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Hilf mir lieber!

21. November 2010, aus der Schublade Schlafen und Dösen

Sonntagmorgen, 11.47 Uhr: ich warte darauf, dass die Liebste endlich aufsteht.
Sie schläft gerne lange, aber das ist schon etwas ungewöhnlich. Ich beschließe, mal nachzusehen, ob sie schon wach ist und öffne vorsichtig die Schlafzimmertür…

“Uuuääähhh!”
“Süße? Was ist denn?? Du bist ja schon wach??”

“Ich bin krank, ich kann nicht aufstehen!”
“Krank? Was hast du denn??”

“Mir tut mein Bauch weh und ich bin so schlapp.”
“Aha, na das ist ja bl…”

“…und ich bin maßlos enttäuscht!”
“Enttäuscht? Wovon?”

“Von dir!”
“Von mir?? Wieso??”

“Weil du jetzt erst kommst, um nach mir zu sehen!”
“Ähm… Ich dachte, du schläfst noch!?”

“Mir könnte ja schon längst wer weiß was zugestoßen sein!”
“Normalerweise schläfst du doch aber sonntags immer länger!?”

“Aber doch nicht sooo lange!”

“Naja, das stimmt schon, aber…”

“Aua, mein Bauch!”

“Was ist denn eigentlich mit deinem Bauch?”

“Der tut weh, sagte ich doch schon.”
“Und wovon?”

“Woher soll ich denn das wissen!?”
“Naja, ich dachte…”

“Hör bitte auf, zu denken, ja?”
“Ähm…”

“Hilf mir lieber.”
“Na schön, also… Was kann ich denn jetzt für dich tun?”

“Nichts.”
“Aber… Nichts??”

“Nichts!”
“Soll ich dir vielleicht einen Magen-Darm-Tee machen?”

“Nein!”
“Nicht, aha, und… Vielleicht was zu essen?”

“Hallo?? Klopf, klopf! Ich habe Bauch-Aua!”
“OK, also nichts essen, oder vielleicht doch Salzstangen?”

“Nein!”
“Wir haben auch noch Magentabletten, glaube ich, soll ich…”

“Nein!”
“Was brauchst du denn??”

“Nichts!”
“Aber du hast doch eben gesagt, dass ich dir helfen soll??”

“…ich wollte dir nur mal zeigen, wie du das immer machst!”
“Was?? Ich??”

“Ja, wenn du krank bist!”
“Ähm…”

“Ich darf dann ja auch nie was für dich machen!”
“Aber, also, ich bin doch jetzt gar nicht krank, sondern du??”

“Natürlich muss ich einen Magen-Darm-Tee trinken gleich!”

“Ah, also…”

“Und ich werde auch eine Tablette und Salzstangen essen.”
“Ja…”

“Weil man das so macht, wenn man was mit dem Magen hat.”
“-”

“Um wieder gesund zu werden.”
“-”

“Auch, wenn man das eigentlich gar nicht machen will.”
“-”

“Das siehst du doch auch so, oder??”
“Naja, also, Überwindung kostet das natürlich schon…”

“…und obwohl du das weißt, darf ich das nie für dich machen!”
“Aber ich bin doch gar nicht krank!?”

“Jetzt nicht, aber sonst schon!”

“Liebste, ich habe jetzt verstanden, was du mir damit sagen willst.”

“Schön. Dann merk dir das aber auch mal!”
“Jaaa. Du darfst mich pflegen, wenn ich mal wieder krank werde.”

“Das hoffe ich, ich kenne mich da nämlich ganz gut aus.”

“Gut. Einverstanden.”

“Schön.”
“Und jetzt?”

“Was jetzt!?”
“Jetzt hole ich dir erst einmal einen Magen-Darm-Tee, oder?”

“Nein, geh mir bloß weit weg mit dem widerlichen Zeug!”

Kopfschüttel…




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Jeder, wie er will

15. November 2010, aus der Schublade Familie und Feste

Meine Liebste und ich machen gemeinsam einen kleinen Spaziergang ums Eck; wir haben da so eine  allgemeine Strecke, die wir öfters mal laufen.
Dabei unterhalten wir uns über alles Mögliche und schauen auch, was es gegebenenfalls bei den Nachbarn so Neues gibt.

“Schatz? Hast du das gesehen??”
“Was denn, Süße?”

“Da hinten, schau!”
“Was? Wo?”

“Da hängt ein leuchtender Adventsstern im Fenster!”

“Ach da… Ja, vielleicht ein bisschen verfrüht…”

“Wieso verfrüht?”
“Ähm… Naja, ich meine, der erste Advent ist ja erst in, in…”

“…in ziemlich genau zwei Wochen.”
“Genau, so um den Dreh.”

“Nicht um den Dreh! In zwei Wochen ist erster Advent!”
“Na gut, dann eben in zwei Wochen.”

“Wieso zweifelst du denn bitte an dem, was ich dir sage??”
“Ich zweifele ja gar nicht daran.”

“Ach nein?? Ich sage, genau zwei Wochen, und du…”
“…ich hätte eben nicht gedacht, dass du das so genau weißt.”

“Ich weiß es aber!”
“Ok, schön, gut.”

“Du tust ja förmlich so, als sei das eine Ausnahme!?”

“Was, dass du mal was sicher weißt?”

“Siehste, jetzt sagst du es ja sogar selber!”
“Aber das wollte ich doch damit gar nicht sagen!”

“Hast du aber!”

“Moment mal, ich sagte…”

“…ich weiß, was du gesagt hast, ich bin ja nicht doof!”
“Nein, bist du nicht.”

“Bin ich auch nicht! Auch, wenn du das immer glaubst!”

“Glaube ich doch gar nicht!?”

“Ach nein?? Immerhin weiß ICH genau, wann erster Advent ist!”

“Ja, und desw…”

“…DU hingegen wusstest es nur so ungefähr lirum larum!”

“Das, ähm, ja das stimmt, aber…”

“So, also WER ist hier dann bitte der Dumme??”
“Lass mich raten… Ich?”

“Richtiiiiig!”
“Ja… Mein Ratetalent ist weltweit bekannt und…”

“Machst du dich schon wieder lustig?? Schon wieder!?”
“Nein, in keinster Weise, Liebste.”

“Das rate ich dir auch.”
“So, können wir jetzt einfach in Ruhe weiter gehen, ja?”

“Was ist denn nun mit dem Adventsstern?”
“Wieso? Hatten wir das nicht schon geklärt?”

“Was denn geklärt??”
“Da hängt einer und wir waren uns einig, dass das verfrüht ist.”

“Einig?? Wo waren wir uns denn da einig??”
“Weil doch die Adventszeit erst in zwei Wochen anfängt??”

“…was ohne mich ja gar nicht klar gewesen wäre…”
“Richtig, danke nochmals. Und da waren wir uns doch einig, oder?”

“Du hast mich mal wieder überhaupt gar nicht verstanden!”

“Was?? Was habe ich nicht verstanden!?”

“Das mit dem Adventsstern!”

“Aber du hast dich doch sofort darüber aufgeregt!?”

“Ich?? Quatsch!”
“Ähm… Also sind zwei Wochen vorher für dich nicht zu früh?”

“Für einen Adventsstern? Natürlich ist das viel zu früh!”

“Ähm… Aber hast du ihn mir nicht genau deswegen gezeigt??”

“Nein. Das kann ja wohl jeder so machen, wie er will.”
“Aha, und warum dann??”

“Weil ich auch so einen für unser Küchenfenster haben will!”

Kopfschüttel…




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