Nummer gesucht

Gestern war die Liebste mit ihren Freundinnen unterwegs – Shopping, Café und solcher Klimbim. Ich hatte es mir grade gemütlich gemacht, als ihr Anruf kam:

„Hallo Schatz, kannst du mir mal einen Gefallen tun?“
„Aber klar, was denn?“

„Schau mal bitte für mich nach Melanies Telefonnummer.“
„Wo soll ich da schauen?“

„In meinen E-Mails. Melanie hat eine neue Handynummer und hat sie mir neulich gemailt und ich hab vergessen, die Nummer gleich in mein Handy zu speichern.“
„Kein Problem, Schatz. Der Rechner fährt schon hoch. Gleich hast du die Nummer.“

„Hach, du bist der Beste.“
„Wie war nochmal dein Kennwort?“

„Na, der Name vom Restaurant, wo wir das erste Mal essen waren plus unser Kennenlerntag.“
„Oh. Ähhh… verrätst du es mir nochmal?“

„Du hast es vergessen?“
„Naja, also… ja.“

„Also: Francescos215.“
„Danke. Jetzt fällt‘s mir wieder ein. Also, wie hieß der Betreff der Mail?“

„Das weiß ich nicht mehr, aber sie mailte das so Anfang letzten Monats.“
„Schatz, du hast 487 Mails im Postfach! Warum löschst du gelesene Mails nicht? Wo finde ich das denn jetzt?“

„Einfach zurückblättern.“
„Ha, hier eine Mail von Melanie. Ich mach sie mal auf. Das ist ein Rezept für einen Kuchen.“

„Nicht irgendein Kuchen. Das ist eine Limetten-Joghurt-Torte, superlecker!“
„Tja, aber keine Telefonnummer.“

„Dann such mal weiter…“
„Sag mal, du lässt ja sogar die Spammails drin, hier werben sie für ein Potenzmittel.“

„Vielleicht brauchen wir es ja mal…“
„Haha, sehr witzig.“

„Ach, Schatz, war nur Spaß. Suchst du mir jetzt die Nummer raus?“
„Hier ist noch eine Mail von Melanie. Nein, nur ein weitergeleiteter Link.“

„Weitersuchen. Bei welchem Datum bist du denn?“
„Anfang des letzten Monats. Hier ist noch eine. Nein, auch keine Telefonnummer…“

„Vielleicht war es auch schon vor zwei Monaten?“
„Ach Schatz, ich kann doch jetzt nicht über 400 Mails durchgucken. Dann bin ich doch morgen noch beschäftigt. Hat denn keins von den anderen Mädels die Nummer von Melanie?“

„Nein.“
„Kannst du nicht die Auskunft anrufen?“

„Ich glaube nicht, dass Melanie ihre Handynummer ins Telefonbuch schreibt. Und am Festnetz geht sie nicht ran.“
„Dann sprich doch auf den Anrufbeantworter.“

„Nein, Melanie hat vorhin gesagt, dass sie später kommt und wir gehen jetzt noch woanders hin und dann findet sie uns doch nicht.“
„Wenn Melanie gesagt hat, sie kommt später, hast du sie doch gesprochen.“

„Nein. Sie hat eine SMS geschrieben.“
„Dann hast du doch ihre Handynummer als SMS-Absender.“

„Oh, das stimmt! Manchmal steht man echt auf dem Schlauch. Danke Schatz und bis heute abend!“

Kopfschüttel…

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Sonnenbrand

Am Samstag waren wir nachmittags zum Faulenzen am Unisee. Während ich immerhin ein T-Shirt anhatte, war meine Liebste so sonnenhungrig, dass sie gleich zum Bikini gegriffen hatte. Ein Nickerchen im Sonnenschein brachte ihr dann den ersten Sonnenbrand des Jahres ein, der abends im Bett seinen Höhepunkt erreichte. Sie jammerte:

„Aua, mein Rücken! So ein Mist!“
„Das war aber auch unvorsichtig!“

„Danke für die Hilfe! Das merke ich grade auch!“
„Na ja, was soll ich machen…“

„Du könntest mir den Rücken kühlen. So kann ich unmöglich schlafen!“
„Soll ich draufpusten?“

„Quatsch, schau mal im Kühlschrank, ob da noch Quark drin ist.“
„Quark?“

„Ja, Quark! Das hilft!“
„Und den isst du dann?“

„Nein, der ist zum Draufschmieren, der kühlt.“
„Du willst mich auf den Arm nehmen, oder?“

„Nein, nicht in dem Zustand. Also schau doch mal bitte, ob Quark da ist.“
(Nach kurzem Suchen kam ich wieder zurück.)
„Hier, wir hatten noch was. Und das soll ich jetzt wirklich auf deinen Rücken streichen?“

„Ja bitte.“
„Gut. Man könnte auch noch Zwiebeln drauftun…“

„Oooch Schatz, spar dir bitte deine Witze.“
„Gut.“

„Sag mal, nach was riecht das denn?“
„Na ja, nach Quark. Ich hab doch gleich gewusst, dass das eine komische Idee ist.“

„Zeig mir mal die Packung.“
„Bitteschön.“

„Das ist ja Kräuterquark!“
„Na und? Quark ist Quark ist Quark.“

„Jetzt rieche ich nach Schnittlauch! Und all den anderen Kräutern!“
„Du wolltest es so. Hilft es wenigstens?“

„Ähh… ich komme mir grad wie eine Folienkartoffel vor. Heiß und mit Kräuterquark!“
„Schatz, du hast so gejammert, da musst du jetzt eben durch. Du kannst es ja nachher abduschen.“

„Ich dachte an ganz normalen Quark… Erzähl das bloß niemandem!“
„Was ist denn daran so schlimm? Andere Frauen machen sich auch Gurkenmasken und sind damit hochzufrieden! Hilft es denn jetzt?“

„Ein bisschen schon… Glaub ich. Weißt du aber, was das größte Problem an deiner alternativen Behandlung ist?“
„Nein.“

„Das war der kalorienreduzierte Quark für meine Diät. Was soll ich denn jetzt morgen früh frühstücken?“

Kopfschüttel…

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Zoobesuch


Neulich waren wir seit langem mal wieder im Zoo. Ich dachte, dass meiner Liebsten vor allem die kleinen und niedlichen Tiere gefallen, aber da hatte ich mich getäuscht. Mit einem Zaun oder Wassergraben zwischen uns und den Tieren hatte sie auch großen Gefallen an den großen Tieren. Das Nilpferd hätte sie wohl am liebsten gleich mitgenommen:

„Oooch, guck mal Schatz, das arme Nilpferd! Wie traurig das guckt!“
„Vielleicht kann ich es ja mit einem Witz aufheitern!“

„Nein, das ist bestimmt so traurig, weil es eingesperrt ist!“
„Mir ist das ganz recht so…“

„Ach, das arme Tier! Und es hat auch keine Gesellschaft!“
„Wieso, da sind doch noch mehr.“

„Ja, aber die halten alle Abstand.“
„Vielleicht ist das arme, traurige Nilpferd abgrundtief bösartig?“

„Nein Schatz, guck doch mal, wie lieb es herschaut!“
„Das ist bestimmt einer seiner Tricks. Es wartet, bis du über den Zaun kletterst, und dann frisst es dich mit einem Haps.“

„Du bist blöd! Nilpferde fressen keine Menschen.“
„Ach! Und wieso ist da ein Zaun drumherum?“

„Na, damit niemand reingeht.“
„Eben. Weil das aggressive Nilpferd den armen, wehrlosen Besucher sofort tottrampeln und auffressen würde!“

„Quatsch! Nilpferde sind Pflanzenfresser!“
„Stell dir mal vor, du bist dein Leben lang eingesperrt, da wirst du doch auch komisch, oder?“

„Wie meinst du denn das?“
„Na ja, du würdest doch auch komische Gedanken bekommen…“

„Hä? Was für Gedanken?“
„Na, das Nilpferd ist vielleicht schon schizophren. Oder es hat Lust auf Fleisch bekommen.“

„Ich bin nicht schizophren! Und ich esse auch ganz oft vegetarisch!“
„Ich sage ja auch nicht, dass du ein Nilpferd bist.“

„Ach, da bin ich aber froh! Und wieso stellst du dann Vergleiche zwischen dem Nilpferd und mir an?“
„Das war doch nur zur Verdeutlichung… Man wird in Gefangenschaft halt krank. Psychisch, mein ich.“

„Ich bin nicht psychisch krank!!!“
„Das sag ich doch auch gar nicht… Ich habe ja auch nie behauptet, dass du eingesperrt gewesen wärst!“

„Natürlich bin ich nicht eingesperrt! Wieso machst du denn dann so komische Vergleiche?“
„Na, damit du siehst, dass das Nilpferd jetzt vielleicht auch Fleisch frisst.“

„Das tut es eben nicht. Seit wir hier stehen, liegt Ramona da und döst und guckt traurig rum.“
„Ramona?“

„Ja, so habe ich sie genannt. Weil sie so traurig guckt.“
„Da fände ich Hannibal passender… Sie frisst bestimmt auch ihre Artgenossen!“

„Schatz, du bist doof! Und du hast keine Ahnung. Lies mal, was hier auf dem Schild steht!“
„Flusspferd (Hippopotamus amphibius). Lebensraum: mittleres und südliches Afrika. Das Flusspferd ist ein reiner Pflanzenfresser…‘“

„Da! Da hast du’s! Ein Pflanzenfresser!“
„Ja klar, die reden hier ja von Nilpferden in freier Natur. Aber wenn eines eben einen an der Waffel hat, weil es die ganze Zeit eingesperrt ist, dann trifft das ja nicht mehr zu. Die können ja auf das Schild schlecht schreiben: ‚Das Flusspferd ist üblicherweise ein normaler Pflanzenfresser. Nur bei schweren psychischen Störungen frisst es auch Fleisch, so wie hier.‘“

„Also hör mal. Mir ist noch nie was zu Ohren gekommen von Nilpferden mit psychischen Störungen.“
„Und was glaubst du, weshalb es dann so traurig guckt?“

„Na hab ich dir doch gesagt: Weil es so einsam ist! Du bist doch auch traurig, wenn ich mal weggehe.“
„Also…“

„Oder etwa nicht?“
„Doch, doch! Aber…“

„Aber was?“
„Aber das ist doch bei Menschen nicht genauso wie bei Nilpferden!“

„Jetzt vergleichst du mich schon wieder mit einem Nilpferd!“
„Nein, ich mein ja nur…“

„Ach, das ist ja zwecklos, mit dir darüber zu diskutieren. Gehen wir lieber zum nächsten Gehege.“
„Was ist dort?“

„Wilde Esel.“

Kopfschüttel…

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Lyrik


Manchmal entdeckt man völlig unerwartet neue Seiten seines Partners. Mir ist das neulich beim Frühstück passiert, als ich feststellte, dass meine Liebste ein Faible für hochgeistige Lyrik zu haben scheint. Ich verstehe davon zwar nichts, aber ich glaube, das spielt bei diesen Werken auch überhaupt keine Rolle. Wir saßen also beim Frühstück und sie las mir aus der Zeitung vor:

„Schwer wogt der Nebel
von der nächtlichen Wacht
Luna ist fern
ihr Schein fällt ganz sacht
auf die Dinge, im Morgen entrückt.
Kein Auge sah je ein Schauspiel wie dies.“

„Häää?“

„Das ist ein Gedicht, hier aus dem Feuilleton. Wie findst’n das?“
„So ein Schrott!“

„Nein, hör nochmal: Schwer wogt…“
„Liebste, ich hab schon gehört. Ich hab keine Ahnung, was das sein soll.

„Na, ein schönes Gedicht!“
„Ich kapier da gar nix.“

„Berührt dich das denn nicht? Diese schöne Sprache?“
„Nöö. Gib mir mal bitte den Sportteil.“

„Da. Das ist doch leicht zu verstehen: Es ist neblig, der Mond scheint noch ein bißchen und es sieht ganz geheimnisvoll aus… so bezaubernd halt, verstehst du, mit so einem speziellen Licht.“
„Nein.“

„Ich glaube, dir fehlt das Gefühl für Lyrik… Was ist denn daran nicht zu verstehen?“
„Na, zum Beispiel wieso der Dichter das so geschwollen ausdrückt!“

„Wenn er eine Pressemeldung wie in deinem Sportteil schreiben würde, wär’s doch kein Gedicht mehr!“
„Aber man würd’s wenigstens verstehen: ‚Es war neblig, dazu ein wenig Mondschein, und Dinge standen rum, die noch niemand gesehen hat.‘“

„Aber das ist doch Quatsch!“
„Sag ich ja!“

„Nein, schon inhaltlich stimmt deine Kurzfassung nicht – es heißt ja ‚ Kein Auge sah je ein Schauspiel wie dies‘.“
„Gut, also könnte er meinetwegen schreiben: ‚Es war neblig, dazu ein wenig Mondschein, Dinge standen rum, sowas hat noch keiner gesehen.‘ Ich hab keine Ahnung, was daran so toll sein soll.“

„Na ja, in deiner Version ist es ja auch kein Gedicht, das ist ja nicht lyrisch. Das wäre so, wie wenn ich den Spielbericht von Werder Bremen gegen FC Duisburg…“
„MSV Duisburg…“

„Meinetwegen MSV, also wenn ich da schreiben würde: ‚90 Minuten, ein Tor für Duisburg, Ende.‘“
„Na das ist doch Quatsch. Erstens spielt Duisburg in der zweiten Liga, und zweitens gewinnen die doch nicht in Bremen!“

„Das war doch nur ein Beispiel dafür, dass du ein Gedicht nicht einfach zusammenfassen kannst!“
„Wieso? Hab ich doch gut gekonnt. War alles drin.“

„Nur die Poesie eben nicht. Die macht das Gedicht so geheimnisvoll.“
„Quatsch mit Soße. Wenn du mich fragst: Der kokst garantiert.“

„Nein, das verstehst du nicht. Der ist eben ein sensibler Typ.“
„Oder er hat halt einen Dachschaden.“

„Ach, du hast da kein Gefühl dafür. Stell dir mal vor, dein Sportteil wäre poetisch verfasst!“
„Dann würde ich ihn halt nicht mehr lesen. Das wäre doch viel zu umständlich.“

„Das ist eben das Schöne an der Poesie – dass sie alles so im Ungefähren lässt!“
„Sag mal, Schatz… Ist was in deinem Kaffee?“

„Nein, ich versuche nur, dir das Gedicht zu erklären!“
„Das wirst du wohl nicht schaffen.“

„Also pass auf. Dein Spielbericht würde sich in etwa so anhören:
Ein Tor ist gefallen
in der langen Zeit
es jubeln die einen
für die anderen: Leid.“

„Ähh… Und wie soll ich jetzt wissen, wer der Torschütze war? Und wieviele gelbe Karten es gab? Und die Einzelkritiken? Und der Schiri?“

„Na ja, das könnte man ja noch ausbauen. Soll ich’s mal probieren?“

Kopfschüttel…

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