Am Wochenende hatte mich meine Liebste überrascht. Sie wollte Fußball gucken. Freiwillig! Gut, es war Frauenfußball, aber immerhin. Und sie wollte es sogar mit mir zusammen schauen:

„Schaust du mit mir Fußball an?“
„Wie bitte?“

„Ob du mit mir Fußball anschaust.“
„Äh… ja. Seit wann interessierst du dich für Fußball? Wer spielt denn überhaupt?“

„Na hör mal! Es ist Fußball-WM der Frauen!“
„Ja, das weiß ich auch. Ich meine, wer gegen wen spielt.

„Deutschland gegen Kanada.“
„Da guck ich natürlich gerne mit. Ist ja bestimmt auch was für’s Auge.“

„Wie meinst du das?“
„Äh… also… Du weißt ja, der Frauensport ist nicht so… äh… athletisch. Also eher technisch. Das sind sicherlich interessante Spiele, weil da die Bälle ganz anders laufen.“

„Ist das Männersprech, wenn du sagst ‚die Bälle laufen‘?“
„Wie bitte? Nein!“

„Und was soll denn da für’s Auge sein, außer den Spielerinnen?“
„Na die Technik. Kaum gelbe und rote Karten, das ist doch interessant.“

„Du schaust also nicht nur, weil du die Mädels knackig findest? Und weil ihre ‚Bälle‘ so hüpfen?“
„Also hör mal! Ich werde doch Frauenfußball schauen können, ohne dass mir hier irgendwas unterstellt wird!“

„Ich frag ja nur.“
„Wenn du Männerfußball anschauen würdest, würde ich dir ja auch nicht unterstellen, dass du 90 Minuten lang zuschaust, nur weil die Kerls so athletisch sind.“

„Und welche Spielerin gefällt dir am besten?“
„Halt, Schatz. Das ist eine Fangfrage.“

„Ich meine fußballerisch.“
„Da kenn ich mich zu wenig aus.“

„Ich dachte, du kennst dich im Fußball aus?“
„Ja schon, aber nicht im Frauenfußball.“

„Und so vom ersten Eindruck her?“
„Also diese Babett Peter hat schon was…“

„Wie? Was hat die?“
„Technisch. Sie ist technisch sehr beschlagen.“

„Ach. Und das siehst du schon mit einem ersten Eindruck?“
„Also nein. Ich meine ja. Natürlich sehe ich das.“

„Du bist ja schon ganz verwirrt. Vielleicht ist es besser, wenn ich alleine weitergucke?“
„Nein, das ist doch hübsch.“

„Was?“
„Das Fußballspiel, mein ich.“

„Ein Fußballspiel ist hübsch?“
„Ähh… ja.“

„Das sagt man doch nicht so.“
„Jetzt nimm mich doch nicht andauernd ins Kreuzverhör und genieße lieber die schönen…“

„Die schönen was?“
„…die schönen Spielzüge.“

„Grade nochmal die Kurve gekriegt!“
„Jetzt ist’s aber mal gut! Erst fragst du mich, ob ich Fußball mitgucke, und dann versuchst du die ganze Zeit, mir sonstwas zu unterstellen! Da kann ich ja gleich die Reportage im Radio hören!“

„Ist ja schon gut, Schatz. Ich wollte dich nur ein bisschen ärgern.“
„Aha. Dann mach bitte in der Halbzeitpause weiter.“

„Ich weiß nicht, ob ich mir das noch so lange anschaue.“
„Wieso denn? Ist doch ein gutes Spiel?“

„Ja, aber weißt du… Wenn da richtige Männer spielen, finde ich das irgendwie besser. Also rein vom optischen Aufbau her. Also vom Spielaufbau, mein ich…“

Kopfschüttel…