Zu dick gewickelt

Zu dick gewickelt (photocase.de © mathias the dread)Meine Liebste und ich sind mit Freunden zu einer Radtour verabredet.
Wir stehen bei allerschönstem Frühlingswetter bereits vor unserer Haustür, um auf die beiden zu warten, denn sie sind noch nicht da.
Aber ich bin mir sicher: es kann jeden Augenblick losgehen.

„Wo wollen wir denn eigentlich hinfahren?“
„Mal sehen, Süße. Müssen wir gleich mal besprechen.“

„Ich mache mir jetzt erst einmal die Klammern um die Hose.“
„Tu das.“

„Soll ich nur rechts oder auch links?“
„Wieso… Hast du denn zwei Klammern??“

„Ja, ich habe zwei, soll ich?“
„Warum nicht… Mach beide drum.“

[Meine Liebste legt sorgfältig beide Hosenklammern an.]

„Sieht das jetzt nicht komisch aus?“
„Naja… Ein bisschen vielleicht, aber wenn du erst…“

„Nee, das geht so nicht!“
„Also wenn du erst mal auf dem Fahrrad sitzt, dann…“

[Meine Liebste nimmt die linke Klammer wieder ab.]

„So, aber irgendwie sieht das immer noch doof aus…“
„Schatz, die sollst du ja auch nur zum Radfahren tragen, und nicht…“

„Ich nehme die andere auch ab, das gefällt mir nicht.“
„Aber…“

[Meine Liebste nimmt auch die rechte Klammer wieder ab.]

„Und jetzt?“
„Was und jetzt!“

„Jetzt mache ich mir beim Fahren bestimmt die Hose schmutzig!“
„Du hast ja auch die Klammern wieder abgenommen!“

„Ich könnte die Hose ja vielleicht auch hochkrempeln…“
„Ja, das könntest du natürlich…“

„Soll ich nicht?“
„Doch, mach. Hauptsache, du wirst mal fertig bald…“

[Meine Liebste krempelt ihre Hosenbeine bis zu den Knien hoch.]

„Und wie sieht das jetzt aus?“
„Alles gut, lass es jetzt so.“

„Ist das jetzt nicht zu dick gewickelt?“
„Nein, ist in Ordnung, alles gut. So geht´s.“

[Meine Liebste läuft zu dem Bäcker nebenan und schaut sich dort im spiegelnden Schaufenster an.]

„Ja, stimmt. Hose geht jetzt.“
„Na Gott sei Dank…“

„Aber die Schuhe gehen jetzt so nicht mehr!“
„Was?? Wieso, was ist denn jetzt mit den Schuhen??“

„Mit hochgekrempelter Hose sehen meine Füße so groß aus!“
„So ein Quatsch!“

„Doch, schau doch mal, wie groß die Schuhe jetzt sind!“
„Ich schätze, genauso groß wie vorher!“

„Wie machst du das denn eigentlich?“
„Meine Füße sind jeden Tag gleich groß.“

„Nein, ich meine doch, mit deiner Hose und der Kette?“
„Gar nichts. Bei mir wird da nichts schmutzig.“

„Und wieso dann bei mir??“
„Keine Ahnung, was du da immer machst!“

„Hätte ich mir doch besser gleich eine kurze Hose angezogen…“
„Schatz! Wir machen eine kleine Radtour, keine Tour de France!“

„Trotzdem muss man da ja nicht wie Hein Blöd aussehen.“
„Ich mag Hein Blöd.“

„Nee, du BIST Hein Blöd!“
„Pff! Aber du mit deinen Sieben-Meilen-Stiefeln!“

„Du bist so doof!“
„Habe ich mit dem Blödsinn angefangen? Nein!“

„Ich hätte besser eine andere Hose und andere Schuhe angez…“
„Quatsch! Jetzt hör auf damit!“

„Jaaa… Wo bleiben Nicole und Frank denn eigentlich?“
„Keine Ahnung, aber die kommen schon gleich.“

„Dann könnte ich ja noch mal hoch gehen.“
„Was! Jetzt?? Die kommen gleich, bleib hier!“

„Ich gehe eben schnell hoch.“
„Warum?? Du willst dich doch jetzt nicht ernsthaft noch umziehen??“

„Umziehen? Nee, wieso?“
„Aha. Und warum willst du dann jetzt noch mal nach oben?“

„Dann kann ich mir schnell noch die Beine eincremen!“

Kopfschüttel…

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Ich sehe alles

Ich sehe alles (photocase.de © prokop)Meine Liebste und ich verbringen – Dank eines Schnäppchens von Ryanair – ein wundervolles verlängertes Wochenende im norwegischen Oslo.
Und die Stadt kann sich wirklich sehen lassen!
Hier sind wir also genau richtig und es gibt beim ersten Schlendern bereits viel zu entdecken.

„Ganz schön kalt hier, oder?“
„Ja Süße. Egal, wir sind ja schön warm angezogen.“

„Ich friere jetzt schon…“
„Wir sind doch aber gerade erst losgegangen??“

„Trotzdem, ich habe gar keine Strümpfe eingepackt…“
„Schau mal, da ist das Theater.“

„Wo?“
„Na da, direkt vor uns? Sieht doch aus wie ein Theater…“

„Ach ja.“
„Und dahinter ist auch die U-Bahn-Station.“

„Wo?“
„Da!“

„Ach ja…“
„Du solltest vielleicht mal deine Sonnenbrille absetzen…“

„Nee, ich sehe alles.“
„Guck mal, eine Eisbahn mitten in der Stadt!“

„Wo?“
„DA VORNE!“

„Ach ja…“
„Sag mal, was ist denn mit dir los??“

„Nichts, wieso?“
„Weil du anscheinend blind bist!“

„Quatsch, ich sehe hundertprozentig.“
„Also wenn ich dich nicht schon so lange kennen würde, dann…“

„Jajaja, sag mir einfach, wenn du was Tolles siehst.“
„Wie bitte??“

„Wenn du was Interessantes siehst, dann sag mir das.“
„Ja, rein akustisch habe ich das wohl verstanden, aber…“

„Mach einfach!“
„Ähm… Da ist ein riesiges Hard Rock Café…“

„Wo?“
„DA! Dadadadada!! Da links!!“

„Ach ja, das sieht gut aus, wollen wir da mal rein?“
„Vielleicht gehen wir besser erst bei einem Optiker vorbei??“

„Was soll ich da denn??“
„Eine Brille mit sehr hohen Korrekturwerten vielleicht??“

„Nee, dann lass uns lieber Schuhe kaufen gehen.“
„Jetzt?? Das kommt überhaupt gar nicht in Frage!“

„Wäre aber besser, dann sehe ich auch wieder was.“
„Wenn wir Schuhe kaufen gehen??“

„Ja.“
„Ähm… Schatz! Wir sind gerade angekommen und da willst du…“

„Du verstehst das nicht, ich kann dann wieder alles sehen.“
„Wenn du neue Schuhe hast??“

„Ja.“
„Und wieso??“

„Weil ich, wenn ich Schuhe ohne Absätze hätte, nicht die ganze Zeit auf das Kopfsteinpflaster hier schauen müsste!“

Kopfschüttel…

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Schätzungsweise 2.356

Schätzungsweise 2.356 (photocase.de © Accela)Meine Liebste und ich schlendern durch die Bremer Einkaufsstraße und schauen uns Schaufenster an; Tchibo, Nokia, Roland-Schuhe, L´TUR, und so weiter. Mein Aufwand, die Liebste vom Betreten jedes Geschäftes abzuhalten, ist beachtlich…

„Lass uns mal bei Thalia nach Reiseführern gucken, ja?“
„Und wofür brauchen wir jetzt einen Reiseführer, Süße?“

„Nur so, die kann man immer gebrauchen.“
„Ah… Dann können wir ja auch 100 Brötchen kaufen.“

„Wofür denn 100 Brötchen??“
„DIE kann man auch immer brauchen!“

„Das ist doch Blödsinn!“
„Und wofür willst du einen Reiseführer, wenn wir gar nicht verreisen??“

„Wer sagt, dass wir nicht verreisen??“
„Habe ich was verpasst, oder was?? Wohin verreisen wir, bitte??“

„Wo möchtest du denn hin?“
„Ich möchte jetzt nirgendwo hin!“

„Du möchtest nicht mit mir in Urlaub fahren?“
„Doch, aber…“

„Dann können wir doch auch einen Reiseführer kaufen!?“
„Aber Schatz, dazu müssten wir doch wenigstens wissen, wohin!“

„Wieso?“
„Was heißt denn wieso??“

„Wenn wir einen Reiseführer finden, kann man da doch mal hin?“
„Aber so haben wir ja noch nie einen Urlaub geplant!“

„Jetzt habe ich mal eine Idee und das passt dem Herrn nicht!“
„Liebste, da gibt es schätzungsweise 2.356 Reiseführer bei Thalia!“

„Na und?“
„Ja willst du die alle erst durchlesen oder wie??“

„Wir können ja erst alle aus dem Bereich Karibik raussuchen.“
„Karibik??“

„Da haben die bestimmt was.“
„Wieso denn Karibik??“

„Weil da im April sehr gutes Wetter ist.“
„April?? Wieso bloß werde ich das Gefühl nicht los, dass du…“

„Habe ich so gehört.“
„Gehört, ja klar! Ich glaube eher, dass du schon längst…“

„Ich will doch nur einen Reiseführer über Punta Cana oder so!“
„Das geht mir schon wieder alles viel zu schnell!“

„Wenn ich mich nicht immer darum kümmern würde, dann…“
„Ach so! Waren wir die letzten Jahre im Urlaub oder nicht!?“

„Doch, waren wir.“
„Also.“

„Aber noch nie auf Punta Cana.“
„Da will ich auch nicht hin!“

„Genau deswegen will ich einen Reiseführer über Punta Cana.“
„Weil ich da nicht hin will??“

„Wenn wir erst den Reiseführer haben, dann willst du auch hin!“

Kopfschüttel…

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Sei doch nicht so unflexibel!

Sei doch nicht so unflexibel! (photocase.de © Krissi3012)Meine Liebste und ich wollen uns mit Freunden auf dem Bremer Weihnachtsmarkt treffen, um gemeinsam ein paar Leckereien zu futtern, Lumumba zu trinken und natürlich auch um zu quatschen. Es verspricht, ein netter Abend zu werden! Wir sitzen aber noch zu Hause.

„Es wird langsam Zeit, Schatz. Wir müssen los…“
„Ja, Süße. Aber wieso die Eile? „

„Weil wir in 20 Minuten da sein müssen.“
„Oh… OK, und wo treffen wir uns denn auf dem Weihnachtsmarkt?“

„Pff! Weiß ich doch nicht?“
„Wie bitte??“

„Das musst du doch wohl wissen.“
„Warum ich denn??“

„Was hast du denn mit Michael abgesprochen?“
„Ich?? Nichts! Ich habe gar nicht mit Michael gesprochen!“

„Aber Simone hat gesagt, ihr regelt das?“
„Aber DU hast doch mit Simone telefoniert, warum…“

„Wir wollten das nicht ganz über eure Köpfe hinweg entscheiden.“
„Was! Wo wir uns treffen??“

„Wir haben nur die Zeit abgemacht, sonst nichts.“
„Aha. Na toll! Ja und jetzt???“

„Ruf Michael doch einfach an?“
„Das ist ja echt wieder nach meinem Geschmack!“

„Kann ich doch nichts dafür, wenn ihr das vergesst!“
„Ich wusste doch aber gar nichts davon!“

„Das stimmt nicht! Ich habe dir gesagt, ruf Michael an.“
„Aber du hast nicht gesagt, warum!“

„Ich dachte, das würde er dir dann schon am Telefon sagen.“
„Schatz! Das ist ja wohl nicht dein ernst!“

„Klar, jetzt bin ich wieder schuld!“
„Ja, das bist du auch!“

„Nur weil ihr Männer euch immer drauf verlasst!“
„So? Und worauf verlassen wir uns?“

„Dass wir Frauen immer alles organisieren.“
„Tut ihr ja auch, besonders Simone und du!“

„Was soll das denn heißen, Simone und ich??“
„Weil ihr immer alles plant und wir da nichts zu sagen haben.“

„Aber dieses Mal wollten wir doch, dass ihr auch was plant!“
„Oh! Da bedanke ich mich vielmals, Gnädigste!“

„Man sieht ja, was rauskommt, wenn man euch was überlässt…“
„Vielleicht hätten die Damen mal einen Ton sagen können?“

„Vielleicht hätten die Herren mal Interesse zeigen können?“
„Und was genau willst du damit jetzt sagen?“

„Dass du ohne mich mal wieder total aufgeschmissen wärst.“
„Nur weil ich nicht weiß, wo wir uns auf dem Weihnachtsmarkt treffen??“

„Ohne Simone und mich gäbe es ja gar kein Treffen.“
„Richtig! Danke! Dann rufe ich Michael jetzt also mal an.“

„Und was willst du ihm dann sagen?“
„Wir werden einen Treffpunkt vereinbaren, was sonst.“

„Und wo?“
„Ich dachte, wir sollen das entscheiden?“

„Aber ich kann doch mal fragen?“
„Na schön, am Bremer Stadtmusikanten-Denkmal.“

„Wieso denn da?“
„Ja wieso denn nicht??“

„Da ist es immer so voll.“
„Na und??“

„Warum nicht in der Lloyd-Passage bei Gosch?“
„Da ist es ja noch viel voller!“

„Aber dafür ist es viel wärmer.“
„Schatz! Das entscheiden Michael und ich!“

„Aber ich werde doch wohl ein paar Wünsche äußern dürfen!“
„Darfst du nicht.“

„Sei doch nicht so unflexibel!“
„Soll ich das nun in die Hand nehmen oder nicht!?“

„Nein.“
„Wieso denn jetzt Nein??“

„Weil das nur wieder in die Hose geht.“
„Sag mal, du spinnst ja wohl! Gib mir das Telefon!“

„Nee! Das behalte ich!“
„Schatz, gib mir sofort das Telefon!“

„Nein!“
„Wie soll ich denn dann Michael anrufen??“

„Versprich erst, dass du nicht die Stadtmusikanten nimmst!“
„Und jetzt nehme ich erst recht die Stadtmusikanten!“

„Dann gebe ich dir auch nicht das Telefon!“
„Gib her!“

„NEIN!“
„GIB!“

„NIEMALS!“

[Die nun folgende Szene könnte spektakulärer kaum sein! Man sieht einen vom Sofa aufspringenden Kopfschüttler, der sich auf seine Liebste stürzt.
Das Telefon befindet sich hinter dem Rücken der Liebsten und wird erstaunlich standhaft von ihr verteidigt. Selbst ins Ohr pusten, Kitzeln in den Kniekehlen und in die Nase beißen fördern es nicht zutage.]

„Siehste, du kriegst das Telefon nicht!“
„Na schön. Also gut. Und jetzt?“

„Lloyd-Passage bei Gosch. Was anderes geht nicht.“
„Liebste, du weißt, ich liebe dich… Aber warum denn unbedingt da…“

„Weil das Plan B ist.“
„Plan B? Was ist denn nun wieder Plan B??“

„Von Simone und mir, falls ihr das wieder nicht hinkriegt!“

Kopfschüttel…

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