Waschbären und Wiesel

Meine Liebste kommt am Abend aufgeregt ins Wohnzimmer gerannt, wo ich gerade aufmerksam eine Fernsehreportage über Waschbären auf n-tv verfolge.
Aus den Augenwinkeln sehe ich allerdings schon, dass die Liebste ihre (eine ihrer) Lieblingshandtasche in der Hand hat…

„Du, Schatz! Schatz! Hilfe!“
„Was ist denn, Süße?“

„Meine Handtasche ist kaputt!“
„Aha, du, kann das vielleicht noch 5 Minuten warten?“

„Aber meine Handtasche ist kaputt!“
„Was ist denn damit?? Kriegst du nichts mehr reingestopft??“

„Sooo viele Sachen sind da gar nicht drin!“
„Naja, tragen kannst du sie ja wenigstens noch…“

„Jetzt hör mir doch mal zu, bei meiner Tasche ist…“
„Liebste ich gucke mir gerade was über Waschbären an und…“

„Waschbären??“
„Ja, Waschbären. Und gleich kommt was über Wiesel.“

„Och Schatz! Was ist da denn wohl wichtiger!?“
„Die Waschbären.“

„Meine Tasche!“
„Herrgott, was ist denn mit deiner Tasche??“

„Hier, der Reißverschluss an der Seitentasche ist kaputt, schau!“
„Ah ja. Und jetzt nimm bitte die Tasche wieder aus meinem Gesicht…“

„Was mache ich denn jetzt?“
„Das kann man nicht reparieren.“

„Warum nicht??“
„Weil am Anfang hier das kleine Ding kaputtgebrochen ist.“

„Und was kann man da machen? Sieht doch blöd aus so!“
„Nichts kann man da machen, das sagte ich bereits.“

„Aber ich kann doch jetzt nicht die ganze Tasche wegwerfen!?“
„Hm… Tja, also man könnte eventuell…“

„Oh, schau, jetzt kommen die Wiesel im Fernsehen!“
„Ja… INTERESSANT, ODER??“

„Ja, sehr! Das will ich auch sehen!“
„Ich dachte, deine Handtasche habe jetzt Priorität?“

„Hat sie ja auch. Kannst du das für mich reparieren?“
„Kann das nicht bis morgen warten??“

„Oh bitte, ich bin schon ganz nervös deswegen!“
„Merkt man gar nicht…“

„Ich gucke jetzt die Wiesel und erzähle dir gleich alles.“
„Aber dann sehe ich ja nichts von den Wieseln!?“

„Du wirst doch wohl wissen, wie Wiesel aussehen??“
„Ja schon, aber…“

„Für dich ist das doch ein Handgriff, bitte, bitte!!“
„Darf ich danach in Ruhe weiter fernsehen??“

„Ja. Und ich erzähle dir ausführlich, was du alles verp…“
„…danke, aber das muss nun wirklich nicht s…“

„Psst! Ich will das hören!“

[Na klar, ich hätte auch standhaft bleiben können… Bleiben müssen! Nun ja. Auf der anderen Seite finde ich Wiesel lange nicht so interessant, wie Waschbären… Ja, gut, mit diesem armseligen Argument kann ich leben. Muss ich leben.
Also gehe ich mit der Handtasche der Liebsten in die Küche und krame den Sekundenkleber aus einer der Schubladen; vielleicht kann ich den Anfang des Reißverschlusses ja zusammendrücken und mit dem Kleber fixieren. Wenigstens ist die kleine Seitentasche leer: aus Sicherheitsgründen und zum Schutz der mir noch verbliebenen geistigen Gesundheit will ich auf keinen Fall mehr wissen, was die Liebste alles in ihrer Handtasche bunkert und täglich mit sich rumschleppt.
Nach gefühlten 533 Minuten und mehreren deutlichen Macken in meinen Fingernägeln habe ich den widerspenstigen Reißverschluss zugeklebt: leider im wahrsten Sinne des Wortes; denn der Reißverschluss ist nun zwar zu, aber er lässt sich auch nicht mehr öffnen… Oh, oh…]

„Hallo Schatz! Wo warst du denn so lange??“
„Naja, also, ich ähm…“

„Ist der Reißverschluss jetzt zu?“
„Ja, schon, aber…“

„Das ist ja super! Danke, danke, danke!!“
„Ähm, gern geschehen, nur…“

„Ich hab dich soooooo lieb!“
„Also der Reißverschluss ist jetzt zu, allerdings…“

„Sieht aus wie neu! ich wusste doch, dass du das hinkriegst!“
„Moment, also was ich noch dazu sagen muss, ähm…“

„Das ist meine absolute Lieblingshandtasche, weißt du?“
„Tatsächlich, aha…“

„Prima, dann kann ich die ja morgen mitnehmen, freut mich!“
„Liebste, ich muss dir aber noch was dazu sagen…“

„Was denn?“
„Naja, also es gab ein klitzekleines Problem und…“

„Wieso, hast du was aus der Tasche rausgenommen??“
„Nein, da war ich nicht dran, nur an der Seitentasche.“

„Dann ist ja gut, weil die Sachen sind alle wichtig.“
„Natürlich, ist klar, alles sehr wichtig.“

„Was ist denn nun? Was für ein Problem gibt es denn??“
„Also ich musste den Reißverschluss ja kleben und…“

„…und??“
„Und dabei habe ich ihn wohl dauerhaft zusammengeklebt.“

„Was? Was soll das heißen, verstehe ich nicht??“
„Naja, also, er lässt sich nicht mehr öffnen.“

„Soll das heißen, ich kann, also ich kann nicht mehr…“
„Ja, das heißt es leider. Er geht nicht mehr auf.“

„Willst du damit sagen, dass an MEINER LIEBLINGSTASCHE d…“
„…ich bin ja kein Reißverschlussprofi, tut mir leid!“

„Und der geht wirklich nicht mehr auf?? Ganz sicher??“
„Ja, Liebste. Tut mir leid. Da habe ich wohl irgendwas…“

„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ist schon gut…“
„Bist du jetzt traurig oder so?“

„Nein, warum??“
„Naja, ich meine, weil deine Lieblingstasche, und so?“

„Quatsch! Ist doch super, wenn der Reißverschluss zu ist.“
„Schon, aber er geht nicht mehr auf?“

„Na und?“
„Was heißt denn na und, bitte??“

„Die Seitentasche benutze ich sowieso nie!“

Kopfschüttel…

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Aber wo?

Meine Liebste und ich sind am Wochenende mit Freunden verabredet und wir sind kurz davor, dorthin loszufahren. Während ich bereits in der Tür stehe und mit meinem Schlüssel herumspiele, höre ich die Liebste noch in der Wohnung herumlaufen.
Es kann sich nur nur noch um Stunden handeln…

„Ich komme gleich!“
„Das ist schön, Süße…“

„Bist du schon fertig?“
„Ja, ich warte.“

„Komme gleich!“
„Schön, Schatz.“

„Es ist nur, weil ich sie nicht finde!“
„Wen findest du nicht?“

„Meine Sonnenbrille!“
„Ähm… Liebste, es regnet draußen in Strömen…“

„Ja, jetzt vieleicht, aber wer weiß, wie es gleich wird!“
„Liebste, du brauchst deine Sonnenbrille heute nicht.“

„Ohne meine Sonnenbrille fahre ich nicht!“
„Apropos fahren: liegt die Brille vielleicht noch im Auto?“

„Nee, das kann nicht sein.“
„Und warum nicht?“

„Weil ich sie extra mit raus genommen habe, um…“
„Um??“

„…um sie nicht im Auto zu vergessen.“
„Aha… Sehr gute Idee, Süße…“

„Aber wo habe ich sie jetzt hingelegt??“
„Ist doch egal, du kannst sie morgen suchen, komm jetzt!“

„Nicht ohne Sonnenbrille!“
„Aber du wirst sie heute nicht brauchen, glaube mir!“

„Ohne Brille gehe ich nicht weg!“
„Na schön, dann nimm eben meine.“

„Deine??“
„Meine. Sie liegt im Auto.“

„Hm… Das wäre zur Not eine Alternative…“
„Schön, können wir dann jetzt los?“

„Nein. Ich muss noch was holen, Moment…“
„Was fehlt denn jetzt noch??“

„Hallo?? Wir reden hier schließlich über deine Sonnenbrille!“
„Ja, und was brauchst du jetzt noch??“

„Moment, bin gleich wieder da…“

[Die Liebste dreht auf ihren Absätzen um und rennt erneut durch die ganze Wohnung… Natürlich frage ich mich, was sie jetzt wieder sucht, und ich kämpfe mit mir, ob ich sie nun auch noch danach fragen soll…]

„So ein Mist!“
„Liebste, was ist denn jetzt??“

„Ich finde es nicht!“
„Was denn??“

„Und das nur, weil ich deine blöde Sonnenbrille aufsetzen muss!“
„Oh, entschuldige bitte! Abgesehen davon regnet es draußen!“

„Ohne können wir aber nicht los!“
„Was fehlt denn?? Lippenstift?? Geld?? Handtasche?? Tampons??“

„Quatsch!“
„Sondern??“

„Das Brillenputztuch!“

Kopfschüttel…

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Drei zu Null, oder?

Meine Liebste sitzt auf dem Sofa, als ich am späten Abend nach Hause komme.
Dass sie dort sitzt ist nichts Besonderes, aber sie trägt noch ihre volle Tagesbekleidung; gewöhnlich macht sie es sich abends etwas bequemer. Auch die verschränkten Arme lassen erahnen, dass…

„Hallo Schatz.“
„Hallo Süße! Na, alles gut bei dir?“

„Nein.“
„Nicht? Was ist denn los?“

„Ich habe mal wieder wirklich NICHTS anzuziehen!“
„Aha, und ähm, was ist das, was du da gerade an hast?“

„Eben! Eben! Guck dir das doch mal an!“
„Tja, also, ich…“

„Dieser Pulli hier, findest du den etwa schön??“
„Ähm…“

„Der passt doch gar nicht zu mir, oder??“
„Naja, du hast ihn ja auch noch nicht oft getragen…“

„Das kann man wohl sagen, sehr gut beobachtet!“

[1:0 für mich…]

„Und die Jeans?? Guck dir das doch mal an hier!“
„Was ist denn damit??“

„Die ist doch viel zu wenig verwaschen!“
„Verwaschen??“

„Die ist langweilig, meine ich!“
„Och, es kommt ja auch ein bisschen drauf an, was drin steckt…“

„Sollte das ein Kompliment für mich werden??“
„Ähm, ja?“

„Danke.“

[2:0 für mich…]

„Trotzdem ist die langweilig, die Jeans mag ich nicht!“
„Ähm, nur so interessenhalber: du hast sie doch mal gekauft, oder??“

„Natürlich habe ich sie gekauft!“
„Und dabei ist dir nicht schon aufgefallen, dass…“

„Ich dachte, dass die anders aussieht.“
„Aha…“

„So, und jetzt schau dir bitte mal die Schuhe an.“
„Zeig mal?“

[Die Liebste sitzt tatsächlich noch mit Schuhen an den Füßen auf dem Sofa; jetzt hebt sie beide Beine nach oben, damit ich mir die Schuhe ansehen kann…]

„So, und jetzt sag mal: die sind doch auch langweilig, oder??“
„Also, ich, ähm… Wieso findest du die denn jetzt langweilig?“

„Das Leder ist viel zu glatt und zu rund und…“
„…aber die Absätze, die sind doch ganz schön, oder?“

„Naja, das… Ja, das stimmt schon. Ausnahmsweise.“

[3:0 für mich! Jetzt kann mir nicht mehr viel passieren!]

„Trotzdem: ich weiß echt nicht mehr, was ich noch anziehen soll!“
„Hm…“

„Was soll ich denn jetzt machen??“
„Liebste, wie wäre es, wenn ich dich morgen zum Shoppen einlade?“

„Zum Shoppen??“
„Wir fahren in die Stadt und du kaufst dir was richtig Schönes.“

„Du bist echt ein Blödmann, weißt du das!“
„Ähm… Ich??“

„Ja, wie kann man nur so böse zu seiner Freundin sein!“
„Also Moment mal, ich…“

„Was soll denn das jetzt??“
„Entschuldigung, aber ich dachte, weil du doch…“

„Männer! Pff!“
„Ich wollte nur, dass du deine alten Klamotten da entsorgen kannst!“

„Meine alten Klamotten?? Diese hier??“
„Davon sprechen wir doch gerade die ganze Zeit oder??“

„Du meinst also die, die ich hier gerade an habe??“
„Den nicht passenden Pulli, die langweilige Jeans, die öden Schuhe.“

„Jetzt reicht es aber, BERND!“

[Uups… Wenn Sie BERND sagt, dann steht die Welt kurz vor dem Untergang; oder anders: ich stehe nahe am Abgrund und die Liebste überlegt, ob sie schubst…]

„Vielleicht bist du jetzt besser still, das ist gesünder für dich!“
„Normalerweise freust du dich doch, wenn wir shoppen gehen??“

„Ja, das ist wohl richtig.“
„Und was stimmt dann jetzt nicht??“

„ICH WAR HEUTE SHOPPEN, du Doof!“
„Oh… Und du hast dann wahrscheinlich diese Sachen da gek…“

„JA GENAU!“
„Ähm…“

„So, und jetzt noch mal: wie findest du den Pulli?“

Kopfschüttel…

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Schnell was nachfragen

Meine Liebste kommt aufgeregt ins Wohnzimmer gerannt, während ich auf dem Sofa sitze und Zeitung lese.
Noch während ich bei ihrem Anblick spontan denke, dass sie bestimmt wieder irgendetwas angestellt hat, legt die Liebste auch schon los.
Aber mal ehrlich: es muss ja nicht immer gleich was Schlimmes sein…

„Du, Schatz? Ich müsst mal schnell was nachfragen!“
„Was denn, Süße?“

„Die gelbe Zahnbürste ist doch deine, oder??“
„Wieso?“

„Sag doch mal, stimmt doch, oder?“
„Nein. Die BLAUE ist meine. Wie immer, wie du weißt.“

„Und wofür ist dann die gelbe??“
„Die gelbe Zahnbürste ist zum Reinigen für den Abfluss.“

„Aha, und die blaue ist dann also…“
„…für meine Zähne, ja.“

„Oh…“

Kopfschüttel…

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