Meine Liebste und ich sind zu Besuch bei Freunden, wo wir friedlich und brav auf dem Sofa sitzen und uns unterhalten.
Auf dem Wohnzimmertisch vor uns stehen vier Gläser und ein paar Süßigkeiten für zwischendurch, wie sich´s gehört.
Eine entspannte Runde in gemütlicher Atmosphäre!

„Du Schatz, psst!“
„Was ist denn, Süße?“

„Die Dinger da, die Dings…“
„Was?“

„Die in dem roten Papier, die Süßigkeiten da…“
„Ja? Was ist damit?“

„Nicht so laut!“
„Ähm… Was – ist – mit – den – roten – Dingern?“

„Schmecken die?“
„Woher soll ich das wissen??“

„Ich dachte, du hättest schon eins gegessen??“
„Nein, habe ich nicht.“

„Ich möchte so eins haben.“
„Ja, und, äh… Warum nimmst du dir keins?“

„Hinterher schmecken die nicht.“
„Tja, hinterher wirst du´s wissen.“

„Kannst du nicht, ich meine…“
„Liebste, sag jetzt nicht, dass ich erst probieren soll!“

„NICHT SO LAUT!!“

[Unsere beiden Freunde Lena und Frank schauen uns leicht verdutzt an und erkundigen sich vorsichtig, ob alles in Ordnung sei… Die Liebste nickt und betont, sie müsse etwas mit mir besprechen, wäre aber nichts Wichtiges und hätte auch gar nichts mit ihnen zu tun, alles sei wunderbar.
Nach einem Moment der Stille – der eine gefühlte Ewigkeit gedauert hat – beschließen Lena und Frank, zusammen eben schnell in der Küche klar Schiff zu machen und lassen uns allein…]

„Du bist so doof!“
„Ich?? Wieso ich denn??“

„Jetzt sind sie beleidigt und denken wer weiß was!“
„Das ist doch aber nicht meine Schuld!?“

„Schuld, Schuld, ich höre immer nur Schuld!“
„Aber du führst dich doch wieder mal wie eine Verrückte auf!“

„WIEDER MAL??“
„Naja, ähm, also wie ab und zu eben.“

„ICH bin verrückt?? WIEDER??“
„Ja ich vielleicht?? Natürlich du!“

„Ich wollte doch nur so ein rotes Ding essen!“
„Dann iss doch eins!“

„Ich kann das aber nicht aufessen, wenn es nicht schmeckt!“
„Es wird schon schmecken.“

„Und wenn Kaffee drin ist?? Du weißt, ich hasse Kaffee!“

[Lena kommt zurück ins Wohnzimmer und bestätigt der Liebsten zur Sicherheit, dass sie nicht vorgehabt habe, Kaffee für die Liebste zu servieren…
Was die Liebste mit einem freundlichen Lächeln dankend bestätigt.]

„Siehst du, du blamierst mich total vor Lena!“
„Schatz, iss jetzt so ein Ding oder lass es!“

„NICHT SO LAUT!!“
„Ich esse auf jeden Fall keins.“

„Die sehen ja schon sehr lecker aus…“
„Könnte aber Kaffee drin sein…“

„Du bist so doof!“

[Dieses Mal streckt Frank seinen Kopf durch die Tür und fragt, ob er damit gemeint sei…
Während ich mir krampfhaft den nahenden Lachanfall wegdrücke, versichert die Liebste Frank ausdrücklich, dass er nicht doof sei und dass das nur auf andere anwesende Männer zuträfe…]

„Oh Gott, die laden uns ja nie wieder ein!“
„Mich hat schon gewundert, dass wir überhaupt kommen durften…“

„Was soll das denn jetzt heißen??“
„Naja, ich meine, wer uns kennt, der weiß ja, dass du…“

„ICH?? I-C-H??“
„Liebste, du bist eben manchmal etwas komisch, das…“

„Das sagt ja der Richtige!“
„Wieso, ich mache doch gar nichts, ich sitze hier nur!“

„Probierst du jetzt so ein rotes Ding für mich oder nicht!?“
„Nein.“

„Och bitte!“
„Nein!“

„Bitte, bitte, bitte, bitte!“
„Oh Mann, gibst du dann endlich Ruhe??“

„Ja, ja, ja!“
„Na schön…“

[Ich weiß, ich hätte bei Nein bleiben sollen… Aber jeder Mann weiß, dass Frauen manchmal ihren Willen durchsetzen können, ohne auch nur ein einziges Argument zu haben. Keine Ahnung, wie sie das machen, aber die Liebste kann. Ich kann ihr einfach nichts abschlagen, naja, und wenn es nur um eine Praline geht, da muss man ja auch nicht so streng sein…]

„Und? Wonach schmeckt das?“
„Tja, ähm…“

„Nun sag schon? Bestimmt mies, oder?“
„Tja, also… Toll ist das nicht, ähm…“

„Geht gar nicht?“
„Naja… Schmeckt nach, also, hm…“

[Lena und Frank kommen wieder ins Wohnzimmer zurück, bewaffnet mit a) einer Schale M&Ms, b) Salzstangen und c) ein paar geschälten Apfelstückchen… Es ist offensichtlich, dass sie damit der Liebsten ausreichend Alternativen anbieten wollen und die Apfelecken sind eine ziemlich gute Idee!]

„Schatz, psst!“
„Was ist…“

„Schau mal, ist das nicht lieb von Lena, das mit den Äpfeln?“
„Ja…“

„Finde ich ja super, dass sie dir die gemacht hat.“
„Ähm, Moment… MIR??“

„Natürlich DIR!“
„Wieso denn für mich?? Für dich wohl eher!“

„Nein, für dich!“
„Warum??“

„Weil sie gemerkt hat, dass dir die Roten nicht schmecken!“
„Ähm…“

„War ja auch nicht zu überhören dein Gejammer!“

Kopfschüttel…