Mein Handy klingelt, während ich gerade im Büro mit einem Kollegen spreche. Ein Blick auf das Display verrät: es ist die Liebste!
Nach kurzem Nachdenken entscheide ich mich, das Telefonat anzunehmen; denn wenn es was Wichtiges ist, sollte ich das besser nicht verschieben…

„Schatz?? Hallo??“
„Ja, ich bin´s, Süße.“

„Störe ich dich gerade?“
„Ja.“

„Ach so. Naja. Du, ich wollte dich was fragen!“
„Ist was passiert?“

„Nee, wieso?“
„Du, ich bin hier gerade mitten im Gespräch und…“

„Wenn es wichtig wäre, wärst du ja nicht ran gegangen, oder??“
„Ich dachte, wenn, also dass du vielleicht etwas…“

„Also pass auf, geht auch ganz schnell.“
„Na schön, warte mal eben…“

[Ich drehe mich – leicht peinlich berührt – zu meinem Kollegen um und bitte ihn, mir eine Minute zu geben.
Er nickt und fragt leise: „Ist es die Liebste??“
Ich nicke; daraufhin winkt er ab und sagt, er käme dann in einer Stunde nochmal wieder…]

„Schaaatz? Bist du noch da??“
„Jaa doch, jetzt hab ich dann also doch Zeit…“

„Schön, ich aber nicht.“
„Wie bitte??“

„Ich wollte ja auch nur ganz kurz was!“
„Was denn…“

„Was wünschst du dir zu Weihnachten?“
„Was??“

„Ja. Was.“
„Nein, ich meine, DAFÜR rufst du mich jetzt hier an??“

„Ich muss das eben JETZT wissen!“
„Warum denn unbedingt jetzt??“

„Weil ich hier jetzt hier bin, also zufällig hier.“
„Was? Wo bist du??“

„Hier eben. Kann ich dir nicht sagen, wo.“
„Das verstehe ich jetzt nicht, was meinst du denn??“

„Ich bin eben hier und könnte dir ein Geschenk mitnehmen.“
„WO könntest du ein Geschenk mitnehmen??“

„Wenn ich dir das sage, dann weißt du ja, was es hier gibt!“
„Aber ich dachte, du willst von mir wissen, was ich mir wünsche??“

„Will ich ja auch! Also was denn jetzt!?“
„Und alles, was ich mir wünschen könnte, das gibt es da??“

„Nicht alles. Es gibt ja gar keinen Laden, der ALLES hat.“
„Aha, und wenn ich mir jetzt was wünsche, was es da NICHT gibt??“

„…müsste ich woanders hin. Sag mal, was ist denn los mit dir??“
„Mit mir?? Wieso??“

„Du bist doch sonst nicht so begriffsstutzig!“
„Moment, also nur damit ich das richtig verstehe:“

„Ja?“
„Wenn ich mir zufällig wünsche, was es da bei dir gibt, dann…“

„…dann kann ich das hier auch gleich mitnehmen, richtig.“
„Und wenn ich mir was anderes wünsche, dann…“

„…dann kann ich eben hier nichts mitnehmen. Verstanden??“
„Ja, ähm…“

„Also: was wünschst du dir??“
„Weiß nicht, tja, was wünsche ich mir denn…“

„Och Schatz!“
„Was denn??“

„Das ist doch nun wirklich eine ganz einfache Frage!“
„Jaja, aber mir fällt jetzt nichts ein, also…“

„Na schön, macht nichts.“
„Ähm… Macht nichts??“

„Nee.“
„OK, gut? Damit hatte ich jetzt gar nicht gerechnet…“

„Ich nehme das Geschenk jetzt hier mit.“
„Aber ich habe mir doch noch gar nichts gewünscht??“

„Richtig. Ich nehme es aber trotzdem mit, habe ich mir überlegt.“
„Aha, und warum jetzt plötzlich??“

„Weil du dir das sowieso gewünscht hättest.“
„Aha… Und wenn ich jetzt tatsächlich genau das gesagt hätte??“

„Dann hätte ich es vielleicht doch nicht mitgenommen…“
„Ähm, aber…“

„…weil du ja sonst schon gewusst hättest, was du kriegst!“
„Aber…“

„Gut, dass ich dich immer erreichen kann! Bussi!“

Kopfschüttel…