Meine Liebste kommt am letzten Adventssamstag vor Weihnachten von ihrer – wie sie sagt – letzten  Shoppingtour zurück.
Obwohl sie eigentlich nur noch ein paar Kleinigkeiten benötigt hat, sind die Tüten, die sie mitschleppt, alle voll…

„Hallo Schatz, da bin ich wieder!“
„Sehe ich, Süße, das sehe ich.“

„Hilf mir doch mal mit den Tüten hier!“
„Klar, gerne, und…“

„Ich muss nämlich ganz dringend auf Klo!“
„Gut, ähm…“

„…stell einfach irgendwo hin, ich komme gleich!“
„Jawohl…“

[Während ich mit den großen Tüten Richtung Küche schlappe, höre ich, wie der Mantel der Liebsten durch die Wohnung fliegt, Türen knallen und ein Klodeckel „schwungvoll“ geöffnet wird. Ich meine, man(n) gewöhnt sich ja mit den Jahren dran, dass Frauen eigentlich immer auf Klo müssen, wenn sie nach Hause kommen; und daran, dass Frauen immer DRINGEND aufs Klo müssen, wenn sie vom Einkaufen wieder da sind… Und auch daran, dass man(n) dabei eigentlich immer nur im Weg steht, egal, wo man sich gerade aufhält…
Ein paar Minuten später kommt die Liebste dann – sichtlich entspannt – auch in die Küche, wo ich auf sie warte.]

„Boah, das war knapp…“
„Ja, ähm… Naja, schön.“

„Du, Schatz?“
„Ja, Süße?“

„Hast du in die Tüten reingeguckt??“
„Nein, wieso?“

„Wirklich nicht??“
„Nein, sollte ich denn??“

„Auf keinen Fall sollst du da reingucken!“
„Wieso??“

„Weil da was drin ist, was nicht für deine Augen bestimmt ist.“
„Ähm… Ein Geschenk?“

„Ja, richtig. Habe ich besorgt.“
„Für mich??“

„Ja, für dich.“

„Aber, ähm…“

„Was ist??“
„Liebste, wir wollten uns doch zu Weihnachten nichts schenken??“

„Richtig. Stimmt. Wollten wir nicht.“
„Ja, ähm… Schön, dass wir uns da einig sind…“

„Ich schenke dir ja auch nichts.“
„Nicht?“

„Nein.“
„Aber hast du nicht eben gesagt, du hättest ein Geschenk??“

„Ja, das habe ich gesagt und stimmt ja auch.“
„Ähm… Und das ist für mich, ja?“

„Richtig, wie oft soll ich das denn noch sagen??“

„Ähm… Liebste, ich verstehe mal wieder kein Wort, und…“

„Was und?“
„…und ich habe aufmerksam gefragt, geantwortet UND zugehört!“

„Was ist denn schon wieder, was willst du denn jetzt??“
„Liebste, hast du ein Geschenk für mich gekauft!?“

„Ja!“
„Aber wir wollten uns doch nichts zu Weihnachten schenken!?“

„Wie oft wollen wir das jetzt noch wiederholen??“

„Also schön… WARUM hast du mir ein Geschenk gekauft??“

„Mir war eben danach.“
„Und du wirst es mir schenken??“

„Ja, natürlich! Warum sonst sollte ich dir ein Geschenk kaufen??“
„Oh Gott, ich glaube, ich unterzuckere gerade wieder…“

„Ein bisschen blass bist du schon, ist alles in Ordnung??“
„Nichts ist in Ordnung! Sag mal, findest du das wirklich normal??“

„Was jetzt??“

„Dass du mir ein Geschenk kaufst, obwohl wir doch beide…“

„Wo ist denn jetzt eigentlich genau dein Problem, Schatz??“
„Ich habe zwei, wenn du es genau wissen willst!“

„Und die wären?“
„Erstens: wieso kriege ich ein Weihnachtsgeschenk trotz Abmachung!“

„OK, und zweitens?“
„Zweitens: ich habe jetzt KEIN Weihnachtsgeschenk für dich!“

„Ich glaube, du verstehst da etwas völlig falsch, Schatz.“
„Dann kläre mich doch bitte mal auf, mit EINFACHEN Worten, bitte!“

„Du kriegst kein Weihnachtsgeschenk. Ist das jetzt klar, ja?“
„Ähm… Ja. OK.“

„Und du brauchst daher für mich auch keins, verstanden?“
„Ja, ähm… Verstanden, aber…“

„Kein Aber!“
„Darf ich dann – bevor ich zusammenbreche – noch was fragen?“

„Was denn nun noch!“
„Das Geschenk, das du für mich gekauft hast, ähm, das…“

„Was ist damit?“
„…das kriege ich dann… Zu Ostern oder so?“

„Nein, doch nicht zu Ostern, pff!“
„Dann, ähm… Zu meinem nächsten Geburtstag?“

„Nein, nein, das ist ja noch viel zu lange hin.“

„Und… Wann kriege ich es dann??“

„Am 24.12.“
„Oh Gott, kann ich jetzt nicht endlich aufwachen, bitte!?“

„Aufwachen??“
„Ich habe schon wieder einen dieser nicht endenden Alpträume…“

„Spiele ich da auch mit??“
„LIEBSTE!!!! DU! DU SPIELST DIE HAUPTROLLE UNTER DEN ZOMBIES!!“

„Ich?? Wieso? Ich habe dir doch gerade ein Geschenk gekauft!“
„Jaaaa!!!!!“

„Weil ich dich so lieb habe!“
„Du bringst mich langsam, aber sicher um, so einfach ist das!!“

„Wieso??“
„Weil du mir am 24.12. was schenkst!“

„Darf ich das denn nicht??“

„Nein! Wir wollten uns zu Weihnachten nichts schenken!“

„Das ist ja auch gar kein Weihnachtsgeschenk!“
„Und was dann??“

„Einfach nur so! Ein ganz normales Geschenk eben!“
„Einfach nur so?? Einfach nur so?? Und zufällig am 24.12.??“

„Ganz zufällig, ja!“

„Ich breche zusammen, ruf bitte noch den Notarzt…“

„Ich erwarte übrigens von dir nicht, dass du mir was schenkst.“
„Du meinst, am 24.12.??“

„Ja, wir wollen uns ja zu Weihnachten nichts schenken.“
„Aha…“

„Aber über ein zufälliges Geschenk würde ich mich natürlich schon sehr freuen!“

Kopfschüttel…