Tennisshop

Tatort Klo

19. September 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Gestern abend sah ich gerade den Tatort an und fand ihn sehr gelungen. Bis meine Liebste aus dem Klo kam und ich mich dann nicht mehr so recht auf die Handlung konzentrieren konnte, weil sie mit einem Thema kam, das meilenweit vom Krimi entfernt war:

„Sag mal, was haben wir denn neuerdings für Klopapier?“
„Wieso?“

„Das ist ja einlagig!“
„Was meinst du?“

„Das ist einlagig! Ganz dünn. Und überhaupt nicht weich.“
„Hab ich noch nicht gemerkt.“

„Aber du hast das doch gekauft, oder? Mir wäre sowas nicht in den Einkaufswagen gekommen.“
„Ach, die sind doch alle gleich. Nur eine andere Verpackung.“

„Quatsch, da gibt es welche, die fühlen sich wie Schmirgelpapier an, und andere sind ganz weich.“
„Und welches haben wir?“

„Einlagiges Klopapier eben, na ja, so ein Zwischending, finde ich.“
„Hauptsache es funktioniert. Meine Oma hat früher sogar Zeitung genommen.“

„Ja natürlich. Und bei der Deutschen Bahn gab’s früher auch so eine Mischung aus Karton und Baumrinde, aber das hat ja jetzt nichts mit unserem Klopapier zu tun!“
„Ja, nimm eben ein anderes.“

„Das ist doch das Problem: Wir haben kein anderes!“
„Heute gibt’s auch kein anderes mehr, es ist Sonntag abend…“

„Ich will doch grade auch gar kein anderes! Ich meine nur, dass…“
„Na also. Dann ist ja alles prima und ich kann hier weitergucken.“

„Also ich will mindestens zweilagiges Papier! Die restlichen Rollen von diesem Schrott darfst gerne du verbrauchen – du hast sie ja auch gekauft!“
„Ist es denn so schlimm?“

„Es ist eben einfach sehr unangenehm. Kannst ja gerne mal selbst probieren!“
„Ich muss grade aber gar nicht auf’s Klo, außerdem will ich in Ruhe den Tatort gucken.“

„Dir ist das Klopapier völlig egal, oder?“
„Ja, also das heißt im Moment ja. Kann ich mich nachher drum kümmern?“

„Außerdem hängst du es immer falschrum auf den Halter.“
„Hochkant?“

„Nein, aber so, dass der Anfang immer an der Wand ist.“
„Hä?“

„Da kann man ihn so schlecht greifen!“
„Sag mal… Welche Studien treibst du da eigentlich, wenn du auf dem Klo sitzt? Nimm dir doch mal ein Buch mit…“

„Du willst mich gar nicht verstehen! Es stört mich eben, wenn das Klopapier falschrum dahängt, und ich würde mich freuen, wenn Du diese Störung beseitigst!“
„Ich soll jetzt ins Klo und das Klopapierrolle umdrehen?“

„Nein! Du sollst sie einfach richtigrum aufhängen, wenn du beim nächsten Mal eine neue Rolle nimmst.“
„Schatz, ich werde in Zukunft alle Deine Klopapierwünsche beachten, wenn du mich nun bitte den Tatort fertigschauen lässt. In Ruhe.“

[Nachdem die Liebste eine halbe Stunde mit mir den Tatort angeschaut hat:]
„Weißt du was?“
„Was denn?“

„Dieser Boerne hat bestimmt auch zweilagiges Klopapier.“

Kopfschüttel…

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Ein ruhiger Abend

17. September 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Als ich gestern abend heimkam, war ich froh, dass diese Arbeitswoche vorbei war – es war eine Woche zum Abhaken gewesen. Ich wollte abends nur noch ein Bier trinken und dabei ein bisschen Musik hören und sonst nichts. Die Entspannung gelang aber nicht, denn die Liebste fing nach dem Abendessen an:

„Und, was machen wir jetzt?“
„Ein Bier trinken, Musik aus den 80ern hören und ab in die Falle! Darauf freue ich mich schon seit gestern.“

„Pöööh… Mit dir ist ja auch nichts mehr anzufangen. Aber gut – morgen bist du wieder besser drauf. Oder?“
„Ja.“

„Schön. Dann richte ich dir einen schönen Wohnzimmerentspannungsabend mit Bier und Musik bei Kerzenlicht.“
„Au, das ist nett. Danke!“

„Sind ‘The 80’s‘ genehm? Lehnen Sie sich zurück und entspannen Sie!“
„Ja, mach ich.“

„Wieso kommt da keine Musik?“
„In Bedienungsanleitungen steht in solchen Fällen: ‚Überprüfen Sie, ob das Gerät an die Stromversorgung…‘“

„Jaja, ich bin ja nicht von 1840. Es ist alles an, komisch.“
„Vielleicht ist die Lautstärke versehentlich zu leise eingestellt?“

„Ich dreh’s mal hoch… Nichts!“
„Dann muss ich mich wohl doch von meinem Entspannungsplatz erheben…“

„Moment! So schnell geb ich das nicht ab.“
„Schön. Es geht doch nichts über eine hübsche und hartnäckige Servicetechnikerin.“

„Ich hab da eine Idee…“
[BAUTZ! Ein Radiomoderator brüllt mit seinem Spruch von den besten Hits der 70er, 80er, 90er und allen anderen Epochen in unsere kleine Wohnung, dass ich beinahe die ewige Entspannung gefunden hätte. Die Liebste dreht ihn schnell wieder auf Normallautstärke, während ich mich mit schreckgeweiteten Augen im Sessel festkralle.]
„-!“

„Huch! Hab ich mich erschrocken!“
„Was zur Hölle hast du denn gemacht?“

„Ich hab nur mal auf Radio umgeschalten, um auszuschließen, dass das Problem am Verstärker liegt! Problemausschlussverfahren nennt sich das…“
„Aha. Es geht doch nichts über eine hübsche, hartnäckige und taube Servicetechnikerin… Weißt du eigentlich, dass ich für einen kurzen Moment gar nicht mehr so entspannt war?“

„Jaja, jetzt stell dich doch nicht so an. Ich hab’s ja gleich. Außerdem bin ich nur logisch vorgegangen, also genau so, wie es die Technik erfordert.“
„Vielleicht stellst du das Ganze das nächste Mal leiser. Vorher! Wenigstens ein bisschen, so dass ich nicht mit einem Herzkrampf aus dem Sessel falle!“

„Meine Güte… Kann doch jedem mal passieren…“
„Ich steh vielleicht doch besser auf…“

„Nein, ich bin doch gleich soweit. Der Verstärker war’s nicht, also muss es der CD-Player sein. Na bitte: ‚No Disc‘!“
„Oh Mann!“

„Moment, ich hab sie aber eingelegt! Und ‚Play‘ gedrückt!“
„Und wieso kommt trotzdem nix?“

„Ich mach das nochmal von vorne: CD nochmal rein… Oh! Ich hab sie falschrum reingelegt! Kein Wunder!“
„In der Tat kein Wunder, dass DA nichts kommt…“

„Nein, ich meine, es ist kein Wunder, dass sie falschrum drinliegt. Hier ist so schummriges Licht mit der Kerze, man sieht ja kaum was. Mit Kassetten ist mir früher sowas nie passiert!“

Kopfschüttel…

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Desktop

2. September 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Gestern abend hatte ich Bilder von einem Wochenendausflug auf unserem Rechner gesucht. Ich wurde aber nicht fündig, was vielleicht daran lag, dass meine Liebste sie gespeichert hatte. Sie werkelte grade in der Küche, und ich grummelte schon eine Weile am Rechner vor mich hin, bis sie meinen Unmut bemerkte:

„Was ist denn, Schatz?“
„Ich finde die Bilder von dem Wochenendausflug nicht. Von der kurzen Wanderung, wo wir diese ‚Abkürzung‘ genommen haben…“

„Die müssen aber auf dem Rechner sein!“
„Ich find sie aber nicht.“

„Schau halt mal ordentlich.“
„‘Ordentlich‘ ist ein gutes Stichwort…“

„Wie meinst du das denn?“
„Na ja… Man kann auf dem Rechner Ordner erstellen, das kommt von Ordnung…“

„Hab ich doch! Und in einem solchen Ordner sind die Bilder drin.“
„Und wie heißt der? ‚Neuer Ordner‘? Oder ‚Neuer Ordner (2)‘? Oder ‚Neue Bilder‘? Oder ist es der ‚Wichtige Bilder‘-Ordner?“

„Nein, das sind doch ganz andere Bilder. Ich hab sie unter ‚Eigene Dateien‘ gespeichert, glaub ich.“
„Da sind auch nur Unterordner…“

„Such sie halt mal durch…“
„Dafür, dass so ein PC Arbeit und Zeit sparen soll, sitz ich schon ganz schön lange hier rum.“

„Was meinst du?“
„Nichts, nichts. Ich such halt.“

„Gut.“
„Zum Beispiel im Unterordner ‚ganzneuebilder‘… Mist, auch nichts. Bist du dir sicher, dass du die Bilder von der Kamera rübergezogen hast?“

„Ja natürlich.“
„Oh Mann… Ich reproduziere das Ganze einfach.“

„Was sagst du?“
„Ich lade die Bilder einfach nochmal auf den Rechner.“

„Aha. Aber in fünf Minuten ist das Essen fertig!“
„Ja, ich rieche es schon. So, fertig. Da sind sie.“

„Gut.“
„HA! Und jetzt sehe ich auch, wo du die Bilder gespeichert hast!“

„Wo denn?“
„Auf dem Dektop!“

„Wo ist denn der?“
„Na… Ach, ich zeig’s dir nachher. Es waren nur fünf Bilder, deswegen hab ich die Symbole nicht gesehen.“

„Na dann ist ja jetzt alles prima.“
„Na ja… Auf dem Desktop speichert man doch eigentlich keine Einzeldateien.“

„Wieso denn nicht?“
„Weil man sie sonst ewig suchen muss, wenn man das nicht weiß! Extra dafür gibt’s Ordner und Unterordner.“

„Aber jetzt hast du sie doch gefunden, also war mein Speicherort wohl nicht so schlecht! Aber egal, komm zum Essen.“
„Ja. Mmmh, Lasagne!“

„Du kannst ja schon mal den Tisch decken.“
„Ja, mach ich. Wo ist denn eigentlich der Untersetzer für die Auflaufform?“

„Keine Ahnung. Den hast du vermutlich aufgeräumt, ich hänge ihn immer an den Haken neben dem Wasserkocher.“
„Ach so. Ah ja, ich erinnere mich… ich hab ihn in die Schublade geräumt und mir beim Aufräumen noch gedacht, dass ich den hier eigentlich noch nie gesehen habe. Komisch.“

„In die Schublade? Zu dem ganzen Krimskrams? Die ist eigentlich der Desktop der Küche!“

Kopfschüttel…

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Kreuzworträtsel

17. Juli 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Manchmal ist es ganz schön, wenn das Wochenende nicht so komplett verplant ist. Natürlich sind Besuche und Unternehmungen toll, aber mal so ein verregneter Nachmittag ganz ohne Verpflichtungen ist auch schön, finde ich zumindest…

„Hach, ist mir langweilig. Was machst du denn grade?“
„Ich lieg hier und lese was.“

„Was liest du denn?“
„Die Autozeitschrift von letzter Woche.“

„Wie langweilig.“
„Mir gefällt es. Lies doch auch was.“

„Hach, ich weiß nicht.“
„Hier sind noch Zeitschriften, hast du die schon ausgelesen?“

„Ja, die kenn ich schon.“
„Dann wirf sie doch weg, die brauchen doch nicht hier rumzuliegen.“

„Die Rätsel habe ich noch nicht gemacht.“
„Dann lös doch die Rätsel, dann kannst du die Hefte auch wegwerfen.“

„Ja, das könnte ich machen.“
„Prima.“

„Schatz, ein Bundespräsident mit sechs Buchstaben?“
„Wulff, nee, kann nicht sein, der hat nur fünf Buchstaben. Herzog müsste es sein.“

„Passt nicht. Weißt du keinen anderen?“
„Hmm… Warte mal. Scheel fällt mir da noch ein.“

„Passt auch nicht. Naja, dann mach ich hier weiter. Fluss in Polen mit R?“
„Keine Ahnung.“

„Oh, das hier weiß ich: Luftzug, Wind. Das muss Brise sein. Passt, prima. Dann hat der Präsident als vierten Buchstabe ein „B“. Weißt du jetzt, wer es ist?“
„Nee.“

„Dann komme ich aber nicht weiter.“
„Jaja.“

„Oh, das weißt du bestimmt: Mut, Tapferkeit mit sieben Buchstaben?“
„Hast du schon Buchstaben vorgegeben?“

„Am Ende ein E und der dritte ein U.“
„Mehr hast du nicht?“

„Du weißt es nicht, stimmt’s?“
„Ich wollte hier nur mein Autoheft lesen und keine Rätsel machen.“

„Ach, komm. Du weißt es einfach nicht.“
„Zeig mal das Heft her.“

„Hier, bitteschön.“
„Was ist denn das für ein komisches Rätsel? Aber Mut ist bestimmt Courage. Gib mal den Stift her, warte, es passt!“

„Aha, Courage. Sagt doch heute kein Mensch mehr.“
„Dein Bundespräsident heißt dann übrigens Lübke.“

„Aha. Noch nie gehört. Ist nicht mein Bundespräsident.“
„Du wolltest es doch wissen.“

„Ja, aber nur wegen des Rätsels.“
„Hier hast du dein Heft wieder. Jetzt kannst du es fertig machen.“

„Ja, und eine Kosmetiktasche mit Inhalt gewinnen!“
„Du hast doch schon zwei Taschen – und deren Inhalte füllen den halben Badschrank!“

„Man kann immer mal eine in Reserve haben.“
„Du hast bereits eine in Reserve.“

„Naja, stimmt schon. Zum Glück sehe ich grad, dass der Einsendetermin des Lösungswortes sowieso schon abgelaufen ist…“

Kopfschüttel…

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Bullshit-Bingo

13. Juli 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Völlig genervt und grummelig kam ich von der Arbeit heim. Die Liebste hatte schon den Tisch gedeckt, frische selbstgemachte Pizza im Ofen und schaffte es auch, mich wieder zum Schmunzeln zu bringen:

„Hallo, mein Schatz. Essen ist gleich fertig.“
„Ach, prima. Das riecht nach Pizza! Mmh, lecker…“

„Ja, ich hab doch noch ein paar Überstunden und heute war‘s ruhig und ich dachte, ich bummle mal ein paar ab und geh einkaufen und koche dir was Schönes. Und das Bad hab ich auch geputzt.“
„Fleißig. Oh, die Pizza sieht aber lecker aus!“

„Ja, und wie war dein Tag? Müde siehst du aus.“
„Nervig war mein Tag und ich bin müde.“

„Wieso? Was war denn los?“
„Es gibt ein neues Konzept in der Firma.“

„Aha. War das alte nicht mehr gut?“
„Doch, aber ein neues verbraucht Ressourcen, die sonst zuviel vorhanden wären.“

„Wie? Ich versteh gar nix. Es hieß bei euch doch immer ‚Ressourcen schonen‘ und so weiter.“
„Schatz, das war ein Witz. Es nervt eigentlich nur, wozu es gut ist, weiß kein Mensch.“

„Aber irgendwer hat es doch eingeführt? Wer ist denn verantwortlich dafür?“
„Es gibt da so eine Beratungsfirma, die verkauft solche Schnapsideen an Firmen und macht sich dann aus dem Staub und bemüht sich, nie wieder einem Mitarbeiter dieser Firma über den Weg zu laufen.“

„Ach je. So schlimm?“
„Schlimmer. Ich hab gar keine Lust mehr hinzugehen. Morgen ist dann die Kick-Off-Veranstaltung und dann geht der Quark erst richtig los. Ich hab schon mit meinem Kollegen eine Vorlage für‘s Bullshit-Bingo entworfen.“

„Was ist denn Bullshit-Bingo?“
„Kennst du nicht? Das ist das einzige, was dich in solchen Veranstaltungen wach halten kann! Wir haben eine Liste entworfen mit den klassischen Phrasen, die in solchen Veranstaltungen gedroschen werden, und wenn das Wort oder die Phrase gefallen ist, kann sie abgehakt werden und wer zuerst alle Begriffe abgehakt hat, steht auf und ruft laut ‚Bullshit‘ und hat gewonnen.“

„Was sagt denn die Chefetage dazu?“
„Die spielt nicht mit. Sag mal, was riecht hier denn?“

„Oh, Bullshit, die Pizza! Naja, geht noch, nur am Rand ein bisschen   knuspriger als sonst.“
„Mhhh… die sieht trotzdem total lecker aus.“

„Ja, sie schmeckt auch bestimmt noch. Was habt ihr denn für Worte gesammelt?“
„Och, auswendig weiß ich die jetzt nicht mehr alle, aber Claim, Wertschöpfungskette, Umstrukturierung, Arbeitsverdichtung, Qualitätsmanagement, ergebnisorientiert, zeitnah, Marketing und so was war dabei.“

„Das klingt wirklich sterbenslangweilig.“
„Sag ich doch. Und der Ärger geht ja dann erst richtig los. Umsetzung und so.“

„Tja, da kannst du aber wenig machen, wenn‘s von oben kommt.“
„Ja, leider.“

„Was gibt’s denn zu gewinnen?“
„Wo zu gewinnen?“

„Beim Bullshit-Bingo.“
„Nichts. Schatz, das war nur ein Spaß. Das spielen wir nur ganz leise und jeder für sich.“

„Ach, schade. Die Idee klingt gut.“
„Naja, schon. Aber ich würde sowieso gewinnen, meine Kollegen lassen sich immer zu schnell ablenken.“

„Oh, wenn du gewinnst gibt es auch einen Preis!“
„Ach, was denn?“

„Einen Abend mit mir!“

Kopfschüttel…

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Hauptsache kein Öl

11. Juli 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Am Wochenende waren wir einige Zeit draußen unterwegs, und da hatte ich mir eine Zecke eingefangen. Das Biest saß zwischen Schulter und Achsel und sollte natürlich schnell das Zeitliche segnen. Meine Liebste leitete die Operation mit folgenden Worten ein:

„Was für ein widerliches Biest!“
„Ja. Aber sie hat sich noch nicht richtig festgebissen, oder? Ich seh das aus dem Augenwinkel so schlecht.“

„Nein, ich glaube, sie beginnt ihr übles Werk gerade. Ich such mal die Zeckenkarte.“
„Ja, man darf die Viecher ja nicht mit Öl umbringen.“

„Nein, keinesfalls! Ich hab das mal gelesen, die scheiden dann ihre ganzen Viren und Bakterien und was weiß ich noch aus, und dann hast du den Salat. Ich mach das mit der Zeckenkarte, wenn ich sie finde. Natürlich kein Öl, bist du verrückt!“
„Sag ich doch, kein Öl. Beruhig dich doch wieder, das Vieh sitzt ja außerdem bei mir.“

„Ja,bloß kein Öl.“
„Hab ich doch grade…“

„Nur, um sicherzugehen. Das kann man nicht oft genug erwähnen. Falls ich mal nicht da bin und du hast sowas, dann mach bloß kein Öl drauf.“
„Sag mal, Schatz, hast du einen Hörsturz? Ich sagte doch: Kein Öl!“

„Mein Reden! Bloß kein Öl drauf, das sag ich doch schon die ganze Zeit!“
„Moment. ICH hab das zuerst gesagt.“

„DU hast irgendwie die Idee ins Spiel gebracht, dass man Zecken auch mit Öl umbringen könnte. Das darf man aber keinesfalls!“
„Ja, das weiß ich mittlerweile. Also eigentlich wusste ich es ja schon vorher. Aber ich habe es zuerst gesagt!“

„Ich habe gesagt, dass ich das Viech mit der Zeckenkarte rausmache, wenn ich sie finde.“
„Ja, das ist ja in Ordnung.“

„Hauptsache nicht mit Öl!“
„Schatz, kannst du jetzt das mit dem Öl mal lassen und…“

„Ich will doch gar kein Öl nehmen! Grade hab ich doch gesagt, dass ich die Zeckenkarte nehmen werde! Hörst du mir denn überhaupt zu? Irgendwo muss das Ding doch rumfahren…“
„Ich hab dir doch gar nicht unterstellen wollen, dass du Öl nehmen wolltest. Es ist nur…“

„Natürlich! Du hast gesagt, ich soll das mit dem Öl mal lassen!“
„Ja, aber das habe ich doch ganz anders…“

„Ich wollte überhaupt kein Öl nehmen!“
„Jaja, ich weiß. Ich meinte doch nur…“

„Du willst mich einfach nicht verstehen oder dein Hörvermögen hat unter dem Zeckenbiss gelitten. Hilf mir doch mal, die blöde Zeckenkarte zu suchen!“
„Ja, ich suche. Aber das mit dem Öl würde ich schon noch gerne klären!“

„ICH NEHME KEIN ÖL!“
„Ich weiß doch!“

„Wo ist dann das Problem?“
„Dass du mich falsch verstehst!“

„Moment. Ich verstehe dich falsch?“
„Ja. Pass auf…“

„ICH verstehe DICH falsch? Wegen dem Öl?“
„Jetzt wart doch mal… Hör mir doch mal zu! Ich will kein Öl, du willst kein Öl. Soweit richtig?“

„Ja.“
„Wo ist dann also dein Problem?“

„Ich hab kein Problem. Du hast ein Problem!“
„Ja, die Zecke. Sonst nichts.“

„Eben, und die mache ich jetzt mit der Zeckenkarte ab, wenn ich sie finde.“
„Ja, aber bald, sonst frisst sie mich auf!“

„Such halt mal besser!“
„Hier hätte ich immerhin eine Pinzette, die geht zur Not auch.“

„Gut, dann probier ich’s damit. Ich muss nur aufpassen, dass ich das ganze Vieh erwische.“
„Ja. Leg los.“

„Halt still, es ist nur eine Notlösung. Aber besser als Öl!“

Kopfschüttel…

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Gefährliche Lektüre II

12. Juni 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Die Liebste ist bereits seit Stunden am Telefonieren. Es muss wohl um irgendwas Wichtiges gehen, aber da kann ich mich auch täuschen – als sie endlich wieder ansprechbar ist, frage ich natürlich, warum sie so ewig telefoniert.

„Ich hab nur mit Elke gesprochen.”
„Was gibt’s denn da so lange zu besprechen? Ihr seht euch doch regelmäßig.“

„Ach, das war ein Notfall.“
„Was ist denn los?“

„Ach, nichts für Männer.“
„Na, dann eben ein Frauenthema.“

„Obwohl es doch um Männer geht. Elke ist ganz fertig.“
„Wieso? Ist sie nicht glücklich verheiratet?“

„Doch, dachte sie bisher.“
„Oha, sie hat lange blonde Haare auf seinem Hemd gefunden.“

„Nein, das nun nicht gerade.“
„Ach, dann hat sie fremde Damenunterwäsche in seinem Auto gefunden?“

„Nein, wieso kommst du überhaupt auf sowas?“
„Naja, Elke war doch schon immer so eifersüchtig und kaum, dass er mal später heimkam, gab’s Verhöre, wo und mit wem er unterwegs war. Erinnerst du dich noch an das eine Silvester? Da gab’s doch auch Stress, weil er zu oft mit anderen getanzt hat, dabei wollte sie doch gar nicht tanzen…“

„Ja, das stimmt schon. Aber jetzt hat sie wirklich einen Grund.“
„Grad hast du gesagt, sowas ist nicht der Grund.“

„Naja, direkt fremdgehen ist ja auch nicht der Grund, aber sie hat im Schrank zwischen seinen Klamotten so Hefte gefunden.“
„Paah, Schatz, das ist doch kein Grund für Aufregung.“

„Wieso?“
„Naja, so ein Heft hat doch nichts zu sagen.“

„Wieso nimmst du ihn in Schutz?“
„Nehme ich doch gar nicht.“

„Hast du auch so einen Kram im Schrank?“
„Nein, natürlich nicht.“

„Soll ich gucken gehen?“
„Quatsch, ich hab nichts zu verbergen. Aber über sowas muss sich Elke doch nicht aufregen.“

„Aber warum liest er so ein Zeug, wenn er doch Elke hat und verheiratet ist?“
„Naja, man kann sich ja mal woanders Anregungen holen. Du weißt doch: Appetit holen ist erlaubt, nur gegessen wird daheim.“

„Meinst du?“
„Klar. Nur an ihrer Eifersucht sollte sie mal arbeiten.“

„Naja, aber er gibt ihr ja jetzt schon einen Grund. Also ich wäre auch sauer, wenn du so ein Zeugs jetzt plötzlich lesen würdest!“
„Ach was. Das ist wie ihr mit euren Liebesschnulzen. Wir sind doch auch nicht eifersüchtig auf Johnny Depp, Brad Pitt und wie diese Kasper alle heißen.“

„Was heißt hier Kasper? Die sehen doch sehr appetitlich aus!“
„Naja, die Damen in den Heften auch.“

„Hhhmmm. So hab ich das noch gar nicht betrachtet. Aber stimmt schon. Wir gucken ja auch Filme und freuen uns über die knackigen Männer dort.“
„Eben. Dabei habt ihr selbst knackige Männer daheim!“

„Naja.“
„Was heißt hier naja?“

„Schatz, mit knackig ist nicht gemeint, dass es jeden Morgen beim Aufstehen knackt.“
„Sehr witzig! Du wirst auch nicht jünger, Schatz.“

„Stimmt. Und du bist mir auch lieber als jeder Film-Kasper, sei er noch so knackig.“
„Dann bin ich ja beruhigt.“

„Und ich muß jetzt nochmal Elke anrufen.“

Kopfschüttel…

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Mal eben die Fenster ölen

4. Juni 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Neulich bin ich meinen Pflichten als Mann im Haus nachgekommen und habe endlich mal wieder die Fenster geölt. Solche Arbeiten macht man immer am besten, wenn die Liebste nicht in der Nähe ist, was sich wiederum sogleich bestätigt hat, als sie heimkam:

„Was machst du denn da auf dem Stuhl?“
„Nach was sieht es denn aus? Ich öle die Fensterscharniere.“

„Du ölst die Fensterscharniere?“
„Ja. Das muss ab und zu mal gemacht werden, damit die Fenster nicht quietschen.“

„Davon hab ich ja noch nie gehört. Außerdem quietschen unsere Fenster doch nicht!“
„Natürlich quietschen sie nicht. Weil ich sie hin und wieder öle.“

„Also Schatz… Bei unserer Nachbarin quietschen die Fenster sicherlich auch nicht. Und die ist über 70 Jahre alt. Du glaubst doch nicht, dass die ihre Fenster ölt?“
„Vielleich hat sie ja jemanden, der das für sie macht. Oder sie ist mittlerweile so taub, dass sie es nicht mehr hört.“

„Also ich weiß ja nicht… Leg doch bitte wenigstens eine Zeitung unter, damit nichts auf den Boden tropft.“
„Ich pass schon auf. Ich hab ja schon bald alle Fenster durch.“

„Lieber ein quietschendes Fenster als einen schwarzen Ölfleck!“
„Wieso schwarz? Das ist Nähmaschinenöl, das ist durchsichtig.“

„Nähmaschinenöl? Was du nicht alles hast! Aber pass bitte trotzdem auf den Teppich auf. Und auf die Pflanzen auf der Fensterbank. Und vor allem auf die Vorhänge!“
„Ja ja, ich pass schon… HOPPLA!“

„SCHATZ! Um Himmels willen, hast du dir weh getan?“
„Ich… Aua! Ich glaube, es ist nichts passiert. Ich habe Glück gehabt, dass ich mich am Vorhang festhalten konnte!“

„Der ist jetzt natürlich hin! Mist. Na ja, Hauptsache, dir ist nichts passiert.“
„Ich hab einen Moment nicht aufgepasst, und schon war’s passiert! Wo ist denn jetzt mein Ölfläschchen?“

„Da, auf der Fensterbank. Ist zum Glück nicht ausgelaufen. Aber du wirst doch jetzt nicht weitermachen wollen?“
„Natürlich. Mir ist ja nichts passiert.“

„Nein, Schatz, kommt nicht in Frage. Du ruhst dich jetzt erst mal aus. Ich mach das hier fertig.“
„Aber…“

„Kein aber, ich mach das.“
„Gut. Dann leg ich mich auf die Couch“

(Nach einer kleinen Weile:) „Schaaaaatz?“
„Ja?“

„Wo genau muss ich denn ölen?“
„Na da, wo diese Metalleinsätze sind mit den Löchern.“

„Aha.“
„Siehst du sie?“

„Ich glaube schon!“
„Wie: Ich glaube?“

„Na da sind so Metalldinger. Da mach ich mal Öl drauf.“
„Wart mal! Ich komme!“

„Schon erledigt! Oh! Wieso läuft das denn jetzt da runter? Das ist ja eine Sauerei!“
„Warte, Schatz, du musst das Öl in das Loch tröpfeln!“

„Ach IN das Loch? Gut. Aber da muss man nachher mal mit einem Lappen den Rahmen abwischen. Und die Fensterbank auch, sehe ich grade…“
„Mach doch mal langsam!“

„Wieviel Öl passt denn eigentlich in das Loch rein?“
„Nur ein paar Tropfen braucht es da.“

„Da passt aber mehr rein, merke ich grade!“
„Halt, halt! Nicht so viel!“

„Wieso, viel hilft viel!“
„Aber das überflüssige Öl muss doch irgendwo hin! Lass bitte mich weitermachen, nicht dass du das Fenster ruinierst!“

„Du traust mir so was wohl nicht zu?“
„Doch, schon, aber mach das doch nicht so hektisch… Und pass auf! Jetzt hast du selbst Öl in die Pflanze getropft, weil du das Fläschchen so komisch hältst!“

„Hoppla! Na ja, sie wird’s überleben. Und wenn nicht… eigentlich gefällt sie mir eh nicht. Ich kann das gut, oder? Ich mach gleich mit dem nächsten Fenster weiter!“

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Duschöl

23. Mai 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Da meine Liebste oft nur schwer aus dem Bett kommt, wird es morgens hin und wieder etwas knapp. Dann heißt es schnell duschen, Kaffee trinken, Brötchen essen, Zeitung durchblättern und los. Neulich ließ ich der Liebsten – nett wie ich bin – den Vortritt im Bad und machte schon mal die Kaffeemaschine an. Als ich dann in der Dusche war, hörte sie wohl meinen lauten Fluch und kam herbeigeeilt:

„Was ist denn los?“
„Verfluchter Mist!“

„Schatz, was ist denn? Bist du gestürzt?“
„Die Dusche ist ja wie Schmierseife! Ein Wunder, dass ich mir nichts gebrochen habe, nur mein Handgelenk tut furchtbar weh!“

„Oh, lass mal sehen. Ich hol gleich den Kühlakku aus dem Gefrierschrank, den kannst du in ein Handtuch wickeln und dein Handgelenk kühlen.“
„Danke, hoffentlich hilft’s…“

„Siehst du, es wird gleich besser.“
„Ja. Aber warum ist denn die Dusche so rutschig? Ich bin noch nie in der Dusche ausgerutscht.“

„Ach, das ist mein neues Duschöl. Siehst du, hier. Es macht die Haut beim Duschen schon schön weich und geschmeidig und ich spare jeden Morgen fünf Minuten Zeit, weil ich mich ja nicht mehr eincremen muss.“
„Ja, prima. Und ich hab das nächste Mal sechs Wochen Zeit, weil ich mir den Arm breche.“

„Ach Quatsch, jetzt weißt du es ja und bist vorsichtiger.“
„Schatz, du musst die Dusche putzen, wenn du geduscht hast. Schau, es steht sogar auf der Flasche: Nach Gebrauch mit heißem Wasser Reste des Duschöls entfernen!“

„Das schreiben die nur drauf, damit niemand Schadensersatz fordern kann. Wie bei McDonalds auf den Kaffeebechern: Vorsicht heiß!“
„Naja, wie auch immer. Du musst die Dusche putzen.“

„Dann ist meine Zeitersparnis dahin. Fürs Dusche putzen brauch ich mindestens so lang wie fürs Eincremen. Wir könnten doch eine Duschmatte kaufen.“
„Die versifft aber auch, wenn man sie nicht regelmässig putzt. Außerdem will ich keine Duschmatte, wir sind ja hier nicht bei alten Leuten mit erhöhter Sturzgefahr. Am Ende empfiehlst du mir noch einen Haltegriff, damit ich mich festhalten kann und nicht ausrutsche…“

„Oh, das ist eine gute Idee. An den Haltegriff könnte ich dann auch mein Zeug hängen, die Ablage hier ist eh viel zu klein.“
„Das war ein Witz. Was brauchst du denn alles zum Duschen?“

„Na mein Duschöl, mein normales Duschbad, mein Shampoo, meine Haarkur und mein Peelingduschbad.  Okay, das Peelingduschbad brauch ich nicht so oft.“
„Also, ich brauch nur ein Duschbad, das kann man auch zum Haarewaschen nehmen. Wieso brauchst du so viel?“

„Das Duschöl morgens, damit ich mir das Eincremen spare, und den Rest, wenn ich abends nochmal weggehe und genug Zeit habe, mich einzucremen und so. Soll ich heute so einen Griff besorgen, dann kannst du ihn heute abend festmachen?“
„Nein. Ich will sowas nicht, da komme ich mir alt vor. Du sollst lediglich die Dusche so hinterlassen, dass ich sie gefahrlos betreten kann und nicht ausrutsche.“

„Wenn ich aber jeden Morgen die Dusche putzen muss, dann kann ich auch wieder mein normales Duschbad nehmen und mich morgens wieder eincremen, weil ich dann sowieso keine Zeit spare. Dann reicht auch die Ablagefläche, wenn mein Duschöl da nicht mehr steht und wir können uns den Haltegriff sparen.“
„Mein Reden. Und jetzt komm frühstücken, der Kaffee ist bestimmt längst fertig.“

„Keine Zeit mehr, ich muss los. Das Verarzten mit dem Kühlakku hat jetzt zu lange gedauert, da hätte ich auch normales Duschbad nehmen können.“

Kopfschüttel…

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Ausgeschlossen

13. Mai 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Manchmal hat man einen schwarzen Tag erwischt, das kennt ja jeder. Was meine Liebste aber neulich gebracht hat, war schon tiefschwarz. Ich war grade im Auto unterwegs, als sie mich auf dem Handy anrief:

„Schaaatz, du musst dringend heimkommen!“
„Wieso? Was ist denn?“

„Ich hab mich ausgesperrt!“
„Ich bin grad unterwegs!“

„Ja, aber ich komm nicht rein!“
„Wart mal… ich fahr mal rechts ran. So.“

„Ich hab nur kurz den Müll rausgebracht, dann ist die Haustüre hinter mir zugefallen.“
„Ist wenigstens die Wohnungstüre offen? Dann kann dir doch ein Nachbar die Haustüre öffnen.“

„Ich hab schon überall geklingelt, die sind alle weg!“
„So ein Mist. Da muss ich ja wieder quer durch die Stadt zurück. Hast Du auch wirklich bei allen geklingelt?“

„Ja. Außer bei der Müller-Schorscheidt…“
„Dann probier’s doch bitte zuerst bei der.“

„Die ist aber so blöd… diese neugierige alte Ziege!“
„Schatz, bitte klingel bei ihr, sonst hab ich hier ein riesiges Rumgeeier!“

„Ich kann die auf den Tod nicht ausstehen! Weißt du, wie das wird?“
„Aber…“

„Die macht auf, und als erstes sagt sie dann so überfreundlich ‚Einen schönen guten Morgen! Na, haben wir uns ausgesperrt?‘ – Das willst du mir antun?“
„Na ja, eigentlich hast du es dir ja selbst angetan…“

„Och komm! Statt Mitleid und Hilfe bekomme ich jetzt auch noch Belehrungen!“
„Du wirst doch die halbe Minute Konversation mit ihr überstehen…“

„Halbe Minute? Die fängt dann wieder an, über Gott und die Welt zu lästern. Außerdem hat sie so eine intrigante Art. Und ich hab meine Frisur nicht gerichtet.“
„Aber Schatz – was ist schon deine ungerichtete Frisur gegen meine zusätzliche Fahrerei!“

„Wie bitte? Du würdest von mir verlangen, dass ich so unfrisiert bei der Müller-Schorscheidt klingele? Weißt du, was für ein Getratsch das dann auslöst? Für den Rest des Jahres?“
„Ja und? Was schert es die Eiche, wenn ein Schwein…“

„Nein nein, ausgeschlossen. lieber setze ich mich vor die Türe und warte.“
„Und hast du auch sicher keinen Schlüssel einstecken?“

„Ja, ich hab doch in allen Hosentaschen gesucht!“
„Dann klingel doch mal bei ihr. Vielleicht ist sie ja auch gar nicht da.“

„Dann brauch ich ja auch nicht klingeln, das ist ja witzlos.“
„Ja, aber dann weißt du es wenigstens sicher.“

„Und wenn sie aber da ist?“
„Na dann macht sie dir auf!“

„Und textet mich mit Tratsch zu!“
„Du kannst ja sagen, dass du es eilig hast, weil du was im Herd hast.“

„Dann wird sie fragen, was ich backe.“
„Sag ihr halt… Käsekuchen… oder Hähnchen, was weiß ich, ist doch egal.“

„Ach, Schatz, du kennst sie nicht richtig. Weißt du, was dann kommt? ‚Ach, Hähnchen, das ist aber lecker! Wissen Sie, wie das besonders knusprig wird?‘ Bla bla bla…“
„Meine Güte, ich habe noch nicht bemerkt, dass wir mit solchen Labertaschen im Haus wohnen… Ich soll also wirklich EXTRA herfahren?“

„Ja bitte, Schatz.“
„Also gut. Dauert halt ‘ne halbe Stunde.“

„Ist gut. Ich setz mich vor die Haustür.“
„Ja.“

„Huuuch! Grad wollte ich mich an die Tür anlehnen, da
falle ich beinahe ins Haus! Sie war entriegelt! Also so was…“

Kopfschüttel…

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Tatort Klo

19. September 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Gestern abend sah ich gerade den Tatort an und fand ihn sehr gelungen. Bis meine Liebste aus dem Klo kam und ich mich dann nicht mehr so recht auf die Handlung konzentrieren konnte, weil sie mit einem Thema kam, das meilenweit vom Krimi entfernt war:

„Sag mal, was haben wir denn neuerdings für Klopapier?“
„Wieso?“

„Das ist ja einlagig!“
„Was meinst du?“

„Das ist einlagig! Ganz dünn. Und überhaupt nicht weich.“
„Hab ich noch nicht gemerkt.“

„Aber du hast das doch gekauft, oder? Mir wäre sowas nicht in den Einkaufswagen gekommen.“
„Ach, die sind doch alle gleich. Nur eine andere Verpackung.“

„Quatsch, da gibt es welche, die fühlen sich wie Schmirgelpapier an, und andere sind ganz weich.“
„Und welches haben wir?“

„Einlagiges Klopapier eben, na ja, so ein Zwischending, finde ich.“
„Hauptsache es funktioniert. Meine Oma hat früher sogar Zeitung genommen.“

„Ja natürlich. Und bei der Deutschen Bahn gab’s früher auch so eine Mischung aus Karton und Baumrinde, aber das hat ja jetzt nichts mit unserem Klopapier zu tun!“
„Ja, nimm eben ein anderes.“

„Das ist doch das Problem: Wir haben kein anderes!“
„Heute gibt’s auch kein anderes mehr, es ist Sonntag abend…“

„Ich will doch grade auch gar kein anderes! Ich meine nur, dass…“
„Na also. Dann ist ja alles prima und ich kann hier weitergucken.“

„Also ich will mindestens zweilagiges Papier! Die restlichen Rollen von diesem Schrott darfst gerne du verbrauchen – du hast sie ja auch gekauft!“
„Ist es denn so schlimm?“

„Es ist eben einfach sehr unangenehm. Kannst ja gerne mal selbst probieren!“
„Ich muss grade aber gar nicht auf’s Klo, außerdem will ich in Ruhe den Tatort gucken.“

„Dir ist das Klopapier völlig egal, oder?“
„Ja, also das heißt im Moment ja. Kann ich mich nachher drum kümmern?“

„Außerdem hängst du es immer falschrum auf den Halter.“
„Hochkant?“

„Nein, aber so, dass der Anfang immer an der Wand ist.“
„Hä?“

„Da kann man ihn so schlecht greifen!“
„Sag mal… Welche Studien treibst du da eigentlich, wenn du auf dem Klo sitzt? Nimm dir doch mal ein Buch mit…“

„Du willst mich gar nicht verstehen! Es stört mich eben, wenn das Klopapier falschrum dahängt, und ich würde mich freuen, wenn Du diese Störung beseitigst!“
„Ich soll jetzt ins Klo und das Klopapierrolle umdrehen?“

„Nein! Du sollst sie einfach richtigrum aufhängen, wenn du beim nächsten Mal eine neue Rolle nimmst.“
„Schatz, ich werde in Zukunft alle Deine Klopapierwünsche beachten, wenn du mich nun bitte den Tatort fertigschauen lässt. In Ruhe.“

[Nachdem die Liebste eine halbe Stunde mit mir den Tatort angeschaut hat:]
„Weißt du was?“
„Was denn?“

„Dieser Boerne hat bestimmt auch zweilagiges Klopapier.“

Kopfschüttel…

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Ein ruhiger Abend

17. September 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Als ich gestern abend heimkam, war ich froh, dass diese Arbeitswoche vorbei war – es war eine Woche zum Abhaken gewesen. Ich wollte abends nur noch ein Bier trinken und dabei ein bisschen Musik hören und sonst nichts. Die Entspannung gelang aber nicht, denn die Liebste fing nach dem Abendessen an:

„Und, was machen wir jetzt?“
„Ein Bier trinken, Musik aus den 80ern hören und ab in die Falle! Darauf freue ich mich schon seit gestern.“

„Pöööh… Mit dir ist ja auch nichts mehr anzufangen. Aber gut – morgen bist du wieder besser drauf. Oder?“
„Ja.“

„Schön. Dann richte ich dir einen schönen Wohnzimmerentspannungsabend mit Bier und Musik bei Kerzenlicht.“
„Au, das ist nett. Danke!“

„Sind ‘The 80’s‘ genehm? Lehnen Sie sich zurück und entspannen Sie!“
„Ja, mach ich.“

„Wieso kommt da keine Musik?“
„In Bedienungsanleitungen steht in solchen Fällen: ‚Überprüfen Sie, ob das Gerät an die Stromversorgung…‘“

„Jaja, ich bin ja nicht von 1840. Es ist alles an, komisch.“
„Vielleicht ist die Lautstärke versehentlich zu leise eingestellt?“

„Ich dreh’s mal hoch… Nichts!“
„Dann muss ich mich wohl doch von meinem Entspannungsplatz erheben…“

„Moment! So schnell geb ich das nicht ab.“
„Schön. Es geht doch nichts über eine hübsche und hartnäckige Servicetechnikerin.“

„Ich hab da eine Idee…“
[BAUTZ! Ein Radiomoderator brüllt mit seinem Spruch von den besten Hits der 70er, 80er, 90er und allen anderen Epochen in unsere kleine Wohnung, dass ich beinahe die ewige Entspannung gefunden hätte. Die Liebste dreht ihn schnell wieder auf Normallautstärke, während ich mich mit schreckgeweiteten Augen im Sessel festkralle.]
„-!“

„Huch! Hab ich mich erschrocken!“
„Was zur Hölle hast du denn gemacht?“

„Ich hab nur mal auf Radio umgeschalten, um auszuschließen, dass das Problem am Verstärker liegt! Problemausschlussverfahren nennt sich das…“
„Aha. Es geht doch nichts über eine hübsche, hartnäckige und taube Servicetechnikerin… Weißt du eigentlich, dass ich für einen kurzen Moment gar nicht mehr so entspannt war?“

„Jaja, jetzt stell dich doch nicht so an. Ich hab’s ja gleich. Außerdem bin ich nur logisch vorgegangen, also genau so, wie es die Technik erfordert.“
„Vielleicht stellst du das Ganze das nächste Mal leiser. Vorher! Wenigstens ein bisschen, so dass ich nicht mit einem Herzkrampf aus dem Sessel falle!“

„Meine Güte… Kann doch jedem mal passieren…“
„Ich steh vielleicht doch besser auf…“

„Nein, ich bin doch gleich soweit. Der Verstärker war’s nicht, also muss es der CD-Player sein. Na bitte: ‚No Disc‘!“
„Oh Mann!“

„Moment, ich hab sie aber eingelegt! Und ‚Play‘ gedrückt!“
„Und wieso kommt trotzdem nix?“

„Ich mach das nochmal von vorne: CD nochmal rein… Oh! Ich hab sie falschrum reingelegt! Kein Wunder!“
„In der Tat kein Wunder, dass DA nichts kommt…“

„Nein, ich meine, es ist kein Wunder, dass sie falschrum drinliegt. Hier ist so schummriges Licht mit der Kerze, man sieht ja kaum was. Mit Kassetten ist mir früher sowas nie passiert!“

Kopfschüttel…

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Desktop

2. September 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Gestern abend hatte ich Bilder von einem Wochenendausflug auf unserem Rechner gesucht. Ich wurde aber nicht fündig, was vielleicht daran lag, dass meine Liebste sie gespeichert hatte. Sie werkelte grade in der Küche, und ich grummelte schon eine Weile am Rechner vor mich hin, bis sie meinen Unmut bemerkte:

„Was ist denn, Schatz?“
„Ich finde die Bilder von dem Wochenendausflug nicht. Von der kurzen Wanderung, wo wir diese ‚Abkürzung‘ genommen haben…“

„Die müssen aber auf dem Rechner sein!“
„Ich find sie aber nicht.“

„Schau halt mal ordentlich.“
„‘Ordentlich‘ ist ein gutes Stichwort…“

„Wie meinst du das denn?“
„Na ja… Man kann auf dem Rechner Ordner erstellen, das kommt von Ordnung…“

„Hab ich doch! Und in einem solchen Ordner sind die Bilder drin.“
„Und wie heißt der? ‚Neuer Ordner‘? Oder ‚Neuer Ordner (2)‘? Oder ‚Neue Bilder‘? Oder ist es der ‚Wichtige Bilder‘-Ordner?“

„Nein, das sind doch ganz andere Bilder. Ich hab sie unter ‚Eigene Dateien‘ gespeichert, glaub ich.“
„Da sind auch nur Unterordner…“

„Such sie halt mal durch…“
„Dafür, dass so ein PC Arbeit und Zeit sparen soll, sitz ich schon ganz schön lange hier rum.“

„Was meinst du?“
„Nichts, nichts. Ich such halt.“

„Gut.“
„Zum Beispiel im Unterordner ‚ganzneuebilder‘… Mist, auch nichts. Bist du dir sicher, dass du die Bilder von der Kamera rübergezogen hast?“

„Ja natürlich.“
„Oh Mann… Ich reproduziere das Ganze einfach.“

„Was sagst du?“
„Ich lade die Bilder einfach nochmal auf den Rechner.“

„Aha. Aber in fünf Minuten ist das Essen fertig!“
„Ja, ich rieche es schon. So, fertig. Da sind sie.“

„Gut.“
„HA! Und jetzt sehe ich auch, wo du die Bilder gespeichert hast!“

„Wo denn?“
„Auf dem Dektop!“

„Wo ist denn der?“
„Na… Ach, ich zeig’s dir nachher. Es waren nur fünf Bilder, deswegen hab ich die Symbole nicht gesehen.“

„Na dann ist ja jetzt alles prima.“
„Na ja… Auf dem Desktop speichert man doch eigentlich keine Einzeldateien.“

„Wieso denn nicht?“
„Weil man sie sonst ewig suchen muss, wenn man das nicht weiß! Extra dafür gibt’s Ordner und Unterordner.“

„Aber jetzt hast du sie doch gefunden, also war mein Speicherort wohl nicht so schlecht! Aber egal, komm zum Essen.“
„Ja. Mmmh, Lasagne!“

„Du kannst ja schon mal den Tisch decken.“
„Ja, mach ich. Wo ist denn eigentlich der Untersetzer für die Auflaufform?“

„Keine Ahnung. Den hast du vermutlich aufgeräumt, ich hänge ihn immer an den Haken neben dem Wasserkocher.“
„Ach so. Ah ja, ich erinnere mich… ich hab ihn in die Schublade geräumt und mir beim Aufräumen noch gedacht, dass ich den hier eigentlich noch nie gesehen habe. Komisch.“

„In die Schublade? Zu dem ganzen Krimskrams? Die ist eigentlich der Desktop der Küche!“

Kopfschüttel…

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Kreuzworträtsel

17. Juli 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Manchmal ist es ganz schön, wenn das Wochenende nicht so komplett verplant ist. Natürlich sind Besuche und Unternehmungen toll, aber mal so ein verregneter Nachmittag ganz ohne Verpflichtungen ist auch schön, finde ich zumindest…

„Hach, ist mir langweilig. Was machst du denn grade?“
„Ich lieg hier und lese was.“

„Was liest du denn?“
„Die Autozeitschrift von letzter Woche.“

„Wie langweilig.“
„Mir gefällt es. Lies doch auch was.“

„Hach, ich weiß nicht.“
„Hier sind noch Zeitschriften, hast du die schon ausgelesen?“

„Ja, die kenn ich schon.“
„Dann wirf sie doch weg, die brauchen doch nicht hier rumzuliegen.“

„Die Rätsel habe ich noch nicht gemacht.“
„Dann lös doch die Rätsel, dann kannst du die Hefte auch wegwerfen.“

„Ja, das könnte ich machen.“
„Prima.“

„Schatz, ein Bundespräsident mit sechs Buchstaben?“
„Wulff, nee, kann nicht sein, der hat nur fünf Buchstaben. Herzog müsste es sein.“

„Passt nicht. Weißt du keinen anderen?“
„Hmm… Warte mal. Scheel fällt mir da noch ein.“

„Passt auch nicht. Naja, dann mach ich hier weiter. Fluss in Polen mit R?“
„Keine Ahnung.“

„Oh, das hier weiß ich: Luftzug, Wind. Das muss Brise sein. Passt, prima. Dann hat der Präsident als vierten Buchstabe ein „B“. Weißt du jetzt, wer es ist?“
„Nee.“

„Dann komme ich aber nicht weiter.“
„Jaja.“

„Oh, das weißt du bestimmt: Mut, Tapferkeit mit sieben Buchstaben?“
„Hast du schon Buchstaben vorgegeben?“

„Am Ende ein E und der dritte ein U.“
„Mehr hast du nicht?“

„Du weißt es nicht, stimmt’s?“
„Ich wollte hier nur mein Autoheft lesen und keine Rätsel machen.“

„Ach, komm. Du weißt es einfach nicht.“
„Zeig mal das Heft her.“

„Hier, bitteschön.“
„Was ist denn das für ein komisches Rätsel? Aber Mut ist bestimmt Courage. Gib mal den Stift her, warte, es passt!“

„Aha, Courage. Sagt doch heute kein Mensch mehr.“
„Dein Bundespräsident heißt dann übrigens Lübke.“

„Aha. Noch nie gehört. Ist nicht mein Bundespräsident.“
„Du wolltest es doch wissen.“

„Ja, aber nur wegen des Rätsels.“
„Hier hast du dein Heft wieder. Jetzt kannst du es fertig machen.“

„Ja, und eine Kosmetiktasche mit Inhalt gewinnen!“
„Du hast doch schon zwei Taschen – und deren Inhalte füllen den halben Badschrank!“

„Man kann immer mal eine in Reserve haben.“
„Du hast bereits eine in Reserve.“

„Naja, stimmt schon. Zum Glück sehe ich grad, dass der Einsendetermin des Lösungswortes sowieso schon abgelaufen ist…“

Kopfschüttel…

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Bullshit-Bingo

13. Juli 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Völlig genervt und grummelig kam ich von der Arbeit heim. Die Liebste hatte schon den Tisch gedeckt, frische selbstgemachte Pizza im Ofen und schaffte es auch, mich wieder zum Schmunzeln zu bringen:

„Hallo, mein Schatz. Essen ist gleich fertig.“
„Ach, prima. Das riecht nach Pizza! Mmh, lecker…“

„Ja, ich hab doch noch ein paar Überstunden und heute war‘s ruhig und ich dachte, ich bummle mal ein paar ab und geh einkaufen und koche dir was Schönes. Und das Bad hab ich auch geputzt.“
„Fleißig. Oh, die Pizza sieht aber lecker aus!“

„Ja, und wie war dein Tag? Müde siehst du aus.“
„Nervig war mein Tag und ich bin müde.“

„Wieso? Was war denn los?“
„Es gibt ein neues Konzept in der Firma.“

„Aha. War das alte nicht mehr gut?“
„Doch, aber ein neues verbraucht Ressourcen, die sonst zuviel vorhanden wären.“

„Wie? Ich versteh gar nix. Es hieß bei euch doch immer ‚Ressourcen schonen‘ und so weiter.“
„Schatz, das war ein Witz. Es nervt eigentlich nur, wozu es gut ist, weiß kein Mensch.“

„Aber irgendwer hat es doch eingeführt? Wer ist denn verantwortlich dafür?“
„Es gibt da so eine Beratungsfirma, die verkauft solche Schnapsideen an Firmen und macht sich dann aus dem Staub und bemüht sich, nie wieder einem Mitarbeiter dieser Firma über den Weg zu laufen.“

„Ach je. So schlimm?“
„Schlimmer. Ich hab gar keine Lust mehr hinzugehen. Morgen ist dann die Kick-Off-Veranstaltung und dann geht der Quark erst richtig los. Ich hab schon mit meinem Kollegen eine Vorlage für‘s Bullshit-Bingo entworfen.“

„Was ist denn Bullshit-Bingo?“
„Kennst du nicht? Das ist das einzige, was dich in solchen Veranstaltungen wach halten kann! Wir haben eine Liste entworfen mit den klassischen Phrasen, die in solchen Veranstaltungen gedroschen werden, und wenn das Wort oder die Phrase gefallen ist, kann sie abgehakt werden und wer zuerst alle Begriffe abgehakt hat, steht auf und ruft laut ‚Bullshit‘ und hat gewonnen.“

„Was sagt denn die Chefetage dazu?“
„Die spielt nicht mit. Sag mal, was riecht hier denn?“

„Oh, Bullshit, die Pizza! Naja, geht noch, nur am Rand ein bisschen   knuspriger als sonst.“
„Mhhh… die sieht trotzdem total lecker aus.“

„Ja, sie schmeckt auch bestimmt noch. Was habt ihr denn für Worte gesammelt?“
„Och, auswendig weiß ich die jetzt nicht mehr alle, aber Claim, Wertschöpfungskette, Umstrukturierung, Arbeitsverdichtung, Qualitätsmanagement, ergebnisorientiert, zeitnah, Marketing und so was war dabei.“

„Das klingt wirklich sterbenslangweilig.“
„Sag ich doch. Und der Ärger geht ja dann erst richtig los. Umsetzung und so.“

„Tja, da kannst du aber wenig machen, wenn‘s von oben kommt.“
„Ja, leider.“

„Was gibt’s denn zu gewinnen?“
„Wo zu gewinnen?“

„Beim Bullshit-Bingo.“
„Nichts. Schatz, das war nur ein Spaß. Das spielen wir nur ganz leise und jeder für sich.“

„Ach, schade. Die Idee klingt gut.“
„Naja, schon. Aber ich würde sowieso gewinnen, meine Kollegen lassen sich immer zu schnell ablenken.“

„Oh, wenn du gewinnst gibt es auch einen Preis!“
„Ach, was denn?“

„Einen Abend mit mir!“

Kopfschüttel…

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Hauptsache kein Öl

11. Juli 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Am Wochenende waren wir einige Zeit draußen unterwegs, und da hatte ich mir eine Zecke eingefangen. Das Biest saß zwischen Schulter und Achsel und sollte natürlich schnell das Zeitliche segnen. Meine Liebste leitete die Operation mit folgenden Worten ein:

„Was für ein widerliches Biest!“
„Ja. Aber sie hat sich noch nicht richtig festgebissen, oder? Ich seh das aus dem Augenwinkel so schlecht.“

„Nein, ich glaube, sie beginnt ihr übles Werk gerade. Ich such mal die Zeckenkarte.“
„Ja, man darf die Viecher ja nicht mit Öl umbringen.“

„Nein, keinesfalls! Ich hab das mal gelesen, die scheiden dann ihre ganzen Viren und Bakterien und was weiß ich noch aus, und dann hast du den Salat. Ich mach das mit der Zeckenkarte, wenn ich sie finde. Natürlich kein Öl, bist du verrückt!“
„Sag ich doch, kein Öl. Beruhig dich doch wieder, das Vieh sitzt ja außerdem bei mir.“

„Ja,bloß kein Öl.“
„Hab ich doch grade…“

„Nur, um sicherzugehen. Das kann man nicht oft genug erwähnen. Falls ich mal nicht da bin und du hast sowas, dann mach bloß kein Öl drauf.“
„Sag mal, Schatz, hast du einen Hörsturz? Ich sagte doch: Kein Öl!“

„Mein Reden! Bloß kein Öl drauf, das sag ich doch schon die ganze Zeit!“
„Moment. ICH hab das zuerst gesagt.“

„DU hast irgendwie die Idee ins Spiel gebracht, dass man Zecken auch mit Öl umbringen könnte. Das darf man aber keinesfalls!“
„Ja, das weiß ich mittlerweile. Also eigentlich wusste ich es ja schon vorher. Aber ich habe es zuerst gesagt!“

„Ich habe gesagt, dass ich das Viech mit der Zeckenkarte rausmache, wenn ich sie finde.“
„Ja, das ist ja in Ordnung.“

„Hauptsache nicht mit Öl!“
„Schatz, kannst du jetzt das mit dem Öl mal lassen und…“

„Ich will doch gar kein Öl nehmen! Grade hab ich doch gesagt, dass ich die Zeckenkarte nehmen werde! Hörst du mir denn überhaupt zu? Irgendwo muss das Ding doch rumfahren…“
„Ich hab dir doch gar nicht unterstellen wollen, dass du Öl nehmen wolltest. Es ist nur…“

„Natürlich! Du hast gesagt, ich soll das mit dem Öl mal lassen!“
„Ja, aber das habe ich doch ganz anders…“

„Ich wollte überhaupt kein Öl nehmen!“
„Jaja, ich weiß. Ich meinte doch nur…“

„Du willst mich einfach nicht verstehen oder dein Hörvermögen hat unter dem Zeckenbiss gelitten. Hilf mir doch mal, die blöde Zeckenkarte zu suchen!“
„Ja, ich suche. Aber das mit dem Öl würde ich schon noch gerne klären!“

„ICH NEHME KEIN ÖL!“
„Ich weiß doch!“

„Wo ist dann das Problem?“
„Dass du mich falsch verstehst!“

„Moment. Ich verstehe dich falsch?“
„Ja. Pass auf…“

„ICH verstehe DICH falsch? Wegen dem Öl?“
„Jetzt wart doch mal… Hör mir doch mal zu! Ich will kein Öl, du willst kein Öl. Soweit richtig?“

„Ja.“
„Wo ist dann also dein Problem?“

„Ich hab kein Problem. Du hast ein Problem!“
„Ja, die Zecke. Sonst nichts.“

„Eben, und die mache ich jetzt mit der Zeckenkarte ab, wenn ich sie finde.“
„Ja, aber bald, sonst frisst sie mich auf!“

„Such halt mal besser!“
„Hier hätte ich immerhin eine Pinzette, die geht zur Not auch.“

„Gut, dann probier ich’s damit. Ich muss nur aufpassen, dass ich das ganze Vieh erwische.“
„Ja. Leg los.“

„Halt still, es ist nur eine Notlösung. Aber besser als Öl!“

Kopfschüttel…

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Gefährliche Lektüre II

12. Juni 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Die Liebste ist bereits seit Stunden am Telefonieren. Es muss wohl um irgendwas Wichtiges gehen, aber da kann ich mich auch täuschen – als sie endlich wieder ansprechbar ist, frage ich natürlich, warum sie so ewig telefoniert.

„Ich hab nur mit Elke gesprochen.”
„Was gibt’s denn da so lange zu besprechen? Ihr seht euch doch regelmäßig.“

„Ach, das war ein Notfall.“
„Was ist denn los?“

„Ach, nichts für Männer.“
„Na, dann eben ein Frauenthema.“

„Obwohl es doch um Männer geht. Elke ist ganz fertig.“
„Wieso? Ist sie nicht glücklich verheiratet?“

„Doch, dachte sie bisher.“
„Oha, sie hat lange blonde Haare auf seinem Hemd gefunden.“

„Nein, das nun nicht gerade.“
„Ach, dann hat sie fremde Damenunterwäsche in seinem Auto gefunden?“

„Nein, wieso kommst du überhaupt auf sowas?“
„Naja, Elke war doch schon immer so eifersüchtig und kaum, dass er mal später heimkam, gab’s Verhöre, wo und mit wem er unterwegs war. Erinnerst du dich noch an das eine Silvester? Da gab’s doch auch Stress, weil er zu oft mit anderen getanzt hat, dabei wollte sie doch gar nicht tanzen…“

„Ja, das stimmt schon. Aber jetzt hat sie wirklich einen Grund.“
„Grad hast du gesagt, sowas ist nicht der Grund.“

„Naja, direkt fremdgehen ist ja auch nicht der Grund, aber sie hat im Schrank zwischen seinen Klamotten so Hefte gefunden.“
„Paah, Schatz, das ist doch kein Grund für Aufregung.“

„Wieso?“
„Naja, so ein Heft hat doch nichts zu sagen.“

„Wieso nimmst du ihn in Schutz?“
„Nehme ich doch gar nicht.“

„Hast du auch so einen Kram im Schrank?“
„Nein, natürlich nicht.“

„Soll ich gucken gehen?“
„Quatsch, ich hab nichts zu verbergen. Aber über sowas muss sich Elke doch nicht aufregen.“

„Aber warum liest er so ein Zeug, wenn er doch Elke hat und verheiratet ist?“
„Naja, man kann sich ja mal woanders Anregungen holen. Du weißt doch: Appetit holen ist erlaubt, nur gegessen wird daheim.“

„Meinst du?“
„Klar. Nur an ihrer Eifersucht sollte sie mal arbeiten.“

„Naja, aber er gibt ihr ja jetzt schon einen Grund. Also ich wäre auch sauer, wenn du so ein Zeugs jetzt plötzlich lesen würdest!“
„Ach was. Das ist wie ihr mit euren Liebesschnulzen. Wir sind doch auch nicht eifersüchtig auf Johnny Depp, Brad Pitt und wie diese Kasper alle heißen.“

„Was heißt hier Kasper? Die sehen doch sehr appetitlich aus!“
„Naja, die Damen in den Heften auch.“

„Hhhmmm. So hab ich das noch gar nicht betrachtet. Aber stimmt schon. Wir gucken ja auch Filme und freuen uns über die knackigen Männer dort.“
„Eben. Dabei habt ihr selbst knackige Männer daheim!“

„Naja.“
„Was heißt hier naja?“

„Schatz, mit knackig ist nicht gemeint, dass es jeden Morgen beim Aufstehen knackt.“
„Sehr witzig! Du wirst auch nicht jünger, Schatz.“

„Stimmt. Und du bist mir auch lieber als jeder Film-Kasper, sei er noch so knackig.“
„Dann bin ich ja beruhigt.“

„Und ich muß jetzt nochmal Elke anrufen.“

Kopfschüttel…

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Mal eben die Fenster ölen

4. Juni 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Neulich bin ich meinen Pflichten als Mann im Haus nachgekommen und habe endlich mal wieder die Fenster geölt. Solche Arbeiten macht man immer am besten, wenn die Liebste nicht in der Nähe ist, was sich wiederum sogleich bestätigt hat, als sie heimkam:

„Was machst du denn da auf dem Stuhl?“
„Nach was sieht es denn aus? Ich öle die Fensterscharniere.“

„Du ölst die Fensterscharniere?“
„Ja. Das muss ab und zu mal gemacht werden, damit die Fenster nicht quietschen.“

„Davon hab ich ja noch nie gehört. Außerdem quietschen unsere Fenster doch nicht!“
„Natürlich quietschen sie nicht. Weil ich sie hin und wieder öle.“

„Also Schatz… Bei unserer Nachbarin quietschen die Fenster sicherlich auch nicht. Und die ist über 70 Jahre alt. Du glaubst doch nicht, dass die ihre Fenster ölt?“
„Vielleich hat sie ja jemanden, der das für sie macht. Oder sie ist mittlerweile so taub, dass sie es nicht mehr hört.“

„Also ich weiß ja nicht… Leg doch bitte wenigstens eine Zeitung unter, damit nichts auf den Boden tropft.“
„Ich pass schon auf. Ich hab ja schon bald alle Fenster durch.“

„Lieber ein quietschendes Fenster als einen schwarzen Ölfleck!“
„Wieso schwarz? Das ist Nähmaschinenöl, das ist durchsichtig.“

„Nähmaschinenöl? Was du nicht alles hast! Aber pass bitte trotzdem auf den Teppich auf. Und auf die Pflanzen auf der Fensterbank. Und vor allem auf die Vorhänge!“
„Ja ja, ich pass schon… HOPPLA!“

„SCHATZ! Um Himmels willen, hast du dir weh getan?“
„Ich… Aua! Ich glaube, es ist nichts passiert. Ich habe Glück gehabt, dass ich mich am Vorhang festhalten konnte!“

„Der ist jetzt natürlich hin! Mist. Na ja, Hauptsache, dir ist nichts passiert.“
„Ich hab einen Moment nicht aufgepasst, und schon war’s passiert! Wo ist denn jetzt mein Ölfläschchen?“

„Da, auf der Fensterbank. Ist zum Glück nicht ausgelaufen. Aber du wirst doch jetzt nicht weitermachen wollen?“
„Natürlich. Mir ist ja nichts passiert.“

„Nein, Schatz, kommt nicht in Frage. Du ruhst dich jetzt erst mal aus. Ich mach das hier fertig.“
„Aber…“

„Kein aber, ich mach das.“
„Gut. Dann leg ich mich auf die Couch“

(Nach einer kleinen Weile:) „Schaaaaatz?“
„Ja?“

„Wo genau muss ich denn ölen?“
„Na da, wo diese Metalleinsätze sind mit den Löchern.“

„Aha.“
„Siehst du sie?“

„Ich glaube schon!“
„Wie: Ich glaube?“

„Na da sind so Metalldinger. Da mach ich mal Öl drauf.“
„Wart mal! Ich komme!“

„Schon erledigt! Oh! Wieso läuft das denn jetzt da runter? Das ist ja eine Sauerei!“
„Warte, Schatz, du musst das Öl in das Loch tröpfeln!“

„Ach IN das Loch? Gut. Aber da muss man nachher mal mit einem Lappen den Rahmen abwischen. Und die Fensterbank auch, sehe ich grade…“
„Mach doch mal langsam!“

„Wieviel Öl passt denn eigentlich in das Loch rein?“
„Nur ein paar Tropfen braucht es da.“

„Da passt aber mehr rein, merke ich grade!“
„Halt, halt! Nicht so viel!“

„Wieso, viel hilft viel!“
„Aber das überflüssige Öl muss doch irgendwo hin! Lass bitte mich weitermachen, nicht dass du das Fenster ruinierst!“

„Du traust mir so was wohl nicht zu?“
„Doch, schon, aber mach das doch nicht so hektisch… Und pass auf! Jetzt hast du selbst Öl in die Pflanze getropft, weil du das Fläschchen so komisch hältst!“

„Hoppla! Na ja, sie wird’s überleben. Und wenn nicht… eigentlich gefällt sie mir eh nicht. Ich kann das gut, oder? Ich mach gleich mit dem nächsten Fenster weiter!“

Kopfschüttel…

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Duschöl

23. Mai 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Da meine Liebste oft nur schwer aus dem Bett kommt, wird es morgens hin und wieder etwas knapp. Dann heißt es schnell duschen, Kaffee trinken, Brötchen essen, Zeitung durchblättern und los. Neulich ließ ich der Liebsten – nett wie ich bin – den Vortritt im Bad und machte schon mal die Kaffeemaschine an. Als ich dann in der Dusche war, hörte sie wohl meinen lauten Fluch und kam herbeigeeilt:

„Was ist denn los?“
„Verfluchter Mist!“

„Schatz, was ist denn? Bist du gestürzt?“
„Die Dusche ist ja wie Schmierseife! Ein Wunder, dass ich mir nichts gebrochen habe, nur mein Handgelenk tut furchtbar weh!“

„Oh, lass mal sehen. Ich hol gleich den Kühlakku aus dem Gefrierschrank, den kannst du in ein Handtuch wickeln und dein Handgelenk kühlen.“
„Danke, hoffentlich hilft’s…“

„Siehst du, es wird gleich besser.“
„Ja. Aber warum ist denn die Dusche so rutschig? Ich bin noch nie in der Dusche ausgerutscht.“

„Ach, das ist mein neues Duschöl. Siehst du, hier. Es macht die Haut beim Duschen schon schön weich und geschmeidig und ich spare jeden Morgen fünf Minuten Zeit, weil ich mich ja nicht mehr eincremen muss.“
„Ja, prima. Und ich hab das nächste Mal sechs Wochen Zeit, weil ich mir den Arm breche.“

„Ach Quatsch, jetzt weißt du es ja und bist vorsichtiger.“
„Schatz, du musst die Dusche putzen, wenn du geduscht hast. Schau, es steht sogar auf der Flasche: Nach Gebrauch mit heißem Wasser Reste des Duschöls entfernen!“

„Das schreiben die nur drauf, damit niemand Schadensersatz fordern kann. Wie bei McDonalds auf den Kaffeebechern: Vorsicht heiß!“
„Naja, wie auch immer. Du musst die Dusche putzen.“

„Dann ist meine Zeitersparnis dahin. Fürs Dusche putzen brauch ich mindestens so lang wie fürs Eincremen. Wir könnten doch eine Duschmatte kaufen.“
„Die versifft aber auch, wenn man sie nicht regelmässig putzt. Außerdem will ich keine Duschmatte, wir sind ja hier nicht bei alten Leuten mit erhöhter Sturzgefahr. Am Ende empfiehlst du mir noch einen Haltegriff, damit ich mich festhalten kann und nicht ausrutsche…“

„Oh, das ist eine gute Idee. An den Haltegriff könnte ich dann auch mein Zeug hängen, die Ablage hier ist eh viel zu klein.“
„Das war ein Witz. Was brauchst du denn alles zum Duschen?“

„Na mein Duschöl, mein normales Duschbad, mein Shampoo, meine Haarkur und mein Peelingduschbad.  Okay, das Peelingduschbad brauch ich nicht so oft.“
„Also, ich brauch nur ein Duschbad, das kann man auch zum Haarewaschen nehmen. Wieso brauchst du so viel?“

„Das Duschöl morgens, damit ich mir das Eincremen spare, und den Rest, wenn ich abends nochmal weggehe und genug Zeit habe, mich einzucremen und so. Soll ich heute so einen Griff besorgen, dann kannst du ihn heute abend festmachen?“
„Nein. Ich will sowas nicht, da komme ich mir alt vor. Du sollst lediglich die Dusche so hinterlassen, dass ich sie gefahrlos betreten kann und nicht ausrutsche.“

„Wenn ich aber jeden Morgen die Dusche putzen muss, dann kann ich auch wieder mein normales Duschbad nehmen und mich morgens wieder eincremen, weil ich dann sowieso keine Zeit spare. Dann reicht auch die Ablagefläche, wenn mein Duschöl da nicht mehr steht und wir können uns den Haltegriff sparen.“
„Mein Reden. Und jetzt komm frühstücken, der Kaffee ist bestimmt längst fertig.“

„Keine Zeit mehr, ich muss los. Das Verarzten mit dem Kühlakku hat jetzt zu lange gedauert, da hätte ich auch normales Duschbad nehmen können.“

Kopfschüttel…

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Ausgeschlossen

13. Mai 2011, aus der Schublade Wohnen und Leben

Manchmal hat man einen schwarzen Tag erwischt, das kennt ja jeder. Was meine Liebste aber neulich gebracht hat, war schon tiefschwarz. Ich war grade im Auto unterwegs, als sie mich auf dem Handy anrief:

„Schaaatz, du musst dringend heimkommen!“
„Wieso? Was ist denn?“

„Ich hab mich ausgesperrt!“
„Ich bin grad unterwegs!“

„Ja, aber ich komm nicht rein!“
„Wart mal… ich fahr mal rechts ran. So.“

„Ich hab nur kurz den Müll rausgebracht, dann ist die Haustüre hinter mir zugefallen.“
„Ist wenigstens die Wohnungstüre offen? Dann kann dir doch ein Nachbar die Haustüre öffnen.“

„Ich hab schon überall geklingelt, die sind alle weg!“
„So ein Mist. Da muss ich ja wieder quer durch die Stadt zurück. Hast Du auch wirklich bei allen geklingelt?“

„Ja. Außer bei der Müller-Schorscheidt…“
„Dann probier’s doch bitte zuerst bei der.“

„Die ist aber so blöd… diese neugierige alte Ziege!“
„Schatz, bitte klingel bei ihr, sonst hab ich hier ein riesiges Rumgeeier!“

„Ich kann die auf den Tod nicht ausstehen! Weißt du, wie das wird?“
„Aber…“

„Die macht auf, und als erstes sagt sie dann so überfreundlich ‚Einen schönen guten Morgen! Na, haben wir uns ausgesperrt?‘ – Das willst du mir antun?“
„Na ja, eigentlich hast du es dir ja selbst angetan…“

„Och komm! Statt Mitleid und Hilfe bekomme ich jetzt auch noch Belehrungen!“
„Du wirst doch die halbe Minute Konversation mit ihr überstehen…“

„Halbe Minute? Die fängt dann wieder an, über Gott und die Welt zu lästern. Außerdem hat sie so eine intrigante Art. Und ich hab meine Frisur nicht gerichtet.“
„Aber Schatz – was ist schon deine ungerichtete Frisur gegen meine zusätzliche Fahrerei!“

„Wie bitte? Du würdest von mir verlangen, dass ich so unfrisiert bei der Müller-Schorscheidt klingele? Weißt du, was für ein Getratsch das dann auslöst? Für den Rest des Jahres?“
„Ja und? Was schert es die Eiche, wenn ein Schwein…“

„Nein nein, ausgeschlossen. lieber setze ich mich vor die Türe und warte.“
„Und hast du auch sicher keinen Schlüssel einstecken?“

„Ja, ich hab doch in allen Hosentaschen gesucht!“
„Dann klingel doch mal bei ihr. Vielleicht ist sie ja auch gar nicht da.“

„Dann brauch ich ja auch nicht klingeln, das ist ja witzlos.“
„Ja, aber dann weißt du es wenigstens sicher.“

„Und wenn sie aber da ist?“
„Na dann macht sie dir auf!“

„Und textet mich mit Tratsch zu!“
„Du kannst ja sagen, dass du es eilig hast, weil du was im Herd hast.“

„Dann wird sie fragen, was ich backe.“
„Sag ihr halt… Käsekuchen… oder Hähnchen, was weiß ich, ist doch egal.“

„Ach, Schatz, du kennst sie nicht richtig. Weißt du, was dann kommt? ‚Ach, Hähnchen, das ist aber lecker! Wissen Sie, wie das besonders knusprig wird?‘ Bla bla bla…“
„Meine Güte, ich habe noch nicht bemerkt, dass wir mit solchen Labertaschen im Haus wohnen… Ich soll also wirklich EXTRA herfahren?“

„Ja bitte, Schatz.“
„Also gut. Dauert halt ‘ne halbe Stunde.“

„Ist gut. Ich setz mich vor die Haustür.“
„Ja.“

„Huuuch! Grad wollte ich mich an die Tür anlehnen, da
falle ich beinahe ins Haus! Sie war entriegelt! Also so was…“

Kopfschüttel…

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