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Baguette, fromage, finito!

30. September 2010, aus der Schublade Freizeit und Reisen

Meine Liebste und ich machen einen Kurzurlaub in Annecy, einer kleinen schönen Stadt im Südosten Frankreichs nahe den Alpen.
Nachdem wir unser Hotel direkt am wundervollen See von Annecy bezogen haben, machen wir erst einmal einen ausgedehnten Spaziergang bei schönstem Sonnenwetter.

“Du Schatz, das ist richtig schön hier!”
“Ja, Süße. Deswegen sind wir ja auch hier.”

“Ich war eben noch nicht so oft in Frankreich.”
“Du magst ja auch kein Baguette, also warum auch…”

“Ja wohl mag ich Baguette!”
“Ja, aber nur mit Kräuterbutter, das ist was anderes.”

“Essen die hier nur Baguette?”
“Und Madeleines zum Frühstück.”

“Madeleines?? Was ist das denn??”
“Das sind, naja, so kleine Kuchen eigentlich.”

“Kuchen zum Frühstück??”
“Und Baguette, nicht zu vergessen.”

“Schon komisch… Und die Sprache erst…”
“Wieso? Was ist damit?”

“Sprichst du eigentlich gut Französisch, Schatz?”
“Ähm… Naja, ich hatte damals in der Schule, also…”

“Sag mal was, ja?”
“Och nee.”

“Och bitte!”
“Was soll ich denn sagen??”

“Was heißt denn zum Beispiel Liebste auf Französisch?”
“Mon chéri.”

“Nein, jetzt mal in echt!”
“Mon chéri, das heißt Liebste auf Französisch!”

“Echt??”
“Oui.”

“Du sprichst ja doch Französisch!”
“Quatsch. Nur so das Nötigste eben…”

“Was heißt denn Fahrrad?”
“La bicyclette.”

“Und was heißt Hund?”
“Le chien.”

“Und was heißt kleiner Hund?”
“Liebste, du fängst doch nicht schon wieder damit an!?”

“Nein, nein, ich will nur wissen, wie das heißt!”
“Le petit chien.”

“Wie süüüß!”
“Ja…”

“Schon toll, die französische Sprache, oder nicht?”
“Ja, aber schwer, finde ich.”

“Kannst du auch ganze Sätze sagen?”
“Nein.”

“Och bitte! Ich will das mal hören!”
“Dann mach im Hotel den Fernseher an.”

“Nein, von dir!”
“Was soll ich denn sagen…”

“Sag: Ich möchte Pizza essen.”
“Je veux manger de la pizza.”

“Mit Salami!”
“…avec salami.”

“Salami und Pizza sind ja doof…”
“Was? Wieso?”

“Naja das heißt ja wie bei uns auch!”
“Tja… Weil das vielleicht italienische Worte sind??”

“Na schön, dann sag was typisches Französisches.”
“Ähm… Keine Ahnung??”

“Sag: Hier ist es wunderschön und toll.”
“Ici, il est très magnifique et… ähm… Et formidable.”

“Formi was??”
“Formidable. Glaube ich…”

“Klingt eher nach Weichkäse…”
“Du bist auch so ein Weichkäse!”

“Was heißt denn Weichkäse auf Französisch?”
“Camembert wahrscheinlich…”

“So ein Blödsinn!”
“Vous avez seulement de fromage dans votre tête.”

“Was heiß denn das?? Irgendwas mit Käse??”
“Ja. Sehr viel Käse…”

“Du sprichst ja super Französisch!”
“Wohl kaum, das waren ja alles ganz einfache Sachen.”

“OK, dann sag…”
“…können wir das jetzt bitte lassen, ja?”

“Wieso, ich finde das toll, dass du das kannst!”
“Ich kann es ja gar nicht…”

“…ich wäre hier total aufgeschmissen ohne dich!”
“Die sprechen hier auch alle Englisch, keine Sorge…”

“Gut, aber ein letzter Satz noch, ja?”
“Muss das sein?”

“Ich will nur testen, ob du wirklich die Grundlagen kannst.”
“Na schön, also einen noch, aber dann ist Schluss!”

“Jajaja, also, ähm…”
“Was ist denn?”

“Ich muss überlegen…”
“Il me faut penser à quelque chose.”

“Was??”
“Sollte ich doch sagen??”

“Was solltest du sagen??”
“Il me faut penser à quelque chose!”

“Was heißt denn das??”
“Ich muss über etwas nachdenken! Hoffe ich zumindest…”

“Das solltest du NICHT sagen!”
“Du hast es aber gesagt!”

“Aber das solltest du nicht übersetzen!”
“Habe ich aber, und deshalb ist jetzt Schluss!”

“Das habe ich aber nur so für mich gesagt, nicht für dich!”
“Das ist egal.”

“Bitte, bitte, den einen noch, ja Schatz?”
“Aber dann ist Schluss! Finito!”

“Finito ist ja gar nicht Französisch…”
“Frag jetzt deinen Satz!”

“OK, dann sag: Meine Liebste ist die Allerbeste auf der ganzen Welt und wenn ich nicht so ein alter Sack wäre, dann würde ich sie jetzt auf Händen einmal rund um den See tragen und anschließend würde ich mit ihr noch in die Altstadt gehen und ihr fünf Paar neue Schuhe kaufen!”
“Ähm…”

“Na?”
“Kannst du das mit dem alten Sack noch einmal wiederholen, bitte!?”

“Meine Liebste ist die aller aller Allerbeste von der ganzen Welt und wenn ich nicht so ein Französisch-Angeber wäre, dann würde ich sie jetzt einmal rund um den See auf Händen tragen und dann noch mit ihr in die Altstadt gehen und ihr fünf Paar neue Schuhe kaufen! Und ein Eis, versteht sich!”
“Tja, tut mir wirklich sehr leid!!”

“Was tut dir sehr leid?”
“Das kann ich LEIDER nicht für dich übersetzen!”

“Wusste ich´s doch.”
“Was wusstest du!?”

“Dass du die wirklich wichtigen Sachen doch nicht drauf hast!”

Kopfschüttel…




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Ins Bett

27. September 2010, aus der Schublade Schlafen und Dösen

Meine Liebste und ich sitzen am Wochenende im Wohnzimmer und lesen. Die Liebste allerdings rutscht schon seit einer Viertelstunde irgendwie ungeduldig herum und schaut mich zwischendurch immer mal wieder an.
Was in ihrem Kopf wohl wieder vorgeht…

“Du, Schatz?”
“Ja, Süße?”

“Wir sollten mal ins Schlafzimmer rübergehen.”

“Aha, und wieso?”

“Weil, ähm… Weil da eine Birne in der Lampe kaputt ist.”
“Welche Lampe?”

“Ähm, die auf meinem Nachttisch.”

“Tatsächlich?? Ist mir gar nicht aufgefallen.”

“Die solltest du dir mal ansehen.”
“Mache ich später.”

“Und warum nicht jetzt?”
“Weil ich ja eh nichts machen kann, wir haben keine Ersatzlampe.”

“Ach so…”

“Ich kaufe morgen eine neue Birne.”

“Gut…”
“Fein.”

“-”
“-”

“Wir sollten aber trotzdem ins Schlafzimmer gehen.”
“Wieso?”

“Naja, mal ne Stunde ausruhen oder so?”

“Ich bin nicht müde.”

“Also ich schon.”
“Dann geh doch?”

“Kommst du nicht mit?”
“Nee. Ich kann jetzt nicht schlafen.”

“Hm…”
“Gute Nacht.”

“Aber ich wollte doch mit dir zusammen ins Schlafzimmer?”
“Wieso? Soll ich dir zugucken, wie du schläfst, oder was??”

“Nein…”
“Na also.”

“Aber du könntest doch trotzdem mitgehen?”

“Warum??”

“Vielleicht kannst du ja noch was anderes reparieren?”
“Im Schlafzimmer ist meines Wissens nichts anderes kaputt.”

“Also kommst du jetzt mit oder nicht!?”
“Warum soll ich denn unbedingt ins Schlafzimmer gehen??”

“Weil du doof bist, darum!”

“Ja, aha, das macht die Sache natürlich viel klarer…”

“Du bist müde und musst dich ins Bett legen! VERSTANDEN??”

“Ich bin doch aber gar nicht…”

“…sei einfach still jetzt und komm mit!”
“Aber…”

“Wie kann man nur so schwer von Begriff sein!”
“Ähm… Ach so, jetzt verstehe ich, glaube ich…”

“Na das hat aber gedauert!”
“Warum sagst du denn nicht einfach, dass du wuschig bist??”

“WUSCHIG?? ICH??”
“Na das meintest du doch, oder?”

“WUSCHIG??”
“Um nicht zu sagen…”

“Verkneif dir alle weiteren Kommentare!”
“Ich mag ja diese ganz besondere romantische Stimmung und…”

“Trottel!”
“…und wie dezent du mich umschmeichelst, fantastisch…”

“Weißt du was, bleib doch einfach da sitzen!”

“Ich dachte, wir wollten ins Schlafzimmer gehen?”

“Ich wollte ja, aber du ja nicht!”
“Jetzt will ich aber auch?”

“Vergiss es!”
“Aber…”

“Und soll ich dir noch was sagen??”

“Ähm, was denn?”

“Die Lampe ist gar nicht kaputt!”
“Was für ein Zufall…”

“Aber ich kann vorhersehen, dass sie gleich kaputt gehen wird!”

Kopfschüttel…




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