Neulich bin ich meinen Pflichten als Mann im Haus nachgekommen und habe endlich mal wieder die Fenster geölt. Solche Arbeiten macht man immer am besten, wenn die Liebste nicht in der Nähe ist, was sich wiederum sogleich bestätigt hat, als sie heimkam:

„Was machst du denn da auf dem Stuhl?“
„Nach was sieht es denn aus? Ich öle die Fensterscharniere.“

„Du ölst die Fensterscharniere?“
„Ja. Das muss ab und zu mal gemacht werden, damit die Fenster nicht quietschen.“

„Davon hab ich ja noch nie gehört. Außerdem quietschen unsere Fenster doch nicht!“
„Natürlich quietschen sie nicht. Weil ich sie hin und wieder öle.“

„Also Schatz… Bei unserer Nachbarin quietschen die Fenster sicherlich auch nicht. Und die ist über 70 Jahre alt. Du glaubst doch nicht, dass die ihre Fenster ölt?“
„Vielleich hat sie ja jemanden, der das für sie macht. Oder sie ist mittlerweile so taub, dass sie es nicht mehr hört.“

„Also ich weiß ja nicht… Leg doch bitte wenigstens eine Zeitung unter, damit nichts auf den Boden tropft.“
„Ich pass schon auf. Ich hab ja schon bald alle Fenster durch.“

„Lieber ein quietschendes Fenster als einen schwarzen Ölfleck!“
„Wieso schwarz? Das ist Nähmaschinenöl, das ist durchsichtig.“

„Nähmaschinenöl? Was du nicht alles hast! Aber pass bitte trotzdem auf den Teppich auf. Und auf die Pflanzen auf der Fensterbank. Und vor allem auf die Vorhänge!“
„Ja ja, ich pass schon… HOPPLA!“

„SCHATZ! Um Himmels willen, hast du dir weh getan?“
„Ich… Aua! Ich glaube, es ist nichts passiert. Ich habe Glück gehabt, dass ich mich am Vorhang festhalten konnte!“

„Der ist jetzt natürlich hin! Mist. Na ja, Hauptsache, dir ist nichts passiert.“
„Ich hab einen Moment nicht aufgepasst, und schon war’s passiert! Wo ist denn jetzt mein Ölfläschchen?“

„Da, auf der Fensterbank. Ist zum Glück nicht ausgelaufen. Aber du wirst doch jetzt nicht weitermachen wollen?“
„Natürlich. Mir ist ja nichts passiert.“

„Nein, Schatz, kommt nicht in Frage. Du ruhst dich jetzt erst mal aus. Ich mach das hier fertig.“
„Aber…“

„Kein aber, ich mach das.“
„Gut. Dann leg ich mich auf die Couch“

(Nach einer kleinen Weile:) „Schaaaaatz?“
„Ja?“

„Wo genau muss ich denn ölen?“
„Na da, wo diese Metalleinsätze sind mit den Löchern.“

„Aha.“
„Siehst du sie?“

„Ich glaube schon!“
„Wie: Ich glaube?“

„Na da sind so Metalldinger. Da mach ich mal Öl drauf.“
„Wart mal! Ich komme!“

„Schon erledigt! Oh! Wieso läuft das denn jetzt da runter? Das ist ja eine Sauerei!“
„Warte, Schatz, du musst das Öl in das Loch tröpfeln!“

„Ach IN das Loch? Gut. Aber da muss man nachher mal mit einem Lappen den Rahmen abwischen. Und die Fensterbank auch, sehe ich grade…“
„Mach doch mal langsam!“

„Wieviel Öl passt denn eigentlich in das Loch rein?“
„Nur ein paar Tropfen braucht es da.“

„Da passt aber mehr rein, merke ich grade!“
„Halt, halt! Nicht so viel!“

„Wieso, viel hilft viel!“
„Aber das überflüssige Öl muss doch irgendwo hin! Lass bitte mich weitermachen, nicht dass du das Fenster ruinierst!“

„Du traust mir so was wohl nicht zu?“
„Doch, schon, aber mach das doch nicht so hektisch… Und pass auf! Jetzt hast du selbst Öl in die Pflanze getropft, weil du das Fläschchen so komisch hältst!“

„Hoppla! Na ja, sie wird’s überleben. Und wenn nicht… eigentlich gefällt sie mir eh nicht. Ich kann das gut, oder? Ich mach gleich mit dem nächsten Fenster weiter!“

Kopfschüttel…