Meine Liebste und ich trödeln am Sonntagmorgen in unserem Haus rum und jeder macht dies, das oder jenes.
Ich überlege, ob ich mir um halb zwölfmal wieder die Sendung mit der Maus ansehen sollte; das letzte Mal ist schon lange her und heute geht es um… Da klingelt das Telefon.

„Schatz, gehst du mal ran?“
„Es ist Jasmin, Süße.“

„Ah, dann ist das für mich, für mich! Gib!“
„Hier.“

„Du, ich glaube das dauert jetzt ein bisschen…“
„Von mir aus, kein Problem, mach nur.“

„Das ist doch OK für dich, oder?“
„Wir haben ja nichts vor, das ist OK.“

„Na schön, alles klar. Bis gleich!“

[Die Liebste nimmt Jasmins Anruf entgegen und noch während sich die beiden am Telefon begrüßen, fliegt auch schon die Küchentür hinter der Liebsten zu.

Die Liebste fängt meistens Telefonate in der Küche an, zumindest dann, wenn sie von mir nicht gestört oder belauscht werden will.
Dort läuft sie dann oft hin und her oder erledigt beim Telefonieren noch andere Sachen. So nach zirka einer halben Stunde wechselt sie dann meistens von der Küche ins Arbeitszimmer und rennt dort hin und her. Und dann vielleicht noch ins Gästezimmer und dann wieder in die Küche und so weiter.

Des Weiteren beginnt die Liebste solche Telefonate gewöhnlich mit sanfter Stimme, wird dann aber mit der Zeit immer lauter; vielleicht vergisst sie im Verlauf des Telefonates, dass jemand sie hören könnte, beziehungsweise dass noch irgendwer nebenan sitzt, der sich – neben der Sendung mit der Maus – auch noch Bruchstücke und Fetzen des Gespräches mit anhören muss.

Solche Telefonate zwischen der Liebsten und ihren Freundinnen scheinen stets das gesamte Repertoire an Stimmungen zu umfassen: Gelassenheit, Aufregung, Humor, Ernsthaftigkeit, Überraschungen, Entrüstungen, Beratschlagungen… Zumindest kann ich das aus den Wort- und Satzfetzen schließen, die immer mal wieder zu hören sind, auch wenn sich mir daraus der Zusammenhang nicht erschließt.

Meine – überaus interessante – Sendung mit der Maus liegt nun schon wieder mehr als eine Stunde zurück, als die Liebste schließlich während der letzten telefonischen Verabschiedungsrituale zurück ins Wohnzimmer kommt. Aber: auch wenn sich zwei Frauen am Telefon bereits verabschiedet haben, heißt das noch lange nicht, dass sie dann auch auflegen; irgendeine Kleinigkeit wurde dann anscheinend doch noch vergessen, wird erzählt und die Verabschiedung beginnt von vorn, und so weiter.

Die beiden haben nun also schon wieder mehr als eineinhalb Stunden hinter sich gebracht; da muss es ja eine Menge interessanter Neuigkeiten gegeben haben…]

„So, wir sind fertig, Schatz.“
„Ja, das sehe ich.“

„Hat wieder mal ein bisschen länger gedauert.“
„Aha. Und?“

„Was und?“
„Ihr hattet euch viel zu erzählen, was?“

„Ja.“
„Und??“

„Was denn und??“
„Naja, was gibt es Neues??“

„Nichts, wieso?“

Kopfschüttel…