sich ja mal woanders Anregungen holen. Du weißt doch: Appetit holen ist erlaubt, nur gegessen wird daheim.“

„Meinst du?“
„Klar. Nur an ihrer Eifersucht sollte sie mal arbeiten.“

„Naja, aber er gibt ihr ja jetzt schon einen Grund. Also ich wäre auch sauer, wenn du so ein Zeugs jetzt plötzlich lesen würdest!“
„Ach was. Das ist wie ihr mit euren Liebesschnulzen. Wir sind doch auch nicht eifersüchtig auf Johnny Depp, Brad Pitt und wie diese Kasper alle heißen.“

„Was heißt hier Kasper? Die sehen doch sehr appetitlich aus!“
„Naja, die Damen in den Heften auch.“

„Hhhmmm. So hab ich das noch gar nicht betrachtet. Aber stimmt schon. Wir gucken ja auch Filme und freuen uns über die knackigen Männer dort.“
„Eben. Dabei habt ihr selbst knackige Männer daheim!“

„Naja.“
„Was heißt hier naja?“

„Schatz, mit knackig ist nicht gemeint, dass es jeden Morgen beim Aufstehen knackt.“
„Sehr witzig! Du wirst auch nicht jünger, Schatz.“

„Stimmt. Und du bist mir auch lieber als jeder Film-Kasper, sei er noch so knackig.“
„Dann bin ich ja beruhigt.“

„Und ich muß jetzt nochmal Elke anrufen.“

Kopfschüttel…

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Nummer gesucht

Gestern war die Liebste mit ihren Freundinnen unterwegs – Shopping, Café und solcher Klimbim. Ich hatte es mir grade gemütlich gemacht, als ihr Anruf kam:

„Hallo Schatz, kannst du mir mal einen Gefallen tun?“
„Aber klar, was denn?“

„Schau mal bitte für mich nach Melanies Telefonnummer.“
„Wo soll ich da schauen?“

„In meinen E-Mails. Melanie hat eine neue Handynummer und hat sie mir neulich gemailt und ich hab vergessen, die Nummer gleich in mein Handy zu speichern.“
„Kein Problem, Schatz. Der Rechner fährt schon hoch. Gleich hast du die Nummer.“

„Hach, du bist der Beste.“
„Wie war nochmal dein Kennwort?“

„Na, der Name vom Restaurant, wo wir das erste Mal essen waren plus unser Kennenlerntag.“
„Oh. Ähhh… verrätst du es mir nochmal?“

„Du hast es vergessen?“
„Naja, also… ja.“

„Also: Francescos215.“
„Danke. Jetzt fällt‘s mir wieder ein. Also, wie hieß der Betreff der Mail?“

„Das weiß ich nicht mehr, aber sie mailte das so Anfang letzten Monats.“
„Schatz, du hast 487 Mails im Postfach! Warum löschst du gelesene Mails nicht? Wo finde ich das denn jetzt?“

„Einfach zurückblättern.“
„Ha, hier eine Mail von Melanie. Ich mach sie mal auf. Das ist ein Rezept für einen Kuchen.“

„Nicht irgendein Kuchen. Das ist eine Limetten-Joghurt-Torte, superlecker!“
„Tja, aber keine Telefonnummer.“

„Dann such mal weiter…“
„Sag mal, du lässt ja sogar die Spammails drin, hier werben sie für ein Potenzmittel.“

„Vielleicht brauchen wir es ja mal…“
„Haha, sehr witzig.“

„Ach, Schatz, war nur Spaß. Suchst du mir jetzt die Nummer raus?“
„Hier ist noch eine Mail von Melanie. Nein, nur ein weitergeleiteter Link.“

„Weitersuchen. Bei welchem Datum bist du denn?“
„Anfang des letzten Monats. Hier ist noch eine. Nein, auch keine Telefonnummer…“

„Vielleicht war es auch schon vor zwei Monaten?“
„Ach Schatz, ich kann doch jetzt nicht über 400 Mails durchgucken. Dann bin ich doch morgen noch beschäftigt. Hat denn keins von den anderen Mädels die Nummer von Melanie?“

„Nein.“
„Kannst du nicht die Auskunft anrufen?“

„Ich glaube nicht, dass Melanie ihre Handynummer ins Telefonbuch schreibt. Und am Festnetz geht sie nicht ran.“
„Dann sprich doch auf den Anrufbeantworter.“

„Nein, Melanie hat vorhin gesagt, dass sie später kommt und wir gehen jetzt noch woanders hin und dann findet sie uns doch nicht.“
„Wenn Melanie gesagt hat, sie kommt später, hast du sie doch gesprochen.“

„Nein. Sie hat eine SMS geschrieben.“
„Dann hast du doch ihre Handynummer als SMS-Absender.“

„Oh, das stimmt! Manchmal steht man echt auf dem Schlauch. Danke Schatz und bis heute abend!“

Kopfschüttel…

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Gefährliche Lektüre

Am Wochenende – ohne Termine oder sonstige Verpflichtungen – haben wir es ganz ruhig angehen lassen. Ich habe in der Küche zwei Tassen Kaffee geholt und mich wieder zur Liebsten ins Bett gelegt, die dort in einer Zeitschrift blätterte.

„Oh, mein Kaffee. Dankeschön. Werde ich heute verwöhnt, ist etwa Valentinstag?“
„Nö, nur so. Was liest du denn da?“

„Och, nur so ein Frauenheft, nichts für dich.“
„Zeig doch mal.“

„Hier, interessiert dich aber eh nicht.“
„‚Eltern family‘. Was soll denn das sein?“

„Das Heft hab ich bei Susi mitgenommen, sie hat es ausgelesen. Hier hab ich auch noch ‚Eltern‘, ‚Baby & Co‘ und ‚Leben & erziehen‘.“
„Aha. Aber steht denn da nicht überall das Gleiche drin? Da hätte doch ein Heft gereicht.“

„Nö, da steht überall was anderes drin. Hier zum Beispiel: ‚So wird ihr Kind ein liebenswerter Mensch‘ oder hier: ‚Alles über Hebammen‘ oder hier: ‚So entwickelt sich ihr Kind‘ oder da: ‚Von der Muttermilch zum Familientisch‘ oder…“
„Schon gut, schon gut. Ich glaub es ja. Zeig mal her den Stapel.“

„Außerdem: In deinen Autoheften steht doch auch immer das Gleiche drin.“
„Quatsch. Da werden immer andere Autos getestet und vorgestellt. Aber warum lest ihr denn ‚Leben & erziehen‘, passender wäre doch ‚Brüten und abwarten‘?“

„Susi hat bei ihrer Ärztin so eine Tasche mit Heften, Infos und Pröbchen bekommen und die Hefte hat sie mir weitergereicht. Aber ‚Brüten & abwarten‘ klingt gut, ich werde es Susi mal vorschlagen.“
„Ja, mach das. Und jetzt gib mir mal einen Kuß. Schließlich hab ich dir Kaffee mitgebracht.“

„Ja. Oh, schau mal hier, wie süß das schlafende Baby hier aussieht. Ach, wie niedlich.
„Ja, sehr niedlich. In letzter Zeit schaust du oft nach Babys, fällt mir auf…“

„Ja. Und?“
„Aber dann wäre Schluss mit Kaffee im Bett. Dann würdest du jetzt schon längst aufstehen müssen, Füttern, wickeln, spazierengehen…“

„Ja.“
„Was meinst du mit ‚Ja‘?“

„Ja eben. Dann würden wir halt einen Sonntagsspaziergang machen und mit dem Kinderwagen durch den Park gehen.“
„Du vergisst, dass du unausgeschlafen wärst. Und dass du unausgeschlafen total unausstehlich bist.“

„Ach, die Natur hat es schon so eingerichtet, dass Mütter dann weniger Schlaf brauchen, dass machen die Hormone.“
„Könnte es sein, dass die Hormone grad noch ganz andere Sachen machen?“

„Naja, irgendwann wollten wir ja schon Kinder. Jetzt wäre doch sehr gut. Dann könnte unser Kind immer mit Susis Kind spielen, die wären ja fast gleich alt.“
„Ja, schon. Irgendwann will ich auch Kinder, aber jetzt haben wir‘s doch grad so gemütlich und du wolltest doch beruflich erst noch ein bisschen schauen…“

„Ja, aber schön wär‘s doch. Oder willst du keine Kinder mit mir?“
„Doch schon, wenn Kinder, dann nur mit dir, Schatz. Aber doch nicht gleich!“

„Naja, wenn wir alt und grau sind ist es aber zu spät.“
„Gianna Nannini ist doch jetzt mit 54 Mutter geworden, wir haben also noch jede Menge Zeit.“

„Pah. Das wäre mir viel zu alt. Dann wäre ich zur Schuleinführung schon 60!“
„Siehst du – im Ruhestand hättest du dann genug Zeit, um dich mit den Hausaufgaben zu beschäftigen. Wäre doch prima.“

„Quatsch, du nimmst mich gar nicht ernst.“
„Ach, Schatz, das geht mir jetzt einfach zu schnell. Außerdem kann man das doch gar nicht so planen.“

„Dann warten wir eben noch ein bisschen. Dann kann unser Kind auch von Susis Kind die ganzen Sachen bekommen.“

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