Ein Suchbild

Heute kam Post – ich fand das Bild darin weniger aufregend, aber meine Liebste war hin und weg. OK, vielleicht sollte ich es mir mal in Ruhe anschauen, aber dass man wegen sowas so aufgeregt sein kann:

„Guck mal, Post von meiner Schwester!“
„Was ist denn das?“

„Na ein Ultraschallbild von meiner Nichte!“
„Hä? Ich erkenn da nur so Grau…“

„Quatsch. Schau doch mal richtig hin, dann siehst du Kopf, Körper, Arme und Beine. Also das ist doch deutlich zu erkennen…“
„Vielleicht wenn ich’s drehe… Hier das Dicke, was ist das?“

„Das ist der Kopf. Sag mal, brauchst du eine Brille?“
„Nein, ich frag ja nur. Die Haare kann man aber nicht erkennen, oder?“

„Ach, Männer. Ich glaube, sie lächelt sogar!“
„Aha. Wo denn?“

„Na da! Ist sie nicht süß?“
„Ja, wenn man das alles erkennt… Woher weißt du eigentlich, dass es eine Nichte wird? Steht dazu was im Brief?“

„Nein, das sieht man doch auch hier. Guck mal zwischen den Beinen…“
„Die liegen aber komisch.“

„Wieso? Ganz normal, zwei Stück nebeneinander. Wahrscheinlich bist du bei einem Arm gelandet, gib mal her…“
„Hier. Was ist das, wo mein Finger hinzeigt?“

„Na ein Arm natürlich. Mann, du bist ein hoffnungsloser Fall. Guck, hier sind die Beine, und was ist dazwischen?“
„Da ist natürlich nichts zu erkennen. Kein Wunder bei der Farbgebung. Kann man so ein Foto nicht besser machen? So, dass man auch was erkennt?“

„Das ist superscharf! Besser geht nicht! Und es ist deutlich zu sehen, dass es ein Mädchen wird!“
„Ist ja auch egal.“

„Bitte? Es ist doch nicht egal ob Junge oder Mädchen!“
„Na ja, Hauptsache gesund.“

„Natürlich Hauptsache gesund, aber der Rest ist doch nicht egal?“
„Wieso? Ich denke, man nimmt, was man kriegt, oder?“

„Ja, aber man muss sich doch mental vorbereiten…“
„Ach, die Diskussionen über Schminken, abends ausgehen und Alkohol trinken stehen ja nicht gleich im Kreißsaal an. Angenommen, es wird ein Mädchen, was dann?“

„Na dann freue ich mich wie verrückt!“
„Aha. Und wenn’s ein Junge wird?“

„Wieso? Es wird ein Mädchen, da siehst du’s doch.“
„Ich meine ja nur, wenn…“

„Wieso soll ich jetzt so einen theoretischen Fall durchspielen?“
„Du würdest dich also nicht freuen?“

„Doch, natürlich.“
„Aber eher so aus Pflichtgefühl heraus, oder?“

„Quatsch! Man kann sich doch nicht aus Pflichtgefühl heraus freuen! Ich würde mich dann auch freuen. Halt nicht so arg wie bei einem Mädchen.“
„Also weniger. Ihr Frauen habt doch was von den Amazonen an euch…“

„Das ist gemein! Über was würdest du dich mehr freuen? Junge oder Mädchen?“
„Ähh…“

„Nicht überlegen! Gleich sagen!“
„Jun… also eigentlich wär mir das egal…“

„Du wolltest ‚Junge‘ sagen!“
„Das ist mir nur so rausgerutscht…“

„Du denkst, Mädchen interessieren sich nicht für Fußball und Autos, machen keine Männerwitze und keine Übernachtungen im Zelt mit ihrem Vater, oder?“
„Also…“

„Wußte ich’s doch!“
„Und selbst? Was würdest du mit deinem Neffen unternehmen, wenn er groß genug ist? Würdest du mit ihm auch mal zum Fußballspiel gehen, weil das echte Kerle halt interessiert? Oder doch lieber zum Eiskunstlauf?“

„Nein, wenn’s ein Junge wird, gehe ich mit ihm auch mal zum Fußball. Zum Frauenfußball natürlich!“

Kopfschüttel…

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Nomen est omen

Seit meine Liebste weiß, dass sie Tante wird, ist sie völlig im Babyfieber. Neulich las sie mir die Namen der neugeborenen Babys aus der Zeitung vor:

„Oh, hör mal, hier ist ein Liam geboren. Das klingt doch schön!“
„Na ja, in Vietnam ist das bestimmt ein super Name…“

„Wieso? Gefällt er dir nicht?“
„Also Schatz, da weiß man ja nicht mal genau ob Junge oder Mädchen.“

„Dann vielleicht der hier: Hannah Arwen.“
„Hannah geht so, aber was soll Arwen? Wurde das Kind bei ‚Herr der Ringe‘ gezeugt?“

„Also, dann den hier: Leon.“
„Im Seat gezeugt.“

„Jesper?“
„Ikea?“

„Hier, da kannst du nicht mäkeln: Johannes.“
„Da fällt mir nur ein – ach, ich sag‘s lieber nicht.“

„Shirley Joli gibt’s hier noch, oder Laurin Elias.“
„Wenn das Kind gern seinen Namen lebenslänglich buchstabieren will…“

„Was gefallen dir denn für Namen?“
„Na ja, auf jeden Fall muss man sie auf Anhieb schreiben und sprechen können. Es wäre auch schön, wenn man am Namen erkennt, ob Junge oder Mädchen, und allzu lang dürfen sie auch nicht sein.“

„Meine Kollegin erzählte neulich von ihrem Neffen, der heißt Tim. Das wäre doch ein schöner Name: Kurz, männlich, keine Schreibfehler.“
„Genau. Und den Bruder nennen sie dann Struppi.“

„Aber hier, hier ist doch tatsächlich ein normaler Name: Udo.“
„Das ist jetzt wieder ein bisschen kurz. Da könnte man denken, bei den Eltern hat’s nicht zu mehr gereicht.“

„Und der hier? Lukas?“
„Das klingt mir zu religiös.“

„Madonna hat ihre Tochter auch Lourdes Maria genannt, das ist zwar sehr religiös, aber schön.“
„Na ja, wenn man selbst schon ‚Madonna‘ heißt…“

„Oder hier: Mohammed.“
„Da sind die Eltern vermutlich Muslime. Sag mal, Schatz, willst Du das alles Susi vorschlagen?“

„Ich kann ihr doch beratend zur Seite stehen, oder nicht?“
„Also ich weiß ja nicht… es ist doch noch Zeit. Und das Geschlecht steht immer noch nicht fest.“

„Kein Problem. Ich geb ihr schonmal eine Liste mit Namen für Jungs und Mädels.“
„Vielleicht will sie das selbst in die Hand nehmen?“

„Das kann sie ja trotzdem machen. Eine große Auswahl hat da noch nie geschadet.“
„Weißt Du, was am besten wäre? Wenn das Kind seinen Namen erst bekäme, wenn es schon einen eigenen Charakter hat. Wie bei den Indianern.“

„Wie bitte? Und dann heißt es ‚Schnuckeliger Fratz, der hin und wieder bockt‘?“
„Quatsch, da müßte man dann mal sehen. Aber das wäre doch viel besser als diese sinnlose Namenssuche.“

„Wieso sinnlos? Selbst wenn man es so machen würde, bräuchte man immer noch einen Namen für die Zeit zwischen Geburt und Indianername. Ich such also weiter!“

Kopfschüttel…

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Schock nach Feierabend

Nach einem langen Arbeitstag auf dem Heimweg hatte ich noch schnell was eingekauft und bekam an der Kasse des Supermarkts noch live ein Erziehungsdrama vorgeführt. Ein niedlicher kleiner Blondschopf wollte unbedingt Süßigkeiten, seine Mutter allerdings nicht. Die Brüll- und Tobvorführung des Jungen war filmreif und ich war froh, dass ich nicht erziehen musste und freute mich schon auf einen ruhigen, entspannten Abend daheim. Zuhause war die Liebste allerdings völlig aus dem Häuschen. Sie hatte gerade erfahren, dass sie Tante wird.

„Schatz, stell dir vor: Ich werde Tante! Susi ist schwanger! Oh, ich freu mich so!“
„Prima, wann ist es denn soweit?“

„Irgendwann zum Jahresende. Ach, stell dir vor, es wird vielleicht ein Weihnachtskind!“
„Das ist für das Kind doch total doof, an Weihnachten Geburtstag zu haben. Na ja, immerhin sparen wir dann jedes Jahr ein Geschenk.“

„Quatsch, da geht’s doch gar nicht drum. Naja, vielleicht kommt es ja auch erst nach Weihnachten. Ach, stell dir mal vor, so ein klitzekleines Baby, wie niedlich.“
„Naja, natürlich ist es erst einmal ein kleines Baby, wie jedes Baby. Dann wird es größer und dann tobt es an der Supermarktkasse und will alles haben und hört nicht und schmeißt sich auf den Boden und brüllt laut ‘Blöde Mama’ durch den ganzen Supermarkt, sehr niedlich…“

„Ach was, alles Erziehungssache. Und Babies riechen immer so gut.“
„Wenn sie die Windel vollhaben wohl eher nicht.“

„Das macht doch bei einem Baby nichts. Oh, jetzt müssen sie bestimmt in eine größere Wohnung umziehen, damit der Wickeltisch und alles auch Platz hat.“
„Ach was, soviel Platz braucht doch so ein kleines Kind noch gar nicht.“

„Naja, es braucht ein Bettchen, einen Schrank, einen Wickeltisch, einen Stubenwagen und einen schönen Platz für die Babydecke und später für den Laufstall… „
„Klar, und in den Sportwagen passt bestimmt kein Kindersitz, daher gleich noch ein neues Auto dazu…“

„Quatsch, jetzt nimmst du mich nicht ernst. Bestimmt fragen sie uns bald, ob wir beim Umzug helfen können, Susi kann ja auch nicht mehr schwer heben.“
„Wenn sie fragen, helfen wir natürlich, aber ich glaub nicht, dass sie jetzt umziehen wollen, die Wohnung ist doch mindestens so groß wie unsere.“

„Ja, wir haben schon viel Platz. Da würde alles reinpassen für ein Baby.“
„Was willst du denn damit sagen?“

„Wie was sagen?“
„Doch nicht was mit schwanger?“

„Ja, da rede ich doch die ganze Zeit von.“
„Oh. Ich muss mich erstmal setzen…“

„Was ist denn, du bist so blass geworden!“
„Naja, man erfährt ja nicht alle Tage, dass man Vater wird. So plötzlich.“

„Wieso wirst du Vater?“
„Hast du nicht grade gesagt, dass du schwanger bist?“

„Nein, hörst du mir eigentlich nie zu? Susi ist schwanger! Du kannst deinen Puls wieder auf normal stellen…“

Kopfschüttel…

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Spaziergang mit Hindernissen

Bei Festen in meiner Verwandschaft wird oft nach dem Mittagessen zu einem Spaziergang aufgebrochen. So auch bei Tante Annes 60. Geburtstag. Was ein schöner Gang durch die Lüneburger Heide werden sollte, wurde für meine Liebste zunehmend zu einer Art Survivaltraining. Wir blieben daher etwas zurück, und sie fluchte:

„Dieser dämliche Spaziergang hätte nicht gleich rund um die Heide gehen können? Ich hab mir an jedem Fuß eine Blase gelaufen!“
„Aber wir sind doch noch keine zwei Kilometer gelaufen!“

„Ja und? Ich hab trotzdem Blasen!“
„Vielleicht passen Deine Schuhe nicht?

„Meine Schuhe passen immer. Ich probier sie ja beim Kauf extra an! Mist, blöder!“
„Hmm… Du hast aber auch nur so eine dünne Strumpfhose an. Da ist es ja kein Wunder, dass du dir eine Blase läufst!“

„Ja soll ich vielleicht in Kniesocken daherkommen? Und noch einen Filzhut mit Gamsbart dazu?“
„Na ich mein ja nur, die sind halt sehr dünn und deswegen…“

„Ach, es ist einfach eine blöde Idee, so einen Spaziergang zu machen. Man kann sich doch auch nett unterhalten, ohne dass man dabei laufen muss!“
„Aber wenn man sich richtig anzieht – also ich hab ja keine Probleme…“

„DU bist ja auch ein Mann. Männer haben bei sowas NIE Probleme. Ihr kauft eure Schuhe, und Zack! passen sie wie angegossen.“
„Nein, ich hab halt normale Socken an. Du könntest ja genausogut barfuß in den Schuhen stecken.“

„Und was machen wir jetzt? Das tut verflucht weh!“
„Du kannst die Stellen im Schuh ja mit einem Papiertaschentuch polstern, das sollte als Notlösung helfen. Oder du läufst barfuß.“

„Bitte? Weißt du, was das für Hornhaut an den Fußsohlen gibt? Ich seh ja aus wie ein Elefant!“
„Ich kann dich ja schlecht huckepack herumtragen…“

„Nein, aber ein paar sinnvollere Vorschläge wären mir sehr willkommen!“
„Dann mach das mit der Polsterung halt mal. Und beim nächsten Schuhkauf gibst Du besser acht.“

„Ich hab dir doch schon gesagt, dass ich die Schuhe immer kurz anprobiere!“
„Ja, aber du musst damit auch mal rumlaufen!“

„Wieso denn das? Wenn ich sie anprobiere und sie passen, dann passen sie. Egal, ob ich sitze oder laufe. Mein Fuß wächst ja nicht, nur weil ich grade laufe.“
„Aber neue Schuhe probiert man natürlich aus! Ziehst du sie im Schuhgeschäft einfach an und packst sie dann ein, ohne damit nur einen Schritt gelaufen zu sein?“

„Aber ja doch. Und die passen immer!“
„Seh ich ja grade…“

„Ich kann doch nicht im Schuhgeschäft hin- und her laufen, ohne Ziel und ohne Sinn!“
„Aber das hat ja einen Sinn – Du sollst merken, ob die Schuhe passen!“

„Also das wäre mir zu blöd. Und heute ist vielleicht auch ein schlechter Tag oder was weiß ich. Heute morgen, als wir losgefahren sind, haben sie auf jeden Fall noch gepasst.“
„Tja, und was machen wir jetzt? Der Rest der Truppe ist schon weit voraus. Mit deinen Folterschuhen werden wir sie nicht mehr einholen.“

„Könntest du nochmal zurück ins Ort gehen?“
„Äh… und was soll ich da? Einen Schuhmacher suchen?“

„Du könntest mit zwei Leihrädern zurückkommen, dann ging’s wieder…“

Kopfschüttel…

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