Einmal um die Welt

Neulich ist meine Liebste an einem Bericht über zwei Aussteiger hängengeblieben, die mit dem Fahrrad um die Welt radelten. Interessant anzuschauen, aber nachmachen würde ich sowas nicht. Meine Liebste sicherlich auch nicht, auch wenn sie das in der Theorie anders sieht:

„Guck mal Schatz, das ist doch mal ein Abenteuer!“
„Für andere schon. Du bist ja nach zwei Wochen Urlaub schon froh, wieder daheim zu sein.“

„Nein, Urlaub ist ja auch ganz was anderes. Stell dir mal vor, du bist ein ganzes Jahr unterwegs, da gibt es sicherlich viele Situationen, die spannend sind.“
„Hmm… ob sie dir in dem Moment dann spannend vorkommen, ist die Frage. Vermutlich will man in diesem Moment einfach seine Ruhe und keinen Ärger. Stell dir mal vor, die fahren durch eine Wüste und der Fahrradrahmen bricht!“

„Na ja, das wäre ja ein Extremfall.“
„Kann aber vorkommen. Und was machst du dann, um nicht zu verdursten?“

„Man muss ja nicht grade mit dem Fahrrad durch die Wüste fahren.“
„Außenrum ist’s halt länger…“

„Nein, ich meine, man kann doch auch was anderes machen. Stell dir mal vor, mit dem Segelboot um die Welt!“
„Ich glaube, das wäre ziemlich langweilig. Da sieht man ja tagein, tagaus nur das Meer und den Mitsegler.“

„Würdest du dich nicht freuen, wenn du allein mit mir auf einem Boot um die Welt reisen würdest?“
„Doch schon, aber das meine ich doch gar nicht.“

„Grade hast du gesagt, dass man da ‚nur‘ seinen Mitsegler sieht.“
„Nein, ich meine, dass man doch auch mal was anderes sehen will.“

„Also wäre ich dir als Begleitung zu wenig?“
„Nein, nein! Aber stell dir mal vor, wir wären hier im Zimmer eingesperrt, ein ganzes Jahr lang. Wir würden ja verrückt werden!“

„Ja, weil wir hier keinen Meerblick haben!“
„Mit Meerblick wäre das doch genauso. Du könntest nicht shoppen, nicht telefonieren…“

„Ach so, kein Telefon? Das wäre dann ja was anderes. Ich denke aber, dass die Radler schon ein Handy dabeihaben. Nur für den Fall, dass sie in der Wüste einen Rahmenbruch haben.“
„Und wen sollten sie dann anrufen, wenn sie grade in der Wüste Gobi stehen?“

„Na was weiß ich? Ein Fahrradfachgeschäft oder einen Klempner.“
„Einen Klempner?“

„Na ja, halt jemanden, der das wieder zusammenflicken kann. Das kann ein Klempner doch auch.“
„Und wie soll man ihm das Problem dann schildern?“

„Na mit dem Handy. Ich hab doch grade gesagt, dass die sicher…“
„Schon mit dem Handy. Aber in welcher Sprache? Und woher die Nummer nehmen?

„Na da muss man sich natürlich vorher drum kümmern, das kann man ja alles einspeichern. Oder man hat eben ein internetfähiges Handy.“
„Gut, und wenn der Akku leer ist?“

„Dann nimmt man eben den Ersatzakku.“
„Der ist auch irgendwann leer. Und du kannst in deinem Gepäck ja nicht nur Akkus mitnehmen.“

„Bestimmt gibt’s Ladegeräte, die mit Solarstrom funktionieren.“
„Ach… Kannst du dir denn gar nicht vorstellen, dass man da auch in ausweglose Situationen geraten kann?“

„Nein, sag ich ja, da kann man ja jemanden anrufen, der hilft.“
„Also ich würde sowas nicht machen. Erst recht nicht so blauäugig. Was da alles passieren kann!“

„Also interessant finde ich das schon. Aber ich würde sowas auch nicht machen.“
„Und wieso nicht, wenn du für alle Probleme eine Lösung hast?“

„Das ist doch kein Urlaub, wenn man sich ständig bewegen muss! Außerdem ist mein Fahrrad platt und einen Segelschein hab ich auch nicht.“

Kopfschüttel…

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Frauen-Fußball-WM

Am Wochenende hatte mich meine Liebste überrascht. Sie wollte Fußball gucken. Freiwillig! Gut, es war Frauenfußball, aber immerhin. Und sie wollte es sogar mit mir zusammen schauen:

„Schaust du mit mir Fußball an?“
„Wie bitte?“

„Ob du mit mir Fußball anschaust.“
„Äh… ja. Seit wann interessierst du dich für Fußball? Wer spielt denn überhaupt?“

„Na hör mal! Es ist Fußball-WM der Frauen!“
„Ja, das weiß ich auch. Ich meine, wer gegen wen spielt.

„Deutschland gegen Kanada.“
„Da guck ich natürlich gerne mit. Ist ja bestimmt auch was für’s Auge.“

„Wie meinst du das?“
„Äh… also… Du weißt ja, der Frauensport ist nicht so… äh… athletisch. Also eher technisch. Das sind sicherlich interessante Spiele, weil da die Bälle ganz anders laufen.“

„Ist das Männersprech, wenn du sagst ‚die Bälle laufen‘?“
„Wie bitte? Nein!“

„Und was soll denn da für’s Auge sein, außer den Spielerinnen?“
„Na die Technik. Kaum gelbe und rote Karten, das ist doch interessant.“

„Du schaust also nicht nur, weil du die Mädels knackig findest? Und weil ihre ‚Bälle‘ so hüpfen?“
„Also hör mal! Ich werde doch Frauenfußball schauen können, ohne dass mir hier irgendwas unterstellt wird!“

„Ich frag ja nur.“
„Wenn du Männerfußball anschauen würdest, würde ich dir ja auch nicht unterstellen, dass du 90 Minuten lang zuschaust, nur weil die Kerls so athletisch sind.“

„Und welche Spielerin gefällt dir am besten?“
„Halt, Schatz. Das ist eine Fangfrage.“

„Ich meine fußballerisch.“
„Da kenn ich mich zu wenig aus.“

„Ich dachte, du kennst dich im Fußball aus?“
„Ja schon, aber nicht im Frauenfußball.“

„Und so vom ersten Eindruck her?“
„Also diese Babett Peter hat schon was…“

„Wie? Was hat die?“
„Technisch. Sie ist technisch sehr beschlagen.“

„Ach. Und das siehst du schon mit einem ersten Eindruck?“
„Also nein. Ich meine ja. Natürlich sehe ich das.“

„Du bist ja schon ganz verwirrt. Vielleicht ist es besser, wenn ich alleine weitergucke?“
„Nein, das ist doch hübsch.“

„Was?“
„Das Fußballspiel, mein ich.“

„Ein Fußballspiel ist hübsch?“
„Ähh… ja.“

„Das sagt man doch nicht so.“
„Jetzt nimm mich doch nicht andauernd ins Kreuzverhör und genieße lieber die schönen…“

„Die schönen was?“
„…die schönen Spielzüge.“

„Grade nochmal die Kurve gekriegt!“
„Jetzt ist’s aber mal gut! Erst fragst du mich, ob ich Fußball mitgucke, und dann versuchst du die ganze Zeit, mir sonstwas zu unterstellen! Da kann ich ja gleich die Reportage im Radio hören!“

„Ist ja schon gut, Schatz. Ich wollte dich nur ein bisschen ärgern.“
„Aha. Dann mach bitte in der Halbzeitpause weiter.“

„Ich weiß nicht, ob ich mir das noch so lange anschaue.“
„Wieso denn? Ist doch ein gutes Spiel?“

„Ja, aber weißt du… Wenn da richtige Männer spielen, finde ich das irgendwie besser. Also rein vom optischen Aufbau her. Also vom Spielaufbau, mein ich…“

Kopfschüttel…

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Abwarten und…

Ich trinke so ziemlich alles, was mir in die Quere kommt, manche Sachen natürlich lieber als andere. Tee trinke ich zum Beispiel nur, wenn’s nötig ist oder wenn’s nichts anderes gibt. Ich war deswegen etwas erstaunt, als die Liebste vom Shopping heimkam und mir stolz ein Tütchen Tee präsentierte:

„Schau mal, hab ich dir mitgebracht.“
„Äh, Tee. Danke.“

„Nicht irgendein Tee: Glückstee.“
„Glückstee.“

„Ja, hier steht: Glück braucht man immer. Diese ausgewogene Kräuterteemischung versorgt uns mit einem kleinen Stück vom Glück und macht uns darauf aufmerksam, dass manche Kleinigkeiten nicht selbstverständlich sind. Der Glückstee ist eine kraftvolle Mischung, ein beliebter Frühstückstee und ein köstliches Geschenk für mehr oder weniger Glückliche.“
„Aber Schatz, ich trink doch morgens immer Kaffee. Ich trink doch gar keinen Tee.“

„Ja, aber du bist doch in letzter Zeit immer so gestresst. Öfter mal eine Tasse Tee würde dir sicher gut tun.“
„Öfter mal ein Bier auch.“

„Quatsch. Den Tee kannst du ja auch auf Arbeit trinken, und das wäre mit Bier ja ganz schlecht.“
„Ja, aber ich trink auf Arbeit schon Kaffee und Wasser. Und Mittags manchmal Saftschorle.“

„Ja, aber Tee hast du doch auch schon getrunken.“
„Klar: Erkältungstee oder Kamillentee bei verdorbenem Magen.“

„Aber wir haben doch so viele tolle Tees hier!“
„Ja Schatz, aber ich mach mir nicht soviel aus Tee.“

„Aber guck mal: Glückstee, Entspannungstee, Faulenzertee von Janosch, Alles Liebe-Tee und Adventstee. Hier ist noch Harmonietee und Rooibos-Orange und normaler Pfefferminz-, Hagebutte-, Kamille- und Schwarztee. Da wird doch einer für dich dabei sein!“
„So viele Sorten! Wo kommen die denn alle her?“

„Na, die sind schon ewig hier im Teeschubfach und in den beiden Dosen.“
„Ja, aber wo kommen sie her?“

„Na, den Adventstee hat Susi mir mal geschenkt, den Harmonietee hab ich damals im Urlaub gekauft und den Entspannungstee hab ich… Ich weiß nicht mehr woher.“
„Aber trinkst du den denn auch?“

„Ja, manchmal.“
„Aber dann trink die Tees doch mal leer, bevor du neuen kaufst!“

„Naja, für Adventstee ist ja jetzt echt nicht die richtige Zeit!“
„Stimmt, aber die anderen Tees kannst du ruhig trinken.“

„Der Rooibostee schmeckt mir nicht.“
„Wieso wirfst du ihn dann nicht weg?“

„Der ist ja schon noch gut, nur mir schmeckt er halt nicht, vielleicht magst du ihn? Soll ich dir schnell eine Tasse machen?“
„Nee, ich mag den auch nicht. Aber warum kaufst du ständig neuen Tee, wenn das ganze Fach voll ist?“

„Naja, voll ist das Fach ja nun nicht. Und es sind ja immer andere Tees.“
„Ja, aber Tee bleibt Tee.“

„Quatsch. Glückstee ist was ganz anderes als Faulenzertee oder Alles Liebe-Tee.“
„Aber dann sortier halt mal durch, was du trinkst, hebst du auf und die anderen Sorten sortierst du aus.“

„Ja, das mach ich. Die kannst du dann auf Arbeit trinken!“

Kopfschüttel…

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Entspannung

Nach einer Woche mit viel Arbeit und viel Ärger auf Arbeit kam ich am Freitag ziemlich geschafft heim und wollte nur noch auf mein Sofa. Doch die Liebste hatte andere Pläne:

„Hallo Schatz, prima, dass du da bist!“
„Ja. Bin ich froh, dass Wochenende ist.“

„Oh ja! Es ist so viel los an diesem Wochenende!“
„So. Was denn?“

„Naja, wir könnten heute abend den neuen Film ‚Eine Insel namens Udo‘ ansehen, der soll total lustig sein. Susi war schon drin.“
„Ja, äh…“

„Prima. Dann ziehe ich mich um, dann können wir vorher noch irgendwo eine Kleinigeit essen!“
„Halt, nicht so schnell. Ich will heute abend gar nicht ausgehen. Wir könnten doch auch mal daheim bleiben. Du kochst was Leckeres, wir gucken gemütlich Fernsehen und bleiben auf unserem kuscheligen Sofa liegen und wenn du noch ganz viel Energie übrig hast, kannst du mir Rücken und Schultern massieren. Das wäre doch was!“

„Och, nö. Daheim bleiben ist doch langweilig. Schatz, es ist WOCHENENDE!“
„Eben, es ist Wochenende. Das heißt wir erholen und entspannen uns.“

„Dann könnten wir ja morgen endlich mal frühs zum Trödelmarkt, da wollten wir doch schon lange mal hin.“
„Ja, schon. Aber wie früh ist bei dir denn früh?“

„Naja, früh halt. Nicht vorm Aufstehen, aber Mittags brauchen wir da auch nicht mehr hin, dann sind alle Schnäppchen weg.“
„Quatsch, Schnäppchen. Du kaufst dann nur irgendeinen nutzlosen Kram, der dann hier vor sich hinstaubt.“

„Ha, wer hat dir mal die eine spezielle CD da mitgebracht? Von diesem … hab den Namen vergessen. Ist ja auch egal, die war auf jeden Fall vom Flohmarkt!“
„Okay, manchmal kaufst du auch was Sinnvolles.“

„Prima, dann gehen wir also morgen früh dahin.“
„Ach, Schatz. Ich will ausschlafen, nichts tun, vielleicht mal bis zum See fahren und mich dort hinlegen. Heimkommen und mich vom Nichtstun ausruhen.“

„Oh, wie langweilig.“
„Nein, nicht langweilig, erholsam.“

„Wir könnten ja auch heute ausruhen und morgen wegfahren, dann hättest du heute deine Erholung und ich morgen meine Abwechslung.“
„Ja. Wo willst du denn hin?“

„Wir könnten mal ans Meer fahren.“
„Ach was, wenn ich den See seh, brauch ich kein Meer mehr.“

„Ach, hör auf mit dem Quatsch, es wird dir auch guttun, mal rauszukommen und was anderes zu sehen.“
„Naja, wenn du unbedingt willst, dann fahren wir halt morgen mal ans Meer.“

„Oh, du bist ein Schatz! Ich freu mich.“
„Prima, dann hab ich heute abend meine Ruhe, kann morgen ausschlafen und dann geht’s los ans Meer. Was willst du denn am Meer?“

„Na an den Strand legen und entspannen.“

Kopfschüttel…

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