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Hauptsache weg

23. September 2011, aus der Schublade Freizeit und Reisen

Als ich gestern heimkam, kam mir meine Liebste freudestrahlend mit einem Brief entgegen. Es stellte sich dann aber heraus, dass der Inhalt doch nicht sooo toll war. Sie rief aufgeregt:

„Guck mal Schatz, ich hab gewonnen!“
„Was denn? Wo denn?

„Na hier, bei einem Preisrätsel! Ein Wochenende in Tirol mit Hotelübernachtung für zwei! Ist das nicht toll?“
„Ja. Zeig mal.“

„Hier. Guck mal, wie hübsch es dort ist!“
„Ja… aber ist das auch nicht so eine Rentner-Neppveranstaltung?“

„Wie kommst du denn darauf?“
„Man liest ja immer von sowas.“

„Kann ich mir nicht vorstellen. Das macht ein Busunternehmen.“
„Das sind auch keine Heiligen…“

„Du denkst zu schlecht von den Menschen. Freu dich doch über den Gewinn!“
„Wo hast du denn da mitgerätselt?“

„Keine Ahnung… ich mach mal hier, mal dort mit, und irgendwann gewinne ich eben auch mal!“
„Diese ganzen Rätsel dienen doch nur dazu, den Leuten ihre Daten abzuschwatzen. Und ob der Gewinn dann auch verlost wird, überprüft doch auch keiner.“

„Also hier hab ich den Gewinn. Und meine Adresse haben sie ja gebraucht, um ihn mir zuzusenden.“
„Hast du das eigentlich genau gelesen?“

„Nein, wieso? Im Kleingedruckten steht auch bloß das Übliche.“
„Na ja… ‚Eine Zustiegsmöglichkeit besteht an folgenden Orten: Göttingen, Kassel und Fulda.“

„Ääh… das ist ja blöd. Da muss man ja erstmal hinkommen…“
„Und hier: ‘Frühstück und Abendessen sind zusätzlich zur Übernachtung fakultativ buchbar.‘“

„So ein Mist!“
„Haha… das ist gut: ‚Die Abbildungen stellen lediglich ein Anschauungsbeispiel dar und müssen nicht zwingend mit der Übernachtungsmöglichkeit übereinstimmen.‘ Das ist Nepp, wenn du mich fragst. Am Ende wird man da in einer Turnhalle am A… der Welt untergebracht.“

„Ach Mensch! Ich hab mich so gefreut, dass ich endlich mal was gewonnen habe!“
„Tja. Ich glaube, wenn wir da mitfahren, dürfte deine Enttäuschung nicht weniger werden.“

„Das gehört doch verboten! Da ist man vor lauter Freude mal nicht so kritisch und schon wird man abgezockt!“
„Ach, ärger dich nicht! Dann machen wir eben auf eigene Kosten ein Urlaubswochenende! Ich lade dich ein!“

„Ohh! Schatz, das ist ja toll! Nach Tirol?“
„Ähh… also wir müssen ja nicht ganz so weit, das wäre ein bisschen viel Fahrerei für ein Wochenende. Wo würde es dir denn noch gefallen?“

„Was mit Bergen wäre schon schön!“
„Ja, die sind aber alle so weit weg… Wie wär’s denn mit einem Kurztrip nach Dänemark?“

„Oh ja! Wenn wir mit dem Wetter auch noch Glück haben…“
„…dann könnten wir sogar einen Strandspaziergang machen.“

„Gute Idee! Suchen wir im Internet mal schnell ein Hotel?“
„Ja. Und es macht dir nichts, dass es da keine Berge gibt?

„Ach, das ist egal. Mir würde es sogar in einer Turnhalle am A… der Welt gefallen, wenn du dabei bist.“
„Seit wann hast du’s denn so mit Turnen?“

„Nein, das sag ich ja nur so. Obwohl… Wenn schlechtes Wetter ist, könnten wir auch in unserem Hotelbett turnen…“

Kopfschüttel…




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Tatort Klo

19. September 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Gestern abend sah ich gerade den Tatort an und fand ihn sehr gelungen. Bis meine Liebste aus dem Klo kam und ich mich dann nicht mehr so recht auf die Handlung konzentrieren konnte, weil sie mit einem Thema kam, das meilenweit vom Krimi entfernt war:

„Sag mal, was haben wir denn neuerdings für Klopapier?“
„Wieso?“

„Das ist ja einlagig!“
„Was meinst du?“

„Das ist einlagig! Ganz dünn. Und überhaupt nicht weich.“
„Hab ich noch nicht gemerkt.“

„Aber du hast das doch gekauft, oder? Mir wäre sowas nicht in den Einkaufswagen gekommen.“
„Ach, die sind doch alle gleich. Nur eine andere Verpackung.“

„Quatsch, da gibt es welche, die fühlen sich wie Schmirgelpapier an, und andere sind ganz weich.“
„Und welches haben wir?“

„Einlagiges Klopapier eben, na ja, so ein Zwischending, finde ich.“
„Hauptsache es funktioniert. Meine Oma hat früher sogar Zeitung genommen.“

„Ja natürlich. Und bei der Deutschen Bahn gab’s früher auch so eine Mischung aus Karton und Baumrinde, aber das hat ja jetzt nichts mit unserem Klopapier zu tun!“
„Ja, nimm eben ein anderes.“

„Das ist doch das Problem: Wir haben kein anderes!“
„Heute gibt’s auch kein anderes mehr, es ist Sonntag abend…“

„Ich will doch grade auch gar kein anderes! Ich meine nur, dass…“
„Na also. Dann ist ja alles prima und ich kann hier weitergucken.“

„Also ich will mindestens zweilagiges Papier! Die restlichen Rollen von diesem Schrott darfst gerne du verbrauchen – du hast sie ja auch gekauft!“
„Ist es denn so schlimm?“

„Es ist eben einfach sehr unangenehm. Kannst ja gerne mal selbst probieren!“
„Ich muss grade aber gar nicht auf’s Klo, außerdem will ich in Ruhe den Tatort gucken.“

„Dir ist das Klopapier völlig egal, oder?“
„Ja, also das heißt im Moment ja. Kann ich mich nachher drum kümmern?“

„Außerdem hängst du es immer falschrum auf den Halter.“
„Hochkant?“

„Nein, aber so, dass der Anfang immer an der Wand ist.“
„Hä?“

„Da kann man ihn so schlecht greifen!“
„Sag mal… Welche Studien treibst du da eigentlich, wenn du auf dem Klo sitzt? Nimm dir doch mal ein Buch mit…“

„Du willst mich gar nicht verstehen! Es stört mich eben, wenn das Klopapier falschrum dahängt, und ich würde mich freuen, wenn Du diese Störung beseitigst!“
„Ich soll jetzt ins Klo und das Klopapierrolle umdrehen?“

„Nein! Du sollst sie einfach richtigrum aufhängen, wenn du beim nächsten Mal eine neue Rolle nimmst.“
„Schatz, ich werde in Zukunft alle Deine Klopapierwünsche beachten, wenn du mich nun bitte den Tatort fertigschauen lässt. In Ruhe.“

[Nachdem die Liebste eine halbe Stunde mit mir den Tatort angeschaut hat:]
„Weißt du was?“
„Was denn?“

„Dieser Boerne hat bestimmt auch zweilagiges Klopapier.“

Kopfschüttel…




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