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Fleur de Sel

4. Juli 2011, aus der Schublade Essen und Trinken

Manchmal übernehme ich die Wochenendeinkäufe und die Liebste schreibt mir dann, ganz altmodisch, einen Einkaufszettel – so auch dieses Wochenende:

„Schau, hier ist der Zettel, das bräuchte ich alles. Ach, schreib noch Geschirrspültabs auf, die sind auch bald leer.“
„Okay, bring ich mit.“

„Und Getränke auch.“
„Ja, hab schon das Leergut eingepackt. Aber Schatz, was willst du denn mit Zucchiniblüten?“

„Füllen und backen.“
„Wie? Füllen und backen? Hab ich ja noch nie gesehen. Und was ist denn ‚Fleur de Sel‘? Blumen oder was?“

„Nee, brauche ich alles fürs morgige Mittagessen.“
„Wo gibt’s denn sowas? Wie sieht das denn überhaupt aus?“

„Naja, im Supermarkt wird’s das geben. Schau halt, steht bestimmt ein Schild dran.“
„Wo soll ich denn suchen? Beim Gemüse, bei der Milch, bei den Fertigsachen?“

„Weiß ich nicht. Aber ich brauch es, steht so im Rezept.“
„Wo hast du denn das Rezept her?“

„Na, aus so einem Heft. Ich dachte, ich probier mal was Neues aus, ich kann dir natürlich auch immerzu das Gleiche kochen.“
„Na, jetzt sei nicht beleidigt, ich freu mich ja, wenn du was Leckeres kochst. Nur: Wie und wo soll ich die Zutaten einkaufen, wenn ich nicht weiß, was es ist, wie es aussieht und wo es in etwa im Supermarkt steht?“

„Naja, Zucchiniblüten sind sicher beim Gemüse. Oder du fragst mal. Oder du gehst gleich auf dem Markt vorbei, die sehen so gelb und länglich aus.“
„Hhmmm. Ja, ich schau mal. Aber wozu braucht man ‚Fleur de Sel‘?“

„Zum Würzen. Steht da im Rezept.“
„Was ist das denn?“

„Ich glaube, so ein spezielles Salz.“
„Ach, dann nimm doch normales Salz. Ich kauf doch nicht für ein einziges Rezept so ein Spezialzeugs.“

„Naja, dann wird’s aber nicht so gut, weil im Rezept steht ‚Fleur de Sel‘.“
„Ach, wir sind ja auch keine Gourmets, das ist doch egal.“

„Also ist dir egal, wie ich koche, du isst alles, oder wie?“
„Nein, so war das doch nicht gemeint, nur werde ich den Unterschied zwischen verschiedenen Salzarten nicht bemerken.“

„Dann nehm ich eben normales Salz und streiche das vom Einkaufszettel.“
„Also: Zucchiniblüten, Vanilleschoten, Fleur de Sel… Zeig mal das Rezept her.“

„Hier, das gibt’s morgen Mittag und das hier probier ich als Nachtisch aus. Sieht superlecker aus.“
„Stimmt. Aber Schatz, bei deinem Nachtisch steht: Die Zuckerkruste mit einem Bunsenbrenner karamellisieren.“

„Ja, und?“
„Wir haben keinen Bunsenbrenner.“

„Na, dann nehm ich halt ein Feuerzeug.“
„Das wird nichts. Du verbrennst dir die Finger, wenn du das Feuerzeug so kippst, dass du den Zucker karamellisieren kannst.“

„Dann stell ich das ganze Zeug halt kurz in den Herd.“
„Dann wird’s nicht richtig braun und karamellig.“

„Na, dann bringst du halt noch einen Bunsenbrenner mit, gehst doch jetzt eh einkaufen.“

Kopfschüttel…




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Einmal um die Welt

1. Juli 2011, aus der Schublade Freizeit und Reisen

Neulich ist meine Liebste an einem Bericht über zwei Aussteiger hängengeblieben, die mit dem Fahrrad um die Welt radelten. Interessant anzuschauen, aber nachmachen würde ich sowas nicht. Meine Liebste sicherlich auch nicht, auch wenn sie das in der Theorie anders sieht:

„Guck mal Schatz, das ist doch mal ein Abenteuer!“
„Für andere schon. Du bist ja nach zwei Wochen Urlaub schon froh, wieder daheim zu sein.“

„Nein, Urlaub ist ja auch ganz was anderes. Stell dir mal vor, du bist ein ganzes Jahr unterwegs, da gibt es sicherlich viele Situationen, die spannend sind.“
„Hmm… ob sie dir in dem Moment dann spannend vorkommen, ist die Frage. Vermutlich will man in diesem Moment einfach seine Ruhe und keinen Ärger. Stell dir mal vor, die fahren durch eine Wüste und der Fahrradrahmen bricht!“

„Na ja, das wäre ja ein Extremfall.“
„Kann aber vorkommen. Und was machst du dann, um nicht zu verdursten?“

„Man muss ja nicht grade mit dem Fahrrad durch die Wüste fahren.“
„Außenrum ist’s halt länger…“

„Nein, ich meine, man kann doch auch was anderes machen. Stell dir mal vor, mit dem Segelboot um die Welt!“
„Ich glaube, das wäre ziemlich langweilig. Da sieht man ja tagein, tagaus nur das Meer und den Mitsegler.“

„Würdest du dich nicht freuen, wenn du allein mit mir auf einem Boot um die Welt reisen würdest?“
„Doch schon, aber das meine ich doch gar nicht.“

„Grade hast du gesagt, dass man da ‘nur’ seinen Mitsegler sieht.“
„Nein, ich meine, dass man doch auch mal was anderes sehen will.“

„Also wäre ich dir als Begleitung zu wenig?“
„Nein, nein! Aber stell dir mal vor, wir wären hier im Zimmer eingesperrt, ein ganzes Jahr lang. Wir würden ja verrückt werden!“

„Ja, weil wir hier keinen Meerblick haben!“
„Mit Meerblick wäre das doch genauso. Du könntest nicht shoppen, nicht telefonieren…“

„Ach so, kein Telefon? Das wäre dann ja was anderes. Ich denke aber, dass die Radler schon ein Handy dabeihaben. Nur für den Fall, dass sie in der Wüste einen Rahmenbruch haben.“
„Und wen sollten sie dann anrufen, wenn sie grade in der Wüste Gobi stehen?“

„Na was weiß ich? Ein Fahrradfachgeschäft oder einen Klempner.“
„Einen Klempner?“

„Na ja, halt jemanden, der das wieder zusammenflicken kann. Das kann ein Klempner doch auch.“
„Und wie soll man ihm das Problem dann schildern?“

„Na mit dem Handy. Ich hab doch grade gesagt, dass die sicher…“
„Schon mit dem Handy. Aber in welcher Sprache? Und woher die Nummer nehmen?

„Na da muss man sich natürlich vorher drum kümmern, das kann man ja alles einspeichern. Oder man hat eben ein internetfähiges Handy.“
„Gut, und wenn der Akku leer ist?“

„Dann nimmt man eben den Ersatzakku.“
„Der ist auch irgendwann leer. Und du kannst in deinem Gepäck ja nicht nur Akkus mitnehmen.“

„Bestimmt gibt’s Ladegeräte, die mit Solarstrom funktionieren.“
„Ach… Kannst du dir denn gar nicht vorstellen, dass man da auch in ausweglose Situationen geraten kann?“

„Nein, sag ich ja, da kann man ja jemanden anrufen, der hilft.“
„Also ich würde sowas nicht machen. Erst recht nicht so blauäugig. Was da alles passieren kann!“

„Also interessant finde ich das schon. Aber ich würde sowas auch nicht machen.“
„Und wieso nicht, wenn du für alle Probleme eine Lösung hast?“

„Das ist doch kein Urlaub, wenn man sich ständig bewegen muss! Außerdem ist mein Fahrrad platt und einen Segelschein hab ich auch nicht.“

Kopfschüttel…




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