Manchmal hat man einen schwarzen Tag erwischt, das kennt ja jeder. Was meine Liebste aber neulich gebracht hat, war schon tiefschwarz. Ich war grade im Auto unterwegs, als sie mich auf dem Handy anrief:

„Schaaatz, du musst dringend heimkommen!“
„Wieso? Was ist denn?“

„Ich hab mich ausgesperrt!“
„Ich bin grad unterwegs!“

„Ja, aber ich komm nicht rein!“
„Wart mal… ich fahr mal rechts ran. So.“

„Ich hab nur kurz den Müll rausgebracht, dann ist die Haustüre hinter mir zugefallen.“
„Ist wenigstens die Wohnungstüre offen? Dann kann dir doch ein Nachbar die Haustüre öffnen.“

„Ich hab schon überall geklingelt, die sind alle weg!“
„So ein Mist. Da muss ich ja wieder quer durch die Stadt zurück. Hast Du auch wirklich bei allen geklingelt?“

„Ja. Außer bei der Müller-Schorscheidt…“
„Dann probier’s doch bitte zuerst bei der.“

„Die ist aber so blöd… diese neugierige alte Ziege!“
„Schatz, bitte klingel bei ihr, sonst hab ich hier ein riesiges Rumgeeier!“

„Ich kann die auf den Tod nicht ausstehen! Weißt du, wie das wird?“
„Aber…“

„Die macht auf, und als erstes sagt sie dann so überfreundlich ‚Einen schönen guten Morgen! Na, haben wir uns ausgesperrt?‘ – Das willst du mir antun?“
„Na ja, eigentlich hast du es dir ja selbst angetan…“

„Och komm! Statt Mitleid und Hilfe bekomme ich jetzt auch noch Belehrungen!“
„Du wirst doch die halbe Minute Konversation mit ihr überstehen…“

„Halbe Minute? Die fängt dann wieder an, über Gott und die Welt zu lästern. Außerdem hat sie so eine intrigante Art. Und ich hab meine Frisur nicht gerichtet.“
„Aber Schatz – was ist schon deine ungerichtete Frisur gegen meine zusätzliche Fahrerei!“

„Wie bitte? Du würdest von mir verlangen, dass ich so unfrisiert bei der Müller-Schorscheidt klingele? Weißt du, was für ein Getratsch das dann auslöst? Für den Rest des Jahres?“
„Ja und? Was schert es die Eiche, wenn ein Schwein…“

„Nein nein, ausgeschlossen. lieber setze ich mich vor die Türe und warte.“
„Und hast du auch sicher keinen Schlüssel einstecken?“

„Ja, ich hab doch in allen Hosentaschen gesucht!“
„Dann klingel doch mal bei ihr. Vielleicht ist sie ja auch gar nicht da.“

„Dann brauch ich ja auch nicht klingeln, das ist ja witzlos.“
„Ja, aber dann weißt du es wenigstens sicher.“

„Und wenn sie aber da ist?“
„Na dann macht sie dir auf!“

„Und textet mich mit Tratsch zu!“
„Du kannst ja sagen, dass du es eilig hast, weil du was im Herd hast.“

„Dann wird sie fragen, was ich backe.“
„Sag ihr halt… Käsekuchen… oder Hähnchen, was weiß ich, ist doch egal.“

„Ach, Schatz, du kennst sie nicht richtig. Weißt du, was dann kommt? ‚Ach, Hähnchen, das ist aber lecker! Wissen Sie, wie das besonders knusprig wird?‘ Bla bla bla…“
„Meine Güte, ich habe noch nicht bemerkt, dass wir mit solchen Labertaschen im Haus wohnen… Ich soll also wirklich EXTRA herfahren?“

„Ja bitte, Schatz.“
„Also gut. Dauert halt ‘ne halbe Stunde.“

„Ist gut. Ich setz mich vor die Haustür.“
„Ja.“

„Huuuch! Grad wollte ich mich an die Tür anlehnen, da
falle ich beinahe ins Haus! Sie war entriegelt! Also so was…“

Kopfschüttel…