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Gefährliche Lektüre II

12. Juni 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Die Liebste ist bereits seit Stunden am Telefonieren. Es muss wohl um irgendwas Wichtiges gehen, aber da kann ich mich auch täuschen – als sie endlich wieder ansprechbar ist, frage ich natürlich, warum sie so ewig telefoniert.

„Ich hab nur mit Elke gesprochen.”
„Was gibt’s denn da so lange zu besprechen? Ihr seht euch doch regelmäßig.“

„Ach, das war ein Notfall.“
„Was ist denn los?“

„Ach, nichts für Männer.“
„Na, dann eben ein Frauenthema.“

„Obwohl es doch um Männer geht. Elke ist ganz fertig.“
„Wieso? Ist sie nicht glücklich verheiratet?“

„Doch, dachte sie bisher.“
„Oha, sie hat lange blonde Haare auf seinem Hemd gefunden.“

„Nein, das nun nicht gerade.“
„Ach, dann hat sie fremde Damenunterwäsche in seinem Auto gefunden?“

„Nein, wieso kommst du überhaupt auf sowas?“
„Naja, Elke war doch schon immer so eifersüchtig und kaum, dass er mal später heimkam, gab’s Verhöre, wo und mit wem er unterwegs war. Erinnerst du dich noch an das eine Silvester? Da gab’s doch auch Stress, weil er zu oft mit anderen getanzt hat, dabei wollte sie doch gar nicht tanzen…“

„Ja, das stimmt schon. Aber jetzt hat sie wirklich einen Grund.“
„Grad hast du gesagt, sowas ist nicht der Grund.“

„Naja, direkt fremdgehen ist ja auch nicht der Grund, aber sie hat im Schrank zwischen seinen Klamotten so Hefte gefunden.“
„Paah, Schatz, das ist doch kein Grund für Aufregung.“

„Wieso?“
„Naja, so ein Heft hat doch nichts zu sagen.“

„Wieso nimmst du ihn in Schutz?“
„Nehme ich doch gar nicht.“

„Hast du auch so einen Kram im Schrank?“
„Nein, natürlich nicht.“

„Soll ich gucken gehen?“
„Quatsch, ich hab nichts zu verbergen. Aber über sowas muss sich Elke doch nicht aufregen.“

„Aber warum liest er so ein Zeug, wenn er doch Elke hat und verheiratet ist?“
„Naja, man kann sich ja mal woanders Anregungen holen. Du weißt doch: Appetit holen ist erlaubt, nur gegessen wird daheim.“

„Meinst du?“
„Klar. Nur an ihrer Eifersucht sollte sie mal arbeiten.“

„Naja, aber er gibt ihr ja jetzt schon einen Grund. Also ich wäre auch sauer, wenn du so ein Zeugs jetzt plötzlich lesen würdest!“
„Ach was. Das ist wie ihr mit euren Liebesschnulzen. Wir sind doch auch nicht eifersüchtig auf Johnny Depp, Brad Pitt und wie diese Kasper alle heißen.“

„Was heißt hier Kasper? Die sehen doch sehr appetitlich aus!“
„Naja, die Damen in den Heften auch.“

„Hhhmmm. So hab ich das noch gar nicht betrachtet. Aber stimmt schon. Wir gucken ja auch Filme und freuen uns über die knackigen Männer dort.“
„Eben. Dabei habt ihr selbst knackige Männer daheim!“

„Naja.“
„Was heißt hier naja?“

„Schatz, mit knackig ist nicht gemeint, dass es jeden Morgen beim Aufstehen knackt.“
„Sehr witzig! Du wirst auch nicht jünger, Schatz.“

„Stimmt. Und du bist mir auch lieber als jeder Film-Kasper, sei er noch so knackig.“
„Dann bin ich ja beruhigt.“

„Und ich muß jetzt nochmal Elke anrufen.“

Kopfschüttel…




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Nummer gesucht

8. Juni 2011, aus der Schublade Freizeit und Reisen

Gestern war die Liebste mit ihren Freundinnen unterwegs – Shopping, Café und solcher Klimbim. Ich hatte es mir grade gemütlich gemacht, als ihr Anruf kam:

„Hallo Schatz, kannst du mir mal einen Gefallen tun?“
„Aber klar, was denn?“

„Schau mal bitte für mich nach Melanies Telefonnummer.“
„Wo soll ich da schauen?“

„In meinen E-Mails. Melanie hat eine neue Handynummer und hat sie mir neulich gemailt und ich hab vergessen, die Nummer gleich in mein Handy zu speichern.“
„Kein Problem, Schatz. Der Rechner fährt schon hoch. Gleich hast du die Nummer.“

„Hach, du bist der Beste.“
„Wie war nochmal dein Kennwort?“

„Na, der Name vom Restaurant, wo wir das erste Mal essen waren plus unser Kennenlerntag.“
„Oh. Ähhh… verrätst du es mir nochmal?“

„Du hast es vergessen?“
„Naja, also… ja.“

„Also: Francescos215.“
„Danke. Jetzt fällt‘s mir wieder ein. Also, wie hieß der Betreff der Mail?“

„Das weiß ich nicht mehr, aber sie mailte das so Anfang letzten Monats.“
„Schatz, du hast 487 Mails im Postfach! Warum löschst du gelesene Mails nicht? Wo finde ich das denn jetzt?“

„Einfach zurückblättern.“
„Ha, hier eine Mail von Melanie. Ich mach sie mal auf. Das ist ein Rezept für einen Kuchen.“

„Nicht irgendein Kuchen. Das ist eine Limetten-Joghurt-Torte, superlecker!“
„Tja, aber keine Telefonnummer.“

„Dann such mal weiter…“
„Sag mal, du lässt ja sogar die Spammails drin, hier werben sie für ein Potenzmittel.“

„Vielleicht brauchen wir es ja mal…“
„Haha, sehr witzig.“

„Ach, Schatz, war nur Spaß. Suchst du mir jetzt die Nummer raus?“
„Hier ist noch eine Mail von Melanie. Nein, nur ein weitergeleiteter Link.“

„Weitersuchen. Bei welchem Datum bist du denn?“
„Anfang des letzten Monats. Hier ist noch eine. Nein, auch keine Telefonnummer…“

„Vielleicht war es auch schon vor zwei Monaten?“
„Ach Schatz, ich kann doch jetzt nicht über 400 Mails durchgucken. Dann bin ich doch morgen noch beschäftigt. Hat denn keins von den anderen Mädels die Nummer von Melanie?“

„Nein.“
„Kannst du nicht die Auskunft anrufen?“

„Ich glaube nicht, dass Melanie ihre Handynummer ins Telefonbuch schreibt. Und am Festnetz geht sie nicht ran.“
„Dann sprich doch auf den Anrufbeantworter.“

„Nein, Melanie hat vorhin gesagt, dass sie später kommt und wir gehen jetzt noch woanders hin und dann findet sie uns doch nicht.“
„Wenn Melanie gesagt hat, sie kommt später, hast du sie doch gesprochen.“

„Nein. Sie hat eine SMS geschrieben.“
„Dann hast du doch ihre Handynummer als SMS-Absender.“

„Oh, das stimmt! Manchmal steht man echt auf dem Schlauch. Danke Schatz und bis heute abend!“

Kopfschüttel…




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