Als wir heute früh beim Frühstück saßen, erzählte ich der Liebsten von dem seltsamen Traum, den ich heute Nacht geträumt hatte. Dass mein Schatz über so einen reichen Fundus an küchenpsychologischem Fachwissen verfügt, wusste ich da allerdings noch nicht…

„Na, du siehst aber müde aus!“
„Kein Wunder, ich habe eine total stressige Nacht hinter mir.“

„Wieso denn das? Wir sind doch recht früh ins Bett gegangen.“
„Ach, ich hab die ganze Nacht nur einen Quatsch nach dem anderen geträumt.“

„Deshalb hast du mich zweimal getreten und dich so rumgewälzt. Was hast du denn geträumt?“
„Ach, irgendwie lauter zusammenhangloses, sinnloses Zeug.“

„Erzähl mal, das hat bestimmt eine tiefere Bedeutung!“
„Quatsch.“

„Doch, Träume haben immer eine tiefere Bedeutung.“
„Aha. Was bedeutet es dann, dass ich heute Nacht zusammen mit einem braunen Pferd mit dunkler Mähne mit dem ICE von Berlin nach Stuttgart gefahren bin und wir über zwei Stunden Verspätung hatten?“

„Naja, von Berlin nach Stuttgart sind zwei Stunden Verspätung doch gar nicht so viel! Außerdem kann es doch immer mal Verspätung geben. Ich hab neulich erst gelesen, dass die Bahn auch deshalb immer Verspätung hat, weil wegen der hohen Kupferpreise Schienen geklaut werden und die Bahn gar nichts für die Verspätung kann.“
„Aber Eisenbahnschienen sind doch gar nicht aus Kupfer.“

„Naja, dann eben die Kabel oder so. Auf jeden Fall will die Bahn die Schienen und Kabel jetzt markieren, damit die Diebe sie nicht mehr so einfach verkaufen können.“
„Aha.“

„Ja, immer denken alle, die Bahn ist an den Verspätungen schuld, dabei wurden die Schienen und Kabel abgebaut.“
„Naja, wenn sie dann pünktlicher werden, soll’s mir recht sein.“

„Ja. Du hättest doch heute nacht auch reiten können.“
„Wie?“

„Naja, mit deinem braunen Pferd im Traum.“
„Ach so, tja, da hab ich nicht dran gedacht.“

„Warum hattest du überhaupt ein Pferd dabei?“
„Weiß ich doch nicht. Du bist doch hier die Traumdeutungsexpertin.“

„War es denn eine Stute oder ein Hengst?“
„Weiß ich doch nicht. Ich kenn mich mit Pferden überhaupt nicht aus.“

„Das sieht man doch.“
„So? Ob das Pferd das Bein hebt oder sich hinhockt oder was?“

„Nein, aber an der Stelle mußt du halt mal hinschauen.“
„Hab ich aber nicht. Aber wenn ich heute Nacht wieder von dem Pferd träume, schau ich nach und dann sag ich es dir.“

„Gut. Was wolltest du überhaupt in Stuttgart?“
„Nichts. Ich weiß es nicht. Eigentlich wollte ich gar nicht nach Stuttgart, nur der Zug fuhr halt dahin.“

„Wollte das Pferd nach Stuttgart?“
„Was weiß ich. Jetzt hör auf mit dem Gefrage, das war nur ein komischer Traum.“

„Ja. Ich hab heute Nacht nichts geträumt.“
„Vielleicht erinnerst du dich nur nicht.“

„Nee, wenn ich was geträumt hätte, würde ich mich auch erinnern.“
„Jeder Mensch träumt jede Nacht, nur die meisten erinnern sich nicht an ihre Träume.“

„Echt? Du hast dich aber dran erinnert.“
„Ja, es war aber auch ein komischer Traum. Mit einem Pferd Zug fahren, so ein Quatsch.“

„Ja. So ein Quatsch.“
„Also, da sind wir uns ja immerhin einig.“

„Ja.“
„Gut.“

„Was hast du eigentlich in Berlin gemacht?“

Kopfschüttel…