Trotzdem. Jeden Tag. Mehrmals.

31. Januar 2007, aus der Schublade Wohnen und Leben

Trotzdem. Jeden Tag. Mehrmals. (photocase.de © hlarry)Meine Liebste und ich sitzen bei einem Glas Orangensaft im Vorraum des Bremer Schauspielhauses und warten auf den Beginn der Vorstellung. Es ist immer wieder spannend, sich andere Leute anzuschauen, die das gleiche vorhaben, wie man selbst.

“So richtig schick ist hier aber keiner…”
“Das stimmt Süße, aber es ist ja auch keine Oper.”

“Trotzdem kann man sich doch nett anziehen?”
“Ja. Aber du trägst ja auch kein Abendkleid.”

“Ich habe ja auch keins!”
“Bitte?? Du hast sogar zwei!”

“Ja, aber die sind hierfür nicht geeignet.”
“Und wieso nicht?”

“Die sind schon wieder zu schick.”
“Aha. Schon klar.”

“Nicole, die hat schöne Abendkleider.”
“Deine Freundin aus Köln?”

“Ja. Die geht oft mit Stefan abends weg.”
“Das klingt so, als würden wir nie was unternehmen!?”

“Naja…”
“Sind wir jetzt hier oder sind wir hier oder hier?”

“Ja.”
“Also.”

“Nicole hat sich voll mit Stefan in der Wolle.”
“So? Warum denn?”

“Ach, das ist kompliziert.”
“Danke, das hast du sehr ausführlich beschrieben.”

“Nicole hat ihn gestern den ganzen Tag nicht angerufen.”
“Das ist schlimm…”

“Und er sie auch nicht.”
“Wie schrecklich… Ich dachte, die beiden wohnen zusammen?”

“Ja, tun sie ja auch.”
“Na dann sehen sie sich doch abends, oder?”

“Klar.”
“Und warum ist das dann so schlimm?”

“Was?”
“Na dass die beiden tagsüber nicht telefoniert haben?”

“Na weil die das sonst immer tun!”
“Aber die müssen doch beide arbeiten, oder?”

“Na und? Die telefonieren trotzdem. Jeden Tag. Mehrmals.”
“Wie bitte??”

“Das ist doch wohl normal!”
“Aber die wohnen doch zusammen und sehen sich jeden Tag?”

“Also andere machen das auch.”
“Den ganzen Tag telefonieren??”

“Ja. Astrid und Frank, Anne und Michael, Tine und Olli…”
“Das kann doch nicht wahr sein!”

“Nur weil du mich nie anrufst, gilt das nicht für alle anderen!”
“Schatz! Ich muss tagsüber echt arbeiten!”

“Du telefonierst doch auch ständig mit deinen Kunden.”
“Ja, und das ist sehr zeitaufwendig.”

“Warum rufst du mich nicht mal an?”
“Weil ich tagsüber nun wirklich keine Zeit dafür habe.”

“Das glaube ich nicht.”
“Das fangen wir gar nicht erst an!”

“Ich würde mich freuen, eine SMS täte es auch.”
“Schatz! Wir machen doch schon sonst alles gemeinsam!”

“Na und?”
“Ich glaube nicht, dass Olli, Frank und Stefan…”

“Jetzt weich nicht vom Thema ab!”
“…dass die freiwillig bei ihren Freundinnen anrufen.”

“Das ist gar nicht… Oder meinst du wirklich?”
“Ich vermute es.”

“Wie kommst du denn darauf?”
“Weil Männer auf der Arbeit ihre Ruhe haben wollen.”

“Du auch?”
“Ja, ich auch.”

“Vor mir?”
“Naja, ich meine, nicht so, also… Ja.”

“Heißt das, ich gehe dir auf die Nerven?”
“Nein, so habe ich das nicht gemeint…”

“Ich dachte, du bist gerne mit mir zusammen.”
“Das bin ich ja auch, aber tagsüber muss ich eben…”

“Wenn man jemanden lieb hat, ruft man ihn gerne mal an!”
“Ich habe dich lieb, Schatz.”

“Aber nicht tagsüber.”
“Doch, dann auch.”

“Aber du willst nicht mit mir sprechen.”
“Doch, aber ich KANN mit dir dann nicht sprechen!”

“Du findest doch sonst immer für alles eine Lösung!”
“Wie bitte?”

“Sagst du jedenfalls immer.”
“Na gut, dann habe ich dafür jetzt auch eine Lösung.”

“Ach ja? Du rufst mich morgen an?”
“Nein.”

“Sondern??”
“Ich verspreche dir hier und jetzt und hoch und heilig, dass…”

“…dass du mich anrufst?”
“Nein, dass ich dich ganz doll lieb habe, auch wenn wir mal für ein paar Stunden
nicht miteinander reden.”

“Dann verspreche ich dir jetzt auch was.”
“Und was?”

“Dass du gleich in der Vorstellung 2 Stunden Ruhe vor mir hast!”

Kopfschüttel…

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Das ist biologisch so

27. Januar 2007, aus der Schublade Auto und Parken

Das ist biologisch soMeine Liebste und ich sitzen am Abend gemütlich tratschend im Bierhaus. Der Name des kleinen Lokals trügt: stilvolle Atmosphäre, nette Leute und zahlreiche Leckereien machen das Bierhaus zu einem Ort, an dem man sich richtig wohl fühlt.

“Du?”
“Ja Süße?”

“Kannst du schielen?”
“Was?”

“Na ob du schielen kannst! Mit den Augen!”
“Ja. Kann ich. Kann doch jeder.”

“Mach doch mal.”
“Schatz! Ich will hier jetzt keine Fratzen machen.”

“Warum nicht?”
“Weil ich hier auch später gerne noch einmal hingehen möchte.”

“Man wird doch wohl schielen dürfen.”
“Man darf, aber man soll nicht.”

“Wer sagt das, dass man hier nicht schielen darf?”
“Was soll denn das überhaupt werden??”

“Also kannst du nun schielen oder nicht!?”
“Ja! Hier!”

[Ich schiele, was das Zeug hält. Einmal, zweimal, dreimal.]

“Das finde ich toll.”
“Toll? Ich hätte eher getippt, dass du das albern findest.”

“Ich würde auch gerne schielen können.”
“Was? Wieso? Kannst du etwa nicht schielen??”

“Nein, konnte ich noch nie.”
“Das ist doch ganz leicht! Einfach auf die Nase schauen und fertig!”

“Auf die Nase schauen geht, aber dann irgendwie nicht mehr.”
“Es gibt Schlimmeres, Schatz.”

“Ich kann auch mein rechtes Auge nicht zu machen.”
“Wie bitte??”

“Also nicht einzeln.”
“Ähm…”

“Deswegen kann ich auch nie so richtig einen Sehtest machen.”
“Aha! Daher weht der Wind. Verstehe.”

“Was verstehst du??”
“Na ich weiß doch, dass du eigentlich eine Brille brauchst.”

“Brauche ich gar nicht!”
“So? Was steht da hinten an der Wand auf der Tafel?”

“Das Gericht des Tages.”
“Ach was! Und was genau?”

“Hm… Spaghetti mit Medaillons. Ha!”
“Sehr gut Schatz. Und das macht dich nicht stutzig?”

“Was?”
“Naja, Nudeln und Medaillons??”

“Wieso? Die haben doch immer so ausgefallene Sachen hier.”
“Schatz!”

“Was denn??”
“Da steht SPAGHETTI CON MELANZANE!”

“Oh…”
“Du brauchst eine Brille!”

“Frauen sehen im Dunkeln immer schlechter als Männer!”
“So? Das ist mir aber ganz neu!”

“Doch, das ist biologisch so.”
“Biologisch?? Das ist nur eine Ausrede, sonst nichts!”

“Das gleichen wir mit unseren besseren Instinkten aus.”
“Moment mal, du meinst also… Ja was eigentlich?”

“Frauen sehen nachts etwas schlechter, aber ahnen dafür mehr.”
“Als wer jetzt? Als Männer??”

“Natürlich! Frauen fahren ja auch nachts nicht so gerne Auto.”
“Nicht? Weil sie dann nichts sehen, oder was??”

“Genau.”
“Ach und da hilft euch euer grandioser Instinkt dann nicht??”

“Doch, weil wir grundsätzlich viel vorausschauender fahren.”
“Aber du hast doch eben gesagt, dass Frauen nicht…”

“Wir ziehen eben instinktiv die Sicherheit vor und lassen es.”
“Das Autofahren im Dunkeln??”

“Ja.”
“Aber Schatz, das…”

“Ich ahne bereits, was du jetzt sagen willst.”
“Ach!? Na da bin ich jetzt aber mal gespannt!”

“Du denkst, dass das totaler Blödsinn ist.”
“Stimmt! DAS ist richtig!”

“Du vergisst dabei nur einen wichtigen Punkt.”
“Und der wäre??”

“Ich spüre, dass ich Recht habe!”

Kopfschüttel…

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Peppermint Patty

24. Januar 2007, aus der Schublade Freizeit und Reisen

Peppermint Patty (photocase.de © knaus)Meine Liebste und ich schlendern an den Wühltischen eines bekannten Elektronikmarktes vorbei. Jede Menge Schnäppchen in DVD-Form lächeln uns da an und neben diversen Spielfilmklassikern gibt es auch einige Innovationen.

“Hast du schon was entdeckt?”
“Nein Süße, irgendwie ist das alles uralt hier.”

“Ich habe auch noch nichts. Oh, hier ist was!”
“Was denn?”

“Hautnah, mit Julia Roberts. Kennst du den?”
“Hautnah? Hm. Nein. Hört sich nach Schnulze an.”

“Na und? Und wenn schon, ich schaue mir gerne Schnulzen an.”
“Dann nimm ihn mit. Kannst du dir nächsten Donnerstag anschauen.”

“Was ist denn am nächsten Donnerstag??”
“Da bin ich nicht da.”

“Blödmann!”
“Wieso??”

“Ich will den doch mit dir zusammen anschauen!”
“Muss das sein?”

“Ja!”
“Und warum?”

“Weil ich dich dabei haben möchte.”
“Gutes Argument…”

“Dann schaue ich mir auch was an, was du sehen möchtest.”
“Ich habe da schon was, hier…”

“Das ist doch wohl nicht dein ernst!”
“Warum denn nicht? Ich finde das lustig!”

“Die große Charly Brown und Snoopy Show??”
“Na hör mal, die Peanuts sind schließlich Kult!”

“Kult ist höchstens Snoopy, der ist sooooo süß!”
“Ich habe früher die Peanuts verschlungen.”

“Ich kann mich noch an Snoopy erinnern und an Charly Brown.”
“Da gibt es noch Woodstock, Lucy, Linus, Schröder…”

“Schröder, ach ja! Der mit der Schmusedecke!”
“Nein, Linus ist der mit der Schmusedecke.”

“Ach ja?”
“Ja, und Linus wartet jedes Jahr zu Halloween auf den großen Kürbis.”

“Wieso?”
“Ähm… Das weiß ich auch nicht mehr, aber bald weiß ich es wieder.”

“Warum bald?”
“Weil ich die DVD jetzt mitnehme.”

“Och Schatz!”
“Wenn du Julia Roberts mitnimmst, will ich Peppermint Patty.”

“Wen??”
“Den Sir.”

“Ich verstehe kein Wort.”
“Eben deswegen solltest du diese bildende DVD mit mir schauen.”

“Oh nein! Geht das denn lange?”
“Ähm… 125 Minuten, um genau zu sein.”

“So lange??”
“Schatz! Ich erinnere dich nur eben schnell daran, dass du das Lied der Schlümpfe als Klingelton hast!”

“Und was heißt das?”
“Dass du dich nicht beschweren kannst, wenn ich die Peanuts gut finde!”

“Kommt Snoopy da denn oft vor?”
“Natürlich.”

“Dann werde ich es wohl überleben…”

[Szenenwechsel: wir haben vor gut 2 Stunden die DVD eingelegt und bereits fast alle Folgen Peanuts in einem Stück durchgelutscht. Meine Liebste liegt unter ihrer Kuscheldecke (um nicht Schmusedecke zu sagen) auf dem Sofa und schmeißt sich regelmäßig weg vor Lachen. Und es kommt, wie es kommen musste: Abspann.]

“Ist es schon vorbei?”
“Ja Süße. Vorbei.”

“Haben wir wirklich schon alle gesehen jetzt?”
“Ja.”

“Waren das alle?”
“Alle auf dieser DVD.”

“Soll das heißen, es gibt noch mehr DVDs davon??”
“Natürlich! Jede Menge, soweit ich weiß.”

“Mann!”
“Was ist?”

“Da hast du MAL ne gute Idee, und dann nimmst du nur eine mit!”

Kopfschüttel…

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Passend zur Tischdecke

20. Januar 2007, aus der Schublade Wohnen und Leben

Passend zur Tischdecke (photocase.de © onesecondupndown)Meine Liebste und ich sitzen gemeinsam in der Küche an unserem kleinen Tisch und essen Bananen und Mandarinen.
Nicht, weil wir ständig Bananen und Mandarinen essen, sondern weil der Reifestatus der sich auf dem Obstteller befindlichen Früchte bedenkliche Formen angenommen hat.

“Man sollte viel öfter Obst essen.”
“Ja Süße, das stimmt.”

“Eigentlich esse ich gerne Mandarinen, aber die sind schwierig.”
“Dass die da auch keine Bedienungsanleitung beilegen…”

“Nein, ich meine das Schälen. Das nervt.”
“Nur noch zwei, dann haben wir sie ja aufgegessen.”

“Schatz?”
“Ja?”

“Ich muss da noch etwas mit dir besprechen.”
“Geht es um Mandarinen?”

“Nein.”
“Um Bananen?”

“Nein, jetzt hör mir doch mal zu!”
“Jaja, also was musst du mit mir besprechen?”

“Schau mal, ich habe bei Tchibo neue Geschirrtücher gekauft.”
“Brauchten wir welche?”

“Ja, weil die neuen hier, die passen jetzt zur Tischdecke.”
“Naja. Mit etwas Fantasie kann man das so sagen, ja.”

“Ich finde, dass die passen, siehst du? Hier?”
“Ja, gut. Schön. Danke, dass wir darüber gesprochen haben.”

“Nein, es geht ja um etwas ganz anderes.”
“Warum habe ich damit bloß gerechnet…”

“Wir haben ja auch noch die alten, die gestreiften.”
“Ja. Und?”

“Die finde ich eigentlich auch schick.”
“Schatz, komm zur Sache, ja?”

“Du benutzt die falsch.”
“Bitte?? Die Geschirrtücher?”

“Ja, weil… Schau dir das alte hier mal an!”
“Es ist alt, na und?”

“Es ist vor allem ganz fleckig und speckig.”
“Wir benutzen es ja auch schon sehr lange. Und wieso SPECKIG??”

“Weil du damit immer Kaffeeflecke und Saft und so aufwischst.”
“Ich??”

“Ja wer trinkt denn hier Kaffee?? Ich doch wohl nicht!”
“Nein, aber du trinkst Tee, schwarzen Tee. Fleckenmachertee.”

“Nein, ein Geschirrtuch benuzt man eben nur zum Abtrocknen.”
“Und du willst sagen, dass ich deine neuen Tücher nicht verwenden soll.”

“Das nicht.”
“Nicht? Was denn dann?”

“Schau, ich hänge die neuen Tücher jetzt neben die Spüle.”
“Gut. Und?”

“Und die alten Geschirrtücher hänge ich in den Schrank.”
“Ich kann dir folgen.”

“Wenn du jetzt wieder kleckerst, dann…”
“Wieso denn ich??”

“Weil du ein Schussel bist; also dann nimmst du…”
“Ich bin kein Schussel!”

“OK, also wenn ich kleckere – was nie vorkommt – dann…”
“…dann soll ich die alten Tücher nehmen, richtig?”

“Ja. Und wenn wir die Küche sauber machen, oder was anderes.”
“Immer die alten?”

“Ja, oder auch für den Wohnzimmertisch oder deinen Computer.”
“Mein Computer ist niemals nass.”

“Ich habe aber deine Monitore da schon mehrmals gewischt.”
“Mit einem nassen Tuch??”

“Natürlich, sonst geht der Dreck ja nicht ab.”
“Du spinnst wohl! Mach das mit deinem eigenen!”

“Ich meine es doch nur gut!”
“Danke Schatz, ich liebe dich, aber lass die Finger von den Monitoren, ja!?”

“Oder die Pflanzen.”
“Was denn jetzt für Pflanzen??”

“Die Geschirrtücher, wenn du mal die Blätter sauber machst.”
“Das passiert nicht so oft…”

“Jedenfalls nimmst du dafür dann ein altes Geschirrtuch.”
“Gut, OK, von mir aus, was soll´s. Mache ich.”

“Das ist doch eine gute Idee, oder?”
“Ja, sehr schön… Du Schatz?”

“Ja?”
“Sag mal… Auch wenn das jetzt vielleicht eine doofe Frage ist…”

“Was denn?”
“Was machen wir denn mit den NEUEN Geschirrtüchern?”

“Wie meinst du das?”
“Ja also, sie hängen ja nun da. Passend zur Tischdecke.”

“Und?”
“Was darf ich denn nun mit den neuen Tüchern sauber machen?”

“Das Geschirr natürlich.”
“Nur das Geschirr?”

“Was denn sonst?”
“Die Fenster vielleicht? So zum nachwischen?”

“Nein.”
“Aha. Und meine Uhr? Oder deine Ringe?”

“Nein.”
“OK… Und was ist mit den Küchenblenden oder den Blumenvasen?”

“Nein.”
“Nur das Geschirr??”

“Ja was, es heißt doch auch Geschirrtuch, oder??”
“Hm.”

“Was?”
“Gut, dann spüle ich jetzt das Geschirr und du trocknest ab.”

“Bitte?? Dafür haben wir ja wohl eine Spülmaschine!”

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Die wärmste Stelle

16. Januar 2007, aus der Schublade Die besonderen Dinge

Die wärmste Stelle (photocase.de © Simbär)Meine Liebste und ich sind zu Bett gegangen. Wir diskutieren noch ein paar Vorzüge unserer brandneuen Bettwäsche und der Moment des Einschlummerns steht kurz bevor.

“Ich hab dich lieb, mein Schatz.”
“Ich dich auch, Süße, schlaf schön.”

“Kriege ich noch einen Kuss?”
“Ja.”

[Ich neige mich rüber zu meiner Liebsten und gebe ihr einen Gute-Nacht-Kuss. Dabei umarme ich sie sanft und freue mich auf das langsame Einschlafen an ihrer warmen Seite.]

“Du hast ja ganz kalte Hände!”
“Naja es geht. Sie sind auf jeden Fall nicht wirklich warm.”

“Soll ich dir die mal warm machen?”
“Nein, lass mal. Die werden gleich schon warm.”

“Weißt du, wo die wärmste Stelle am Körper ist?”
“Ja.”

“Und wo?”
“Na du weißt es doch selbst, oder?”

“Ja, aber du nicht.”
“Doch, ich weiß es auch.”

“Und wo dann? Sag doch mal!”
“Meinst du die wärmste Stelle bei dir oder so allgemein?”

“Ist das nicht immer gleich?”
“Kann ich mir nicht vorstellen.”

“Und wo bin ich am wärmsten?”
“Im Zweifelsfall ist es deine Stirn, würde ich sagen.”

“Warum?”
“Manchmal befürchte ich, dass du Dauerfieber hast.”

“Wie meinst du das? Wieso Fieber?”
“Weil du oft so wirres Zeug redest! Das kann nur Fieber sein…”

“Ich habe kein Fieber. Fühl mal.”
“Nein, ich will jetzt nicht fühlen.”

“Warum denn nicht? Nun fühl doch mal!”
“Also gut…”

“Und?”
“Fühlt sich sehr warm an…”

“Das meinst du nur, weil du so kalte Hände hast.”
“Na schön. Kann sein. Also kein Fieber. Gute Nacht.”

“Wie wäre es jetzt mit der wärmsten Stelle? Such doch mal!”
“Wofür jetzt?”

“Na zum Hände wärmen und dieses und jenes…”
“Ja gleich, lass uns erst das Licht aus machen und das andere.”

“Was ist denn das andere??”
“Na du willst dich doch erst immer bequem hinlegen, oder nicht?”

“Und was ist mit meiner wärmsten Stelle?”
“Ja gleich!”

“Also wegen mir musst du das Licht nicht aus machen, Schatz.”
“Wenn wir erst liegen, dann komme ich nicht mehr an den Schalter.”

“Du sollst dir jetzt deine Hände wärmen und nicht rumliegen!”
“Wovon sprichst du denn eigentlich??”

[Meine Liebste räkelt sich unter ihrer Bettdecke und grinst von einem Ohr bis zum anderen.]

“Mir ist ganz schön warm jetzt.”
“So? Das ist gut, dann wärme ich mir gleich die Hände.”

“Und?”
“Was und!”

“Warum machst du es dann jetzt nicht?”
“Ja gleich, wenn du liegst! Dann lege ich meine Hände drauf.”

“DRAUF?? Wo drauf denn??”
“Na auf deinen Kopf!”

“Wieso denn auf meinen Kopf??”
“Der Scheitel des Menschen ist seine wärmste Stelle!”

“Was?”
“Der Scheitel! Die wärmste Stelle! Oder was?”

“Der Scheitel ist doch nicht die wärmste Stelle!”
“Natürlich! Ich dachte, du wüsstest das!”

“Aber ich dachte eigentlich eher an…”
“Woran?”

“Naja, vielleicht nicht die wärmste Stelle…”
“Sondern?”

“Aber die heißeste!”

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Alles voller Gemüse

13. Januar 2007, aus der Schublade Essen und Trinken

Alles voller Gemüse (photocase.de © goenz)Meine Liebste und ich haben entschieden, dass wir uns im neuen Jahr ein bisschen gesünder ernähren wollen.
Also mehr Gemüse, mehr Obst, weniger Schokolade, und so weiter.

“Du hast eingekauft, habe ich gesehen?”
“Ja Liebste, das stimmt.”

“Da ist ja jetzt alles voller Gemüse in der Küche.”
“Ja, ich habe tausend gesunde Sachen geholt.

“Und jetzt?”
“Wie und jetzt?”

“Was kochen wir damit nun?”
“Keine Ahnung, alles mögliche.”

“Zum Beispiel?”
“Einen Salat, einen Auflauf, eine Reispfanne…”

“Das musst du dann aber machen.”
“Wieso? Wieso ich?”

“Ich kann nicht kochen, das weißt du doch.”
“Ja, ich weiß… So was hätte es früher nicht gegeben.”

“Was gab es früher nicht?”
“Dass Frauen sagen, dass sie nicht kochen können.”

“Hä?”
“Na früher konnten alle Frauen kochen!”

“Tatsächlich?”
“Natürlich! Das gehörte sich so und war selbstverständlich.”

“Wirklich alle?”
“Na zumindest die meisten.”

“Ist das jetzt schlimm, dass ich nicht kochen kann?”
“Nein, aber ich wollte es ja nur mal sagen.”

“Hättest du lieber eine Frau, die richtig kochen kann?”
“Nein, so wichtig ist mir das nicht. Ich kann ja kochen.”

“Ich finde nicht, dass eine Frau kochen können muss.”
“Aber es schadet auch nicht.”

“Hätte ich nicht gedacht, dass du so ein Macho bist.”
“Wie bitte?? Nur weil ich gesagt habe, dass…”

“…dass andere Frauen kochen können und ich nicht.”
“Das habe ich so nicht gesagt!”

“Aber gemeint.”
“Nein, ich sprach von früher!”

“Du kannst ja auch kein Auto reparieren.”
“Was hat das denn jetzt damit zu tun?”

“Früher konnten Männer das.”
“Was soll ich denn an meinem Auto reparieren? Es ist doch nicht kaputt!”

“Und wenn es das wäre? Dann würdest du es selbst reparieren?”
“Ähm… Die sind heute so komplex, da kann man ja selbst nicht mehr…”

“Und Wildschweine jagen kannst du auch nicht!”
“Das ist doch wohl… Und du wäschst die Wäsche nicht am Fluss!”

“Ich soll unsere Wäsche jetzt zur Weser runterschleppen??”
“Nicht wirklich, aber das stelle ich mir sehr amüsant vor.”

“Das kannst du haben, jetzt gleich, gib mir deine Hemden.”
“Lass gut sein, wir haben eine Waschmaschine, das reicht fürs erste.”

“Du willst damit also sagen, dass wir nicht von Hand waschen brauchen, weil wir eine Waschmaschine haben?”
“Ja Schatz, was sonst.”

“Dann brauchen wir ja wohl auch nicht von Hand Soßen rühren, wenn wir eine Fertigpackung haben.”

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Die Liebste-Puppe

9. Januar 2007, aus der Schublade Schlafen und Dösen

Die Liebste-PuppeMeine Liebste muss leider für einige Tage beruflich verreisen. Fast eine ganze Woche wird sie unterwegs sein und ihre sorgfältigen Reisevorbereitungen fallen – wie immer – recht umfangreich aus.
In diesem Augenblick schnappt das Schloss des Koffers ein.

“Habe ich jetzt alles eingepackt, was ich brauche?”
“Bestimmt, Süße, bestimmt.”

“Und wenn nicht?”
“Na und? Zur Not kaufst du eben nach, was fehlt.”

“Klar! Ist ja auch nicht dein Geld!”
“Ich meine doch nur, im Fall der Fälle.”

“Man kann das auch sorgfältig planen.”
“Das tust du doch immer. Stundenlang…”

“Ich habe eben gerne alles dabei.”
“Schon gut, was soll´s. Wir haben ja noch Koffer…”

“Ich verstehe gar nicht, wieso du immer so wenig hast.”
“Weil ich mich auf einer Reise nicht 3-mal am Tag umziehe.”

“Tue ich doch auch nicht!”
“So? Und warum hast du dann 5 Pullover für 4 Tage mit??”

“Na für jeden Tag einen. Und einer in Reserve.”
“Na gut, von mir aus…”

“Jetzt sehen wir uns soooo lange nicht…”
“In 5 Tagen bist du ja wieder hier.”

“Macht dir das denn gar nichts aus?”
“Was?”

“Dass ich so lange weg bin!”
“Naja, ich hätte dich schon lieber hier.”

“Kann ich dich nicht mit in den Koffer packen??”
“Nein Schatz, dann müsstest du die Pullover hier lassen.”

“Du bist doof.”
“Wieso??”

“Weil du mich gar nicht vermisst!”
“Doch, tue ich wohl.”

“Ich würde dich vermissen, wenn du 1 Woche weg wärst.”
“Aber ich dich doch auch!”

“Was würdest du denn sagen, wenn du so lange weg müsstest?”
“Ähm… Bis Freitag dann, Tschüß Süße!”

“Typisch! Bis Freitag dann. Na toll!”
“Aber es nutzt doch nichts, es muss doch sein.”

“Du könntest ja auch sagen, kannst du nicht hier bleiben?”
“Aber das geht doch gar nicht!”

“Aber ich würde mich freuen.”
“Ich freue mich lieber auf deine Heimkehr.”

“Was machst du denn alles, während ich nicht da bin?”
“Also, hm… Keine Ahnung. Wie immer.”

“Aber ich bin doch gar nicht da.”
“Das ist mir jetzt auch schon aufgefallen…”

“Du musst ohne mich einschlafen dann.”
“Ach ja, stimmt. Das geht nicht.”

“Wieso?”
“Wenn du nicht da bist, kann ich nicht einschlafen.”

“Ehrlich?”
“Dann muss ich mir wohl eine Liebste-Puppe zulegen.”

“Du spinnst wohl! Was ist denn eine Liebste-Puppe??”
“Was zum aufblasen vielleicht. Muss ich mal nach googlen.”

“Du willst dir ja wohl nicht so eine Puppe kaufen!”
“Warum denn nicht? Wenn sie mich an dich erinnert?”

“Die kann dich doch gar nicht knutschen und sich ankuscheln!”
“Vielleicht eine mit blonden Haaren…”

“Aber ich bin doch gar nicht blond!”
“Eben. Damit ich euch nicht verwechsele.”

“Wenn die MEINE Haare hätte, würdest du mich verwechseln??”
“Nur, wenn sie auch noch im Schlaf sprechen würde.”

“Habe ich letzte Nacht wieder was erzählt?”
“Ja. Morgens um 6 Uhr, war ganz toll.”

“Jetzt hast du ja ein paar Nächte ohne mein Reden im Schlaf.”
“Stimmt. Endlich mal wieder ausschlafen…”

“Aber Schatz, eins musst du mir versprechen.”
“So? Was denn?”

“Kauf eine Puppe mit brauen Haaren.”
“Ach was! Warum denn das jetzt plötzlich?”

“Weil ich keine langen blonden Haare im Bett haben will.”

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Ein Fünkchen Wahrheit

4. Januar 2007, aus der Schublade Wohnen und Leben

Ein Fünkchen WahrheitMeine Liebste und ich sitzen an unserem Wohnzimmertisch und spielen das “Spiel des Lebens”. Ähnlich wie Monopoly, aber einfacher und witziger. Und vor allem ist eine Runde nach einer halben Stunde durch.

“Ich nehme blau.”
“Was nimmst du?”

“Na das blaue Auto da, meine Spielfigur.”
“Das blaue habe ich doch aber sonst immer!”

“Na und? Kann ich nicht auch mal das blaue haben?”
“Wieso denn? Warst du mit dem rosa Ding nicht zufrieden?”

“Das ist gar nicht rosa, sondern rot.”
“Aber hellrot!”

“Rosa klingt so nach Barbie-Puppe.”
“Na dann passt das doch…”

“Du bist doof! Ich bin ja wohl keine Barbie-Puppe!”
“Nein, bist du nicht Schatz.”

“Wieso meinst du denn das??”
“Das war nur ein Witz, vergiss es. Los, fang mal an jetzt.”

“An einem Witz ist immer auch ein Fünkchen Wahrheit.”
“Es ist mir nur so rausgerutscht, bot sich gerade so an.”

“Du würdest mich doch nicht anflunkern, oder?”
“Warum sollte ich?”

“Weil eine Barbie zu sein nicht gerade ein Kompliment ist!”
“Du bist keine Barbie. Ehrlich. Zufrieden?”

“Dann verstehe ich den Witz aber nicht.”
“Der war auch blöd, können wir jetzt endlich spielen?”

“Wie sind wir da noch mal drauf gekommen?”
“Worauf?”

“Na das mit der Barbie!”
“Weil ich spontan meinte, das rosa Auto passe ja zu dir…”

“Mit dem ROTEN Auto ist man gleich eine Barbie, oder was!?”
“Nein, nein, Schatz, es war doch nur ein Witz!”

“Sehr witzig.”
“Also gut, du bekommst mein blaues Auto. Können wir jetzt?”

“Ja Ken.”
“Ken?”

“Du hast ja jetzt das Barbie-Auto.”
“Ich dachte, das sei rot, und nicht rosa?”

“Bei mir ist es rot. Wenn du damit spielst, ist es rosa!”

Kopfschüttel…

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Weil hier ständig das Navi quatscht

30. Dezember 2006, aus der Schublade Auto und Parken

NaviMeine Liebste und ich sind im Auto unterwegs, um Freunde zu besuchen. Während ich mich aufmerksam durch den Verkehr auf Deutschlands Autobahnen kämpfe, nickt meine Liebste auf dem Beifahrersitz für eine halbe Stunde ein.
Und wacht wieder auf.

“Wo sind wir denn?”
“Kurz vor Lübeck Süße.”

“Das ist ganz schön voll hier…”
“Es geht, du hast ja fein geschlafen.”

“Habe ich gar nicht. Und du bist schuld!”
“Bitte? Warum denn ich?”

“Weil hier ständig das Navi quatscht.”
“Das hast du doch selber angemacht; ich brauche das gar nicht.”

“Du hättest es ja leiser machen können.”
“Habe ich auch gedacht, aber ich habs nicht hingekriegt.”

“Hättest mich ja fragen können!”
“Aber Schatz, ich dachte, dass du schläfst?”

“Habe ich aber nicht, das sagte ich ja schon!”
“Sind wir ein bisschen gereizt jetzt?”

“Nein. Blödmann.”
“Aha, ja. Nein, gar nicht gereizt, natürlich nicht…”

“Wieso quatscht das Navi? Geht doch nur geradeaus.”
“Da waren ein paar Autobahnkreuze, aber eigentlich…”

“Eigentlich was?”
“Warum fährst du immer mit Navi, obwohl du den Weg kennst?”

“Ich habe das immer an.”
“Ja, ich weiß, aber warum?”

“Dann sehe ich, ob da ein Stau ist zum Beispiel.”
“Hier ist kein Stau.”

“Das wüsstest du ja ohne das Navi gar nicht.”
“Ich höre doch Radio?”

“Hörst du ja gar nicht!”
“Nein, weil ich es vorhin wegen dir leise gedreht habe.”

“Ich habe es aber trotzdem gehört.”
“Schatz, wir sind auf der Autobahn, nicht im Schlafzimmer.”

“Ich kann nicht schlafen, schon gar nicht, wenn du fährst.”
“Wie meinst du denn das jetzt?”

“Du fährst immer so dicht auf.”
“Das stimmt doch überhaupt nicht!”

“Wohl. Da! Jetzt schon wieder!”
“Schatz, der ist doch aber vor mir gerade reingezogen!”

“Damit rechnet man als guter Autofahrer.”
“Ach und ich bin ein schlechter Autofahrer, ja?”

“Du fährst eben wie ein Mann.”
“Und wie fahren Männer bitte schön??”

“Zu schnell, zu ungeduldig, zu riskant.”
“Ich fahre nicht zu schnell, sondern zügig.”

“Ja klar. Neben dir kriegt man nicht mal ein Auge zu.”
“Also für mich sah es aber so aus, als hättest du selig geschlafen!”

“Hörst du mir nie zu?? Das Navi hat mich wach gehalten!”
“Dann mache ich es jetzt aus.”

“Nein, lass das an!”
“Wieso denn?”

“Weil ich sehen will, wann wir da sind.”
“Halbe Stunde, reicht das nicht?”

“Nein, ich wollte gleich mal bei den beiden anrufen.”
“Warum?”

“Um ihnen zu sagen, wann wir ankommen.”
“Und dafür brauchst du es auf die Minute genau, oder was?”

“Nein, aber wenn jetzt gleich ein Stau kommt, dann ändert sich doch die Ankunftszeit.”
“Hier ist kein Stau! Und es kommt auch keiner!”

“Männer! Immer alles wissen! Es könnte doch sein?”
“Gut, na gut. Dann ruf an und dann mache ich es aus.”

“Nee, das beibt an!”
“Schatz!”

“Was denn?? Fahr langsamer, sonst verstehe ich ja nichts.”

[Meine Liebste ruft bei unseren Freunden an und teilt die Ankunftszeit mit; obwohl wir absolut pünktlich sind und das meiner Meinung nach gar nicht notwendig ist. Das Navi behaupte, dass wir um 15.37 Uhr da seien. Aber da ich so rasen würde, könnte es auch früher sein, vielleicht so 15.25 Uhr. Es könne aber natürlich auch noch ein Stau kommen; dann würde es später werden...]

“Wir sollen uns keinen Stress machen, hat sie gesagt.”
“Ach was! Tatsächlich?”

“Machst du mal das Navi aus?”
“Bitte?? Ich denke, das muss immer an bleiben??”

“Es zeigt eine Stauumfahrung an, Baustelle in 15km.”
“Was? Wo!”

“Da. Siehst du?”
“Das darf doch wohl nicht wahr sein…”

“Drück auf Stopp.”
“Warum denn? Ich meine, du hast doch recht gehabt!”

“Natürlich habe ich recht, aber drück jetzt Stopp!”
“Aber jetzt ist das Navi doch sinnvoll, warum denn nun aus?”

“Ich kenne die Baustelle da. Da ist in Wirklichkeit gar nichts.”
“Ähm… Bist du dir da ganz sicher??”

“Natürlich! Oder willst du schon wieder an mir zweifeln!?”
“Nein, nein. Ich mache aus. So.”

“OK. Und jetzt fahr einfach weiter. Da ist nichts.”

[Wir kommen 45 Minuten zu spät bei unseren Freunden an...]

“Wenn du schon mal fährst!”

Kopfschüttel…

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Total verfressen

27. Dezember 2006, aus der Schublade Essen und Trinken

Total verfressenMeine Liebste und ich klappern über die Feiertage unsere Familien und Freunde ab. Insbesondere bei unseren Eltern gibt es natürlich jedesmal reichlich zu essen, das heißt: Kräfte einteilen! Wir haben bereits den ersten Gang hinter uns.

“Gibt es bei euch Weihnachten immer Rouladen?”
“Ja Süße. Seit ich denken kann, macht meine Ma die jedes Jahr.”

“Die sind sehr gut; kriegt jeder nur eine?”
“Da liegen doch noch welche, nimm dir doch noch.”

“Aber wir sind sechs Leute und da liegen nur noch vier.”
“Und? Meine Schwester isst immer nur eine, und meine Ma auch.”

“Was??”
“Wie was? Die beiden essen jedes Jahr eben nur eine.”

“Dann kann ich doch nicht zwei essen!”
“Und warum nicht?”

“Das sieht ja total verfressen aus!”
“Ach was, wenn´s dir schmeckt, dann nimm doch.”

“Nimmst du auch noch eine?”
“Nein, ich hatte schon zwei, es reicht.”

“Na gut, dann gib mir noch eine.”
“Auch Soße?”

“Ja klar, auch Soße.”
“Vielleicht auch noch einen Kloß?”

“Ja, Klöße gehören dazu.”
“Also einen Kloß, bitte sehr…”

“Sollen wir den Kloß nicht teilen?”
“Nein.”

“Warum denn nicht?”
“Schatz, ich bin echt satt, danke.”

“Hier, ich schneide dir die Hälfte ab, ja?”
“Nein, ich möchte deinen halben Kloß nicht, wirklich.”

“Ich schaffe aber keinen ganzen mehr!”
“Du hast ihn dir aufgeladen, also.”

“Aber ich schaffe den doch nicht mehr jetzt.”
“Himmel, dann frag meinen Vater, ob der vielleicht…”

“Ich frage doch nicht deinen Vater!”
“Und warum nicht? Der verdrückt den Kloß schon noch!”

“Den halben.”
“Was?”

“Na einen halben Kloß möchte ich ja selber futtern.”
“Iss doch einfach, was du magst und den Rest…”

“…soll ich dann liegen lassen, nee!”
“Schatz, dein Essen wird kalt.”

“Kann ich auch noch etwas Rotkohl haben?”
“Wie bitte?? Ich denke, du schaffst das sowieso nicht?”

“Rotkohl ist doch etwas völlig anderes!”
“Wieso ist das was anderes??”

“Der flutscht. Und dann sind die Klöße nicht so trocken.”
“Die Klöße sind dir zu trocken?”

“Nicht so laut! Die sind gut, aber zu Klößen gehört Soße.”
“Na schön, hier hast du den Rotkohl. Und nochmal die Soße.”

“Willst du nicht doch noch den halben Kloß?”
“Nein Schatz. Danke.”

“Du könntest das ruhig mal für mich tun.”
“Was? Einen halben Kloß essen??”

“Nein, mich nicht so doof aussehen lassen.”
“Schatz! Du lädtst dir den Teller voll, und ich soll dann…”

“Wenn ich mein Essen nicht schaffe, denken deine Eltern, es würde mir nicht schmecken.”
“Dann sag ihnen doch, dass es dir schmeckt!”

“Oder es sieht gierig aus, wenn ich was über lasse.”
“Quatsch!”

“Die Roulade schaffe ich auch nicht, glaube ich…”
“Och nee, das darf doch wohl nicht wahr sein!”

“Los, hilf mir jetzt, ich kann nicht mehr!”
“Na gut, gib mir den halben Kloß rüber.”

[Erwartet hatte ich, dass meine Liebste den Kloß aufspießt und zu mir verfrachtet. Allerdings greift sie sich flink meinen beinahe sauber geleckten Teller und tauscht ihn mit ihrem, der noch voll beladen ist mit Rotkohl, Klößen, bergeweise Soße und einer halben Roulade.]

“Lass es dir schmecken!”
“Schatz, ich dachte eigentlich…”

“Jetzt sei still und stell dich nicht so an…”
“Ich wollte doch aber nur noch einen halben…”

[Mit großer Mühe versuche ich, denn Teller zu leeren. Jeder Versuch, das Besteck vorzeitig abzulegen, wird gleich mit einem gekonnten Tritt unter dem Tisch von meiner Liebsten vereitelt.]

“Siehste, jetzt hast du es geschafft! War doch nicht schlimm!”
“Nein, es war lecker, aber viel zu viel. Ich platze…”

“Mal sehen, wie der Nachtisch schmeckt; Eis mit Mandarinen!”
“WAS?? Es gibt auch noch Nachtisch?”

“Klar! Hier liegen doch die kleinen Löffel, schau!”
“Und woher weißt du, was es gibt?”

“Ich habe vorhin in der Küche deine Ma gefragt.”
“Das Eis schaffe ich echt nicht mehr, keine Chance!”

“Ich habe extra noch Platz für den Nachtisch gelassen.”
“Aha, aber ich nicht, dummerweise…”

“Warum isst du denn dann auch so viel!?”

Kopfschüttel…

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