Meine Liebste kommt am Pfingstmontag abends von einer Verabredung nach Hause; sie hatte sich mit zwei Freundinnen im Einkaufszentrum „Waterfront“ zum Kaffee trinken und anschließendem Kinobesuch verabredet.
Allerdings zieht die Liebste ein ziemlich langes Gesicht…

„Hallo, ich bin wieder da.“
„Prima, Süße! Und? Wie war´s?“

„Wir hatten einen netten Nachmittag.“
„Aha. Allerdings machst du gar nicht den Eindruck?“

„Ich bin ja auch sauer auf dich.“
„Auf mich?? Warum??“

„Weil ich dich gefragt hatte, wie man zur Waterfront kommt!“
„Und? War doch ganz einfach, oder?“

„Ich bin da abgefahren, wo du gesagt hast!“
„Und??“

„Und dann stand ich plötzlich irgendwo in der Pampa!“
„Wie bitte??“

„B6 und dann die Abfahrt Richtung Walle, hast du gesagt!“
„Das stimmt ja auch!?“

„Das stimmt eben nicht! Da kommt man ganz woanders hin!“
„Du bist bestimmt nur falsch abgebogen oder so…“

„Bin ich nicht! Und wegen dir musste ich Birgit anrufen!“
„Birgit??“

„Damit sie mir sagt, wie ich zur Waterfront komme!“
„Und konnte sie dir helfen?“

„Natürlich, BIRGIT kennt sich ja in Bremen auch aus!“
„Moment mal, soll das heißen, dass ich mich nicht auskenne??“

„Offensichtlich nicht!“
„Hallo?? Wie kann man denn bitte Bremen-Walle nicht finden??“

„Das frage ich mich auch, war ja eigentlich ganz einfach.“
„Also hör mal, einfacher konnte ich es dir doch gar nicht erklären!“

„Quatsch, du wolltest dir bloß keine Mühe geben!“
„B6, dann Walle runter und immer geradeaus, das ist doch…“

„…das ist falsch, denn da kommt man nicht zur Waterfront!“
„Bin ich doch selbst schon tausendmal gefahren!?“

„Kann ja sein, aber du fährst sowieso immer so komisch.“
„Was??“

„Das war mir echt peinlich, Birgit anrufen zu müssen…“
„Du hättest ja auch mich anrufen können??“

„Dich?? Wo du mir das doch eingebrockt hast?? Nee!“
„Und warum hast du kein Navi mitgenommen??“

„Weil du gesagt hast, das sei puppieinfach!“
„Was ja auch stimmt!?“

„Gar nicht! Warte, ich zeige dir das schnell bei Google.“

[Meine Liebste rennt ins Arbeitszimmer, kramt ihr Notebook aus der Tasche und kommt zu mir zurück ins Wohnzimmer.
Nach einer kleinen Ewigkeit startet dann auch endlich Google Maps und die Liebste sucht gefühlte 1.240 Minuten die Straßen, auf denen sie gefahren und hier und da abgebogen ist…]

„Hier, da! Da sollte ich abbiegen!“
„Liebste, das ist nicht die B6, das ist die A27!“

„Na und?“
„Was heißt denn na und?? Da warst du doch gar nicht!?“

„Natürlich war ich auf der A27!“
„Das kann ja gar nicht sein, du warst doch auf der B6??“

„Nein. Ich war auf der A27.“
„Und warum dort??“

„Weil ich vorher aus Versehen auf die A28 gefahren bin.“
„Was?? Das verstehe ich jetzt nicht??“

„Ich habe halt die Abfahrt verpasst, na und??“
„Aber was wolltest du denn überhaupt auf der A28??“

„Weiß ich auch nicht, auf jeden Fall war ich da plötzlich.“
„Und wie bist du dann von dort auf die A27 gekommen??“

„Naja, ich habe jemanden an einer Tankstelle gefragt.“
„Und der hat dich zur A27 geschickt??“

„Nee, der hat gesagt, ich soll auf die B6.“
„Das stimmt ja auch!?“

„Da war aber keine B6!“
„Naja, zuerst ist es die B75, die wird dann zur B6…“

„Woher soll ich das denn wissen??“
„Hat dich der Tankwart denn da nicht hingeschickt??“

„Doch, aber ich dachte, der spinnt!“
„Oh Mann, Liebste, das ist ja mal wieder so typisch!“

„Was denn?? Hättest du mir das richtig erklärt, dann…“
„Ich habe dir das richtig erklärt!“

„Da kam aber links keine Waterfront, wie du es gesagt hast!“
„Aber Liebste, du bist doch auch total woanders gewesen!?“

„Aber meinem Gefühl nach hätte das passen müssen!“
„Deinem Gefühl nach??“

„Ich wusste ja, dass ich ungefähr da bin, wo du gesagt hast!“
„Himmel, ich brech zusammen…“

„Typisch! Erst mir den falschen Weg sagen und jetzt jammern!“
„Wärst du gefahren, wie ich es dir gesagt habe, dann…“

„…dann wäre ich wahrscheinlich jetzt noch unterwegs!“

Kopfschüttel…