Sonntagmorgen, 11.47 Uhr: ich warte darauf, dass die Liebste endlich aufsteht.
Sie schläft gerne lange, aber das ist schon etwas ungewöhnlich. Ich beschließe, mal nachzusehen, ob sie schon wach ist und öffne vorsichtig die Schlafzimmertür…

„Uuuääähhh!“
„Süße? Was ist denn?? Du bist ja schon wach??“

„Ich bin krank, ich kann nicht aufstehen!“
„Krank? Was hast du denn??“

„Mir tut mein Bauch weh und ich bin so schlapp.“
„Aha, na das ist ja bl…“

„…und ich bin maßlos enttäuscht!“
„Enttäuscht? Wovon?“

„Von dir!“
„Von mir?? Wieso??“

„Weil du jetzt erst kommst, um nach mir zu sehen!“
„Ähm… Ich dachte, du schläfst noch!?“

„Mir könnte ja schon längst wer weiß was zugestoßen sein!“
„Normalerweise schläfst du doch aber sonntags immer länger!?“

„Aber doch nicht sooo lange!“

„Naja, das stimmt schon, aber…“

„Aua, mein Bauch!“

„Was ist denn eigentlich mit deinem Bauch?“

„Der tut weh, sagte ich doch schon.“
„Und wovon?“

„Woher soll ich denn das wissen!?“
„Naja, ich dachte…“

„Hör bitte auf, zu denken, ja?“
„Ähm…“

„Hilf mir lieber.“
„Na schön, also… Was kann ich denn jetzt für dich tun?“

„Nichts.“
„Aber… Nichts??“

„Nichts!“
„Soll ich dir vielleicht einen Magen-Darm-Tee machen?“

„Nein!“
„Nicht, aha, und… Vielleicht was zu essen?“

„Hallo?? Klopf, klopf! Ich habe Bauch-Aua!“
„OK, also nichts essen, oder vielleicht doch Salzstangen?“

„Nein!“
„Wir haben auch noch Magentabletten, glaube ich, soll ich…“

„Nein!“
„Was brauchst du denn??“

„Nichts!“
„Aber du hast doch eben gesagt, dass ich dir helfen soll??“

„…ich wollte dir nur mal zeigen, wie du das immer machst!“
„Was?? Ich??“

„Ja, wenn du krank bist!“
„Ähm…“

„Ich darf dann ja auch nie was für dich machen!“
„Aber, also, ich bin doch jetzt gar nicht krank, sondern du??“

„Natürlich muss ich einen Magen-Darm-Tee trinken gleich!“

„Ah, also…“

„Und ich werde auch eine Tablette und Salzstangen essen.“
„Ja…“

„Weil man das so macht, wenn man was mit dem Magen hat.“
„-„

„Um wieder gesund zu werden.“
„-„

„Auch, wenn man das eigentlich gar nicht machen will.“
„-„

„Das siehst du doch auch so, oder??“
„Naja, also, Überwindung kostet das natürlich schon…“

„…und obwohl du das weißt, darf ich das nie für dich machen!“
„Aber ich bin doch gar nicht krank!?“

„Jetzt nicht, aber sonst schon!“

„Liebste, ich habe jetzt verstanden, was du mir damit sagen willst.“

„Schön. Dann merk dir das aber auch mal!“
„Jaaa. Du darfst mich pflegen, wenn ich mal wieder krank werde.“

„Das hoffe ich, ich kenne mich da nämlich ganz gut aus.“

„Gut. Einverstanden.“

„Schön.“
„Und jetzt?“

„Was jetzt!?“
„Jetzt hole ich dir erst einmal einen Magen-Darm-Tee, oder?“

„Nein, geh mir bloß weit weg mit dem widerlichen Zeug!“

Kopfschüttel…