Blödmann!

Meine Liebste sitzt am Neujahrsmorgen bereits seit einiger Zeit in der Küche, als ich endlich aus dem Bett komme; unsere Silvester-Party gestern war recht feucht-fröhlich, zumindest für mich.
Einen Kaffee, ja, den brauche ich jetzt erst einmal, um wieder klar denken zu können…

„Guten Morgen Schatz! Na? Ausgeschlafen?“
„Morgen Süße… Nicht so laut, ja?“

„Frohes neues Jahr, frohes neues Jahr!“
„Oh bitte, NICHT SO LAUT!“

„Wieso, hast du einen dicken Kopf heute?“
„Geringfügig…“

„Sieht aber genauso dick aus, wie immer! Haha!“
„Das ist wirklich superwitzig, was haben wir gelacht…“

„So viel hast du doch gestern gar nicht getrunken, oder??“

„Viel nicht, aber…“

„Also mir geht´s super!“
„Merkt man gar nicht…“

„Doch, doch! Ich habe sogar schon eine Menge geschafft!“
„Geschafft? Heute Morgen??“

„Ja, heute Morgen! Ich war schon fleißig.“

„Wieso, was hast du denn schon gemacht?“

„Gedanken.“
„Ähm… Was?“

„Ich habe mir schon Gedanken gemacht.“
„Ach so…“

„Gedanken gemacht, verstehste? Haha!“
„Jaja, das ist sehr witzig, Liebste, sehr witzig…“

„Ich habe so gute Laune heute, deswegen.“
„Schön, also ich glaube, ich lege mich wieder hin…“

„Nee, ich wollte dir doch meine Gedanken erzählen!?“
„Ach ja, du hast dir ja zu irgendwas Gedanken gemacht…“

„Nicht zu irgendwas!“
„Ich hoffe, es geht dabei nicht um mich?“

„Nee, also nicht direkt, naja, vielleicht ein wenig…“
„Liebste, hat das nicht bis nachher Zeit, ich meine…“

„Es geht aber wirklich nur ein klitzekleines bisschen um dich!“
„Und worum geht es im Wesentlichen?“

„Um mich.“
„Um dich, natürlich, was für eine Überraschung…“

„…ich habe mir nämlich für das neue Jahr viel vorgenommen!“
„Für das neue Jahr??“

„Ja, ich habe mir meine Neujahrsvorsätze überlegt.“

„Schön, und?“

„Was und?“
„Welche Vorsätze hast du jetzt?“

„Welche hast du denn, Schatz?“
„Ich?? Ich habe keine.“

„Wieso hast du denn keine??“
„Sollte ich??“

„Jeder hat doch gute Vorsätze fürs neue Jahr!“
„Ich nicht.“

„Warum soll ich dir dann meine sagen??“
„Moment mal, DU wolltest mir doch unbedingt sag…“

„Ich will mir Mühe geben und du?? Wieder mal nix!“

„Wobei willst du dir denn Mühe geben?!“

„Das hängt mit meinen guten Vorsätzen zusammen!“
„Was denn??“

„Pff!“
„Also willst du sie mir nun sagen oder nicht??“

„Ich würde ja gerne, aber nicht so!“
„Süße, ich bin WIRKLICH noch nicht dazu in der Lage!“

„Wozu bist du nicht in der Lage??“

„Mich mit dir jetzt zu streiten!“

„Wer streitet denn??“
„Darf ich jetzt wieder ins Bett gehen, ja?“

„Mitten in unserer Unterhaltung??“
„Wir unterhalten uns ja gar nicht!“

„Nicht?? Und was tun wir dann hier sonst??“
„Wir pusten zusammenhanglose Worte in die Luft, glaube ich…“

Blödmann!!“
„Gerne…“

„Blödmann, BLÖDMANN, DOPPEL-BLÖD-MANN!“
„Boah, das neue Jahr fängt ja schon wieder super an…“

„Kann ich doch nichts dafür!?“
„Natürlich nicht, Liebste, natürlich nicht…“

„Du kannst einem aber auch echt alles kaputt machen!“
„Ich?? Was habe ich dir denn jetzt kaputt gemacht??“

„Einen meiner wichtigsten Vorsätze, du Blödmann!!“
„Aha, und der war was, bitte??“

„Ich wollte nicht mehr so oft Blödmann zu dir sagen!“

Kopfschüttel…

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (noch nicht bewertet)
Loading...Loading...
Diesen Blogartikel verlinken:

Aber so was von!

Meine Liebste kommt zu mir in die Küche, wo ich mir gerade Milch für einen Latte Macchiato heiß mache.
Die Liebste setzt sich auf einen Stuhl, sieht mir beim Kaffee machen zu und wartet geduldig, bis ich dann schließlich fertig bin.

„Schatz?“
„Ja, Süße?“

„Wir müssen mal ernst miteinander reden.“
„Oh! Ist es soweit? Verlässt du mich für einen Jüngeren?“

„Nein, noch nicht. Aber danke für den Tipp.“
„Gern geschehen.“

„Mann, ich sagte, dass ich ernsthaft mit dir reden will!“
„Schön, also gut, was habe ich denn wieder falsch gemacht?“

„Boah, du bist so doof mal wieder!!“
„Ähm, aber ich dachte…“

„Wieso gehst du davon aus, dass es sich um dich handelt??“
„Na ja, sagen wir mal… Erfahrung?“

„Glaubst du, dass sich immer nur alles um dich drehen muss??“
„Nein, nein, aber…“

„Ist der feine Herr mal wieder der Mittelpunkt der Erde??“
„Dieser Gedanke kam mir letzte Woche auch, allerdings…“

„Boah, du bist so überheblich manchmal, weißt du das?!“
„Entschuldige, das, ähm…“

„Halt einfach die Klappe jetzt!“
„Na schön…“

„-“
„-„

„Manchmal, da könnte ich dich, aber so was von…“
„Tut mir leid, also geht es dieses Mal tatsächlich nicht um mich?“

„Doch, natürlich, um wen denn sonst??“

Kopfschüttel…

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (noch nicht bewertet)
Loading...Loading...
Diesen Blogartikel verlinken:

Ein bisschen länger

Meine Liebste und ich trödeln am Sonntagmorgen in unserem Haus rum und jeder macht dies, das oder jenes.
Ich überlege, ob ich mir um halb zwölfmal wieder die Sendung mit der Maus ansehen sollte; das letzte Mal ist schon lange her und heute geht es um… Da klingelt das Telefon.

„Schatz, gehst du mal ran?“
„Es ist Jasmin, Süße.“

„Ah, dann ist das für mich, für mich! Gib!“
„Hier.“

„Du, ich glaube das dauert jetzt ein bisschen…“
„Von mir aus, kein Problem, mach nur.“

„Das ist doch OK für dich, oder?“
„Wir haben ja nichts vor, das ist OK.“

„Na schön, alles klar. Bis gleich!“

[Die Liebste nimmt Jasmins Anruf entgegen und noch während sich die beiden am Telefon begrüßen, fliegt auch schon die Küchentür hinter der Liebsten zu.

Die Liebste fängt meistens Telefonate in der Küche an, zumindest dann, wenn sie von mir nicht gestört oder belauscht werden will.
Dort läuft sie dann oft hin und her oder erledigt beim Telefonieren noch andere Sachen. So nach zirka einer halben Stunde wechselt sie dann meistens von der Küche ins Arbeitszimmer und rennt dort hin und her. Und dann vielleicht noch ins Gästezimmer und dann wieder in die Küche und so weiter.

Des Weiteren beginnt die Liebste solche Telefonate gewöhnlich mit sanfter Stimme, wird dann aber mit der Zeit immer lauter; vielleicht vergisst sie im Verlauf des Telefonates, dass jemand sie hören könnte, beziehungsweise dass noch irgendwer nebenan sitzt, der sich – neben der Sendung mit der Maus – auch noch Bruchstücke und Fetzen des Gespräches mit anhören muss.

Solche Telefonate zwischen der Liebsten und ihren Freundinnen scheinen stets das gesamte Repertoire an Stimmungen zu umfassen: Gelassenheit, Aufregung, Humor, Ernsthaftigkeit, Überraschungen, Entrüstungen, Beratschlagungen… Zumindest kann ich das aus den Wort- und Satzfetzen schließen, die immer mal wieder zu hören sind, auch wenn sich mir daraus der Zusammenhang nicht erschließt.

Meine – überaus interessante – Sendung mit der Maus liegt nun schon wieder mehr als eine Stunde zurück, als die Liebste schließlich während der letzten telefonischen Verabschiedungsrituale zurück ins Wohnzimmer kommt. Aber: auch wenn sich zwei Frauen am Telefon bereits verabschiedet haben, heißt das noch lange nicht, dass sie dann auch auflegen; irgendeine Kleinigkeit wurde dann anscheinend doch noch vergessen, wird erzählt und die Verabschiedung beginnt von vorn, und so weiter.

Die beiden haben nun also schon wieder mehr als eineinhalb Stunden hinter sich gebracht; da muss es ja eine Menge interessanter Neuigkeiten gegeben haben…]

„So, wir sind fertig, Schatz.“
„Ja, das sehe ich.“

„Hat wieder mal ein bisschen länger gedauert.“
„Aha. Und?“

„Was und?“
„Ihr hattet euch viel zu erzählen, was?“

„Ja.“
„Und??“

„Was denn und??“
„Naja, was gibt es Neues??“

„Nichts, wieso?“

Kopfschüttel…

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (noch nicht bewertet)
Loading...Loading...
Diesen Blogartikel verlinken:

Mag ich

Meine Liebste und ich machen am Freitagabend nach getaner Arbeit noch einen kleinen Spaziergang um die Häuser.
Es ist zwar nicht besonders warm, aber ansonsten ist das Wetter fantastisch und wir erleben dazu noch einen wunderbaren Sonnenuntergang auf unserem Weg.

„Hach, so könnte es jeden Tag sein…“
„Ja, das stimmt, Süße.“

„Und schau mal die tollen Farben der Bäume!“

„Ja, jetzt geht der Herbst so richtig los.“

„Ich mag ja den Herbst.“
„Tatsächlich??“

„Ja, wieso?“
„Ich dachte, du magst eher den Sommer?“

„Den Sommer mag ich natürlich auch.“

„Ah…“

„Aber der Frühling ist auch schön!“
„Ähm…“

„Ich mag den Frühling.“
„Also magst du eigentlich alle, willst du damit sagen.“

„Wieso? Über Winter haben wir doch noch gar nicht gesprochen?“
„Das ist richtig, aber ich dachte…“

„Also der Winter ist schon was etwas ganz anderes.“
„Ach ja?“

„Ja.“
„Weil es da besonders kalt ist?“

„Auch deswegen.“
„Und Kälte magst du ja nicht.“

„Das stimmt.“
„Und weil da das Autofahren oft so schwierig ist?“

„Darauf könnte ich auch verzichten, auf das Chaos, ja.“
„Aha, verstehe.“

„Was verstehst du?“
„Den Winter magst du also nicht.“

„Doch, natürlich!“

Kopfschüttel…

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (noch nicht bewertet)
Loading...Loading...
Diesen Blogartikel verlinken: