Wer wird Millionär?


Manchmal gestaltet sich ein Abend völlig anders als geplant. Nicht, weil die Arbeit über mich hereinbricht oder meine Liebste schlechte Laune hat, sondern weil sie Fernsehen schaut – „Wer wird Millionär?“, um genauer zu sein. Ich wollte eigentlich was am Computer machen, aber ich wurde dann doch durch sie davon abgehalten:

„Guck mal schnell, Schatz, weißt du die Antwort: ‚Franz Grillparzer schrieb die Erzählung «Der arme… – A) Müllmann B) Spielmann C) Buhmann D) Sensenmann»?'“
„Franz wer? Keine Ahnung.“

„Komm, das ist erst die 2.000-Euro-Frage!“
„Ich weiß es trotzdem nicht!“

„Also ich würde ja A) und C) ausschließen. Das wäre ja zu blöd als Buchtitel.“
„Aber wissen tust du’s nicht, oder?“

„Nein, natürlich nicht. Aber so vom Gefühl her…“
„Aber da geht’s doch um Wissen, nicht um Gefühl.“

„Na ja, aber die zwei kann ich eigentlich ausschließen.“
„Eigentlich. Und wenn’s dann doch eine von beiden Antworten ist?“

„Na ja, ich sitz ja nicht im Studio.“
„Klar. Wenn du nämlich dort sitzen würdest, würdest du dich nicht trauen, mal einfach so vom Gefühl her zwei Antworten auszuschließen.“

„Natürlich. Aber guck mal, der Kandidat ist sich auch nicht sicher.“
„Du wärst ja noch viel unsicherer. Stell dir mal vor, der Jauch würde dich dann fragen: ‚Sind Sie sich da so sicher? «Der arme Müllmann», das könnte ja ein gesellschaftskritisches Werk sein. Und «Der arme Buhmann» klingt jetzt nicht so komisch, wie sie behaupten.‘ Da würdest du aussteigen, oder?“

„Nee, ich hätte ja noch alle Joker! Ich würde zuerst den 50/50-Joker nehmen. Und dann…“
„Und wenn dann noch A) und C) übrigblieben?“

„Dann könnte ich immer noch das Publikum fragen!“
„Das hat doch von sowas auch keine Ahnung!“

„Dann halt mit dem Telefonjoker!“
„Wenn würdest du denn anrufen?“

„Na dich!“
„Aber ich hab doch auch keine Ahnung! Außerdem würdest du mich doch sicher mit ins Studio nehmen, oder?“

„Ja… Na dann halt… Wer könnte das denn wissen… Also ich würde A) und C) ausschließen. Mut zum Risiko!“
„Du spinnst ja! 2.000 Euro riskieren?“

„Das ist nicht richtig riskiert… Ich hab das im Gefühl!“
„Ja ja, Frauen und ihr Gefühl…“

„Pssst, guck mal, jetzt will der sich ohne Joker entscheiden! Der zockt! Der hat nämlich auch so ein Gefühl wie ich!“
„Und gleich hat er auch keine 2.000 Euro mehr…“

„Wieso, 500 darf er ja auf jeden Fall behalten.“
„Was sind schon 500 Euro im Vergleich zu den 2.000! Weißt du, wie lange man dafür arbeiten muss?“

„Und guck mal, der Jauch hat ihn jetzt komplett schwindlig geredet. Jetzt nimmt er doch den 50/50-Joker!“
„Wußt ich’s doch!“

„A) und B) sind übriggeblieben! Müllmann und Spielmann!“
„Und was würdest du jetzt nehmen?“

„A) ist garantiert falsch, das hab ich ja schon vorhin gesagt. Dann heißt das Ding also ‚Der arme Spielmann‘.“
„Wieso denn, es könnte auch ‚Der arme Müllmann‘ heißen.“

„Mein Gefühl sagt, dass A) falsch ist, und dann ist das auch so.“
„Also ich würde jetzt noch jemanden anrufen.“

„Wen denn?“
„Na dich zum Beispiel.“

„Aber ich wäre doch wohl auch im Studio, wenn du…“
„Dann könntest du ja nicht mein Joker sein!“

„Du würdest mich also nicht mit ins Studio nehmen?“
„Na ja…“

„Ach! Und wen würdest du stattdessen mitnehmen?“
„Vielleicht einen Kollegen oder so…“

„Na prima! Da bist du einmal im Fernsehen und ich darf nicht mit!“
„Aber wenn ich dich doch als Joker brauchen würde! Außerdem ist das doch nur so ein Gedankenspiel!“

„Du würdest mich anrufen, obwohl ich die Antwort nicht weiß?“
„Das weiß ich ja in dem Moment noch nicht!“

„Was?“
„Na dass du die Antwort nicht weißt! Und dass du stattdessen so aus dem Bauch heraus was sagen würdest.“

„Nicht aus dem Bauch heraus! Mit Gefühl!“
„Na sag ich doch! Ohne Wissen eben.“

„Das ist eine ganz andere Ebene, aber das verstehst du nicht. Wieso würdest du mich eigentlich überhaupt anrufen, wenn du weißt, dass ich nichts weiß?“
„Ach, lassen wir das. Ich wollte da ja nie hin.“

„Wieso eigentlich nicht?“

Kopfschüttel…

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (noch nicht bewertet)
Loading...Loading...
Diesen Blogartikel verlinken:

Lyrik


Manchmal entdeckt man völlig unerwartet neue Seiten seines Partners. Mir ist das neulich beim Frühstück passiert, als ich feststellte, dass meine Liebste ein Faible für hochgeistige Lyrik zu haben scheint. Ich verstehe davon zwar nichts, aber ich glaube, das spielt bei diesen Werken auch überhaupt keine Rolle. Wir saßen also beim Frühstück und sie las mir aus der Zeitung vor:

„Schwer wogt der Nebel
von der nächtlichen Wacht
Luna ist fern
ihr Schein fällt ganz sacht
auf die Dinge, im Morgen entrückt.
Kein Auge sah je ein Schauspiel wie dies.“

„Häää?“

„Das ist ein Gedicht, hier aus dem Feuilleton. Wie findst’n das?“
„So ein Schrott!“

„Nein, hör nochmal: Schwer wogt…“
„Liebste, ich hab schon gehört. Ich hab keine Ahnung, was das sein soll.

„Na, ein schönes Gedicht!“
„Ich kapier da gar nix.“

„Berührt dich das denn nicht? Diese schöne Sprache?“
„Nöö. Gib mir mal bitte den Sportteil.“

„Da. Das ist doch leicht zu verstehen: Es ist neblig, der Mond scheint noch ein bißchen und es sieht ganz geheimnisvoll aus… so bezaubernd halt, verstehst du, mit so einem speziellen Licht.“
„Nein.“

„Ich glaube, dir fehlt das Gefühl für Lyrik… Was ist denn daran nicht zu verstehen?“
„Na, zum Beispiel wieso der Dichter das so geschwollen ausdrückt!“

„Wenn er eine Pressemeldung wie in deinem Sportteil schreiben würde, wär’s doch kein Gedicht mehr!“
„Aber man würd’s wenigstens verstehen: ‚Es war neblig, dazu ein wenig Mondschein, und Dinge standen rum, die noch niemand gesehen hat.‘“

„Aber das ist doch Quatsch!“
„Sag ich ja!“

„Nein, schon inhaltlich stimmt deine Kurzfassung nicht – es heißt ja ‚ Kein Auge sah je ein Schauspiel wie dies‘.“
„Gut, also könnte er meinetwegen schreiben: ‚Es war neblig, dazu ein wenig Mondschein, Dinge standen rum, sowas hat noch keiner gesehen.‘ Ich hab keine Ahnung, was daran so toll sein soll.“

„Na ja, in deiner Version ist es ja auch kein Gedicht, das ist ja nicht lyrisch. Das wäre so, wie wenn ich den Spielbericht von Werder Bremen gegen FC Duisburg…“
„MSV Duisburg…“

„Meinetwegen MSV, also wenn ich da schreiben würde: ‚90 Minuten, ein Tor für Duisburg, Ende.‘“
„Na das ist doch Quatsch. Erstens spielt Duisburg in der zweiten Liga, und zweitens gewinnen die doch nicht in Bremen!“

„Das war doch nur ein Beispiel dafür, dass du ein Gedicht nicht einfach zusammenfassen kannst!“
„Wieso? Hab ich doch gut gekonnt. War alles drin.“

„Nur die Poesie eben nicht. Die macht das Gedicht so geheimnisvoll.“
„Quatsch mit Soße. Wenn du mich fragst: Der kokst garantiert.“

„Nein, das verstehst du nicht. Der ist eben ein sensibler Typ.“
„Oder er hat halt einen Dachschaden.“

„Ach, du hast da kein Gefühl dafür. Stell dir mal vor, dein Sportteil wäre poetisch verfasst!“
„Dann würde ich ihn halt nicht mehr lesen. Das wäre doch viel zu umständlich.“

„Das ist eben das Schöne an der Poesie – dass sie alles so im Ungefähren lässt!“
„Sag mal, Schatz… Ist was in deinem Kaffee?“

„Nein, ich versuche nur, dir das Gedicht zu erklären!“
„Das wirst du wohl nicht schaffen.“

„Also pass auf. Dein Spielbericht würde sich in etwa so anhören:
Ein Tor ist gefallen
in der langen Zeit
es jubeln die einen
für die anderen: Leid.“

„Ähh… Und wie soll ich jetzt wissen, wer der Torschütze war? Und wieviele gelbe Karten es gab? Und die Einzelkritiken? Und der Schiri?“

„Na ja, das könnte man ja noch ausbauen. Soll ich’s mal probieren?“

Kopfschüttel…

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...Loading...
Diesen Blogartikel verlinken:

Mal in Ruhe Musik hören

Ich weiß nicht, ob’s nur mir so geht, aber ich finde es furchtbar nervig, wenn Lieder im Radio nicht komplett gespielt werden, weil der Moderator am Anfang oder Ende sein inhaltsleeres Geplapper loswerden muss. Meiner Liebsten macht das auf jeden Fall weniger aus. Eigentlich macht sie sich insgesamt wenig aus Musik – das hat sie mir neulich eindrucksvoll demonstriert, als Sie anfängt:

„Schaaaaatz, sollten wir nicht mal neu tapez…“
„Pssssst!!!“ [Ich höre mir wie gesagt gerade etwas Musik an]

„Was denn? Denkst du grade nach?“
„Nein, aber gerade läuft ein sehr schönes Lied im Radio, wie du hörst.“

„Ich dachte, wir könnten mal neu tapezieren.“
„Pssssst!!!“

„So eine orangene Tapete vielleicht… Was hältst du von orange?“
„Schatz, können wir das in drei Minuten besprechen? Da läuft gerade ‚Wish you were here‘!“

„Ah, das kenn ich. Ist das nicht von Eric Clapton?“
„Nein, um Gottes Willen! Das ist von Pink Floyd!“

„Von denen ist auch das eine Lied… wie heißt es doch… Es geht so: Da-da-da Da-da-da Da-da-dadadadadaaa und dann ist noch eine Gitarre dabei.“
„Nie gehört. Vermutlich verwechselst du da was. Aber jetzt lass mich doch noch dieses eine Lied fertighören.“

„Gut.“ [Nach einer kurzen Pause:] „Duuu… kannst Du dabei mal über die Tapeten nachdenken?“
„Nein, weil ich mich auf das Lied konzentriere!! Psst!“

„Highway to Hell! So heißt das Lied, das ich gesucht habe!“
„Aber das ist doch nicht von Pink Floyd! Das ist von AC/DC!“

„AC/DC… hmm… kenn ich die?“
„Na ja, wenn du das Lied kennst – aber doch nicht Pink Floyd! Hör dir doch mal das Lied an, das da gerade läuft, das ist doch ein ganz anderer Stil!“

„Orangene Tapeten wären übrigens auch ein ganz anderer Stil. Ob unsere Möbel dazu passen?“
„Schatz, lass mich doch bittebitte das Lied in Ruhe fertighören!“

„Ja ja, schon gut.“
„Ach, jetzt plappert dieser idiotische Moderator auch noch rein… Kann man doch vergessen. Es ist eigentlich ein Verbrechen, so ein Lied nicht komplett zu spielen.“

„Wieso denn? Ist doch nur ein Lied.“
„Was? Schatz, das ist ‚Wish you…‘“

„Ja, ja, das hast du schon mal gesagt. Aber du kennst es ja auch schon, also ist es doch nicht so schlimm. Wie fändest du denn grün? Das wär mal mutig, oder?“
„Also vor so einem zentralen Werk der neueren Musikgeschichte sollte man schon etwas ehrfürchtiger sein und nicht mit grünen Tapeten kommen!“

„Grün also eher nicht… Bei orange weiß ich aber nicht, ob die Möbel…“
„Weißt du, Schatz, wenn einem das Werk so einer großen Band egal ist, also dann kann einem auch die Tapetenfarbe egal sein.“

„Es ist dir also egal, welche Farbe unsere Tapeten haben? Ich könnte also auch schwarz nehmen?“
„Ja mein Gott… die alten Tapeten sind doch noch gut! Das ist doch ein zeitloses Muster.“

„Schwarz wäre aber auch zeitlos.“
„Ist halt gut für Depressionen…“

„Also doch orange, das wirkt aufhellend und macht die Räume größer.“
„Aber wenn wir neu tapezieren, müssen wir alle Möbel wegrücken! Das ist doch alles unnötig! Ich hab außerdem gar keine Lust zum Tapezieren!“

„Ach das ist der Grund! Lieber die ganze Zeit rumsitzen und Musik hören!“
„Ich wollte EIN Lied komplett hören – mehr nicht!“

„Hmm… und wenn ich dich beim Tapezieren in Ruhe Musik hören lasse?“

Kopfschüttel…

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (noch nicht bewertet)
Loading...Loading...
Diesen Blogartikel verlinken:

Zu dritt!

KatzeIch habe nichts gegen Tiere. Und ich hänge an diesen Satz nicht „wenn sie auf dem Grill liegen“ an. Tiere sind geduldige und gelehrige Begleiter von uns Menschen, seit ewigen Zeiten schon. Es gibt aber Tierarten, die mag ich nicht. Katzen beispielsweise. Meine Liebste dafür um so mehr. Beim Frühstück entspann sich folgender Dialog – ich war noch nicht ganz wach und erkannte nicht, wie vermint dieses Thema ist. Sie sagt also:

„DuuuUUU….Was würdest Du eigtl. dazu sagen, dass wir uns mal ein Haustier anschaffen?“
„Ein Haustier?“

„Ja, so ein kleines, niedliches.“
„Die werden mal groß und fett. Alle.“

(eingeschnappt) „Ach, sind wir heute mit dem falschen Fuß aufgestanden?“
[Ich lege die Zeitung weg, denn die Tonlage meiner Liebsten verkündete drohendes Unheil.]
„Hmm. An was für ein Haustier hast du denn gedacht?“

„Ein süßes Kätzchen, schwarz oder…“
„Nur eine tote Katze ist eine gute Katze.“ entfährt es mir, was ich sogleich fürchterlich bereue.

„Oh, ich wußte nicht, dass ich mit einem Tierhasser am Frühstückstisch sitze.“
„Äh… das ist nur so ein Spruch… aus dem Wilden Westen… Mein Gott, man wird doch mal einen Spaß machen dürfen!“

„Spaß? Du nennst eine tote Katze einen Spaß? Auf diese Art Humor kann ich verzichten!“
„Na ja, lassen wir das. Meinetwegen holen wir uns halt eine Katze.“

„Moment. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Haushalt hier für eine Katze geeignet wäre!“
„Wieso denn nicht?“

„Weil DU hier wohnst!“
„Soll ich etwa ausziehen wegen dem Vieh… der Katze, meine ich?“

„Nein, aber deine Einstellung Katzen gegenüber ändern.“
„Wie denn?“

„Na, du könntest ihnen gegenüber von vornherein aufgeschlossen sein.“
„Aha.“

„Und du musst sie auch hin und wieder streicheln und mit ihr schmusen!“

„Ach…“

„Und ihren Willen respektieren. Katzen sind sehr eigensinnig.“
„Das ist ja schön… Ist das schon alles, Liebling?“

„Das Katzenklo muss natürlich hin und wieder gesäubert werden.“

„Natürlich.“

„Und ab und zu musst du beim Einkauf eben Katzenstreu mitbringen. Das ist ja kein zusätzlicher Aufwand.“
„Bestimmt nicht. Aber das war dann alles, oder?“

„Am Anfang musst du die Katze halt noch erziehen…“
„Eine Katze erziehen? Ich? Wie soll das denn gehen?“

„Siehst du, Schatzi, da hab ich mir auch schon Gedanken drüber gemacht und dir das Buch „Katzenhaltung, Katzenpflege“ gekauft! Damit wird das ein Kinderspiel.“
[An dieser Stelle des Gesprächs dämmert mir so langsam, dass ich bei diesem Thema kein Mitspracherecht habe.]
„Ich will aber gar nicht…“

„Und hier sind ein paar Spielsachen für den kleinen Racker, damit ihm nicht langweilig wird.“
[Widerstand zwecklos, ich gebe auf.]
„Brauchen wir nun also nur noch die Katze… Wo holen wir die?“

„Von der Terrasse draußen, Liebling! Sie sitzt dort im Körbchen und wartet auf uns. Ich wusste, dass du dich freuen würdest!“

Kopfschüttel…

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (noch nicht bewertet)
Loading...Loading...
Diesen Blogartikel verlinken: