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Weizenbierglas

31. März 2011, aus der Schublade Essen und Trinken


So eine Spülmaschine ist ja eine feine Erfindung. Da teile auch ich als Mann mir die Hausarbeit mit meiner Liebsten – wenn ich ein Bier trinke, räume ich danach immer das Glas in die Spülmaschine. Meine Liebste fand das bisher immer ganz toll. Neulich habe ich aber die falsche Biersorte getrunken, was prompt eine Diskussion auslöste, die sie anzettelte:

„Sag mal, musst du eigentlich immer so große Bierhumpen zum Trinken nehmen?“
„Schatz, das nennt sich nicht einfach ‚Bierhumpen‘ sondern ‚Weizenglas‘. Und ja, so ein Glas nehme ich, wenn ich ein Weizenbier trinke, weil sich darin die Kohlensäure …“

„Nimm doch ein kleineres Glas, das Bier schmeckt doch darin genauso gut. Außerdem passt es ordentlich in die Spülmaschine – was man von diesem Humpen da nicht sagen kann.“
„Schatz, das Bier schmeckt darin nicht so gut. Hast du schonmal Sekt aus einer Kaffeetasse getrunken?“

„Nein, aber mein Sektglas passt ja auch problemlos in die Spülmaschine.“
„Ich mein ja nur – man trinkt Weizenbier eben aus einem Weizenbierglas.“

„Es stört ja nicht nur in der Spülmaschine, es passt auch nicht in den Gläserschrank.“
„Dann leg’s doch hin.“

„Wie sieht das denn aus? Nein, das Problem ist einfach, dass dieser Humpen …“
„… Weizenbierglas …“

„… viel zu groß ist.“
„Weizenbier kann man aber nunmal nicht aus einem Saftglas oder einer Kaffeetasse trinken!“

„So ein Quatsch. Großes Auto, großer Humpen – Das ist nur wieder so ein Männlichkeitsritual aus der Steinzeit.“
„In der Steinzeit gab’s kein Bier, Schatz.“

„Ich finde, du trinkst eh zuviel. Schau mal deinen Bauch an.“
„Was hat denn mein wohlgeformter Bauch mit dem Weizenbierglas zu tun? Schau dir dieses herrliche Glas doch einmal an. Das Bier wird darin auch richtig präsentiert, das ist sehr wichtig, denn das Auge trinkt mit.“

„Gilt das mit dem Auge auch bei deinem Bauch?“
„Jetzt lass doch mal meinen Bauch in Ruhe! Der geht beinahe als Waschbrettbauch durch!“

„Vielleicht als WaschBÄRbauch… Für den Waschbrettbauch musst du deine Ess- und Trinkgewohnheiten umstellen.“
„Na hör mal, dieser hochwertige isotonische Durstlöscher, den ich mithilfe des besagten Glases zu mir nehme, rinnt auch durch die Kehlen der Jungs unserer Nationalmannschaft – schau mal hier auf der Flasche: „Offizieller Lieferant des DFB“. Das kann also gar keinen dicken Bauch machen. Oder kennst Du in der Nationalmannschaft einen dicken Kicker?“

„Also der Schweini ist ja voll niedlich, finde ich. Und der Özil, der hat so südländisches Feuer, findest du nicht?“
„Aha. Und woher glaubst du, dass dieses Feuer kommt?“

„Na, bestimmt nicht von diesem Weizenbier. Und überhaupt: In Sachen Fussball kenne ich mich aus. Weißt du, wer mit seinem Weizenbier mal ganz schön eingegangen ist?“
„Matthäus vermutlich?“

„Kenn ich nicht, aber egal. Nein, ich meine Waldi Hartmann, der wurde von dem einen Nationaltrainer da mal angeblasen… wie heißt er doch… der Typ mit dem Wuschelkopf… Berti Vogts, glaub ich.“
„Völler…“

„Ist ja auch egal. Jedenfalls repräsentiert dieser Waldi den durchschnittlichen Weizenbiertrinker. Finde ich.“
„Liebling, willst du mich etwa mit Waldemar Hartmann vergleichen? Nicht im Ernst, oder? Sonst trinke ich bis an mein Lebensende NUR noch Weizenbier!“

„Nein, ich mein ja nur… Obwohl – wir bräuchten dann ja eine größere Spülmaschine. Und einen neuen Gläserschrank…“

Kopfschüttel…

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Schlagloch

28. März 2011, aus der Schublade Auto und Parken


Dass die Denkwege von Frauen sehr verschlungen sind, habe ich schon öfters gemerkt. Neulich habe ich wieder ein schönes Beispiel dafür bekommen. Es war dermaßen verschlungen, dass ich erst ganz am Schluss begriffen habe, warum sich meine Liebste neuerdings über den Zustand der Straßen aufregt – eigentlich ein frauenuntypisches Gebiet. Als sie nach Hause kam, rief sie aufgebracht:

„Hast du eigentlich schon mal dieses riesige Schlagloch vor unserer Einfahrt bemerkt?“
„Ja, sicher. Was ist damit?“

„Na es ist riesig!“
„-“

„Findest du das nicht skandalös?“
„Nein, höchstens ärgerlich.“

„Wir sind doch hier nicht in Osteuropa, wo alle Straßen so geflickt sind…“
„Das ist dort heute auch nicht mehr so…“

„Ja, aber hier ist es heute so! Wenn man mit ordentlich Geschwindigkeit in dieses Loch reinfährt, riskiert man doch einen Achsbruch!“
„Du hast ja recht, Schatz, aber was willst du machen? Steine reinschütten?“

„Nein, aber man könnte dem Bürgermeister schreiben…“
„Man?“

„Ja, also du oder ich…“
„Ich? Was hab denn ich mit deinem Schlagloch zu tun?“

„Es ist nicht mein Schlagloch, es ist auch deins! Es ist unser aller Schlagloch!“
„Du hörst dich ja an wie eine Wahlkämpferin!“

„Nein, im Ernst, da muss man doch was machen, bevor man sich da einen Schaden holt.“
„Ja, dann schreib doch an den Bürgermeister…“

„Ja, das werde ich machen. Damit das Schlagloch verschwindet.“
„Es wird ihn sicherlich sehr interessieren…“

„Wie meinst du das denn?“
„Na ja, vielleicht gibt es in unserer schönen Stadt noch mehr Schlaglöcher?“

„Na dann soll er sich mal drum kümmern, der Herr Bürgermeister!“
„Ich denke, er wird wichtigeres zu tun haben.“

„Aber irgendjemand muss doch danach schauen? Und dazu muss man ihm das ja erst mal berichten?“
„Ja ja, aber es ist nun mal so, dass sich die Welt nicht um unsere Straße dreht. Oder um dein Schlagloch.“

„Es ist nicht mein Schlagloch!“
„…unser aller Schlagloch…“

„Du nimmst mich nicht ernst!“
„Hauptsache, der Bürgermeister nimmt dich ernst, Schatz!“

„Wenn ich ihm schreibe, würdest du aber schon mitunterschreiben, oder?“
„Na ja…“

„Oder? Du musst dem Schlagloch auch jedesmal ausweichen!“
„Ja, aber das wird doch automatisch repariert, wenn die vom Straßenbauamt mit ihrem Teerwägelchen kommen…“

„Mit ihrem Teerwägelchen! Ha, dass ich nicht lache! Und ihre Schäufelchen haben sie auch dabei, oder? Und süße Mützchen auf, wie die sieben Zwerge…“
„Nein, das war ernst gemeint! Die fahren doch nicht wegen ein paar Schlaglöchern gleich mit schwerem Gerät rum!“

„Na ja, mir egal ob sie dann mit schwerem Gerät oder mit einem Wägelchen kommen. Hauptsache sie kommen, wenn ich da mal schreibe. Also wenn WIR da mal schreiben.“
„Ich.. wir… also was willst du denn dann schreiben?“

„‘Sehr geehrter Herr Bürgermeister, leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir in unserer Straße sehr von Schlaglöchern geplagt werden…‘“
„Ha ha, der wird lachen, wenn er das liest!“

„Wieso? Also weiter: ‚Bitte sorgen sie dafür, dass dieses Problem bald behoben wird, bevor es zu einem Achsbruch kommt.‘ Ist doch gut, oder?“
„Also so kann ich das nicht unterschreiben. Das muss doch seriöser klingen.“

„Dann machen wir halt noch ein bisschen Blabla dazu: ‚…bald behoben wird. Solche Schlaglöcher sind nicht nur für den Autoverkehr gefährlich, weil sie Achsbrüche verursachen können, sondern auch für Fußgänger…‘“
„Jetzt bin ich aber gespannt!“

„‘…wie mich, denn wenn man mit Stöckelschuhen versehentlich in ein solches Loch tritt, sind oftmals die Schuhe ruiniert.‘“
„Daher weht der Wind! Und das soll ich unterschreiben?“

„Ja!“
„Aber ich trage doch gar keine Stöckelschuhe, Schatz!“

„Aber du fährst ein Auto, also bist du auch betroffen. Das ist doch Grund genug, oder? Und überleg mal, was neue Schuhe kosten!“

Kopfschüttel…

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Zoobesuch

26. März 2011, aus der Schublade Freizeit und Reisen


Neulich waren wir seit langem mal wieder im Zoo. Ich dachte, dass meiner Liebsten vor allem die kleinen und niedlichen Tiere gefallen, aber da hatte ich mich getäuscht. Mit einem Zaun oder Wassergraben zwischen uns und den Tieren hatte sie auch großen Gefallen an den großen Tieren. Das Nilpferd hätte sie wohl am liebsten gleich mitgenommen:

„Oooch, guck mal Schatz, das arme Nilpferd! Wie traurig das guckt!“
„Vielleicht kann ich es ja mit einem Witz aufheitern!“

„Nein, das ist bestimmt so traurig, weil es eingesperrt ist!“
„Mir ist das ganz recht so…“

„Ach, das arme Tier! Und es hat auch keine Gesellschaft!“
„Wieso, da sind doch noch mehr.“

„Ja, aber die halten alle Abstand.“
„Vielleicht ist das arme, traurige Nilpferd abgrundtief bösartig?“

„Nein Schatz, guck doch mal, wie lieb es herschaut!“
„Das ist bestimmt einer seiner Tricks. Es wartet, bis du über den Zaun kletterst, und dann frisst es dich mit einem Haps.“

„Du bist blöd! Nilpferde fressen keine Menschen.“
„Ach! Und wieso ist da ein Zaun drumherum?“

„Na, damit niemand reingeht.“
„Eben. Weil das aggressive Nilpferd den armen, wehrlosen Besucher sofort tottrampeln und auffressen würde!“

„Quatsch! Nilpferde sind Pflanzenfresser!“
„Stell dir mal vor, du bist dein Leben lang eingesperrt, da wirst du doch auch komisch, oder?“

„Wie meinst du denn das?“
„Na ja, du würdest doch auch komische Gedanken bekommen…“

„Hä? Was für Gedanken?“
„Na, das Nilpferd ist vielleicht schon schizophren. Oder es hat Lust auf Fleisch bekommen.“

„Ich bin nicht schizophren! Und ich esse auch ganz oft vegetarisch!“
„Ich sage ja auch nicht, dass du ein Nilpferd bist.“

„Ach, da bin ich aber froh! Und wieso stellst du dann Vergleiche zwischen dem Nilpferd und mir an?“
„Das war doch nur zur Verdeutlichung… Man wird in Gefangenschaft halt krank. Psychisch, mein ich.“

„Ich bin nicht psychisch krank!!!“
„Das sag ich doch auch gar nicht… Ich habe ja auch nie behauptet, dass du eingesperrt gewesen wärst!“

„Natürlich bin ich nicht eingesperrt! Wieso machst du denn dann so komische Vergleiche?“
„Na, damit du siehst, dass das Nilpferd jetzt vielleicht auch Fleisch frisst.“

„Das tut es eben nicht. Seit wir hier stehen, liegt Ramona da und döst und guckt traurig rum.“
„Ramona?“

„Ja, so habe ich sie genannt. Weil sie so traurig guckt.“
„Da fände ich Hannibal passender… Sie frisst bestimmt auch ihre Artgenossen!“

„Schatz, du bist doof! Und du hast keine Ahnung. Lies mal, was hier auf dem Schild steht!“
„Flusspferd (Hippopotamus amphibius). Lebensraum: mittleres und südliches Afrika. Das Flusspferd ist ein reiner Pflanzenfresser…‘“

„Da! Da hast du’s! Ein Pflanzenfresser!“
„Ja klar, die reden hier ja von Nilpferden in freier Natur. Aber wenn eines eben einen an der Waffel hat, weil es die ganze Zeit eingesperrt ist, dann trifft das ja nicht mehr zu. Die können ja auf das Schild schlecht schreiben: ‚Das Flusspferd ist üblicherweise ein normaler Pflanzenfresser. Nur bei schweren psychischen Störungen frisst es auch Fleisch, so wie hier.‘“

„Also hör mal. Mir ist noch nie was zu Ohren gekommen von Nilpferden mit psychischen Störungen.“
„Und was glaubst du, weshalb es dann so traurig guckt?“

„Na hab ich dir doch gesagt: Weil es so einsam ist! Du bist doch auch traurig, wenn ich mal weggehe.“
„Also…“

„Oder etwa nicht?“
„Doch, doch! Aber…“

„Aber was?“
„Aber das ist doch bei Menschen nicht genauso wie bei Nilpferden!“

„Jetzt vergleichst du mich schon wieder mit einem Nilpferd!“
„Nein, ich mein ja nur…“

„Ach, das ist ja zwecklos, mit dir darüber zu diskutieren. Gehen wir lieber zum nächsten Gehege.“
„Was ist dort?“

„Wilde Esel.“

Kopfschüttel…

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Lyrik

18. März 2011, aus der Schublade Freizeit und Reisen, Wohnen und Leben


Manchmal entdeckt man völlig unerwartet neue Seiten seines Partners. Mir ist das neulich beim Frühstück passiert, als ich feststellte, dass meine Liebste ein Faible für hochgeistige Lyrik zu haben scheint. Ich verstehe davon zwar nichts, aber ich glaube, das spielt bei diesen Werken auch überhaupt keine Rolle. Wir saßen also beim Frühstück und sie las mir aus der Zeitung vor:

„Schwer wogt der Nebel
von der nächtlichen Wacht
Luna ist fern
ihr Schein fällt ganz sacht
auf die Dinge, im Morgen entrückt.
Kein Auge sah je ein Schauspiel wie dies.“

„Häää?“

„Das ist ein Gedicht, hier aus dem Feuilleton. Wie findst’n das?“
„So ein Schrott!“

„Nein, hör nochmal: Schwer wogt…“
„Liebste, ich hab schon gehört. Ich hab keine Ahnung, was das sein soll.

„Na, ein schönes Gedicht!“
„Ich kapier da gar nix.“

„Berührt dich das denn nicht? Diese schöne Sprache?“
„Nöö. Gib mir mal bitte den Sportteil.“

„Da. Das ist doch leicht zu verstehen: Es ist neblig, der Mond scheint noch ein bißchen und es sieht ganz geheimnisvoll aus… so bezaubernd halt, verstehst du, mit so einem speziellen Licht.“
„Nein.“

„Ich glaube, dir fehlt das Gefühl für Lyrik… Was ist denn daran nicht zu verstehen?“
„Na, zum Beispiel wieso der Dichter das so geschwollen ausdrückt!“

„Wenn er eine Pressemeldung wie in deinem Sportteil schreiben würde, wär’s doch kein Gedicht mehr!“
„Aber man würd’s wenigstens verstehen: ‚Es war neblig, dazu ein wenig Mondschein, und Dinge standen rum, die noch niemand gesehen hat.‘“

„Aber das ist doch Quatsch!“
„Sag ich ja!“

„Nein, schon inhaltlich stimmt deine Kurzfassung nicht – es heißt ja ‚ Kein Auge sah je ein Schauspiel wie dies‘.“
„Gut, also könnte er meinetwegen schreiben: ‚Es war neblig, dazu ein wenig Mondschein, Dinge standen rum, sowas hat noch keiner gesehen.‘ Ich hab keine Ahnung, was daran so toll sein soll.“

„Na ja, in deiner Version ist es ja auch kein Gedicht, das ist ja nicht lyrisch. Das wäre so, wie wenn ich den Spielbericht von Werder Bremen gegen FC Duisburg…“
„MSV Duisburg…“

„Meinetwegen MSV, also wenn ich da schreiben würde: ‚90 Minuten, ein Tor für Duisburg, Ende.‘“
„Na das ist doch Quatsch. Erstens spielt Duisburg in der zweiten Liga, und zweitens gewinnen die doch nicht in Bremen!“

„Das war doch nur ein Beispiel dafür, dass du ein Gedicht nicht einfach zusammenfassen kannst!“
„Wieso? Hab ich doch gut gekonnt. War alles drin.“

„Nur die Poesie eben nicht. Die macht das Gedicht so geheimnisvoll.“
„Quatsch mit Soße. Wenn du mich fragst: Der kokst garantiert.“

„Nein, das verstehst du nicht. Der ist eben ein sensibler Typ.“
„Oder er hat halt einen Dachschaden.“

„Ach, du hast da kein Gefühl dafür. Stell dir mal vor, dein Sportteil wäre poetisch verfasst!“
„Dann würde ich ihn halt nicht mehr lesen. Das wäre doch viel zu umständlich.“

„Das ist eben das Schöne an der Poesie – dass sie alles so im Ungefähren lässt!“
„Sag mal, Schatz… Ist was in deinem Kaffee?“

„Nein, ich versuche nur, dir das Gedicht zu erklären!“
„Das wirst du wohl nicht schaffen.“

„Also pass auf. Dein Spielbericht würde sich in etwa so anhören:
Ein Tor ist gefallen
in der langen Zeit
es jubeln die einen
für die anderen: Leid.“

„Ähh… Und wie soll ich jetzt wissen, wer der Torschütze war? Und wieviele gelbe Karten es gab? Und die Einzelkritiken? Und der Schiri?“

„Na ja, das könnte man ja noch ausbauen. Soll ich’s mal probieren?“

Kopfschüttel…

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Al dente

16. März 2011, aus der Schublade Essen und Trinken

Neulich habe ich mal wieder gekocht, und obwohl ich nicht Paul Bocuse bin, muss ich sagen, dass es ziemlich lecker war. Es gab einen Hackbraten mit Ei gefüllt, sehr würzig und lecker, dazu Nudeln, Soße und Salat. Ich habe allerdings nicht damit gerechnet, dass meine Liebste davon ausgeht, ich sei vielleicht doch Paul Bocuse. Zumindest ihrer Kritik nach gehe ich davon aus, dass sie mich dafür hält. Sie hatte gerade von den Nudeln probiert, da fing sie an:

„Du, Schatz, die sind aber nicht al dente.“
„Was?“

„Die Nudeln. Die sind nicht al dente.“
„Die schmecken doch?“

„Ja, aber sie sind nicht al dente.“
„Al dente, al dente… so ein Brimborium. Sie sind durch und sie sind gut. Basta.“

„Sie sind einen Tick zu durch, finde ich.“
„Nein, sie sind optimal. Schmecken sie dir etwa nicht?“

„Doch, auch Nudeln, die nicht al dente sind, kann man essen.“
„Na also.“

„Aber ganz perfekt sind sie halt nicht.“
„Schmecken sie jetzt oder nicht?“

„Ja, aber…“
„Was aber? Al dente, al dente! Das heißt irgendwas mit Zahn, mein Gott, das ist so ein plattes Kochstudiogesülze, das sich wichtig anhört und nichts aussagt. Gar nichts!“

„Ist ja gut, Schatz, reg dich ab. Das Essen ist ja auch lecker.“
„Ja ja, bis auf die Nudeln…“

„Nein, die sind auch lecker. Etwas weich, aber lecker.“
„Schmecken dir weiche Nudeln?“

„Wieso?“
„Nur so…“

„Na ja, man kann sie essen…“
„Also bist du zumindest nicht begeistert.“

„Das grade nicht, aber das habe ich ja schon erklärt…“
„Dann erklär du mir doch mal, wofür al dente steht!“

„Na ja, das ist halt genau der richtige Biss, verstehst du?“
„Es soll aber Leute geben, die die Nudeln härter oder weicher mögen.“

„Das ist doch nur so ein Richtwert.“
„Und für was ist der dann gut?“

„Na, dass man sich danach richtet!“
„Es kann aber auch schmecken, wenn man sich nicht danach richtet, oder?“

„Ja schon… Ich meine, wenn wir mal alt sind, sind die Nudeln so weich sogar optimal. Aber ich will jetzt nicht weiter drauf rumreiten. Wir sind ja noch nicht so alt.“
„Das stimmt. Aber wenn’s bei jedem Gericht mit Nudeln solche Diskussionen gibt, dauert’s mit dem Altern nicht mehr lange…“

„Ist schon gut. Dann bestellen wir morgen was beim Chinesen… Glasnudeln zum Beispiel. Aber al dente!“

Kopfschüttel…

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Weizenbierglas

31. März 2011, aus der Schublade Essen und Trinken


So eine Spülmaschine ist ja eine feine Erfindung. Da teile auch ich als Mann mir die Hausarbeit mit meiner Liebsten – wenn ich ein Bier trinke, räume ich danach immer das Glas in die Spülmaschine. Meine Liebste fand das bisher immer ganz toll. Neulich habe ich aber die falsche Biersorte getrunken, was prompt eine Diskussion auslöste, die sie anzettelte:

„Sag mal, musst du eigentlich immer so große Bierhumpen zum Trinken nehmen?“
„Schatz, das nennt sich nicht einfach ‚Bierhumpen‘ sondern ‚Weizenglas‘. Und ja, so ein Glas nehme ich, wenn ich ein Weizenbier trinke, weil sich darin die Kohlensäure …“

„Nimm doch ein kleineres Glas, das Bier schmeckt doch darin genauso gut. Außerdem passt es ordentlich in die Spülmaschine – was man von diesem Humpen da nicht sagen kann.“
„Schatz, das Bier schmeckt darin nicht so gut. Hast du schonmal Sekt aus einer Kaffeetasse getrunken?“

„Nein, aber mein Sektglas passt ja auch problemlos in die Spülmaschine.“
„Ich mein ja nur – man trinkt Weizenbier eben aus einem Weizenbierglas.“

„Es stört ja nicht nur in der Spülmaschine, es passt auch nicht in den Gläserschrank.“
„Dann leg’s doch hin.“

„Wie sieht das denn aus? Nein, das Problem ist einfach, dass dieser Humpen …“
„… Weizenbierglas …“

„… viel zu groß ist.“
„Weizenbier kann man aber nunmal nicht aus einem Saftglas oder einer Kaffeetasse trinken!“

„So ein Quatsch. Großes Auto, großer Humpen – Das ist nur wieder so ein Männlichkeitsritual aus der Steinzeit.“
„In der Steinzeit gab’s kein Bier, Schatz.“

„Ich finde, du trinkst eh zuviel. Schau mal deinen Bauch an.“
„Was hat denn mein wohlgeformter Bauch mit dem Weizenbierglas zu tun? Schau dir dieses herrliche Glas doch einmal an. Das Bier wird darin auch richtig präsentiert, das ist sehr wichtig, denn das Auge trinkt mit.“

„Gilt das mit dem Auge auch bei deinem Bauch?“
„Jetzt lass doch mal meinen Bauch in Ruhe! Der geht beinahe als Waschbrettbauch durch!“

„Vielleicht als WaschBÄRbauch… Für den Waschbrettbauch musst du deine Ess- und Trinkgewohnheiten umstellen.“
„Na hör mal, dieser hochwertige isotonische Durstlöscher, den ich mithilfe des besagten Glases zu mir nehme, rinnt auch durch die Kehlen der Jungs unserer Nationalmannschaft – schau mal hier auf der Flasche: „Offizieller Lieferant des DFB“. Das kann also gar keinen dicken Bauch machen. Oder kennst Du in der Nationalmannschaft einen dicken Kicker?“

„Also der Schweini ist ja voll niedlich, finde ich. Und der Özil, der hat so südländisches Feuer, findest du nicht?“
„Aha. Und woher glaubst du, dass dieses Feuer kommt?“

„Na, bestimmt nicht von diesem Weizenbier. Und überhaupt: In Sachen Fussball kenne ich mich aus. Weißt du, wer mit seinem Weizenbier mal ganz schön eingegangen ist?“
„Matthäus vermutlich?“

„Kenn ich nicht, aber egal. Nein, ich meine Waldi Hartmann, der wurde von dem einen Nationaltrainer da mal angeblasen… wie heißt er doch… der Typ mit dem Wuschelkopf… Berti Vogts, glaub ich.“
„Völler…“

„Ist ja auch egal. Jedenfalls repräsentiert dieser Waldi den durchschnittlichen Weizenbiertrinker. Finde ich.“
„Liebling, willst du mich etwa mit Waldemar Hartmann vergleichen? Nicht im Ernst, oder? Sonst trinke ich bis an mein Lebensende NUR noch Weizenbier!“

„Nein, ich mein ja nur… Obwohl – wir bräuchten dann ja eine größere Spülmaschine. Und einen neuen Gläserschrank…“

Kopfschüttel…

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Schlagloch

28. März 2011, aus der Schublade Auto und Parken


Dass die Denkwege von Frauen sehr verschlungen sind, habe ich schon öfters gemerkt. Neulich habe ich wieder ein schönes Beispiel dafür bekommen. Es war dermaßen verschlungen, dass ich erst ganz am Schluss begriffen habe, warum sich meine Liebste neuerdings über den Zustand der Straßen aufregt – eigentlich ein frauenuntypisches Gebiet. Als sie nach Hause kam, rief sie aufgebracht:

„Hast du eigentlich schon mal dieses riesige Schlagloch vor unserer Einfahrt bemerkt?“
„Ja, sicher. Was ist damit?“

„Na es ist riesig!“
„-“

„Findest du das nicht skandalös?“
„Nein, höchstens ärgerlich.“

„Wir sind doch hier nicht in Osteuropa, wo alle Straßen so geflickt sind…“
„Das ist dort heute auch nicht mehr so…“

„Ja, aber hier ist es heute so! Wenn man mit ordentlich Geschwindigkeit in dieses Loch reinfährt, riskiert man doch einen Achsbruch!“
„Du hast ja recht, Schatz, aber was willst du machen? Steine reinschütten?“

„Nein, aber man könnte dem Bürgermeister schreiben…“
„Man?“

„Ja, also du oder ich…“
„Ich? Was hab denn ich mit deinem Schlagloch zu tun?“

„Es ist nicht mein Schlagloch, es ist auch deins! Es ist unser aller Schlagloch!“
„Du hörst dich ja an wie eine Wahlkämpferin!“

„Nein, im Ernst, da muss man doch was machen, bevor man sich da einen Schaden holt.“
„Ja, dann schreib doch an den Bürgermeister…“

„Ja, das werde ich machen. Damit das Schlagloch verschwindet.“
„Es wird ihn sicherlich sehr interessieren…“

„Wie meinst du das denn?“
„Na ja, vielleicht gibt es in unserer schönen Stadt noch mehr Schlaglöcher?“

„Na dann soll er sich mal drum kümmern, der Herr Bürgermeister!“
„Ich denke, er wird wichtigeres zu tun haben.“

„Aber irgendjemand muss doch danach schauen? Und dazu muss man ihm das ja erst mal berichten?“
„Ja ja, aber es ist nun mal so, dass sich die Welt nicht um unsere Straße dreht. Oder um dein Schlagloch.“

„Es ist nicht mein Schlagloch!“
„…unser aller Schlagloch…“

„Du nimmst mich nicht ernst!“
„Hauptsache, der Bürgermeister nimmt dich ernst, Schatz!“

„Wenn ich ihm schreibe, würdest du aber schon mitunterschreiben, oder?“
„Na ja…“

„Oder? Du musst dem Schlagloch auch jedesmal ausweichen!“
„Ja, aber das wird doch automatisch repariert, wenn die vom Straßenbauamt mit ihrem Teerwägelchen kommen…“

„Mit ihrem Teerwägelchen! Ha, dass ich nicht lache! Und ihre Schäufelchen haben sie auch dabei, oder? Und süße Mützchen auf, wie die sieben Zwerge…“
„Nein, das war ernst gemeint! Die fahren doch nicht wegen ein paar Schlaglöchern gleich mit schwerem Gerät rum!“

„Na ja, mir egal ob sie dann mit schwerem Gerät oder mit einem Wägelchen kommen. Hauptsache sie kommen, wenn ich da mal schreibe. Also wenn WIR da mal schreiben.“
„Ich.. wir… also was willst du denn dann schreiben?“

„‘Sehr geehrter Herr Bürgermeister, leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir in unserer Straße sehr von Schlaglöchern geplagt werden…‘“
„Ha ha, der wird lachen, wenn er das liest!“

„Wieso? Also weiter: ‚Bitte sorgen sie dafür, dass dieses Problem bald behoben wird, bevor es zu einem Achsbruch kommt.‘ Ist doch gut, oder?“
„Also so kann ich das nicht unterschreiben. Das muss doch seriöser klingen.“

„Dann machen wir halt noch ein bisschen Blabla dazu: ‚…bald behoben wird. Solche Schlaglöcher sind nicht nur für den Autoverkehr gefährlich, weil sie Achsbrüche verursachen können, sondern auch für Fußgänger…‘“
„Jetzt bin ich aber gespannt!“

„‘…wie mich, denn wenn man mit Stöckelschuhen versehentlich in ein solches Loch tritt, sind oftmals die Schuhe ruiniert.‘“
„Daher weht der Wind! Und das soll ich unterschreiben?“

„Ja!“
„Aber ich trage doch gar keine Stöckelschuhe, Schatz!“

„Aber du fährst ein Auto, also bist du auch betroffen. Das ist doch Grund genug, oder? Und überleg mal, was neue Schuhe kosten!“

Kopfschüttel…

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Zoobesuch

26. März 2011, aus der Schublade Freizeit und Reisen


Neulich waren wir seit langem mal wieder im Zoo. Ich dachte, dass meiner Liebsten vor allem die kleinen und niedlichen Tiere gefallen, aber da hatte ich mich getäuscht. Mit einem Zaun oder Wassergraben zwischen uns und den Tieren hatte sie auch großen Gefallen an den großen Tieren. Das Nilpferd hätte sie wohl am liebsten gleich mitgenommen:

„Oooch, guck mal Schatz, das arme Nilpferd! Wie traurig das guckt!“
„Vielleicht kann ich es ja mit einem Witz aufheitern!“

„Nein, das ist bestimmt so traurig, weil es eingesperrt ist!“
„Mir ist das ganz recht so…“

„Ach, das arme Tier! Und es hat auch keine Gesellschaft!“
„Wieso, da sind doch noch mehr.“

„Ja, aber die halten alle Abstand.“
„Vielleicht ist das arme, traurige Nilpferd abgrundtief bösartig?“

„Nein Schatz, guck doch mal, wie lieb es herschaut!“
„Das ist bestimmt einer seiner Tricks. Es wartet, bis du über den Zaun kletterst, und dann frisst es dich mit einem Haps.“

„Du bist blöd! Nilpferde fressen keine Menschen.“
„Ach! Und wieso ist da ein Zaun drumherum?“

„Na, damit niemand reingeht.“
„Eben. Weil das aggressive Nilpferd den armen, wehrlosen Besucher sofort tottrampeln und auffressen würde!“

„Quatsch! Nilpferde sind Pflanzenfresser!“
„Stell dir mal vor, du bist dein Leben lang eingesperrt, da wirst du doch auch komisch, oder?“

„Wie meinst du denn das?“
„Na ja, du würdest doch auch komische Gedanken bekommen…“

„Hä? Was für Gedanken?“
„Na, das Nilpferd ist vielleicht schon schizophren. Oder es hat Lust auf Fleisch bekommen.“

„Ich bin nicht schizophren! Und ich esse auch ganz oft vegetarisch!“
„Ich sage ja auch nicht, dass du ein Nilpferd bist.“

„Ach, da bin ich aber froh! Und wieso stellst du dann Vergleiche zwischen dem Nilpferd und mir an?“
„Das war doch nur zur Verdeutlichung… Man wird in Gefangenschaft halt krank. Psychisch, mein ich.“

„Ich bin nicht psychisch krank!!!“
„Das sag ich doch auch gar nicht… Ich habe ja auch nie behauptet, dass du eingesperrt gewesen wärst!“

„Natürlich bin ich nicht eingesperrt! Wieso machst du denn dann so komische Vergleiche?“
„Na, damit du siehst, dass das Nilpferd jetzt vielleicht auch Fleisch frisst.“

„Das tut es eben nicht. Seit wir hier stehen, liegt Ramona da und döst und guckt traurig rum.“
„Ramona?“

„Ja, so habe ich sie genannt. Weil sie so traurig guckt.“
„Da fände ich Hannibal passender… Sie frisst bestimmt auch ihre Artgenossen!“

„Schatz, du bist doof! Und du hast keine Ahnung. Lies mal, was hier auf dem Schild steht!“
„Flusspferd (Hippopotamus amphibius). Lebensraum: mittleres und südliches Afrika. Das Flusspferd ist ein reiner Pflanzenfresser…‘“

„Da! Da hast du’s! Ein Pflanzenfresser!“
„Ja klar, die reden hier ja von Nilpferden in freier Natur. Aber wenn eines eben einen an der Waffel hat, weil es die ganze Zeit eingesperrt ist, dann trifft das ja nicht mehr zu. Die können ja auf das Schild schlecht schreiben: ‚Das Flusspferd ist üblicherweise ein normaler Pflanzenfresser. Nur bei schweren psychischen Störungen frisst es auch Fleisch, so wie hier.‘“

„Also hör mal. Mir ist noch nie was zu Ohren gekommen von Nilpferden mit psychischen Störungen.“
„Und was glaubst du, weshalb es dann so traurig guckt?“

„Na hab ich dir doch gesagt: Weil es so einsam ist! Du bist doch auch traurig, wenn ich mal weggehe.“
„Also…“

„Oder etwa nicht?“
„Doch, doch! Aber…“

„Aber was?“
„Aber das ist doch bei Menschen nicht genauso wie bei Nilpferden!“

„Jetzt vergleichst du mich schon wieder mit einem Nilpferd!“
„Nein, ich mein ja nur…“

„Ach, das ist ja zwecklos, mit dir darüber zu diskutieren. Gehen wir lieber zum nächsten Gehege.“
„Was ist dort?“

„Wilde Esel.“

Kopfschüttel…

14 Kommentare »

Lyrik

18. März 2011, aus der Schublade Freizeit und Reisen, Wohnen und Leben


Manchmal entdeckt man völlig unerwartet neue Seiten seines Partners. Mir ist das neulich beim Frühstück passiert, als ich feststellte, dass meine Liebste ein Faible für hochgeistige Lyrik zu haben scheint. Ich verstehe davon zwar nichts, aber ich glaube, das spielt bei diesen Werken auch überhaupt keine Rolle. Wir saßen also beim Frühstück und sie las mir aus der Zeitung vor:

„Schwer wogt der Nebel
von der nächtlichen Wacht
Luna ist fern
ihr Schein fällt ganz sacht
auf die Dinge, im Morgen entrückt.
Kein Auge sah je ein Schauspiel wie dies.“

„Häää?“

„Das ist ein Gedicht, hier aus dem Feuilleton. Wie findst’n das?“
„So ein Schrott!“

„Nein, hör nochmal: Schwer wogt…“
„Liebste, ich hab schon gehört. Ich hab keine Ahnung, was das sein soll.

„Na, ein schönes Gedicht!“
„Ich kapier da gar nix.“

„Berührt dich das denn nicht? Diese schöne Sprache?“
„Nöö. Gib mir mal bitte den Sportteil.“

„Da. Das ist doch leicht zu verstehen: Es ist neblig, der Mond scheint noch ein bißchen und es sieht ganz geheimnisvoll aus… so bezaubernd halt, verstehst du, mit so einem speziellen Licht.“
„Nein.“

„Ich glaube, dir fehlt das Gefühl für Lyrik… Was ist denn daran nicht zu verstehen?“
„Na, zum Beispiel wieso der Dichter das so geschwollen ausdrückt!“

„Wenn er eine Pressemeldung wie in deinem Sportteil schreiben würde, wär’s doch kein Gedicht mehr!“
„Aber man würd’s wenigstens verstehen: ‚Es war neblig, dazu ein wenig Mondschein, und Dinge standen rum, die noch niemand gesehen hat.‘“

„Aber das ist doch Quatsch!“
„Sag ich ja!“

„Nein, schon inhaltlich stimmt deine Kurzfassung nicht – es heißt ja ‚ Kein Auge sah je ein Schauspiel wie dies‘.“
„Gut, also könnte er meinetwegen schreiben: ‚Es war neblig, dazu ein wenig Mondschein, Dinge standen rum, sowas hat noch keiner gesehen.‘ Ich hab keine Ahnung, was daran so toll sein soll.“

„Na ja, in deiner Version ist es ja auch kein Gedicht, das ist ja nicht lyrisch. Das wäre so, wie wenn ich den Spielbericht von Werder Bremen gegen FC Duisburg…“
„MSV Duisburg…“

„Meinetwegen MSV, also wenn ich da schreiben würde: ‚90 Minuten, ein Tor für Duisburg, Ende.‘“
„Na das ist doch Quatsch. Erstens spielt Duisburg in der zweiten Liga, und zweitens gewinnen die doch nicht in Bremen!“

„Das war doch nur ein Beispiel dafür, dass du ein Gedicht nicht einfach zusammenfassen kannst!“
„Wieso? Hab ich doch gut gekonnt. War alles drin.“

„Nur die Poesie eben nicht. Die macht das Gedicht so geheimnisvoll.“
„Quatsch mit Soße. Wenn du mich fragst: Der kokst garantiert.“

„Nein, das verstehst du nicht. Der ist eben ein sensibler Typ.“
„Oder er hat halt einen Dachschaden.“

„Ach, du hast da kein Gefühl dafür. Stell dir mal vor, dein Sportteil wäre poetisch verfasst!“
„Dann würde ich ihn halt nicht mehr lesen. Das wäre doch viel zu umständlich.“

„Das ist eben das Schöne an der Poesie – dass sie alles so im Ungefähren lässt!“
„Sag mal, Schatz… Ist was in deinem Kaffee?“

„Nein, ich versuche nur, dir das Gedicht zu erklären!“
„Das wirst du wohl nicht schaffen.“

„Also pass auf. Dein Spielbericht würde sich in etwa so anhören:
Ein Tor ist gefallen
in der langen Zeit
es jubeln die einen
für die anderen: Leid.“

„Ähh… Und wie soll ich jetzt wissen, wer der Torschütze war? Und wieviele gelbe Karten es gab? Und die Einzelkritiken? Und der Schiri?“

„Na ja, das könnte man ja noch ausbauen. Soll ich’s mal probieren?“

Kopfschüttel…

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Al dente

16. März 2011, aus der Schublade Essen und Trinken

Neulich habe ich mal wieder gekocht, und obwohl ich nicht Paul Bocuse bin, muss ich sagen, dass es ziemlich lecker war. Es gab einen Hackbraten mit Ei gefüllt, sehr würzig und lecker, dazu Nudeln, Soße und Salat. Ich habe allerdings nicht damit gerechnet, dass meine Liebste davon ausgeht, ich sei vielleicht doch Paul Bocuse. Zumindest ihrer Kritik nach gehe ich davon aus, dass sie mich dafür hält. Sie hatte gerade von den Nudeln probiert, da fing sie an:

„Du, Schatz, die sind aber nicht al dente.“
„Was?“

„Die Nudeln. Die sind nicht al dente.“
„Die schmecken doch?“

„Ja, aber sie sind nicht al dente.“
„Al dente, al dente… so ein Brimborium. Sie sind durch und sie sind gut. Basta.“

„Sie sind einen Tick zu durch, finde ich.“
„Nein, sie sind optimal. Schmecken sie dir etwa nicht?“

„Doch, auch Nudeln, die nicht al dente sind, kann man essen.“
„Na also.“

„Aber ganz perfekt sind sie halt nicht.“
„Schmecken sie jetzt oder nicht?“

„Ja, aber…“
„Was aber? Al dente, al dente! Das heißt irgendwas mit Zahn, mein Gott, das ist so ein plattes Kochstudiogesülze, das sich wichtig anhört und nichts aussagt. Gar nichts!“

„Ist ja gut, Schatz, reg dich ab. Das Essen ist ja auch lecker.“
„Ja ja, bis auf die Nudeln…“

„Nein, die sind auch lecker. Etwas weich, aber lecker.“
„Schmecken dir weiche Nudeln?“

„Wieso?“
„Nur so…“

„Na ja, man kann sie essen…“
„Also bist du zumindest nicht begeistert.“

„Das grade nicht, aber das habe ich ja schon erklärt…“
„Dann erklär du mir doch mal, wofür al dente steht!“

„Na ja, das ist halt genau der richtige Biss, verstehst du?“
„Es soll aber Leute geben, die die Nudeln härter oder weicher mögen.“

„Das ist doch nur so ein Richtwert.“
„Und für was ist der dann gut?“

„Na, dass man sich danach richtet!“
„Es kann aber auch schmecken, wenn man sich nicht danach richtet, oder?“

„Ja schon… Ich meine, wenn wir mal alt sind, sind die Nudeln so weich sogar optimal. Aber ich will jetzt nicht weiter drauf rumreiten. Wir sind ja noch nicht so alt.“
„Das stimmt. Aber wenn’s bei jedem Gericht mit Nudeln solche Diskussionen gibt, dauert’s mit dem Altern nicht mehr lange…“

„Ist schon gut. Dann bestellen wir morgen was beim Chinesen… Glasnudeln zum Beispiel. Aber al dente!“

Kopfschüttel…

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