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Ein Suchbild

13. September 2011, aus der Schublade Familie und Feste

Heute kam Post – ich fand das Bild darin weniger aufregend, aber meine Liebste war hin und weg. OK, vielleicht sollte ich es mir mal in Ruhe anschauen, aber dass man wegen sowas so aufgeregt sein kann:

„Guck mal, Post von meiner Schwester!“
„Was ist denn das?“

„Na ein Ultraschallbild von meiner Nichte!“
„Hä? Ich erkenn da nur so Grau…“

„Quatsch. Schau doch mal richtig hin, dann siehst du Kopf, Körper, Arme und Beine. Also das ist doch deutlich zu erkennen…“
„Vielleicht wenn ich’s drehe… Hier das Dicke, was ist das?“

„Das ist der Kopf. Sag mal, brauchst du eine Brille?“
„Nein, ich frag ja nur. Die Haare kann man aber nicht erkennen, oder?“

„Ach, Männer. Ich glaube, sie lächelt sogar!“
„Aha. Wo denn?“

„Na da! Ist sie nicht süß?“
„Ja, wenn man das alles erkennt… Woher weißt du eigentlich, dass es eine Nichte wird? Steht dazu was im Brief?“

„Nein, das sieht man doch auch hier. Guck mal zwischen den Beinen…“
„Die liegen aber komisch.“

„Wieso? Ganz normal, zwei Stück nebeneinander. Wahrscheinlich bist du bei einem Arm gelandet, gib mal her…“
„Hier. Was ist das, wo mein Finger hinzeigt?“

„Na ein Arm natürlich. Mann, du bist ein hoffnungsloser Fall. Guck, hier sind die Beine, und was ist dazwischen?“
„Da ist natürlich nichts zu erkennen. Kein Wunder bei der Farbgebung. Kann man so ein Foto nicht besser machen? So, dass man auch was erkennt?“

„Das ist superscharf! Besser geht nicht! Und es ist deutlich zu sehen, dass es ein Mädchen wird!“
„Ist ja auch egal.“

„Bitte? Es ist doch nicht egal ob Junge oder Mädchen!“
„Na ja, Hauptsache gesund.“

„Natürlich Hauptsache gesund, aber der Rest ist doch nicht egal?“
„Wieso? Ich denke, man nimmt, was man kriegt, oder?“

„Ja, aber man muss sich doch mental vorbereiten…“
„Ach, die Diskussionen über Schminken, abends ausgehen und Alkohol trinken stehen ja nicht gleich im Kreißsaal an. Angenommen, es wird ein Mädchen, was dann?“

„Na dann freue ich mich wie verrückt!“
„Aha. Und wenn’s ein Junge wird?“

„Wieso? Es wird ein Mädchen, da siehst du’s doch.“
„Ich meine ja nur, wenn…“

„Wieso soll ich jetzt so einen theoretischen Fall durchspielen?“
„Du würdest dich also nicht freuen?“

„Doch, natürlich.“
„Aber eher so aus Pflichtgefühl heraus, oder?“

„Quatsch! Man kann sich doch nicht aus Pflichtgefühl heraus freuen! Ich würde mich dann auch freuen. Halt nicht so arg wie bei einem Mädchen.“
„Also weniger. Ihr Frauen habt doch was von den Amazonen an euch…“

„Das ist gemein! Über was würdest du dich mehr freuen? Junge oder Mädchen?“
„Ähh…“

„Nicht überlegen! Gleich sagen!“
„Jun… also eigentlich wär mir das egal…“

„Du wolltest ‚Junge‘ sagen!“
„Das ist mir nur so rausgerutscht…“

„Du denkst, Mädchen interessieren sich nicht für Fußball und Autos, machen keine Männerwitze und keine Übernachtungen im Zelt mit ihrem Vater, oder?“
„Also…“

„Wußte ich’s doch!“
„Und selbst? Was würdest du mit deinem Neffen unternehmen, wenn er groß genug ist? Würdest du mit ihm auch mal zum Fußballspiel gehen, weil das echte Kerle halt interessiert? Oder doch lieber zum Eiskunstlauf?“

„Nein, wenn’s ein Junge wird, gehe ich mit ihm auch mal zum Fußball. Zum Frauenfußball natürlich!“

Kopfschüttel…



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12 Kommentare zu “Ein Suchbild”

  1. Marcus sagt:

    Glückauf! Ich finde, das ist (übrigens genau wie die letzte) eine wirklich charmante Geschichte. Man muss ja nicht zwangsläufig Tränen lachen.

    Ich finde die meisten der Geschichten des neuen Kopfschüttlers durchaus amüsant – allerdingsviel zu unpersönlich, da so gut wie kein feedback von ihm kommt. Das fand ich das sympatische am original. Auch das einige der Geschichten reichlich konstruiert wirken und der Besitzer eine Firma für Texterstellung hat, trägt nicht zur Authentizität bei.

    Aber bei Mario Barth glaubt auch niemand, dass seine Freundin genau so ist, wie er es schildert und alle Geschichten auch passiert sind (das wäre ja fürchterlich)

    Also für die Zukunft: Userkontakt! Und zwar nicht nur pampig auf Kritik reagieren. Und eine kurze Vorstellung der eigenen Person wäre nett. Das macht den Blog authentischer und vorallem persönlicher.

    Gruß
    Marcus

  2. Anonymous sagt:

    Moin

    Naja – selbst einen pampigen Kritik-Kommentar konnte ich die letzten 5 Geschichten nicht finden. Allgemein finde ich, daß Antworten auf diverse Posts (z.B. bei Tattoo) UNBEDINGT Pflicht sind – aber jesses, befürchte, daß es hier eh nur noch um die Werbeeinblendungen geht.
    Wenn ich mir anschaue, was bei mir alles geblockt wird – ein Hoch auf die Technik, daß der ganze Mist geblockt werden kann ;)

    • Kopfschüttler sagt:

      Mit dem Blocken habe ich ehrlich gesagt wenig zu tun. Das macht WordPress (das CMS hier) ganz alleine. Ich hoffe mich demnächst auch mal etwas mehr um die Kommentare kümmern zu können. Der Wille ist da, alleine der Tag ist zu kurz :-/

  3. Nightstallion sagt:

    Lustig. Ich (Mann) würde mich über eine Tochter deutlich mehr froien als über einen Sohn…

  4. Elise sagt:

    Sehr lustige Geschichte. Generell finde ich die ganzen Geschichte lustig und interessant. Ich arbeite in einem Altenheim in Hamburg. Ich habe es jetzt bei uns eigeführt, Geschichten aus dem Kopfschüttel-Blog unserer Vorleserunde vorzulesen. Bei den Senioren kommen die Geschichten wirklich gut an. Die meisten lachen herzhaft darüber. Ich weiß, aus anderen Altenheimen in Hamburg, dass es nun auch geplant ist die Geschichten von diesem Blog vorzulesen, weil diese echt gut ankommen. Weiter so ;)

    Gruß Elise

  5. Anonymous sagt:

    Seit Bernd weg ist kann man diesen Blog getrost vergessen.
    Noch 1 Woche behalte ich die Seite in den Favoriten und warte auf eine Antwort bzw. auf bessere Geschichten.

    • Kopfschüttler sagt:

      Leider kann man es nicht jedem immer Recht machen. Man kann es nur versuchen… i promise i’ll try ;-)

      • lady m sagt:

        Warum klärst du die leute eigentlich nicht offiziell auf?
        Kurzer Vorstell-Artikel, wer du bist, was dein Motiv ist etc…

        verstehe ich nicht ganz. ich meine… Formulieren ist doch eigentlich dein Hauptjob. daran dürfte es doch nicht scheitern. dann klappts auch sicher mit den (zufriedeneren) Lesern.. ;-)

        • Durchschnittsleser sagt:

          Ich habe den Blog erst kürzlich durch stupides Suchen bei google entdeckt, weil ich selbst mit dem Gedanken spiele einen in die bunte, überfüllte Cyberwelt zu setzen. Tendenziell schon mal ein gutes Zeichen, dass der 3. Link bei der simplen Wortsuche “Blog” zu dieser Seite führt.

          Die ersten Einträge habe ich mit Freude gelesen und dachte mir; Komm fang ganz am Anfang an. Gesagt, getan. 251 Seiten à 2 Geschichten sind nicht wenig und nach knapp 3 Tagen und unzähligen Stunden des Schmökerns, war ich ca. bei Seite 3x angekommen. Faszinierend. Nach und nach entwickelte sich ein leichtes Big Brother Feeling. Ich las weniger um der Geschichten Willen, sondern mehr, weil mich das Fortleben der beiden Protagonisten interessierte, wobei natürlich die abschließende Kopfschüttelpointe immer noch im Vordergrund stand. Wenn man über Jahre hinweg durchaus persönliche Ereignisse preisgibt, verbindet es. Man baut als Leser unbewusst eine einseitige Beziehung zur Liebsten und dem leidtragenden Mann auf und das wird nach und nach eine weitere Antriebsfeder den Blog zu verfolgen. Leider bemerkt man dann auch ziemlich schnell, wenn die Geschichten einen gewissen (Stil)Bruch erleiden und als ich dem Autor ein persönliches Dankesschreiben per Mail senden wollte, fand ich, wahrscheinlich, den Grund für den verloren gegangenen Charme.

          Die Blogeinträge sind weiterhin lesenswert und ich werde ihn auch nicht aus den Augen verlieren, verständlich ist es dennoch, wenn “alteingesessene” User den alten Autor mitsamt persönlicher Note vermissen. Das mache ich schließlich bereits jetzt schon und beneide ihn ganz ehrlich um seine Liebste. Naja, never change a running system, heißt es so schön, aber wenn er ihn nicht mehr fortführen wollte oder die Summe für den Verkauf zu verlockend war, sollte man als Leser nicht nur die Haare in der Suppe suchen und alles schlechter reden als es in Wirklichkeit ist.

          Schreib einfach weiter, selbst wenn es nur erfundene und teilweise überspitzte Geschichten sind. Leser wirst du immer genügend haben.

        • Mafdet sagt:

          Dem schließe ich mich an.
          Eine kurze Vorstellung wäre wirklich sehr nett.

  6. Manu sagt:

    Ich finds einfach nur geil über was Mann/Frau so alles diskutieren kann…*gg*…ich freu mich schon auf die nächsten Zeilen.

  7. Chris sagt:

    Mir hat die Geschichte gefallen. Und ich werde jetzt gelich noch mal ein wenig weiterstöbern…. Übrigends: Beim ersten wars mir egal, beim zweiten auch, aber beim dritten wollten wir schon gerne endlich einen Jungen – hat auch geklappt!

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