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Ein bisschen länger

1. November 2010, aus der Schublade Wohnen und Leben

Meine Liebste und ich trödeln am Sonntagmorgen in unserem Haus rum und jeder macht dies, das oder jenes.
Ich überlege, ob ich mir um halb zwölfmal wieder die Sendung mit der Maus ansehen sollte; das letzte Mal ist schon lange her und heute geht es um… Da klingelt das Telefon.

“Schatz, gehst du mal ran?”
“Es ist Jasmin, Süße.”

“Ah, dann ist das für mich, für mich! Gib!”
“Hier.”

“Du, ich glaube das dauert jetzt ein bisschen…”
“Von mir aus, kein Problem, mach nur.”

“Das ist doch OK für dich, oder?”
“Wir haben ja nichts vor, das ist OK.”

“Na schön, alles klar. Bis gleich!”

[Die Liebste nimmt Jasmins Anruf entgegen und noch während sich die beiden am Telefon begrüßen, fliegt auch schon die Küchentür hinter der Liebsten zu.

Die Liebste fängt meistens Telefonate in der Küche an, zumindest dann, wenn sie von mir nicht gestört oder belauscht werden will.
Dort läuft sie dann oft hin und her oder erledigt beim Telefonieren noch andere Sachen. So nach zirka einer halben Stunde wechselt sie dann meistens von der Küche ins Arbeitszimmer und rennt dort hin und her. Und dann vielleicht noch ins Gästezimmer und dann wieder in die Küche und so weiter.

Des Weiteren beginnt die Liebste solche Telefonate gewöhnlich mit sanfter Stimme, wird dann aber mit der Zeit immer lauter; vielleicht vergisst sie im Verlauf des Telefonates, dass jemand sie hören könnte, beziehungsweise dass noch irgendwer nebenan sitzt, der sich - neben der Sendung mit der Maus - auch noch Bruchstücke und Fetzen des Gespräches mit anhören muss.

Solche Telefonate zwischen der Liebsten und ihren Freundinnen scheinen stets das gesamte Repertoire an Stimmungen zu umfassen: Gelassenheit, Aufregung, Humor, Ernsthaftigkeit, Überraschungen, Entrüstungen, Beratschlagungen... Zumindest kann ich das aus den Wort- und Satzfetzen schließen, die immer mal wieder zu hören sind, auch wenn sich mir daraus der Zusammenhang nicht erschließt.

Meine - überaus interessante - Sendung mit der Maus liegt nun schon wieder mehr als eine Stunde zurück, als die Liebste schließlich während der letzten telefonischen Verabschiedungsrituale zurück ins Wohnzimmer kommt. Aber: auch wenn sich zwei Frauen am Telefon bereits verabschiedet haben, heißt das noch lange nicht, dass sie dann auch auflegen; irgendeine Kleinigkeit wurde dann anscheinend doch noch vergessen, wird erzählt und die Verabschiedung beginnt von vorn, und so weiter.

Die beiden haben nun also schon wieder mehr als eineinhalb Stunden hinter sich gebracht; da muss es ja eine Menge interessanter Neuigkeiten gegeben haben...]

“So, wir sind fertig, Schatz.”
“Ja, das sehe ich.”

“Hat wieder mal ein bisschen länger gedauert.”
“Aha. Und?”

“Was und?”
“Ihr hattet euch viel zu erzählen, was?”

“Ja.”
“Und??”

“Was denn und??”
“Naja, was gibt es Neues??”

“Nichts, wieso?”

Kopfschüttel…




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Zufrieden??

25. Oktober 2010, aus der Schublade Essen und Trinken

Meine Liebste und ich sitzen an unserem Esstisch: heute habe ich mal für die Liebste gekocht!
OK, ich könnte mit meinem Gericht nicht beim Promi-Dinner punkten, aber trotzdem sind meine Nudeln a la Chef durchaus als “interessant” zu bezeichnen…

“Das hast du toll gemacht, Schatz!”
“Danke, Liebste. Aber du solltest erst mal probieren.”

“Also riechen tut es schon mal super!”
“Naja, also… Ja. Riechen tut es ganz gut.”

“Wenn es auch so schmeckt, dann ist alles supi!”
“Dann guten Appetit.”

“Dir auch, Schatz!”

[Meine Liebste und ich beladen uns unsere Teller und probieren.
Es gibt eine Nudelpfanne mit Paprika, Peperoni, Hackbällchen und ein bisschen Tomatensoße; alles selbst gemacht.
Nach dem ersten Bissen bin ich selbst ganz zufrieden, aber irgendwie: schmeckt das ganze doch ein wenig nach Nichts... Mist, dabei habe ich doch immer wieder zwischendurch probiert!? Da fehlt was...
Mal sehen, was die Liebste gleich sagt.]

“Sehr lecker, sehr lecker!”

“Naja, ich weiß nicht…”

“Wieso, was ist denn?”
“Irgendwie schmeckt das langweilig, oder?”

“Nee, ich find´s super!”

“Aha, tatsächlich??”

“Ja, das hast du fein gemacht.”
“Hm… Also Salz fehlt doch aber auf jeden Fall, oder?”

“Nein, ich mag das so.”
“Echt? Und es ist kaum Soße drin…”

“Du kannst so toll kochen, solltest du viel öfter machen.”
“Quatsch, ich kann nur die normalen Sachen.”

“Hallo?? Also die Hackbällchen hier die sind, die sind…”
“…Scheiße?”

“Auf keinen Fall! Die sind spitze!”
“Sag mal, du würdest es doch sagen, wenn es dir nicht schmeckt?”

“Natürlich, wieso?”
“Keine Ahnung, ich meine, du bist doch sonst so wählerisch…”

“Was willst du denn jetzt von mir hören??”
“Naja, wie es dir schmeckt?”

“Es schmeckt mir, zufrieden??”
“Findest du nicht, dass da was fehlt??”

“Nein.”
“Da ist doch viel zu wenig Salz dran!”

“Genug Salz.”

“Und Tomatensoße ist auch viel zu wenig!?”

“Blödsinn, iss jetzt deine, deine, na, deine…”
“…das ist eine Nudelpfanne, Liebste…”

“Nudelpfanne, genau, iss jetzt deine Nudelpfanne.”
“Hm… Ich hätte wetten können, dass dir das nicht schmeckt…”

“Schön, und kannst du jetzt mal die Klappe halten??”
“Jaja, schon gut…”

“Kochst du nächstes Wochenende auch?”

“Tja… Warum nicht? Das hier war nicht so schwierig…”

“Ach, weißt du, ich koche dann einfach wieder, kein Problem.”

“Was willst du damit denn jetzt sagen, bitte??”

“Nichts, wieso??”

“Es schmeckt dir also doch nicht!”

“Habe ich doch gar nicht gesagt!?”
“Warum sagst du mir denn nicht, wenn es nicht schmeckt!?”

“Es schmeckt doch! Das hast du super hingekriegt!”
“Hm…”

“Wenn es nicht schmecken würde, das wäre echt schlecht.”
“Wieso wäre das schlecht?”

“Weil du dann den ganzen Tag schlechte Laune hättest.”
“Nur weil in der Küche mal was daneben geht??”

“Nein, wenn ich zu dir sagen würde, dass es nicht schmeckt.”
“Ähm…”

“Aber es schmeckt ja. Zum Glück.”
“Liebste, irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass…”

“…dass ich dir nicht die Wahrheit sage??”

“Genau!”

“Schatz, glaub mir: mit dem Essen ist alles in Ordnung.”
“Na schön, was soll´s, vielleicht mache ich mich nur verrückt…”

“Ich bin total beeindruckt von dieser, ähm, Nudelpfanne.”
“Schön, ich hole mir jetzt trotzdem noch Salz aus der Küche.”

“Da muss doch aber gar kein Salz mehr dran, das ist perfekt!”
“Schön, wenn es dir schmeckt, aber ich möchte noch Sa…”

“…du, wenn du jetzt in die Küche gehst:”

“Ja, was?”

“…kannst du dann den Ketchup mitbringen, bitte?”

Kopfschüttel…




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