Das ist schön…

Meine Liebste hat es sich im Wohnzimmer vor dem Fernseher gemütlich gemacht, als ich am Abend nach Hause komme.
Nachdem ich sie begrüßt habe, werfe ich einen flüchtigen Blick auf die Flimmerkiste, dort läuft scheinbar irgendeine deutsche Komödie und angesichts der Uhrzeit wohl schon gut eine Stunde.
Bestimmt wieder so eine Schnulze…

„Hallo Schatz!“
„Hallo Süße, na?“

„Alles klar bei dir, du bist spät heute?“
„Ja, wir haben so viel zu tun im Augenblick und Frank hat…“

„Das ist schön, Schatz.“
„Ja, ähm… Danke für das Gespräch…“

„Ich gucke doch gerade den Film da, siehst du doch!“
„Aha, und was für ein Film ist das?“

„Keine Ahnung, wie der heißt…“
„Aha, und, ähm… Worum geht es da?“

„Das ist schwierig, so richtig verstehe ich das auch nicht…“
„Nicht, aha… Und, äh…“

„Jetzt frag mir doch keine Löcher in den Bauch!“
„Hallo?? Du guckst dir einen Film an und weißt nichts darüber??“

„Na und??“
„Naja, ich meine…“

„Ist doch egal, ich kenne den eh schon.“

Kopfschüttel…

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Das Plakat

Meine Liebste und ich besuchen am Nikolaus-Sonntag den (sehr kleinen) Sulinger Weihnachtsmarkt; irgendwie hatten wir uns das hier ein bisschen anders vorgestellt…
Aber egal, für eine Bratwurst und eine Tüte gebrannte Mandeln war´s OK.
Wir schlendern zum Auto zurück.

„Schatz! Schau mal da, das Plakat!“
„Welches, Süße?“

„Das da an der Wand neben dem Schaufenster.“
„Das da?? Ü35-Party an Silvester??“

„Ist doch ungewöhnlich, Ü35! Oder??“
„Wieso ungewöhnlich??“

„Ü30 kenne ich, aber Ü35??“
„Na und??“

„Da darf ich ja dann noch gar nicht hin!“
„Das stimmt. Du Küken darfst da nicht rein.“

„Echt nicht??“
„Nein. Und dabei geht da bestimmt voll die Post ab!“

„Mag sein, aber Du darfst ja auch nicht hin.“
„Ich?? Natürlich dürfte ich da hin!?“

„Nein.“
„Und wieso nicht? Ich bin schließlich Ü35!“

„Das schon. Aber du vergisst den alles entscheidenden Punkt.“
„Aha, und welchen, bitte??“

„MICH!!“

Kopfschüttel…

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Feuer und Flamme

Meine Liebste und ich sind an diesem November-Sonntag auch am frühen Nachmittag noch nicht so richtig wach; dennoch: eigentlich ist es ein ganz schöner Tag.
Trotzdem ist das Sofa für mich heute der ideale Platz, um den Rest des Tages zu verbringen.

„Du, Schatz?“
„Ja, Süße?“

„Ich dachte mir, wir machen einen Spaziergang.“
„Aha.“

„Draußen ist schönes Wetter.“
„Naja, geht so…“

„Wollen wir los?“
„Ich weiß nicht…“

„Du sitzt schon den ganzen Tag da rum!“
„Ja, und ich bin hier sehr zufrieden.“

„Hast du denn keine Lust, nach draußen zu gehen?“
„Naja, wenn ich es mir recht überlege, also…“

„Schön! Dann lass uns gehen!“
„Nein, nein, ich meinte das eigentlich anders, also…“

„Du gehst doch gerne mit mir spazieren, oder?“
„Ja, schon, aber…“

„Prima. Ich nehme mir einen Schal mit.“
„Och Schatz, muss denn das wirklich sein, ich meine…“

„Sag doch einfach, wenn du keine Lust hast!“
„Ich habe keine Lust.“

„Ach was, wenn wir erst mal unterwegs sind, kommt das schon!“
„Warum fragst du mich denn dann überhaupt??“

„Ich dachte, dass du was anderes antwortest.“
„Also nochmal: ich möchte hier heute einfach sitzen bleiben.“

„Kannst du ja auch.“
„Danke.“

„Wir sind ja in einer Stunde wieder da.“
„Liebste, kannst du nicht eine deiner Freundinnen, ich meine…“

„Soll das heißen, du willst nicht mit MIR spazieren gehen??“
„Nein, das soll nur heißen, dass du HEUTE jemand anderes…“

„Das finde ich ja jetzt total doof!“
„Ich wollte ja bloß einen Vorschlag machen!?“

„Als wir uns kennengelernt haben, war das nicht so!“
„Was!“

„Da hast du nicht einfach nur auf dem Sofa rumgesessen!“
„Wie bitte??“

„Wenn ich spazieren gehen wollte, warst du Feuer und Flamme!“
„Schatz, es geht doch NUR um heute, eine Ausnahme sozusagen!“

„Mir geht es ja auch nur um heute!“
„Man kann doch mal unterschiedlicher Meinung sein, oder??“

„Was hat denn das jetzt mit Meinungen zu tun??“
„Naja, ich meine, so Lust, Laune, Motivation und so!“

„Willst du damit sagen, dass ich dich demotiviere??“
„Nein, ich will heute einfach auf dem Sofa rumlümmeln, sonst nichts!“

Blödmann!“
„Nervensäge!“

„Spielverderber!“
„Geh doch spazieren, wer hindert dich denn!?“

„Du!“
„Ich?? Da! Da ist die Tür, geh!“

„Aber du willst ja nicht, dass wir spazieren gehen!“
„Richtig! Das sagte ich bereits mehrfach!“

„Gut, dann bleib eben da sitzen.“
„DANKE!!“

„Mir ist aber langweilig…“
„Himmel, Schatz, du machst mich echt wahnsinnig…“

„OK, schön. Dann rufe ich jetzt Tine und Birgit an.“
„Genau. Braves Mädchen.“

„Bei Susi habe ich mich auch schon lange nicht mehr gemeldet…“
„Ruf sie alle an, sehr gute Idee.“

„Meinst du das ernst??“
„Ja, warum denn nicht?“

„Ich hätte gedacht, dass dir das nicht passt…“
„Nee, nee, ich halte das für eine sehr gute Idee.“

„Prima.“
„Gut.“

„Haben wir denn genug zu trinken?“
„Was? Wofür??“

„Na, wenn ich die alle zu uns einlade jetzt?“
„Was?? HIER HIN?? Du willst die ganzen Weiber alle HIER HIN…“

„Du hast doch gesagt, dass sei eine gute Idee!“
„Moment mal, ich dachte dass du mit denen spazieren gehen willst??“

„Nee, wieso?“
„Weil, weil…“

„Gib mal das Telefon bitte…“
„Aber Schatz, warte, Moment…“

„Gut, dass du nicht spazieren gehen wolltest! Danke!“

Kopfschüttel…

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Liebstes Kausalkette

Meine Liebste und ich sitzen während eines Sonntagsausfluges auf einer kleinen Bank am Steinhuder Meer; hier erholen wir uns nach einem langen Spaziergang und lassen die Blicke über das seichte Wasser gleiten.
Während ich meine Beine lang mache, kramt die Liebste in ihrer Handtasche herum.

„Ach Schatz, ich wollte dir noch was erzählen.“
„So? Was denn, Süße?“

„Ich weiß jetzt, was eine Kausalkette ist.“
„Ähm… Was bitte?“

„Eine Kausalkette.“
„Gehört habe ich dich wohl, aber verstanden nicht!?“

„Eine Kausalkette ist…“
„Ursache und Wirkung, ich weiß, danke.“

„…ist eine Kette von zusammenhängenden Ereignissen.“
„Schön, und was soll mir das jetzt sagen??“

„Ich kannte das bisher nur in der Theorie.“
„Aha, und jetzt?“

„Jetzt kenne ich das auch aus der Praxis.“
„Liebste, du sprichst schon wieder in Rätseln!“

„Ich meine, Sachen gibt´s…“
„Jetzt machst du mich aber neugierig, was ist denn!?“

„Gestern habe ich mit Birgit telefoniert.“
„Ja, und?“

„…und da musste ich plötzlich tierisch lachen!“
„“Schön, und?“

„…und dabei ist mir das Telefon runtergefallen.“
„Unser Telefon zuhause??“

„Ja, und dabei sind dann die Batterien raus gekullert.“
„Die Batterien??“

„Ich musste dann mit meinem Handy weitertelefonieren.“
„Wieso?? Ging das Telefon nicht mehr??“

„Weiß ich nicht, habe ich gar nicht ausprobiert.“
„Schatz!“

„Jetzt lass mich doch mal weitererzählen!“
„Aber…“

„Auf jeden Fall habe ich die Batterien dann weiterverwendet.“
„Was?? Wofür??“

„Die habe ich in meinen alten Walkman gesteckt.“
„Du hast einen Walkman??“

„Ja, so einen noch mit Kassetten.“
„Ähm…“

„Und da war tatsächlich noch eine drin!“
„Aha…“

„Da war mein Lieblingslied von Chesney Hawkes drauf!“
„Wer??“

„Na Chesney Hawkes, damals, habe ich dir doch erzählt!“
„Kann sein, allerdings verstehe ich immer noch nicht, was…“

„Und dabei bin ich dann durch die Wohnung getanzt!“
„Liebste, um nochmal auf das Telefon zurückzukommen, ähm…“

„Jetzt lass doch mal das doofe Telefon!“
„Aber…“

„…und dann habe ich leider auf die Fernbedienung getreten.“
„Auf welche Fernbedienung??“

„Vom Fernseher.“
„Aber die liegt doch normalerweise nicht auf dem Boden rum??“

„Nee, aber auf dem Sofa.“
„Soll das heißen, dass du…“

„Ich bin auf dem Soja rumgehopst, ja.“
„Zu Cheesy Hakes??“

„Er heißt Chesney Hawkes, nicht Cheesy!“
„Von mir aus kann der heißen, wie er will!“

„Naja, auf jeden Fall ging dann der Fernseher an.“
„Sag mal, geht das jetzt noch lange so weiter??“

„Nein, nein, bin gleich fertig.“
„Passiert noch irgendwas Schlimmes??“

„Nein, wieso?“
„Ach, nur so…“

„Also der Fernseher ging an und rate mal, was da lief!“
„Ein Bericht über Männer, die von ihren Frauen tyrannisiert werden??“

„Nein.“
„Was denn??“

„So ein Gewinnspiel, wo Tiernamen in Texten versteckt sind.“
„Auf 9Live??“

„Ja, genau!“
„Schatz, würdest du jetzt bitte endlich zum Punkt kommen…“

„Wieso, hast du es eilig?“
„Nein, aber…“

„Jetzt lass mich doch mal erzählen, das ist doch echt witzig!“
„Also Tiernamen im Text versteckt, und dann?“

„Dann habe ich die Ente entdeckt!“
„Aha, du hast also eine Ente entdeckt. Mein Puls geht auf 180.“

„Und dann habe ich da schnell angerufen.“
„Aber das Telefon war doch…“

„Mit meinem Handy, mit meinem Handy habe ich angerufen!“
„Ach so, aha… Hast du etwa was gewonnen??“

„Nee.“
„Schatz! Warum erzählst du mir diesen ganzen Kram??“

„Jetzt warte doch mal ab!“
„Also gut, eine Minute halte ich es noch ohne Tabletten aus…“

„Auf jeden Fall hatte ich eine Glückssträhne.“
„Aber ich dachte, du wärst gar nicht durchgekommen??“

„Nein, aber trotzdem.“
„Aha…“

„Deswegen bin ich dann gleich zum Kiosk gerannt.“
„Zum Kiosk??“

„Ja, um noch schnell Lotto zu spielen, wegen dem Jackpot.“
„Du hast Lotto gespielt?? Willst du etwa sagen, dass du…“

„Dass ich gewonnen habe?“
„Hast du etwa??“

„Nein.“
„Himmel, ich breche zusammen…“

„Aber im Kiosk habe ich auch einen Negerkuss für dich gekauft.“
„Für mich??“

„Ja, so einen großen, die magst du doch?“
„Die mag ich, ja, und wo ist er jetzt??“

„In meiner Handtasche.“
„In deiner Tasche?? In der da??“

„Ja.“
„Und, ähm…“

„Ich habe ihn vergessen gestern.“
„Na schön, das ist ja sehr lieb von dir, aber was…“

„Also das tut mir wirklich sehr leid jetzt…“
„Was! Was tut dir leid??“

„Dass er da immer noch drin ist.“
„Wieso tut dir das leid??“

„Weil ich deinen Autoschlüssel wohl darin versenkt habe…“
„Was??“

„Ich sollte den Schlüssel doch nehmen, hast du gesagt!“
„Du solltest ihn in deine Tasche tun, ja! Und??“

„Naja, es sind 26 Grad und Sonne und da ist dann wohl…“
„Sag jetzt nicht, dass der Negerkuss geschmolzen ist…“

„Doch, in der Tüte. Und dein Schlüssel ist leider unter dem…“
„Schatz, ich werde noch wahnsinnig!!“

„Das ist aber noch nicht das Schlimmste…“
„Hallo?? So ein blöder Autoschlüssel kostet 300 Euro!“

„Den kriegst du schon wieder sauber.“
„Hoffentlich! Wir sind nämlich 70 Kilometer von zuhause weg!“

„Ich helfe dir ja dabei.“
„Na toll! Und überhaupt! Was ist denn noch schlimmer, als das??“

„Das Ende der Kausalkette.“
„Wieso?? War das etwa noch nicht das Ende??“

„Nein.“
„Nicht?? Was kann denn jetzt noch kommen??“

„Das ist eben Ursache und Wirkung, ich kann nichts dafür!“
„Schatz! WAS ist noch!?“

„Der Negerkuss war für einen ganz bestimmten Zweck…“
„Für welchen Zweck denn??“

„Um dich zu beruhigen, wenn ich es dir sage.“
„Mir sagen?? Was willst du mir denn sagen??“

„Dass auf dem Sofa nicht nur die Fernbedienung lag…“
„Nicht?? Und was lag da noch, bitte??“

„Da lag noch eine von deinen geliebten James Bond DVDs…“
„Und??“

„Sorry, aber das kam nur wegen der blöden Kausalkette!“

Kopfschüttel…

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