Bullshit-Bingo

Völlig genervt und grummelig kam ich von der Arbeit heim. Die Liebste hatte schon den Tisch gedeckt, frische selbstgemachte Pizza im Ofen und schaffte es auch, mich wieder zum Schmunzeln zu bringen:

„Hallo, mein Schatz. Essen ist gleich fertig.“
„Ach, prima. Das riecht nach Pizza! Mmh, lecker…“

„Ja, ich hab doch noch ein paar Überstunden und heute war‘s ruhig und ich dachte, ich bummle mal ein paar ab und geh einkaufen und koche dir was Schönes. Und das Bad hab ich auch geputzt.“
„Fleißig. Oh, die Pizza sieht aber lecker aus!“

„Ja, und wie war dein Tag? Müde siehst du aus.“
„Nervig war mein Tag und ich bin müde.“

„Wieso? Was war denn los?“
„Es gibt ein neues Konzept in der Firma.“

„Aha. War das alte nicht mehr gut?“
„Doch, aber ein neues verbraucht Ressourcen, die sonst zuviel vorhanden wären.“

„Wie? Ich versteh gar nix. Es hieß bei euch doch immer ‚Ressourcen schonen‘ und so weiter.“
„Schatz, das war ein Witz. Es nervt eigentlich nur, wozu es gut ist, weiß kein Mensch.“

„Aber irgendwer hat es doch eingeführt? Wer ist denn verantwortlich dafür?“
„Es gibt da so eine Beratungsfirma, die verkauft solche Schnapsideen an Firmen und macht sich dann aus dem Staub und bemüht sich, nie wieder einem Mitarbeiter dieser Firma über den Weg zu laufen.“

„Ach je. So schlimm?“
„Schlimmer. Ich hab gar keine Lust mehr hinzugehen. Morgen ist dann die Kick-Off-Veranstaltung und dann geht der Quark erst richtig los. Ich hab schon mit meinem Kollegen eine Vorlage für‘s Bullshit-Bingo entworfen.“

„Was ist denn Bullshit-Bingo?“
„Kennst du nicht? Das ist das einzige, was dich in solchen Veranstaltungen wach halten kann! Wir haben eine Liste entworfen mit den klassischen Phrasen, die in solchen Veranstaltungen gedroschen werden, und wenn das Wort oder die Phrase gefallen ist, kann sie abgehakt werden und wer zuerst alle Begriffe abgehakt hat, steht auf und ruft laut ‚Bullshit‘ und hat gewonnen.“

„Was sagt denn die Chefetage dazu?“
„Die spielt nicht mit. Sag mal, was riecht hier denn?“

„Oh, Bullshit, die Pizza! Naja, geht noch, nur am Rand ein bisschen   knuspriger als sonst.“
„Mhhh… die sieht trotzdem total lecker aus.“

„Ja, sie schmeckt auch bestimmt noch. Was habt ihr denn für Worte gesammelt?“
„Och, auswendig weiß ich die jetzt nicht mehr alle, aber Claim, Wertschöpfungskette, Umstrukturierung, Arbeitsverdichtung, Qualitätsmanagement, ergebnisorientiert, zeitnah, Marketing und so was war dabei.“

„Das klingt wirklich sterbenslangweilig.“
„Sag ich doch. Und der Ärger geht ja dann erst richtig los. Umsetzung und so.“

„Tja, da kannst du aber wenig machen, wenn‘s von oben kommt.“
„Ja, leider.“

„Was gibt’s denn zu gewinnen?“
„Wo zu gewinnen?“

„Beim Bullshit-Bingo.“
„Nichts. Schatz, das war nur ein Spaß. Das spielen wir nur ganz leise und jeder für sich.“

„Ach, schade. Die Idee klingt gut.“
„Naja, schon. Aber ich würde sowieso gewinnen, meine Kollegen lassen sich immer zu schnell ablenken.“

„Oh, wenn du gewinnst gibt es auch einen Preis!“
„Ach, was denn?“

„Einen Abend mit mir!“

Kopfschüttel…

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Hauptsache kein Öl

Am Wochenende waren wir einige Zeit draußen unterwegs, und da hatte ich mir eine Zecke eingefangen. Das Biest saß zwischen Schulter und Achsel und sollte natürlich schnell das Zeitliche segnen. Meine Liebste leitete die Operation mit folgenden Worten ein:

„Was für ein widerliches Biest!“
„Ja. Aber sie hat sich noch nicht richtig festgebissen, oder? Ich seh das aus dem Augenwinkel so schlecht.“

„Nein, ich glaube, sie beginnt ihr übles Werk gerade. Ich such mal die Zeckenkarte.“
„Ja, man darf die Viecher ja nicht mit Öl umbringen.“

„Nein, keinesfalls! Ich hab das mal gelesen, die scheiden dann ihre ganzen Viren und Bakterien und was weiß ich noch aus, und dann hast du den Salat. Ich mach das mit der Zeckenkarte, wenn ich sie finde. Natürlich kein Öl, bist du verrückt!“
„Sag ich doch, kein Öl. Beruhig dich doch wieder, das Vieh sitzt ja außerdem bei mir.“

„Ja,bloß kein Öl.“
„Hab ich doch grade…“

„Nur, um sicherzugehen. Das kann man nicht oft genug erwähnen. Falls ich mal nicht da bin und du hast sowas, dann mach bloß kein Öl drauf.“
„Sag mal, Schatz, hast du einen Hörsturz? Ich sagte doch: Kein Öl!“

„Mein Reden! Bloß kein Öl drauf, das sag ich doch schon die ganze Zeit!“
„Moment. ICH hab das zuerst gesagt.“

„DU hast irgendwie die Idee ins Spiel gebracht, dass man Zecken auch mit Öl umbringen könnte. Das darf man aber keinesfalls!“
„Ja, das weiß ich mittlerweile. Also eigentlich wusste ich es ja schon vorher. Aber ich habe es zuerst gesagt!“

„Ich habe gesagt, dass ich das Viech mit der Zeckenkarte rausmache, wenn ich sie finde.“
„Ja, das ist ja in Ordnung.“

„Hauptsache nicht mit Öl!“
„Schatz, kannst du jetzt das mit dem Öl mal lassen und…“

„Ich will doch gar kein Öl nehmen! Grade hab ich doch gesagt, dass ich die Zeckenkarte nehmen werde! Hörst du mir denn überhaupt zu? Irgendwo muss das Ding doch rumfahren…“
„Ich hab dir doch gar nicht unterstellen wollen, dass du Öl nehmen wolltest. Es ist nur…“

„Natürlich! Du hast gesagt, ich soll das mit dem Öl mal lassen!“
„Ja, aber das habe ich doch ganz anders…“

„Ich wollte überhaupt kein Öl nehmen!“
„Jaja, ich weiß. Ich meinte doch nur…“

„Du willst mich einfach nicht verstehen oder dein Hörvermögen hat unter dem Zeckenbiss gelitten. Hilf mir doch mal, die blöde Zeckenkarte zu suchen!“
„Ja, ich suche. Aber das mit dem Öl würde ich schon noch gerne klären!“

„ICH NEHME KEIN ÖL!“
„Ich weiß doch!“

„Wo ist dann das Problem?“
„Dass du mich falsch verstehst!“

„Moment. Ich verstehe dich falsch?“
„Ja. Pass auf…“

„ICH verstehe DICH falsch? Wegen dem Öl?“
„Jetzt wart doch mal… Hör mir doch mal zu! Ich will kein Öl, du willst kein Öl. Soweit richtig?“

„Ja.“
„Wo ist dann also dein Problem?“

„Ich hab kein Problem. Du hast ein Problem!“
„Ja, die Zecke. Sonst nichts.“

„Eben, und die mache ich jetzt mit der Zeckenkarte ab, wenn ich sie finde.“
„Ja, aber bald, sonst frisst sie mich auf!“

„Such halt mal besser!“
„Hier hätte ich immerhin eine Pinzette, die geht zur Not auch.“

„Gut, dann probier ich’s damit. Ich muss nur aufpassen, dass ich das ganze Vieh erwische.“
„Ja. Leg los.“

„Halt still, es ist nur eine Notlösung. Aber besser als Öl!“

Kopfschüttel…

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Kaffee am Morgen

Heute beim Frühstück war der Kaffee irgendwie… anders. Ich mecker ja ungern, wenn mir meine Liebste extra Kaffee macht, aber er hat einfach BÄÄHH geschmeckt. Sie reichte ihn mit mit den Worten:

„Hier Schatz, Kaffee ist fertig.“
„Mmh, danke!“

„Was schaust du so?“
„Der sieht anders aus.“

„Anders als was?“
„Na anders als er sonst ist.“

„Ich hab ihn so wie immer gemacht.“
„Aber trotzdem sieht er anders aus.“

„Ist ja egal. Hauptsache, er schmeckt. Neulich hab ich im Radio gehört, dass man in Bayern sagt ‚Schmecke muaß ‘s. ‘S muaß schmecke.‘ Gut, oder?“
„Bitte? Was soll das denn heißen?“

„Na sowas wie: Hauptsache es schmeckt.“
„Ich sag ja nicht, dass der Kaffee nicht schmeckt, er sieht halt nur komisch aus… so wässrig. Und was für seltsame Sender hörst du da eigentlich?“

„Ach, da hab ich einen anderen Sender gesucht und dann kam da irgendwo grad so ein Quatsch. Und dass dein Kaffee anders aussieht, finde ich nicht. Vielleicht liegt’s daran, dass noch keine Milch drin ist. Hier ist sie, probier ihn dann mal.“
(Ich probiere einen kleinen Schluck)„Uäähhh, der ist ja eklig. Als ob er zum zehnten Mal aufgebrüht worden wäre!“

„Hmm… ich hab dieselbe Sort wie immer genommen. Ich bin mir keiner Schuld bewusst!“
„Brrr… den kann man grade wegschütten. Widerlich!“

„Das tut mir leid, Schatz. Soll ich dir einen neuen kochen?“
„Nein, lass mal. Da wird mir die Zeit zu knapp, bin eh schon ein bisschen spät dran.“

„Lass mich auch mal probieren.“
„Hier,bitte.“

„Bäh, der ist wirklich schlecht!“
„Sag ich doch.“

„Das würde mich jetzt aber schon interessieren, an was das liegt. Ich mach doch nochmal einen.“
„Ich hab aber keine Zeit mehr, ich muss los!“

„Ja, es geht ja nur darum, dass ich rausfinde, an was das liegt.“
„Und was machst du dann mit dem Kaffee? Steigst du jetzt extra deswegen von Tee auf Kaffee um?“

„Nein, ich kann ihn ja kalt werden lassen und heute nachmittag Eiskaffee draus machen.“
„Ja, das wär eine Idee.“

„Also, dann wollen wir mal sehen… Oha.“
„Was ist?“

„Also… es ist wohl ein technisches Problem. Sozusagen.“
„Kann nicht sein. Wenn Kaffee durchläuft, funktioniert die Maschine.“

„Also ein technisches Problem im weiteren Sinne. Der Kaffeefilter ist umgeknickt gewesen und das Wasser ist dran vorbeigelaufen.“
„Aha. Klassischer Bedienfehler.“

„Wie meinst du denn das?“
„Na ja, du hättest den Filter sorgfältiger reinsetzen müssen.“

„Und was heißt da ‚klassischer Bedienfehler‘? Was soll daran ‚klassisch‘ sein? Frau und Maschine, oder? Sowas passiert auch Männern.“
„Das kann ich mir nicht vorstellen. An der großen Kaffeemaschine bei uns im Büro passiert das ganz selten, und wenn, dann hatte eine Kollegin ihre Finger dran.“

„So ein Quatsch. Es ist doch keine besondere Herausforderung, so einen Filter richtig einzusetzen, egal ob für Mann oder Frau.“
„Na ja, anscheinend schon…“

„Ich kann dir sagen, warum das überwiegend bei Frauen passiert: Bestimmt sind sie es, die in eurer Firma dauernd Kaffee kochen! Wenn die Männer keinen Kaffee kochen, kann ja bei denen auch kein Filter umknicken.“
„Soll ich mir meinen Kaffee morgens in Zukunft immer selbst kochen?“

„Nein, ich mach das gerne für dich. Bei so einer Maschine mit Kaffeepads passiert das allerdings nicht…“

Kopfschüttel…

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Fleur de Sel

Manchmal übernehme ich die Wochenendeinkäufe und die Liebste schreibt mir dann, ganz altmodisch, einen Einkaufszettel – so auch dieses Wochenende:

„Schau, hier ist der Zettel, das bräuchte ich alles. Ach, schreib noch Geschirrspültabs auf, die sind auch bald leer.“
„Okay, bring ich mit.“

„Und Getränke auch.“
„Ja, hab schon das Leergut eingepackt. Aber Schatz, was willst du denn mit Zucchiniblüten?“

„Füllen und backen.“
„Wie? Füllen und backen? Hab ich ja noch nie gesehen. Und was ist denn ‚Fleur de Sel‘? Blumen oder was?“

„Nee, brauche ich alles fürs morgige Mittagessen.“
„Wo gibt’s denn sowas? Wie sieht das denn überhaupt aus?“

„Naja, im Supermarkt wird’s das geben. Schau halt, steht bestimmt ein Schild dran.“
„Wo soll ich denn suchen? Beim Gemüse, bei der Milch, bei den Fertigsachen?“

„Weiß ich nicht. Aber ich brauch es, steht so im Rezept.“
„Wo hast du denn das Rezept her?“

„Na, aus so einem Heft. Ich dachte, ich probier mal was Neues aus, ich kann dir natürlich auch immerzu das Gleiche kochen.“
„Na, jetzt sei nicht beleidigt, ich freu mich ja, wenn du was Leckeres kochst. Nur: Wie und wo soll ich die Zutaten einkaufen, wenn ich nicht weiß, was es ist, wie es aussieht und wo es in etwa im Supermarkt steht?“

„Naja, Zucchiniblüten sind sicher beim Gemüse. Oder du fragst mal. Oder du gehst gleich auf dem Markt vorbei, die sehen so gelb und länglich aus.“
„Hhmmm. Ja, ich schau mal. Aber wozu braucht man ‚Fleur de Sel‘?“

„Zum Würzen. Steht da im Rezept.“
„Was ist das denn?“

„Ich glaube, so ein spezielles Salz.“
„Ach, dann nimm doch normales Salz. Ich kauf doch nicht für ein einziges Rezept so ein Spezialzeugs.“

„Naja, dann wird’s aber nicht so gut, weil im Rezept steht ‚Fleur de Sel‘.“
„Ach, wir sind ja auch keine Gourmets, das ist doch egal.“

„Also ist dir egal, wie ich koche, du isst alles, oder wie?“
„Nein, so war das doch nicht gemeint, nur werde ich den Unterschied zwischen verschiedenen Salzarten nicht bemerken.“

„Dann nehm ich eben normales Salz und streiche das vom Einkaufszettel.“
„Also: Zucchiniblüten, Vanilleschoten, Fleur de Sel… Zeig mal das Rezept her.“

„Hier, das gibt’s morgen Mittag und das hier probier ich als Nachtisch aus. Sieht superlecker aus.“
„Stimmt. Aber Schatz, bei deinem Nachtisch steht: Die Zuckerkruste mit einem Bunsenbrenner karamellisieren.“

„Ja, und?“
„Wir haben keinen Bunsenbrenner.“

„Na, dann nehm ich halt ein Feuerzeug.“
„Das wird nichts. Du verbrennst dir die Finger, wenn du das Feuerzeug so kippst, dass du den Zucker karamellisieren kannst.“

„Dann stell ich das ganze Zeug halt kurz in den Herd.“
„Dann wird’s nicht richtig braun und karamellig.“

„Na, dann bringst du halt noch einen Bunsenbrenner mit, gehst doch jetzt eh einkaufen.“

Kopfschüttel…

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