Tennisshop

Sehr nett!

31. August 2009, aus der Schublade Die besonderen Dinge

Meine Liebste und ich landen am Samstagmittag nach einem Einkaufsbummel in Bremen in dem kleinen Bistro und Café “September” in der Innenstadt.
Wir sind ein bisschen hungrig und wollen eine Kleinigkeit essen.
Nachdem die Liebste gefühlte 2 Stunden die Speisekarte sowie das Mittagstisch-Angebot studiert hat, können wir nun endlich bestellen.

“Schatz, Ich glaube, ich habe jetzt was gefunden.”
“Das wurde ja wohl auch mal Zeit, Süße!”

“Jajaja… Gnocchi in Gorgonzolasauce mit Spinat nehme ich.”
“Gut, alles klar. Dann kann ich ja endlich bestellen.”

[Die junge Kellnerin kommt kurze Zeit später erneut an unseren Tisch; sie ist schon dreimal da gewesen, um unsere Bestellung aufzunehmen, musste dann aber wieder gehen, weil sich die Liebste noch nicht für ein Gericht entscheiden konnte.
Die Kellnerin ist mir sehr sympathisch: immerhin hat sie mir einen beiläufigen mitleidsvollen Blick zugeworfen, als sie uns vor langer Zeit die Getränke gebracht hat. DIE Frau versteht mich, und das ganz wortlos!
Dummerweise hat auch die Liebste diesen Blick mitbekommen...]

“Die ist nett, die Kellnerin, oder?”
“Joah, schon…”

“Etwas ZU nett, würde ich sagen.”
“Zu nett? Wie kann man denn zu nett sein??”

“Zu dir zumindest!”
“Wieso, was ist denn??”

“Die hat dich doch voll angemacht, habe ich doch gesehen!”
“Quatsch! Die ist einfach nur nett.”

“Was du so unter nett verstehst…”
“So? Was verstehe ich denn unter nett, bitte??”

“Wenn du sagst, eine Frau sei nett, dann heißt das bei dir…”
“Ja? Was??”

“Nee, das sage ich nicht. Aber du weißt es ja.”
“Ich weiß gar nichts, was denn??”

“Jetzt tu doch nicht so!”
“Schatz, ich weiß wirklich nicht, was du meinst!?”

“Das ist eure komische Männersprache.”
“Wie bitte??”

“Ihr habt immer Geheimwörter für irgendwas.”
“Ich??”

“Ja.”
“Das gilt ja wohl eher für dich, nicht für mich!”

“ICH sage immer genau das, was ich auch denke.”
“Pah! Du bist doch die Königin aller Wortverdreher!”

“Bin ich nicht!”
“Bist du aber so was von!”

“Hast du mich schon mal sagen hören, der ist NETT??”
“Schon hundertmal!”

“Dann stimmt es ja dann auch.”
“Hä??”

“Wenn ich das gesagt habe, dann meinte ich auch nett.”
“Ach, und wenn ich das sage, dann heißt das was anderes??”

“Natürlich.”
“Und verrätst du mir jetzt noch, WAS das heißen soll??”

“Nett heißt bei dir soviel wie das Gegenteil von Sumpfhuhn.”
“Sumpfhuhn??”

“Sumpfhuhn ist eben nicht nett.”
“Schön, und was wäre nett??”

“Hab ich doch gerade erklärt!”
“Du hast überhaupt gar nichts erklärt!?”

“Weil du mir nicht richtig zuhörst!”
“Und ob! Ganz genau habe ich dir zugehört!”

“Du weißt genau, was ich meine, und stellst dich nur dumm!”
“DAS war jetzt aber wirklich nicht nett!”

“Nicht nett??”
“Nicht nett.”

“Du nennst MICH ein Sumpfhuhn??”
“Wer hat denn was von Sumpfhuhn gesagt??”

“Du gerade!”
“Ich sagte, das sei nicht nett gewesen!?”

“Eben! Und du weißt ja, was das bedeutet!”
“Ja, ich weiß was es bedeutet, aber nicht, was du daraus machst!”

“Ich kann eben auch zwischen den Zeilen lesen, ganz einfach.”
“Aha. Also damit ich das jetzt richtig verstehe:”

“Ja?”
“Wenn ich sage nett, dann denkst du, ich meine attraktiv, scharf…”

“Das trifft es zwar nicht richtig, aber so in der Richtung.”
“Und das nur, weil ich die Kellnerin nett genannt habe?”

“NUR ist gut!”
“Naja, weil ich eben gesagt habe, sie sei nett?”

“NETT gesagt und das Gegenteil von Sumpfhuhn gemeint.”
“Mach es jetzt nicht wieder so kompliziert, ja!?”

“Worauf willst du denn hinaus?”
“Also nur noch einmal für mich: nett heißt attraktiv?”

“Von mir aus…”
“Schön. Schatz, du bist echt die netteste Person, die ich kenne.”

“Du findest mich nett??”
“Sehr nett.”

“SEHR NETT??”
“Ja.”

“Nur nett??”
“Ähm…”

Blödmann!”

Kopfschüttel…

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Nichts!

27. August 2009, aus der Schublade Wohnen und Leben

Meine Liebste und ich sitzen am Abend gemeinsam in der Küche am Tisch und erzählen uns gegenseitig die News des Tages.
Alles in allem ist eigentlich nichts Aufregendes passiert, aber man findet ja doch immer wieder etwas, was man so berichten kann vom Arbeitsalltag.

“Also eigentlich nichts los gewesen heute bei mir…”
“Ja, sieht so aus, Süße.”

“Bei dir ja auch nicht.”
“Nee.”

“Aber bei dir passiert ja auch sowieso nie was auf der Arbeit.”
“Wie bitte??”

“Na, wann erzählst du denn schon mal was Aufregendes?”
“Also, ich, ähm…”

“Wenn du ÜBERHAUPT mal was erzählst, meine ich.”
“Was soll das denn jetzt heißen??”

“Wenn ich nicht drängeln würde, würdest du gar nichts sagen!”
“Das stimmt doch überhaupt gar nicht!”

“So?? Und was war letzte Woche??”
“Letzte Woche? Was war denn da?”

“Ja das frage ich dich?”
“Nichts war da, wieso??”

“Eben.”
“Was eben!?”

“Da war eben nichts, was du erzählt hättest.”
“Ähm…”

“…oder hättest erzählen können.”
“Aha, und was heißt das jetzt genau??”

“Dass du entweder nichts erlebt hast, oder…”
“Oder??”

“…oder dass du was erlebt hast, es mir aber nicht erzählst.”
“Warum sollte ich dir was nicht erzählen??”

“Also war deine letzte Woche total langweilig?”
“Nein.”

“Dann erzähl doch mal endlich!”
“Ich weiß aber nicht, was!?”

“Na was du alles erlebt hast!”
“Keine Ahnung, tja, was habe ich denn erlebt, also…”

“Siehst du, ich wusste es doch! Nix!”
“Doch, aber mir fällt jetzt gerade nichts ein!”

“Du hast doch eben gesagt, es sei NICHT langweilig gewesen?”
“Ja, aber…”

“…dann musst du sagen können, WAS NICHT langweilig war!”
“Das verstehe ich schon, danke für die Erklärung!”

“Gern geschehen, und??”
“Ich kann mich nicht erinnern…”

“Aber du bist dir sicher, dass es nicht langweilig war?”
“Ziemlich, ja.”

“Dann erzählst du es mir also absichtlich nicht!”
“Ich würde es ja erzählen, aber…”

“Ich erzähle dir immer alles, und du?!”
“Ich dir doch auch??”

“Nein!”
“Doch!”

“Neeein!”
“Doooch!”

“Dann erzähle ich dir ab jetzt auch nichts mehr!”
“Aber Schatz, ich…”

“Zum Beispiel erzähle ich nicht, was mit Simone los war!”
“Naja, das ist ja auch, also, ähm…”

“Und was deine Mutter gesagt hat, auch nicht.”
“Meine Mutter??”

“Ja, sie hat mich heute nämlich angerufen.”
“Moment, ich dachte, wir reden hier über Erlebnisse auf der Arbeit??”

“Das stimmt ja auch.”
“Was hat denn meine Mutter jetzt damit zu tun??”

“Wieso? Sie hat doch angerufen, als ich auf der Arbeit war.”
“Das ist doch aber wohl was anderes!?”

“Ist es nicht! Also willst du es nun wissen, oder nicht!?”
“Natürlich will ich es wissen!”

“Das sage ich dir aber nicht!”
“Schatz! Jetzt hör auf mit dem Schwachsinn!”

“OK, aber nur unter einer Bedingung.”
“Keine Bedingungen!”

“Dann sage ich es auch nicht.”
“LIEBSTE!!”

“Na schön, also gut. Dann wenigstens eine kleine Bitte.”
“Himmel! Also was denn…”

“Du musst mir erst sagen, wie dolle lieb du mich hast!”
“Ich hab dich lieb. So, und was hat meine Mutter nun gesagt??”

“Das war schon alles??”
“Lieb! Lieb! Mehr lieb! Am liebsten! Bums fallera und alles!!”

“Naja, wenigstens etwas…”
“WAS – HAT – MEINE – MUTTER – GESAGT??”

“Ach so! Das hätte ich fast vergessen, haha!”
“W-A-S!?”

“Sie hat dich nicht erreicht, du sollst sie mal anrufen.”
“Und weiter??”

“Och, sie wollte wohl nur von dir wissen, was es so Neues gibt.”
“Und da ruft sie dann dich an??”

“Warum nicht? Ich habe ihr alles erzählt.”
“Was hast du ihr denn erzählt, bitte??”

“Naja, alles eben, was du mir auch erzählt hast.”
“Und was habe ich dir erzählt??”

“Nichts!”

Kopfschüttel…

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Ein richtiges Schnäppchen

24. August 2009, aus der Schublade Freizeit und Reisen

Meine Liebste und ich besuchen am Sonntagnachmittag den Brokser Heiratsmarkt, ein Kirmes-artiges Volksfest in Bruchhausen-Vilsen.
Unter anderem kann man dort für einen Tag heiraten, deswegen heißt die Veranstaltung wohl auch so.
Nachdem wir einmal über das Gelände geschlendert sind und eine Bratwurst gegessen haben, setzen wir uns an einen Getränkestand und bestellen Cola.

“Eigentlich hätten wir ja Dienstag hier hinfahren müssen…”
“So? Warum denn das, Süße?”

“Dienstags ist immer die beliebte Junggesellenversteigerung.”
“Wie bitte??”

“Ja, da können Frauen ein paar Junggesellen ersteigern.”
“Ähm…”

“Da kann man richtige Schnäppchen machen!”
 Aha… Willst du damit andeuten, dass du Bedarf hast??”

“Für einen anderen Mann??”
“Naja, wenn du auf eine Junggesellenversteigerung willst??”

“Ich will doch keinen anderen Kerl, bist du verrückt!?”
“Aber du hast doch eben gesagt, dass du…”

“Ich habe mit dir schon genug zu tun, vielen Dank.”
“Das nehme ich jetzt einfach mal als missglücktes Kompliment…”

“Ich will doch keinen Typ ersteigern, der sonst keine ab kriegt!”
“Dann willst du also nur zuschauen, oder was?”

“Nee.”
“Sondern?”

“Ich dachte mir, dass ich DICH da irgendwie versteigern kann!”

Kopfschüttel…

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Es ist halb

20. August 2009, aus der Schublade Freizeit und Reisen

Meine Liebste und ich sind heute Abend bei Freunden zum Uno spielen eingeladen; ein Mau-Mau für Erwachsene. Das ist immer sehr lustig und schon seit Tagen freuen wir uns da drauf.
Um 20.00 Uhr sollen wir da sein und es ist schon 19.30 Uhr; aber die Liebste sitzt immer noch entspannt an ihrem Notebook…

“Schatz, wie spät ist es denn?”
“Es ist halb, Süße.”

“Halb?”
“Ja.”

“Sehr gut, dann habe ich ja noch Zeit.”
“Ähm… Schatz, es ist SCHON halb.”

“Na und?”
“Naja, willst du dich nicht noch umziehen?”

“Na klar, glaubst du, ich gehe so??”
“Naja, weiß ich ja nicht, also…”

“Und duschen will ich auch noch.”
“Wie bitte??”

“Wir fahren doch nur 10 Minuten höchstens, oder?”
“Ja schon, das ist richtig, aber das schaffst du doch niemals!?”

“Doch, doch, das schaffe ich; Haare wasche ich heute nicht.”
“Aha… Und ähm, du weißt, dass wir pünktlich sein sollen, ja?”

“Wieso eigentlich?”
“Was? Wieso wir pünktlich sein sollen??”

“Ja?”
“Sowas kann wirklich nur eine Frau fragen…”

“Wir wollen doch aber nur spielen, oder?”
“Naja, aber es soll ja auch was zu essen geben und…”

“Ach so, das ist auch gut, ich habe nämlich Hunger!”
“Wusstest du das nicht?”

“Nee, ich hätte mir gleich noch was zu essen gemacht.”
“Jetzt noch??”

“Wieso nicht?”
“Du willst noch duschen, dich umziehen und hättest noch gekocht??”

“Warum fragst du das denn so doof??”
“Weil du das nie im Leben pünktlich schaffst!”

“Quatsch!”
“Liebste, könntest du jetzt mal so langsam, also ich meine…”

“Schatz, ich weiß, dass du ungern zu spät kommst.”
“Und könntest du dich heute ausnahmsweise mal dran halten??”

“Jaaa doch, gleich. Jetzt drängel mich nicht so!”
“Ich sage es ja nur.”

“Ich rufe jetzt noch meine Schwester an und dann stehe ich auf.”
“Deine Schwester?? Oh Himmel, bitte nicht!!”

“Wieso nicht?”
“Weil ihr immer stundenlang quatscht und kein Ende findet!!”

“Ich hab doch aber noch Zeit?”
“Schatz, es ist HALB! In Buchstaben: H-A-L-B!”

“Ich bin ja nicht taub!”
“Ruf deine Schwester morgen an und komm jetzt endlich!”

“Ich verstehe echt nicht, warum du so einen Aufstand machst!?”
“Liebste, es ist schon nach halb acht und eigentlich müssen wir los!”

“Es ist schon nach halb acht?”
“Ja, das sagte ich doch schon mehrmals!?”

“Das kann aber nicht sein.”
“Was! Dass die Uhr eine annähernd richtige Zeit anzeigt??”

“Das kann nicht sein, das fühlt sich ganz anders an.”
“WAS fühlt sich anders an??”

“Ich habe das Gefühl, es ist erst halb sieben!”
“Schatz, demnach geht deine innere Uhr FALSCH!”

“OK, OK. Tschuldigung, ich dachte, es sei erst halb sieben.”
“Na schön, jetzt verstehe ich auch deine Gelassenheit.”

“Da ist mir die Zeit aber ganz schön davon gelaufen…”
“Kann ja passieren, so, und jetzt komm in den Quark, ja?”

“Jajaja, ich regel das schon, gib mir mal das Telefon rüber.”
“Willst du anrufen, dass wir uns verspäten?”

“Nee.”
“Sondern?”

“Ich rufe meine Schwester an, wieso??”

Kopfschüttel…

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Meine Liebste und ich schlendern an unserem freien Tag weiter über die Reeperbahn in Hamburg, nachdem wir größerem Ärger bislang erfolgreich aus dem Weg gehen konnten. Wenn man sich hier ein bissschen umschaut, gibt es schon einige interessante Dinge zu entdecken.
Das ändert aber trotzdem nichts daran, dass nachmittags hier einfach nichts los ist…

“Schatz, wir hätten hier abends mal hingehen sollen.”
“Können wir ja noch, Süße.”

“Was? Heute Abend??”
“Warum nicht? Wir haben doch nichts vor?”

“Hm…”
“Dann kannst du deine Liebesdamen sehen, Shows besuchen und so.”

“Ich gehe doch hier nirgendwo rein!?”
“Wieso denn nicht??”

“Das sind doch alles Läden für Männer!?”
“Nein. Da gehen auch Frauen rein.”

“So?? Woher weißt denn du das??”
“Ähm…”

“Warst du hier etwa schon öfter??”
“Naja, also öfter wäre zu viel gesagt, aber…”

“Du warst HIER in einem der Läden??”
“Öhm, ist schon lange her, aber ich war in so einer Live-Show.”

“Was für eine Show??”
“Na so eine, wo die auf der Bühne das volle Programm, also…”

“Tanzen oder was??”
“Ja, ähm… Horizontales Tanzen dann wohl eher…”

“Und dafür hast du Geld bezahlt??”
“Naja, ich war halt damals neugierig und…”

“Das wusste ich ja gar nicht, hast du nie erzählt!”
“Nein, aber das hatte keinen besonderen Grund.”

“Was für einen Grund denn??”
“Nein, eben KEINEN Grund. Habe ich halt einfach nicht erzählt.”

“Du machst doch nie was ohne Grund!”
“Was heißt das denn jetzt??”

“Warum hast du mir das denn nie erzählt?!”
“Nur so, keine Ahnung? Jetzt weißt du es ja.”

“Was hast du da in dem schmierigen Laden noch gemacht!”
“Erstens nichts und zweitens war das nicht schmierig!”

“Kannten wir uns da schon??”
“Nein; das ist bestimmt schon, ähm… Mehr als 10 Jahre her.”

“Gut. Ich will da auch rein.”
“Wie bitte??”

“Ich will da auch rein, wo du drin warst!”
“Warum??”

“Ich will mal sehen, worauf mein perverser Freund so steht.”
“Sag mal, du spinnst wohl!”

“Was denn??”
“Also wenn eine weiß, was MIR gefällt, dann doch wohl du!”

“Da kann man mal sehen, wie man sich täuschen kann.”
“Liebste, hör auf, so einen Blödsinn zu reden!”

“Also was nun, wo ist dieser Laden!?”

[Fünf Minuten später stehen wir auf der Amüsiermeile Große Freiheit vor dem Safari-Theater schräg gegenüber dem Dollhouse. Obwohl es schon eine Ewigkeit her ist, erinnern mich die leicht verblassten Fotos in einem der Schaukästen an die Show, die ich damals schon gesehen hatte. Tanz der Vampire, Biene Maja, Rocky Horror Picture Show, Phantom der Oper... Alles in einer sehr "besonderen" Art und Weise auf die Bühne gebracht.
Ich weiß noch, dass damals insbesondere meine Kindheitsprägung durch die Biene Maja eine Wandlung erfuhr, als Willi die Biene Maja auf offener Bühne von hinten... Naja.
Und genau diese Geschichte erzähle ich der Liebsten, damit sie sich ein Bild davon machen kann, was praktisch hinter dem Programm des Safari steckt.]

“Also Schatz, verstehe ich das jetzt richtig?”
“Was?”

“Du hast Geld bezahlt, um dir die Biene Maja anzuschauen??”
“Naja, schon irgendwie… Wobei das ja aber…”

“Sowas kann man nur mit Männern machen, wie dämlich!”
“Hallo?? Ich war neugierig und habs mir angesehen, fertig!”

“Perverser.”
“Spießerin!”

“Ich bin keine Spießerin!!”
“Gut! Dann gehen wir heute Abend um 21.00 Uhr hier rein!”

“Hier?? Moment, warte mal kurz…”

[Die Liebste kramt ihr Handy aus ihrer Handtasche hervor und wählt eine Nummer. Als eine Verbindung zustande kommt, geht sie ein paar Schritte von mir weg, um ungestört telefonieren zu können. Ich kann zwar nicht genau hören, mit wem und was sie spricht, aber ich bin mir sicher, dass es irgendwas mit unserer derzeitigen Situation zu tun haben muss.
Da die Liebste immer für eine Überraschung gut ist, bin ich mir noch unsicher, ob das jetzt gut oder schlecht ist...]

“So, alles klar.”
“Mit wem hast du denn jetzt gesprochen??”

“Mit Mark, der war schon oft auf der Reeperbahn.”
“Mark?? Wer ist denn Mark??”

“Ein Arbeitskollege von mir.”
“Und was hast du dem jetzt erzählt??”

“Dass du mich hier rein schleppen willst und ob das ratsam ist.”
“Das fragst du deinen Arbeitskollegen??”

“Warum nicht?”
“Das darf doch wohl nicht wahr sein!?”

“Wieso? Wir gehen doch in die Show, alles ist gut.”
“Was??”

“Wir gehen rein.”
“Aha… Damit hatte ich jetzt gar nicht gerechnet…”

“Kannst du mal sehen! Aber nicht hier.”
“Nicht hier? Was heißt das denn jetzt wieder??”

“Wir gehen in eine andere Show.”
“Wie bitte??”

“Gegenüber der Großen Freiheit ist noch eine andere.”
“Und die hat er dir empfohlen, oder was??”

“Ja, genau. Das sei ungefährlich für dich.”
“Für mich??”

“Ja. 20.30 Uhr geht´s los, bis dahin gehen wir ins Panoptikum.”
“Moment, Moment! WAS und WIESO ist das ungefährlich für mich!?”

“Das ist ein erotisches und kunstvolles Cabaret.”
“So?? Und was erwartet uns da?”

“Da gibt´s Shows, Striptease, Tanz… Einfach alles für Männer.”
“Aha…”

“Da kannst du dir gerne viel nacktes Fleisch anschauen.”
“Ähm…”

“Und wenn die da auch poppen sollten, mir soll es recht sein.”
“Wie bitte??”

“Die Frauen sollen alle richtig heiß sein. Das volle Programm!”
“Und ähm, wieso ist das dann ungefährlich für mich??”

“Weil im Pulverfass Cabaret alle Transvestiten sind.”
“Transvestiten?? Männer in Frauenkleidern??”

“Ja, und jetzt mach den Mund wieder zu und komm.”

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Wo verstecken sich die?

14. August 2009, aus der Schublade Die besonderen Dinge

Meine Liebste und ich haben mitten in der Woche gemeinsam einen Tag Urlaub. Kurzentschlossen fahren wir nach Hamburg, um dort einen abwechslungsreichen Tag zu genießen.
Wir beginnen mit Shopping in der Mönckebergstraße und landen später natürlich auch auf der Reeperbahn.

“Wo ist denn jetzt die Reeperbahn?”
“Ähm… Süße, wir stehen bereits drauf.”

“Was, hier??”
“Warst du hier etwa noch nie?”

“Nö. Irgendwie nicht.”
“Naja, aber man sieht doch, wo wir sind, ich meine…”

“Ich sehe nichts.”
“Was heißt denn, du siehst nichts?!”

“Naja, hier stehen ja gar keine Frauen rum.”
“Schatz, es ist 14 Uhr, ich meine…”

“Arbeiten die denn jetzt noch nicht?”
“Ähm, nein. Denke ich zumindest.”

“Doch, schau mal da!”
“Wo? Was?”

“Die da!”
“Liebste, das ist eine ganz normale Touristin.”

“Die sieht aber so aus!”
“So aus wie was?!”

“Wie eine, eine… Na so eine eben.”
“Wie eine Nutte, wolltest du sagen.”

“Sag dieses Wort nicht, das ist schrecklich!”
“Was soll ich denn sonst sagen??”

“Weiß ich nicht, Liebesdienerin oder so, aber nicht Nutte!”
“Na schön, also DAS ist sicher keine Liebesdienerin.”

“Woher weißt du das denn??”
“Weil sie einen Rucksack auf dem Rücken hat, deswegen!”

“Na und? Wer weiß, was die so alles dabei haben müssen.”
“Aber doch wohl nicht im Rucksack!”

“Aber sicher bist du dir auch nicht, oder!?”
“Doch, und jetzt lass uns weiter gehen!”

[Wir schlendern ab Millerntorplatz die Reeperbahn entlang Richtung Große Freiheit und schauen uns die bunten Shops und Kinos an.
Es ist absolut nichts los hier, was allerdings auch nicht weiter verwunderlich ist.
Während ich mir ab und zu mal die Spielzeugauslagen in den schmierigen Schaufenstern ansehe, beobachtet die Liebste mit Argusaugen jede Frau, die an uns vorbei kommt...]

“Und die da? Meinst du, die geht gerade zur Arbeit??”
“Nein.”

“Und die da hinten? Also die doch bestimmt!”
“Geh doch hin und frag sie.”

“Was soll ich denn fragen??”
“Ob sie eine Nu… Ähm, ob sie eine Liebesdame ist.”

“Nee, das traue ich mich nicht. Hinterher stimmt das nicht!”
“Was anzunehmen ist…”

“Ich will jetzt aber auch mal eine sehen!”
“Warum??”

“Wenn wir schon mal hier sind?!”
“Schatz, das hier ist die Reeperbahn und kein Zoo!”

“Frag doch mal jemanden.”
“Fragen? Was soll ich denn fragen?”

“Wo die sich alle verstecken.”
“Schatz, es ist einfach noch viel zu früh, die…”

“Frag doch mal den Typen da!”
“Wen! Den mit den 738 Tattoos?? Bin ich lebensmüde, oder was??”

“Warum nicht? Der sieht aus, als wüsste der das!”
“Ja klar, ich frage einen Zuhälter, wo seine Frauen sind!”

“Sage ich ja, der muss es wissen!”
“Der nimmt mir mein Portmonee ab und dich gleich mit!”

“Jetzt stell dich nicht so an.”
“Du spinnst wohl! MIR bedeutet mein Leben was!!”

“Oh, Schatz, Schatz, schau mal…”

[Der Typ mit den 738 Tattoos muss wohl gemerkt haben, dass wir über ihn sprechen; auf jeden Fall steuert er mit schnellen Schritten direkt auf uns zu!
Während mein Leben in Sekundenschnelle vor meinem geistigen Auge an mir vorbeirast und ich mir denke, dass es so schlecht eigentlich gar nicht war, greift die Liebste meine Hand und drückt feste zu.
Und schon steht er vor uns: ein 2m großer menschlicher Schrank, übersät mit teilweise undefinierbaren Hautzeichnungen, speckiger Lederweste, Nieten, Springerstiefeln und einem vernarbten Gesicht, das den Charme von mindestens 30 Jahren Bandenkrieg ausstrahlt.
Wahrscheinlich will er jetzt gleich wissen, was wir über ihn geredet haben; und noch bevor ich mir eine gute Antwort überlegen kann, legt er auch schon los: "Hat einer von euch mal Feuer für mich?", fragt er und schaut uns erwartungsvoll an, ohne eine Miene zu verziehen.]

“Schatz, ähm, gib ihm doch mal Feuer…”
“Ähm, Moment, ich hatte da doch…”

[Ich krame aus meiner Jackentasche eine Schachtel Streichhölzer, die ich ein paar Tage zuvor zusammen mit der Rechnung in einer Bar erhalten habe. Was für ein Glück, denke ich mir, gebe die Schachtel an den Zuhälter und sage ihm, dass er sie ruhig behalten könne.
Da tritt die Liebste einen Schritt nach vorne...]

“Entschuldigung, Sie wissen doch bestimmt, wo hier was los ist?”

[Mit entgleisten Gesichtszügen wende ich meinen Kopf der Liebsten zu und frage mich, ob sie noch ganz bei Trost ist...
Doch noch bevor ich meine Hände um ihren Hals legen und feste zudrücken kann, antwortet der böse Lude schon:]

    “Tut mir leid, ich komme aus Wien und habe auch keine Ahnung.”
    “Wisst ihr denn was?”

“Nee, ist doch aber auch noch viel zu früh jetzt!”

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Diesen kenne ich eben

12. August 2009, aus der Schublade Wohnen und Leben

Meine Liebste und ich sitzen am Dienstagabend nach einem anstrengenden Arbeitstag im Wohnzimmer auf unserem Sofa und beschließen, heute einfach gar nichts mehr zu tun.
Was liegt da näher, als einen Blick in die bunte Fernsehzeitung zu werfen, die ich schon in der Hand habe.

“Und, Schatz? Heute der gleiche Schmu wie immer?”
“Ähm, nein Süße; heute hast du mal Glück.”

“Ich??”
“Ja, es kommt nämlich mal wieder was für dich.”

“Für mich? Und was?”
“Auf Sat1, Das Zimmermädchen und der Millionär.”

“Kenne ich.”
“Was? Was hast du gesagt??”

“Den Film kenne ich schon.”
“Wie bitte?? Das gibt´s doch gar nicht!”

“Wieso, was ist denn??”
“Du kannst dich doch sonst NIE an einen Film erinnern!”

“Richtig, aber diesen kenne ich eben.”
“Du kannst dir normalerweise weder Titel noch Inhalte merken!”

“Das stimmt auch, aber beim Zimmermädchen weiß ich es halt.”
“Aha… Naja, hier steht, dass der 2004 schon mal kam…”

“Aha, siehste! Brauchen wir also nicht gucken.”
“Liebste, das sind 5 Jahre! NIEMALS erinnerst du dich daran!”

“Doch! Das ist der Film, wo sie sich in einen Millionär verliebt.”
“Und weiter??”

“Wieso weiter?? Das reicht doch wohl?”
“Schatz, es ist klar, dass dir das reicht, aber…”

“Was soll das denn jetzt heißen??”
“Ach, nur so…”

“…und sie wird da verwechselt, weil sie andere Sachen an hat.”
“Wer jetzt! Das Zimmermädchen??”

“Ja, die hat aus Versehen andere Sachen an und er denkt…”
“Aber, Moment… Hier steht, ER hätte andere Sachen an!?”

“Er??”
“Er. Er sei eine Aushilfskraft in dem Hotel, steht hier.”

“Das kann ja nicht stimmen.”
“Ach so?? Ich dachte, du kennst diesen Film!?”

“Kenne ich ja auch! Mädchen verkleidet sich, er fällt drauf rein.”
“Nee, nee! ER verkleidet sich, und SIE fällt drauf rein!”

“Quatsch!”
“Steht hier doch! Die Aschenputtel-Story zum Dahin schmelzen!”

“Zweimal gucken ist doof, da weiß man ja schon, was passiert.”
“Schatz! In JEDER deiner Lieblingsschnulzen weiß man das!”

“In MEINEN Schnulzen??”
“Ist immer gleich: zwei, die nicht zueinander passen, verlieben sich.”

“Das stimmt ja gar nicht!”
“Ja sicher! Es ist immer die gleiche Geschichte! Arztroman eben.”

“Ich interessiere mich nicht für Arztromane.”
“Aber du guckst doch jeden dieser Schnulzenfilme auf Sat1??”

“Manchmal, und diesen habe ich eben zufällig schon gesehen.”
“Das glaube ich nicht.”

“Ich weiß doch aber noch genau, wie sich Jennifer da umzieht.”
“Wer ist Jennifer?? In dem Film heißt das Zimmermädchen Sophie??”

“Jennifer Lopez meine ich.”
“Was hat die denn jetzt damit zu tun??”

“Die spielt da vielleicht die Hauptrolle??”
“Hier steht aber, ähm… Lisa Martinek!?”

“Nicht Jennifer Lopez??”
“Nein.”

“Worauf wartest du denn jetzt eigentlich?”
“Wer! Ich??”

“Mach an, das muss ich sehen!”

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Strg-Alt-Entf

10. August 2009, aus der Schublade Schlafen und Dösen

Meine Liebste und ich liegen am späten Sonntagabend bereits seit mehr als einer halben Stunde im Bett. Zuvor hatten wir beide festgestellt, todmüde zu sein.
Daher verweile ich auch schon eine ganze Weile im Reich der Träume.

“Schatz??”
“Mhhmhmm…”

“Schaatz?”
“Süße, was ist denn…”

“Ich kann nicht einschlafen.”
“Aha…”

“Schatz?”
“…wieso kannst du denn nicht einschlafen…”

“Weiß ich nicht, dabei war ich eben so müde.”
“Mhmhmhhmm…”

“Kannst du denn schlafen?”
“Bisher ja, also bis jetzt, meine ich…”

“Aber du bist doch noch wach?”
“Bis eben habe ich geschlafen…”

“Warum kann ich denn nicht einschlafen?”
“Weiß ich nicht, warum weckst du mich denn??”

“Ich wusste ja nicht, dass du schon schläfst.”
“Hättest du das nicht vorher testen können?”

“Wie testet man das denn??”
“Naja, beispielsweise ganz leise was fragen?”

“Was denn??”
“Was weiß ich denn?? Ob ich schon schlafe, oder so??”

“Ich dachte, dass du noch nicht schläfst.”
“Tat ich aber.”

“Oh…”
“Also schön, und warum kannst du nun nicht schlafen?”

“Ich kann meinen Kopf irgendwie nicht ausschalten…”
“Dann drück doch mal Strg-Alt-Entf…”

“Was soll ich drücken??”
“Kopf neustarten, sollte ein Witz werden…”

“Verstehe ich nicht, was ist denn daran lustig??”
“Nichts, vergiss es.”

“Jetzt muss ich darüber auch noch nachdenken!”
“Nein, lass. Denk einfach an gar nichts.”

“Man kann aber nicht an gar nichts denken.”
“Dann zähl Schäfchen oder so.”

“Das fand ich schon immer bescheuert.”
“Dann lies noch eine halbe Stunde dein neues Buch.”

“Nee.”
“Und warum nicht?”

“Weil das total klasse und sehr spannend ist.”
“Wie schrecklich…”

“Davon schlafe ich bestimmt nicht ein!”
“Dann kannst du ja vielleicht…”

“…kannst du mir nicht einfach noch was erzählen?”
“Ich??”

“Eine Geschichte, oder so?”
“Was denn für eine Geschichte??”

“Vielleicht die Geschichte von deinem tollen Abenteuerurlaub.”
“Du meinst, wo ich damals allein zwei Wochen in Istanbul war??”

“Ja.”
“Die Sache mit dem zahnlosen Türken und dem Bus nach Salzburg??”

“Ja, das.”
“Aber die Geschichte hast du doch schon mehrmals gehört??”

“Eben. Da kann man super bei einschlafen.”

Kopfschüttel…

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Also das war so:

6. August 2009, aus der Schublade Wohnen und Leben

Meine Liebste sitzt am Abend auf unserem Sofa im Wohnzimmer, als ich nach Hause komme. Sie liest eine ihrer Klatsch-Zeitungen, hat dabei die Füße hoch gelegt und ein Glas Apfelschorle steht vor ihr griffbereit auf dem Tisch.
Alles in allem: sieht sehr gemütlich aus!

“Hallo Schätzchen!”
“Hallo Süße, na? Du lässt es dir aber gut gehen, was?”

“Ja, habe ich aber heute auch verdient.”
“Na schön. Dann mach mal. Darf ich die Tagesschau gucken?”

“Natürlich, warum nicht?”
“Ich dachte, das stört dich vielleicht?”

“Nö. Musst ja nicht so laut machen, dann geht das.”
“Danke.”

[Ich setze mich auf das andere Sofa, greife zur Fernbedienung und drücke die Taste Eins.
Die Tagesschau will ich unbedingt sehen, es soll wohl Neuigkeiten zu den Dienstwagenaffären unserer Bundesminister und zu den nicht verschrotteten Prämien-Altautos geben.
Es gibt nur ein Problem: der Fernseher zeigt lediglich ein hellblaues Bild; ein Zeichen, dass kein Empfang möglich ist...]

“Na, machst du heute BLAU?? Haha!!”
“Ja, sehr witzig, Schatz! Wieso kommt denn da nichts??”

“Ach, weil…”
“Danke, sprich bitte nicht weiter, ja!?”

[Mist. Ich schalte um auf ZDF, RTL, Kabel, VOX... Überall Blau. Was ich auch mache, kein Sender lässt sich empfangen. Was ist denn da los?? Das gab es ja schon ewig nicht mehr!?]

“Du Schatz, ich weiß, warum da nichts kommt.”
“Aha. Und warum nicht? Hast du schon wieder was kaputt gemacht??”

“Wieso ich denn?? Ich habe damit gar nichts zu tun!”
“Hätte ja sein können… Also warum nun?”

“Das liegt an Tina.”
“Tina?? Unsere, also ich meine, DEINE Tina??”

“Ja. Sie ist heute in ihre neue Wohnung umgezogen.”
“Das freut mich für Tina, aber…”

“Sie hat ein Umzugsunternehmen gehabt, war also alles easy.”
“Schön; und was…”

“Aber dann war sie doch total fertig und hat mich angerufen.”
“Von was war sie denn fertig?? Möbelpacker rumkommandieren??”

“Nein, wegen dem alten Leben und dem neuen und…”
“Ähm…”

“…und sitzt jetzt allein auf 50 Kisten und heult und…”
“…nicht einmal ihr Ex hat sich blicken lassen und…”
“…weil, die ist dann runtergefallen und kaputt gegangen und…”
“…wollte Sekt trinken, aber keiner da, um mit ihr anzustoßen…”

[Die Liebste erzählt und erzählt und erzählt wie ein Wasserfall, der es eilig hat. Ihren Ausführungen nach muss das einer der schlimmsten Tage im Leben von Tina sein, wobei man(n) allerdings wissen muss, dass Tina auch schon vielen Leuten aus ihrer Umgebung gruselige Tage beschert hat...
Ich spüre ein ganz klein wenig Ungeduld in mir hochsteigen und die Zahlen 20:16 auf der kleinen Uhr in der Ecke zwingen mich schließlich dazu, einzuschreiten.]

“…und dann hat sie noch ihre Lieblingsjeans bekleckert und…”
“Schatz, Schatz! Wenn ich dich mal kurz unterbrechen dürfte…”

“Ja?”
“Das ist ja alles ganz fürchterlich traurig, aber…”

“Aber??”
“Was hat das alles denn nun mit dem Fernseher zu tun??”

“Sagte ich das nicht??”
“Nein!”

“Haha, und ich dachte, ich hätte das schon längst gesagt, haha!”
“Ähm, das ist wirklich SEHR LUSTIG, Liebste, aber…”

“Also Tina ist ja in der neuen Wohnung, wie gesagt.”
“Ja, und alles ist ganz schrecklich, das hast du auch gesagt.”

“Du hast mir ja doch zugehört??”
“Schatz, WAS IST MIT DEM FERNSEHER!?”

“Ja, also das war so:”
“Bitte, die Kurzfassung, geht das??”

“Ja doch!”
“Also bitte…”

“Tina wollte dann Anna und die Liebe gucken.”
“Schön, und?”

“Und das ging nicht, weil der Fernseher nicht ging.”
“Bei Tina auch nicht??”

“Nee. Und das war dann wohl zu viel für sie.”
“Weil sie diese öde Telenovela nicht gucken konnte??”

“Naja, weil eben nichts funktionierte und so.”
“Liebste, würdest du jetzt BITTE zur Sache kommen, ja??”

“Sie hat sich eben total auf Anna und die Liebe gefreut.”
“Und??”

“So wie du auf die Tagesschau.”
“WOMIT WIR BEIM WESENTLICHEN THEMA ANGELANGT WÄREN!!”

“Dann hat sie mich angerufen und ich habe das behoben.”
“Was! Das mit dem kaputten Fernseher??”

“Ja. Und jetzt freut sie sich. Gut, was?”
“Und, ähm… WIE hast du das gemacht, bitte??”

“War eigentlich ganz einfach.”
“Aha, und??”

“Ich brauchte ihr nur unser Antennenkabel leihen!”

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Tauschgeschäft

3. August 2009, aus der Schublade Essen und Trinken

Meine Liebste und ich sind am Samstagabend bei Freunden auf eine große Geburtstags-Grillparty eingeladen.
Das Fest findet teils draußen, teils drinnen statt und wir finden noch zwei Plätze an einem Partytisch, nachdem wir uns am großen Buffet zwei Teller mit Leckereien zusammengestellt haben.

“Lass es dir schmecken Schatz!”
“Du auch, Süße. Guten Appetit!”

[Meine Liebste schiebt sich eine Gabel voller Salat in den Mund, kaut zwei-, dreimal, wird dann deutlich langsamer und schaut mich mit großen und leicht entsetzt dreinblickenden Augen fragend an.]

“Schatz…”
“Was ist??”

“Das mag ich nicht…”
“Was ist denn das überhaupt, was du da kaust?”

“Das scheint wohl Kuskus-Salat zu sein…”
“Ja und??”

“Kuskus mit Kümmel oder so… Das mag ich nicht…”
“Aha. Kuskus mit Kümmel?? Dann tu ihn weg.”

“Wegtun? Wohin denn?”
“Geh in die Küche und schmeiß ihn in den Mülleimer.”

“Auf keinen Fall, in der Küche sitzen tausend Leute!”
“Na und??”

“Das mache ich nicht, wie sieht denn das aus!?”
“Na schön, dann wirf den Salat da hinten ins Gebüsch.”

“Schatz!”
“Was denn?? Wenn du das alles nicht willst, dann iss ihn!”

“Kannst du den nicht weiteressen?”
“Ich??”

“Was hast du denn da überhaupt auf deinem Teller?”
“Nudelsalat.”

“Und wie ist der?”
“Sehr gut.”

“Können wir die Teller tauschen?”
“Och Schatz! Nee!”

“Bitte, bitte, bitte!”
“Dann muss ich das blöde Kuskus-Zeug ja essen!”

“Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte!”
“Himmel! AUSNAHMSWEISE, also gib her…”

[Wir tauschen unauffällig die Teller und das Unheil geht weiter...]

“Schmeckt besch…, ähm, schmeckt mies, oder??”
“Ja…”

“Danke, dass du das für mich machst, mein Schatz.”
“Ja ja, schön…”

[Nachdem ich das Kümmel-Kuskus hinuntergewürgt habe und mich anschließend frage, warum ich nicht selbst in die Küche zum Mülleimer gegangen bin, ist die Liebste schon wieder in Startposition für die nächste Runde am Buffet.
OK, also schnell das Kuskus vergessen und auf ein Neues!]

“So, jetzt habe ich Bauernsalat, der wird ja wohl schmecken.”
“Ja… Ich habe dann NOCH EINMAL Nudelsalat genommen…”

“Der Nudelsalat ist echt lecker!”
“Ja, dann guten Appetit dieses Mal…”

[Meine Liebste führt die gefüllte Gabel zum Mund, kaut ein paar Bissen und wendet mit hochgezogenen Augenbrauen und Kälbchenaugen ihren Kopf langsam in meine Richtung...]

“Ähm…”
“Liebste, du willst doch wohl nicht sagen, dass…”

“Doch… Das mag ich auch nicht…”
“Aber du magst doch Bauernsalat, oder nicht??”

“Ja, aber nicht diesen hier…”
“Vergiss es.”

“Was soll ich vergessen?”
“Ich nehme NICHT deinen Teller!”

“Aber…”
“NEIN!”

“Aber Schatz, ich…”
“Nee, nix Schatz!”

“Darf ich einen Happen von deinem Nudelsalat haben?”
“Was??”

“Och bitte!”

[Die Liebste schiebt ihre Gabel in den Berg leckeren Nudelsalat auf meinem Teller und bedient sich fleißig. Dabei setzt sie ein Strahlen und Lächeln auf ihr Gesicht, das jede Salzsäule zum Schmelzen bringen könnte...]

“Du kannst auch hier von mir was nehmen?”
“Nee, danke.”

“Och bitte, hier! Nimm doch mal was von dem Bauernsalat.”
“Nein, geh weg damit!”

“Probier doch mal!”

[Die Liebste nimmt ihre Gabel, belädt sie mit ihrem verschmähten Bauernsalat und schiebt sie mir in den Mund. Ich muss zugeben, dass auch ich mir unter einem Bauernsalat etwas anderes vorgestellt hatte...]

“Schmeckt nicht, oder?”
“Ähm, da stimme ich dir größtenteils zu, ja…”

“Der Nudelsalat ist aber echt spitze!”
“Deswegen habe ich ihn auf MEINEM Teller…”

“Darf ich noch mal eben schnell, nur ein bisschen?”

[Es lohnt nicht, den gesamten weiteren Verlauf aufzuschreiben; denn jeder weiß, wie es nun weitergeht. Während die Liebste meinen Teller leer futtert (ohne diese zu tauschen), muss ich nach und nach den Bauernsalat auslöffeln. Das geht dann so über Kreuz; was man manchmal für einen Blödsinn macht...
Allerdings habe wohl nur ich dieses Gefühl, die Liebste hingegen findet das anscheinend ganz normal.]

“So, jetzt haben wir die Teller wieder leer.”
“Endlich…”

“Danke mein Schatz, dass du den Bauernsalat gegessen hast.”
“Gern geschehen trifft es jetzt nicht so ganz…”

“Willst du noch was?”
“Vielleicht.”

“Vielleicht?? Wovon hängt das ab?”
“Ob ich dann auch essen darf, was ich auf dem Teller habe!!”

“Darfst du doch?”
“Da bin ich mir nicht mehr so sicher…”

“Weißt du was? Ich tue dir jetzt als Dankeschön einen Gefallen!”
“Aha, und was schwebt dir da so vor?”

“Ich bin satt, aber ich hole dir jetzt gerne noch einen Teller.”
“Hm…”

“Mit allem drauf, was du haben willst!”
“Und du bist wirklich satt?”

“Ja.”
“Dann könnte ich das tatsächlich wagen…”

“Was möchtest du denn haben?”
“Nudelsalat.”

“Nudelsalat??”
“Nudelsalat.”

“Aber den hattest du doch jetzt schon zweimal!?”

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Sehr nett!

31. August 2009, aus der Schublade Die besonderen Dinge

Meine Liebste und ich landen am Samstagmittag nach einem Einkaufsbummel in Bremen in dem kleinen Bistro und Café “September” in der Innenstadt.
Wir sind ein bisschen hungrig und wollen eine Kleinigkeit essen.
Nachdem die Liebste gefühlte 2 Stunden die Speisekarte sowie das Mittagstisch-Angebot studiert hat, können wir nun endlich bestellen.

“Schatz, Ich glaube, ich habe jetzt was gefunden.”
“Das wurde ja wohl auch mal Zeit, Süße!”

“Jajaja… Gnocchi in Gorgonzolasauce mit Spinat nehme ich.”
“Gut, alles klar. Dann kann ich ja endlich bestellen.”

[Die junge Kellnerin kommt kurze Zeit später erneut an unseren Tisch; sie ist schon dreimal da gewesen, um unsere Bestellung aufzunehmen, musste dann aber wieder gehen, weil sich die Liebste noch nicht für ein Gericht entscheiden konnte.
Die Kellnerin ist mir sehr sympathisch: immerhin hat sie mir einen beiläufigen mitleidsvollen Blick zugeworfen, als sie uns vor langer Zeit die Getränke gebracht hat. DIE Frau versteht mich, und das ganz wortlos!
Dummerweise hat auch die Liebste diesen Blick mitbekommen...]

“Die ist nett, die Kellnerin, oder?”
“Joah, schon…”

“Etwas ZU nett, würde ich sagen.”
“Zu nett? Wie kann man denn zu nett sein??”

“Zu dir zumindest!”
“Wieso, was ist denn??”

“Die hat dich doch voll angemacht, habe ich doch gesehen!”
“Quatsch! Die ist einfach nur nett.”

“Was du so unter nett verstehst…”
“So? Was verstehe ich denn unter nett, bitte??”

“Wenn du sagst, eine Frau sei nett, dann heißt das bei dir…”
“Ja? Was??”

“Nee, das sage ich nicht. Aber du weißt es ja.”
“Ich weiß gar nichts, was denn??”

“Jetzt tu doch nicht so!”
“Schatz, ich weiß wirklich nicht, was du meinst!?”

“Das ist eure komische Männersprache.”
“Wie bitte??”

“Ihr habt immer Geheimwörter für irgendwas.”
“Ich??”

“Ja.”
“Das gilt ja wohl eher für dich, nicht für mich!”

“ICH sage immer genau das, was ich auch denke.”
“Pah! Du bist doch die Königin aller Wortverdreher!”

“Bin ich nicht!”
“Bist du aber so was von!”

“Hast du mich schon mal sagen hören, der ist NETT??”
“Schon hundertmal!”

“Dann stimmt es ja dann auch.”
“Hä??”

“Wenn ich das gesagt habe, dann meinte ich auch nett.”
“Ach, und wenn ich das sage, dann heißt das was anderes??”

“Natürlich.”
“Und verrätst du mir jetzt noch, WAS das heißen soll??”

“Nett heißt bei dir soviel wie das Gegenteil von Sumpfhuhn.”
“Sumpfhuhn??”

“Sumpfhuhn ist eben nicht nett.”
“Schön, und was wäre nett??”

“Hab ich doch gerade erklärt!”
“Du hast überhaupt gar nichts erklärt!?”

“Weil du mir nicht richtig zuhörst!”
“Und ob! Ganz genau habe ich dir zugehört!”

“Du weißt genau, was ich meine, und stellst dich nur dumm!”
“DAS war jetzt aber wirklich nicht nett!”

“Nicht nett??”
“Nicht nett.”

“Du nennst MICH ein Sumpfhuhn??”
“Wer hat denn was von Sumpfhuhn gesagt??”

“Du gerade!”
“Ich sagte, das sei nicht nett gewesen!?”

“Eben! Und du weißt ja, was das bedeutet!”
“Ja, ich weiß was es bedeutet, aber nicht, was du daraus machst!”

“Ich kann eben auch zwischen den Zeilen lesen, ganz einfach.”
“Aha. Also damit ich das jetzt richtig verstehe:”

“Ja?”
“Wenn ich sage nett, dann denkst du, ich meine attraktiv, scharf…”

“Das trifft es zwar nicht richtig, aber so in der Richtung.”
“Und das nur, weil ich die Kellnerin nett genannt habe?”

“NUR ist gut!”
“Naja, weil ich eben gesagt habe, sie sei nett?”

“NETT gesagt und das Gegenteil von Sumpfhuhn gemeint.”
“Mach es jetzt nicht wieder so kompliziert, ja!?”

“Worauf willst du denn hinaus?”
“Also nur noch einmal für mich: nett heißt attraktiv?”

“Von mir aus…”
“Schön. Schatz, du bist echt die netteste Person, die ich kenne.”

“Du findest mich nett??”
“Sehr nett.”

“SEHR NETT??”
“Ja.”

“Nur nett??”
“Ähm…”

Blödmann!”

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Nichts!

27. August 2009, aus der Schublade Wohnen und Leben

Meine Liebste und ich sitzen am Abend gemeinsam in der Küche am Tisch und erzählen uns gegenseitig die News des Tages.
Alles in allem ist eigentlich nichts Aufregendes passiert, aber man findet ja doch immer wieder etwas, was man so berichten kann vom Arbeitsalltag.

“Also eigentlich nichts los gewesen heute bei mir…”
“Ja, sieht so aus, Süße.”

“Bei dir ja auch nicht.”
“Nee.”

“Aber bei dir passiert ja auch sowieso nie was auf der Arbeit.”
“Wie bitte??”

“Na, wann erzählst du denn schon mal was Aufregendes?”
“Also, ich, ähm…”

“Wenn du ÜBERHAUPT mal was erzählst, meine ich.”
“Was soll das denn jetzt heißen??”

“Wenn ich nicht drängeln würde, würdest du gar nichts sagen!”
“Das stimmt doch überhaupt gar nicht!”

“So?? Und was war letzte Woche??”
“Letzte Woche? Was war denn da?”

“Ja das frage ich dich?”
“Nichts war da, wieso??”

“Eben.”
“Was eben!?”

“Da war eben nichts, was du erzählt hättest.”
“Ähm…”

“…oder hättest erzählen können.”
“Aha, und was heißt das jetzt genau??”

“Dass du entweder nichts erlebt hast, oder…”
“Oder??”

“…oder dass du was erlebt hast, es mir aber nicht erzählst.”
“Warum sollte ich dir was nicht erzählen??”

“Also war deine letzte Woche total langweilig?”
“Nein.”

“Dann erzähl doch mal endlich!”
“Ich weiß aber nicht, was!?”

“Na was du alles erlebt hast!”
“Keine Ahnung, tja, was habe ich denn erlebt, also…”

“Siehst du, ich wusste es doch! Nix!”
“Doch, aber mir fällt jetzt gerade nichts ein!”

“Du hast doch eben gesagt, es sei NICHT langweilig gewesen?”
“Ja, aber…”

“…dann musst du sagen können, WAS NICHT langweilig war!”
“Das verstehe ich schon, danke für die Erklärung!”

“Gern geschehen, und??”
“Ich kann mich nicht erinnern…”

“Aber du bist dir sicher, dass es nicht langweilig war?”
“Ziemlich, ja.”

“Dann erzählst du es mir also absichtlich nicht!”
“Ich würde es ja erzählen, aber…”

“Ich erzähle dir immer alles, und du?!”
“Ich dir doch auch??”

“Nein!”
“Doch!”

“Neeein!”
“Doooch!”

“Dann erzähle ich dir ab jetzt auch nichts mehr!”
“Aber Schatz, ich…”

“Zum Beispiel erzähle ich nicht, was mit Simone los war!”
“Naja, das ist ja auch, also, ähm…”

“Und was deine Mutter gesagt hat, auch nicht.”
“Meine Mutter??”

“Ja, sie hat mich heute nämlich angerufen.”
“Moment, ich dachte, wir reden hier über Erlebnisse auf der Arbeit??”

“Das stimmt ja auch.”
“Was hat denn meine Mutter jetzt damit zu tun??”

“Wieso? Sie hat doch angerufen, als ich auf der Arbeit war.”
“Das ist doch aber wohl was anderes!?”

“Ist es nicht! Also willst du es nun wissen, oder nicht!?”
“Natürlich will ich es wissen!”

“Das sage ich dir aber nicht!”
“Schatz! Jetzt hör auf mit dem Schwachsinn!”

“OK, aber nur unter einer Bedingung.”
“Keine Bedingungen!”

“Dann sage ich es auch nicht.”
“LIEBSTE!!”

“Na schön, also gut. Dann wenigstens eine kleine Bitte.”
“Himmel! Also was denn…”

“Du musst mir erst sagen, wie dolle lieb du mich hast!”
“Ich hab dich lieb. So, und was hat meine Mutter nun gesagt??”

“Das war schon alles??”
“Lieb! Lieb! Mehr lieb! Am liebsten! Bums fallera und alles!!”

“Naja, wenigstens etwas…”
“WAS – HAT – MEINE – MUTTER – GESAGT??”

“Ach so! Das hätte ich fast vergessen, haha!”
“W-A-S!?”

“Sie hat dich nicht erreicht, du sollst sie mal anrufen.”
“Und weiter??”

“Och, sie wollte wohl nur von dir wissen, was es so Neues gibt.”
“Und da ruft sie dann dich an??”

“Warum nicht? Ich habe ihr alles erzählt.”
“Was hast du ihr denn erzählt, bitte??”

“Naja, alles eben, was du mir auch erzählt hast.”
“Und was habe ich dir erzählt??”

“Nichts!”

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Ein richtiges Schnäppchen

24. August 2009, aus der Schublade Freizeit und Reisen

Meine Liebste und ich besuchen am Sonntagnachmittag den Brokser Heiratsmarkt, ein Kirmes-artiges Volksfest in Bruchhausen-Vilsen.
Unter anderem kann man dort für einen Tag heiraten, deswegen heißt die Veranstaltung wohl auch so.
Nachdem wir einmal über das Gelände geschlendert sind und eine Bratwurst gegessen haben, setzen wir uns an einen Getränkestand und bestellen Cola.

“Eigentlich hätten wir ja Dienstag hier hinfahren müssen…”
“So? Warum denn das, Süße?”

“Dienstags ist immer die beliebte Junggesellenversteigerung.”
“Wie bitte??”

“Ja, da können Frauen ein paar Junggesellen ersteigern.”
“Ähm…”

“Da kann man richtige Schnäppchen machen!”
 Aha… Willst du damit andeuten, dass du Bedarf hast??”

“Für einen anderen Mann??”
“Naja, wenn du auf eine Junggesellenversteigerung willst??”

“Ich will doch keinen anderen Kerl, bist du verrückt!?”
“Aber du hast doch eben gesagt, dass du…”

“Ich habe mit dir schon genug zu tun, vielen Dank.”
“Das nehme ich jetzt einfach mal als missglücktes Kompliment…”

“Ich will doch keinen Typ ersteigern, der sonst keine ab kriegt!”
“Dann willst du also nur zuschauen, oder was?”

“Nee.”
“Sondern?”

“Ich dachte mir, dass ich DICH da irgendwie versteigern kann!”

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Es ist halb

20. August 2009, aus der Schublade Freizeit und Reisen

Meine Liebste und ich sind heute Abend bei Freunden zum Uno spielen eingeladen; ein Mau-Mau für Erwachsene. Das ist immer sehr lustig und schon seit Tagen freuen wir uns da drauf.
Um 20.00 Uhr sollen wir da sein und es ist schon 19.30 Uhr; aber die Liebste sitzt immer noch entspannt an ihrem Notebook…

“Schatz, wie spät ist es denn?”
“Es ist halb, Süße.”

“Halb?”
“Ja.”

“Sehr gut, dann habe ich ja noch Zeit.”
“Ähm… Schatz, es ist SCHON halb.”

“Na und?”
“Naja, willst du dich nicht noch umziehen?”

“Na klar, glaubst du, ich gehe so??”
“Naja, weiß ich ja nicht, also…”

“Und duschen will ich auch noch.”
“Wie bitte??”

“Wir fahren doch nur 10 Minuten höchstens, oder?”
“Ja schon, das ist richtig, aber das schaffst du doch niemals!?”

“Doch, doch, das schaffe ich; Haare wasche ich heute nicht.”
“Aha… Und ähm, du weißt, dass wir pünktlich sein sollen, ja?”

“Wieso eigentlich?”
“Was? Wieso wir pünktlich sein sollen??”

“Ja?”
“Sowas kann wirklich nur eine Frau fragen…”

“Wir wollen doch aber nur spielen, oder?”
“Naja, aber es soll ja auch was zu essen geben und…”

“Ach so, das ist auch gut, ich habe nämlich Hunger!”
“Wusstest du das nicht?”

“Nee, ich hätte mir gleich noch was zu essen gemacht.”
“Jetzt noch??”

“Wieso nicht?”
“Du willst noch duschen, dich umziehen und hättest noch gekocht??”

“Warum fragst du das denn so doof??”
“Weil du das nie im Leben pünktlich schaffst!”

“Quatsch!”
“Liebste, könntest du jetzt mal so langsam, also ich meine…”

“Schatz, ich weiß, dass du ungern zu spät kommst.”
“Und könntest du dich heute ausnahmsweise mal dran halten??”

“Jaaa doch, gleich. Jetzt drängel mich nicht so!”
“Ich sage es ja nur.”

“Ich rufe jetzt noch meine Schwester an und dann stehe ich auf.”
“Deine Schwester?? Oh Himmel, bitte nicht!!”

“Wieso nicht?”
“Weil ihr immer stundenlang quatscht und kein Ende findet!!”

“Ich hab doch aber noch Zeit?”
“Schatz, es ist HALB! In Buchstaben: H-A-L-B!”

“Ich bin ja nicht taub!”
“Ruf deine Schwester morgen an und komm jetzt endlich!”

“Ich verstehe echt nicht, warum du so einen Aufstand machst!?”
“Liebste, es ist schon nach halb acht und eigentlich müssen wir los!”

“Es ist schon nach halb acht?”
“Ja, das sagte ich doch schon mehrmals!?”

“Das kann aber nicht sein.”
“Was! Dass die Uhr eine annähernd richtige Zeit anzeigt??”

“Das kann nicht sein, das fühlt sich ganz anders an.”
“WAS fühlt sich anders an??”

“Ich habe das Gefühl, es ist erst halb sieben!”
“Schatz, demnach geht deine innere Uhr FALSCH!”

“OK, OK. Tschuldigung, ich dachte, es sei erst halb sieben.”
“Na schön, jetzt verstehe ich auch deine Gelassenheit.”

“Da ist mir die Zeit aber ganz schön davon gelaufen…”
“Kann ja passieren, so, und jetzt komm in den Quark, ja?”

“Jajaja, ich regel das schon, gib mir mal das Telefon rüber.”
“Willst du anrufen, dass wir uns verspäten?”

“Nee.”
“Sondern?”

“Ich rufe meine Schwester an, wieso??”

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Meine Liebste und ich schlendern an unserem freien Tag weiter über die Reeperbahn in Hamburg, nachdem wir größerem Ärger bislang erfolgreich aus dem Weg gehen konnten. Wenn man sich hier ein bissschen umschaut, gibt es schon einige interessante Dinge zu entdecken.
Das ändert aber trotzdem nichts daran, dass nachmittags hier einfach nichts los ist…

“Schatz, wir hätten hier abends mal hingehen sollen.”
“Können wir ja noch, Süße.”

“Was? Heute Abend??”
“Warum nicht? Wir haben doch nichts vor?”

“Hm…”
“Dann kannst du deine Liebesdamen sehen, Shows besuchen und so.”

“Ich gehe doch hier nirgendwo rein!?”
“Wieso denn nicht??”

“Das sind doch alles Läden für Männer!?”
“Nein. Da gehen auch Frauen rein.”

“So?? Woher weißt denn du das??”
“Ähm…”

“Warst du hier etwa schon öfter??”
“Naja, also öfter wäre zu viel gesagt, aber…”

“Du warst HIER in einem der Läden??”
“Öhm, ist schon lange her, aber ich war in so einer Live-Show.”

“Was für eine Show??”
“Na so eine, wo die auf der Bühne das volle Programm, also…”

“Tanzen oder was??”
“Ja, ähm… Horizontales Tanzen dann wohl eher…”

“Und dafür hast du Geld bezahlt??”
“Naja, ich war halt damals neugierig und…”

“Das wusste ich ja gar nicht, hast du nie erzählt!”
“Nein, aber das hatte keinen besonderen Grund.”

“Was für einen Grund denn??”
“Nein, eben KEINEN Grund. Habe ich halt einfach nicht erzählt.”

“Du machst doch nie was ohne Grund!”
“Was heißt das denn jetzt??”

“Warum hast du mir das denn nie erzählt?!”
“Nur so, keine Ahnung? Jetzt weißt du es ja.”

“Was hast du da in dem schmierigen Laden noch gemacht!”
“Erstens nichts und zweitens war das nicht schmierig!”

“Kannten wir uns da schon??”
“Nein; das ist bestimmt schon, ähm… Mehr als 10 Jahre her.”

“Gut. Ich will da auch rein.”
“Wie bitte??”

“Ich will da auch rein, wo du drin warst!”
“Warum??”

“Ich will mal sehen, worauf mein perverser Freund so steht.”
“Sag mal, du spinnst wohl!”

“Was denn??”
“Also wenn eine weiß, was MIR gefällt, dann doch wohl du!”

“Da kann man mal sehen, wie man sich täuschen kann.”
“Liebste, hör auf, so einen Blödsinn zu reden!”

“Also was nun, wo ist dieser Laden!?”

[Fünf Minuten später stehen wir auf der Amüsiermeile Große Freiheit vor dem Safari-Theater schräg gegenüber dem Dollhouse. Obwohl es schon eine Ewigkeit her ist, erinnern mich die leicht verblassten Fotos in einem der Schaukästen an die Show, die ich damals schon gesehen hatte. Tanz der Vampire, Biene Maja, Rocky Horror Picture Show, Phantom der Oper... Alles in einer sehr "besonderen" Art und Weise auf die Bühne gebracht.
Ich weiß noch, dass damals insbesondere meine Kindheitsprägung durch die Biene Maja eine Wandlung erfuhr, als Willi die Biene Maja auf offener Bühne von hinten... Naja.
Und genau diese Geschichte erzähle ich der Liebsten, damit sie sich ein Bild davon machen kann, was praktisch hinter dem Programm des Safari steckt.]

“Also Schatz, verstehe ich das jetzt richtig?”
“Was?”

“Du hast Geld bezahlt, um dir die Biene Maja anzuschauen??”
“Naja, schon irgendwie… Wobei das ja aber…”

“Sowas kann man nur mit Männern machen, wie dämlich!”
“Hallo?? Ich war neugierig und habs mir angesehen, fertig!”

“Perverser.”
“Spießerin!”

“Ich bin keine Spießerin!!”
“Gut! Dann gehen wir heute Abend um 21.00 Uhr hier rein!”

“Hier?? Moment, warte mal kurz…”

[Die Liebste kramt ihr Handy aus ihrer Handtasche hervor und wählt eine Nummer. Als eine Verbindung zustande kommt, geht sie ein paar Schritte von mir weg, um ungestört telefonieren zu können. Ich kann zwar nicht genau hören, mit wem und was sie spricht, aber ich bin mir sicher, dass es irgendwas mit unserer derzeitigen Situation zu tun haben muss.
Da die Liebste immer für eine Überraschung gut ist, bin ich mir noch unsicher, ob das jetzt gut oder schlecht ist...]

“So, alles klar.”
“Mit wem hast du denn jetzt gesprochen??”

“Mit Mark, der war schon oft auf der Reeperbahn.”
“Mark?? Wer ist denn Mark??”

“Ein Arbeitskollege von mir.”
“Und was hast du dem jetzt erzählt??”

“Dass du mich hier rein schleppen willst und ob das ratsam ist.”
“Das fragst du deinen Arbeitskollegen??”

“Warum nicht?”
“Das darf doch wohl nicht wahr sein!?”

“Wieso? Wir gehen doch in die Show, alles ist gut.”
“Was??”

“Wir gehen rein.”
“Aha… Damit hatte ich jetzt gar nicht gerechnet…”

“Kannst du mal sehen! Aber nicht hier.”
“Nicht hier? Was heißt das denn jetzt wieder??”

“Wir gehen in eine andere Show.”
“Wie bitte??”

“Gegenüber der Großen Freiheit ist noch eine andere.”
“Und die hat er dir empfohlen, oder was??”

“Ja, genau. Das sei ungefährlich für dich.”
“Für mich??”

“Ja. 20.30 Uhr geht´s los, bis dahin gehen wir ins Panoptikum.”
“Moment, Moment! WAS und WIESO ist das ungefährlich für mich!?”

“Das ist ein erotisches und kunstvolles Cabaret.”
“So?? Und was erwartet uns da?”

“Da gibt´s Shows, Striptease, Tanz… Einfach alles für Männer.”
“Aha…”

“Da kannst du dir gerne viel nacktes Fleisch anschauen.”
“Ähm…”

“Und wenn die da auch poppen sollten, mir soll es recht sein.”
“Wie bitte??”

“Die Frauen sollen alle richtig heiß sein. Das volle Programm!”
“Und ähm, wieso ist das dann ungefährlich für mich??”

“Weil im Pulverfass Cabaret alle Transvestiten sind.”
“Transvestiten?? Männer in Frauenkleidern??”

“Ja, und jetzt mach den Mund wieder zu und komm.”

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Wo verstecken sich die?

14. August 2009, aus der Schublade Die besonderen Dinge

Meine Liebste und ich haben mitten in der Woche gemeinsam einen Tag Urlaub. Kurzentschlossen fahren wir nach Hamburg, um dort einen abwechslungsreichen Tag zu genießen.
Wir beginnen mit Shopping in der Mönckebergstraße und landen später natürlich auch auf der Reeperbahn.

“Wo ist denn jetzt die Reeperbahn?”
“Ähm… Süße, wir stehen bereits drauf.”

“Was, hier??”
“Warst du hier etwa noch nie?”

“Nö. Irgendwie nicht.”
“Naja, aber man sieht doch, wo wir sind, ich meine…”

“Ich sehe nichts.”
“Was heißt denn, du siehst nichts?!”

“Naja, hier stehen ja gar keine Frauen rum.”
“Schatz, es ist 14 Uhr, ich meine…”

“Arbeiten die denn jetzt noch nicht?”
“Ähm, nein. Denke ich zumindest.”

“Doch, schau mal da!”
“Wo? Was?”

“Die da!”
“Liebste, das ist eine ganz normale Touristin.”

“Die sieht aber so aus!”
“So aus wie was?!”

“Wie eine, eine… Na so eine eben.”
“Wie eine Nutte, wolltest du sagen.”

“Sag dieses Wort nicht, das ist schrecklich!”
“Was soll ich denn sonst sagen??”

“Weiß ich nicht, Liebesdienerin oder so, aber nicht Nutte!”
“Na schön, also DAS ist sicher keine Liebesdienerin.”

“Woher weißt du das denn??”
“Weil sie einen Rucksack auf dem Rücken hat, deswegen!”

“Na und? Wer weiß, was die so alles dabei haben müssen.”
“Aber doch wohl nicht im Rucksack!”

“Aber sicher bist du dir auch nicht, oder!?”
“Doch, und jetzt lass uns weiter gehen!”

[Wir schlendern ab Millerntorplatz die Reeperbahn entlang Richtung Große Freiheit und schauen uns die bunten Shops und Kinos an.
Es ist absolut nichts los hier, was allerdings auch nicht weiter verwunderlich ist.
Während ich mir ab und zu mal die Spielzeugauslagen in den schmierigen Schaufenstern ansehe, beobachtet die Liebste mit Argusaugen jede Frau, die an uns vorbei kommt...]

“Und die da? Meinst du, die geht gerade zur Arbeit??”
“Nein.”

“Und die da hinten? Also die doch bestimmt!”
“Geh doch hin und frag sie.”

“Was soll ich denn fragen??”
“Ob sie eine Nu… Ähm, ob sie eine Liebesdame ist.”

“Nee, das traue ich mich nicht. Hinterher stimmt das nicht!”
“Was anzunehmen ist…”

“Ich will jetzt aber auch mal eine sehen!”
“Warum??”

“Wenn wir schon mal hier sind?!”
“Schatz, das hier ist die Reeperbahn und kein Zoo!”

“Frag doch mal jemanden.”
“Fragen? Was soll ich denn fragen?”

“Wo die sich alle verstecken.”
“Schatz, es ist einfach noch viel zu früh, die…”

“Frag doch mal den Typen da!”
“Wen! Den mit den 738 Tattoos?? Bin ich lebensmüde, oder was??”

“Warum nicht? Der sieht aus, als wüsste der das!”
“Ja klar, ich frage einen Zuhälter, wo seine Frauen sind!”

“Sage ich ja, der muss es wissen!”
“Der nimmt mir mein Portmonee ab und dich gleich mit!”

“Jetzt stell dich nicht so an.”
“Du spinnst wohl! MIR bedeutet mein Leben was!!”

“Oh, Schatz, Schatz, schau mal…”

[Der Typ mit den 738 Tattoos muss wohl gemerkt haben, dass wir über ihn sprechen; auf jeden Fall steuert er mit schnellen Schritten direkt auf uns zu!
Während mein Leben in Sekundenschnelle vor meinem geistigen Auge an mir vorbeirast und ich mir denke, dass es so schlecht eigentlich gar nicht war, greift die Liebste meine Hand und drückt feste zu.
Und schon steht er vor uns: ein 2m großer menschlicher Schrank, übersät mit teilweise undefinierbaren Hautzeichnungen, speckiger Lederweste, Nieten, Springerstiefeln und einem vernarbten Gesicht, das den Charme von mindestens 30 Jahren Bandenkrieg ausstrahlt.
Wahrscheinlich will er jetzt gleich wissen, was wir über ihn geredet haben; und noch bevor ich mir eine gute Antwort überlegen kann, legt er auch schon los: "Hat einer von euch mal Feuer für mich?", fragt er und schaut uns erwartungsvoll an, ohne eine Miene zu verziehen.]

“Schatz, ähm, gib ihm doch mal Feuer…”
“Ähm, Moment, ich hatte da doch…”

[Ich krame aus meiner Jackentasche eine Schachtel Streichhölzer, die ich ein paar Tage zuvor zusammen mit der Rechnung in einer Bar erhalten habe. Was für ein Glück, denke ich mir, gebe die Schachtel an den Zuhälter und sage ihm, dass er sie ruhig behalten könne.
Da tritt die Liebste einen Schritt nach vorne...]

“Entschuldigung, Sie wissen doch bestimmt, wo hier was los ist?”

[Mit entgleisten Gesichtszügen wende ich meinen Kopf der Liebsten zu und frage mich, ob sie noch ganz bei Trost ist...
Doch noch bevor ich meine Hände um ihren Hals legen und feste zudrücken kann, antwortet der böse Lude schon:]

    “Tut mir leid, ich komme aus Wien und habe auch keine Ahnung.”
    “Wisst ihr denn was?”

“Nee, ist doch aber auch noch viel zu früh jetzt!”

Kopfschüttel…

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Diesen kenne ich eben

12. August 2009, aus der Schublade Wohnen und Leben

Meine Liebste und ich sitzen am Dienstagabend nach einem anstrengenden Arbeitstag im Wohnzimmer auf unserem Sofa und beschließen, heute einfach gar nichts mehr zu tun.
Was liegt da näher, als einen Blick in die bunte Fernsehzeitung zu werfen, die ich schon in der Hand habe.

“Und, Schatz? Heute der gleiche Schmu wie immer?”
“Ähm, nein Süße; heute hast du mal Glück.”

“Ich??”
“Ja, es kommt nämlich mal wieder was für dich.”

“Für mich? Und was?”
“Auf Sat1, Das Zimmermädchen und der Millionär.”

“Kenne ich.”
“Was? Was hast du gesagt??”

“Den Film kenne ich schon.”
“Wie bitte?? Das gibt´s doch gar nicht!”

“Wieso, was ist denn??”
“Du kannst dich doch sonst NIE an einen Film erinnern!”

“Richtig, aber diesen kenne ich eben.”
“Du kannst dir normalerweise weder Titel noch Inhalte merken!”

“Das stimmt auch, aber beim Zimmermädchen weiß ich es halt.”
“Aha… Naja, hier steht, dass der 2004 schon mal kam…”

“Aha, siehste! Brauchen wir also nicht gucken.”
“Liebste, das sind 5 Jahre! NIEMALS erinnerst du dich daran!”

“Doch! Das ist der Film, wo sie sich in einen Millionär verliebt.”
“Und weiter??”

“Wieso weiter?? Das reicht doch wohl?”
“Schatz, es ist klar, dass dir das reicht, aber…”

“Was soll das denn jetzt heißen??”
“Ach, nur so…”

“…und sie wird da verwechselt, weil sie andere Sachen an hat.”
“Wer jetzt! Das Zimmermädchen??”

“Ja, die hat aus Versehen andere Sachen an und er denkt…”
“Aber, Moment… Hier steht, ER hätte andere Sachen an!?”

“Er??”
“Er. Er sei eine Aushilfskraft in dem Hotel, steht hier.”

“Das kann ja nicht stimmen.”
“Ach so?? Ich dachte, du kennst diesen Film!?”

“Kenne ich ja auch! Mädchen verkleidet sich, er fällt drauf rein.”
“Nee, nee! ER verkleidet sich, und SIE fällt drauf rein!”

“Quatsch!”
“Steht hier doch! Die Aschenputtel-Story zum Dahin schmelzen!”

“Zweimal gucken ist doof, da weiß man ja schon, was passiert.”
“Schatz! In JEDER deiner Lieblingsschnulzen weiß man das!”

“In MEINEN Schnulzen??”
“Ist immer gleich: zwei, die nicht zueinander passen, verlieben sich.”

“Das stimmt ja gar nicht!”
“Ja sicher! Es ist immer die gleiche Geschichte! Arztroman eben.”

“Ich interessiere mich nicht für Arztromane.”
“Aber du guckst doch jeden dieser Schnulzenfilme auf Sat1??”

“Manchmal, und diesen habe ich eben zufällig schon gesehen.”
“Das glaube ich nicht.”

“Ich weiß doch aber noch genau, wie sich Jennifer da umzieht.”
“Wer ist Jennifer?? In dem Film heißt das Zimmermädchen Sophie??”

“Jennifer Lopez meine ich.”
“Was hat die denn jetzt damit zu tun??”

“Die spielt da vielleicht die Hauptrolle??”
“Hier steht aber, ähm… Lisa Martinek!?”

“Nicht Jennifer Lopez??”
“Nein.”

“Worauf wartest du denn jetzt eigentlich?”
“Wer! Ich??”

“Mach an, das muss ich sehen!”

Kopfschüttel…

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Strg-Alt-Entf

10. August 2009, aus der Schublade Schlafen und Dösen

Meine Liebste und ich liegen am späten Sonntagabend bereits seit mehr als einer halben Stunde im Bett. Zuvor hatten wir beide festgestellt, todmüde zu sein.
Daher verweile ich auch schon eine ganze Weile im Reich der Träume.

“Schatz??”
“Mhhmhmm…”

“Schaatz?”
“Süße, was ist denn…”

“Ich kann nicht einschlafen.”
“Aha…”

“Schatz?”
“…wieso kannst du denn nicht einschlafen…”

“Weiß ich nicht, dabei war ich eben so müde.”
“Mhmhmhhmm…”

“Kannst du denn schlafen?”
“Bisher ja, also bis jetzt, meine ich…”

“Aber du bist doch noch wach?”
“Bis eben habe ich geschlafen…”

“Warum kann ich denn nicht einschlafen?”
“Weiß ich nicht, warum weckst du mich denn??”

“Ich wusste ja nicht, dass du schon schläfst.”
“Hättest du das nicht vorher testen können?”

“Wie testet man das denn??”
“Naja, beispielsweise ganz leise was fragen?”

“Was denn??”
“Was weiß ich denn?? Ob ich schon schlafe, oder so??”

“Ich dachte, dass du noch nicht schläfst.”
“Tat ich aber.”

“Oh…”
“Also schön, und warum kannst du nun nicht schlafen?”

“Ich kann meinen Kopf irgendwie nicht ausschalten…”
“Dann drück doch mal Strg-Alt-Entf…”

“Was soll ich drücken??”
“Kopf neustarten, sollte ein Witz werden…”

“Verstehe ich nicht, was ist denn daran lustig??”
“Nichts, vergiss es.”

“Jetzt muss ich darüber auch noch nachdenken!”
“Nein, lass. Denk einfach an gar nichts.”

“Man kann aber nicht an gar nichts denken.”
“Dann zähl Schäfchen oder so.”

“Das fand ich schon immer bescheuert.”
“Dann lies noch eine halbe Stunde dein neues Buch.”

“Nee.”
“Und warum nicht?”

“Weil das total klasse und sehr spannend ist.”
“Wie schrecklich…”

“Davon schlafe ich bestimmt nicht ein!”
“Dann kannst du ja vielleicht…”

“…kannst du mir nicht einfach noch was erzählen?”
“Ich??”

“Eine Geschichte, oder so?”
“Was denn für eine Geschichte??”

“Vielleicht die Geschichte von deinem tollen Abenteuerurlaub.”
“Du meinst, wo ich damals allein zwei Wochen in Istanbul war??”

“Ja.”
“Die Sache mit dem zahnlosen Türken und dem Bus nach Salzburg??”

“Ja, das.”
“Aber die Geschichte hast du doch schon mehrmals gehört??”

“Eben. Da kann man super bei einschlafen.”

Kopfschüttel…

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Also das war so:

6. August 2009, aus der Schublade Wohnen und Leben

Meine Liebste sitzt am Abend auf unserem Sofa im Wohnzimmer, als ich nach Hause komme. Sie liest eine ihrer Klatsch-Zeitungen, hat dabei die Füße hoch gelegt und ein Glas Apfelschorle steht vor ihr griffbereit auf dem Tisch.
Alles in allem: sieht sehr gemütlich aus!

“Hallo Schätzchen!”
“Hallo Süße, na? Du lässt es dir aber gut gehen, was?”

“Ja, habe ich aber heute auch verdient.”
“Na schön. Dann mach mal. Darf ich die Tagesschau gucken?”

“Natürlich, warum nicht?”
“Ich dachte, das stört dich vielleicht?”

“Nö. Musst ja nicht so laut machen, dann geht das.”
“Danke.”

[Ich setze mich auf das andere Sofa, greife zur Fernbedienung und drücke die Taste Eins.
Die Tagesschau will ich unbedingt sehen, es soll wohl Neuigkeiten zu den Dienstwagenaffären unserer Bundesminister und zu den nicht verschrotteten Prämien-Altautos geben.
Es gibt nur ein Problem: der Fernseher zeigt lediglich ein hellblaues Bild; ein Zeichen, dass kein Empfang möglich ist...]

“Na, machst du heute BLAU?? Haha!!”
“Ja, sehr witzig, Schatz! Wieso kommt denn da nichts??”

“Ach, weil…”
“Danke, sprich bitte nicht weiter, ja!?”

[Mist. Ich schalte um auf ZDF, RTL, Kabel, VOX... Überall Blau. Was ich auch mache, kein Sender lässt sich empfangen. Was ist denn da los?? Das gab es ja schon ewig nicht mehr!?]

“Du Schatz, ich weiß, warum da nichts kommt.”
“Aha. Und warum nicht? Hast du schon wieder was kaputt gemacht??”

“Wieso ich denn?? Ich habe damit gar nichts zu tun!”
“Hätte ja sein können… Also warum nun?”

“Das liegt an Tina.”
“Tina?? Unsere, also ich meine, DEINE Tina??”

“Ja. Sie ist heute in ihre neue Wohnung umgezogen.”
“Das freut mich für Tina, aber…”

“Sie hat ein Umzugsunternehmen gehabt, war also alles easy.”
“Schön; und was…”

“Aber dann war sie doch total fertig und hat mich angerufen.”
“Von was war sie denn fertig?? Möbelpacker rumkommandieren??”

“Nein, wegen dem alten Leben und dem neuen und…”
“Ähm…”

“…und sitzt jetzt allein auf 50 Kisten und heult und…”
“…nicht einmal ihr Ex hat sich blicken lassen und…”
“…weil, die ist dann runtergefallen und kaputt gegangen und…”
“…wollte Sekt trinken, aber keiner da, um mit ihr anzustoßen…”

[Die Liebste erzählt und erzählt und erzählt wie ein Wasserfall, der es eilig hat. Ihren Ausführungen nach muss das einer der schlimmsten Tage im Leben von Tina sein, wobei man(n) allerdings wissen muss, dass Tina auch schon vielen Leuten aus ihrer Umgebung gruselige Tage beschert hat...
Ich spüre ein ganz klein wenig Ungeduld in mir hochsteigen und die Zahlen 20:16 auf der kleinen Uhr in der Ecke zwingen mich schließlich dazu, einzuschreiten.]

“…und dann hat sie noch ihre Lieblingsjeans bekleckert und…”
“Schatz, Schatz! Wenn ich dich mal kurz unterbrechen dürfte…”

“Ja?”
“Das ist ja alles ganz fürchterlich traurig, aber…”

“Aber??”
“Was hat das alles denn nun mit dem Fernseher zu tun??”

“Sagte ich das nicht??”
“Nein!”

“Haha, und ich dachte, ich hätte das schon längst gesagt, haha!”
“Ähm, das ist wirklich SEHR LUSTIG, Liebste, aber…”

“Also Tina ist ja in der neuen Wohnung, wie gesagt.”
“Ja, und alles ist ganz schrecklich, das hast du auch gesagt.”

“Du hast mir ja doch zugehört??”
“Schatz, WAS IST MIT DEM FERNSEHER!?”

“Ja, also das war so:”
“Bitte, die Kurzfassung, geht das??”

“Ja doch!”
“Also bitte…”

“Tina wollte dann Anna und die Liebe gucken.”
“Schön, und?”

“Und das ging nicht, weil der Fernseher nicht ging.”
“Bei Tina auch nicht??”

“Nee. Und das war dann wohl zu viel für sie.”
“Weil sie diese öde Telenovela nicht gucken konnte??”

“Naja, weil eben nichts funktionierte und so.”
“Liebste, würdest du jetzt BITTE zur Sache kommen, ja??”

“Sie hat sich eben total auf Anna und die Liebe gefreut.”
“Und??”

“So wie du auf die Tagesschau.”
“WOMIT WIR BEIM WESENTLICHEN THEMA ANGELANGT WÄREN!!”

“Dann hat sie mich angerufen und ich habe das behoben.”
“Was! Das mit dem kaputten Fernseher??”

“Ja. Und jetzt freut sie sich. Gut, was?”
“Und, ähm… WIE hast du das gemacht, bitte??”

“War eigentlich ganz einfach.”
“Aha, und??”

“Ich brauchte ihr nur unser Antennenkabel leihen!”

Kopfschüttel…

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Tauschgeschäft

3. August 2009, aus der Schublade Essen und Trinken

Meine Liebste und ich sind am Samstagabend bei Freunden auf eine große Geburtstags-Grillparty eingeladen.
Das Fest findet teils draußen, teils drinnen statt und wir finden noch zwei Plätze an einem Partytisch, nachdem wir uns am großen Buffet zwei Teller mit Leckereien zusammengestellt haben.

“Lass es dir schmecken Schatz!”
“Du auch, Süße. Guten Appetit!”

[Meine Liebste schiebt sich eine Gabel voller Salat in den Mund, kaut zwei-, dreimal, wird dann deutlich langsamer und schaut mich mit großen und leicht entsetzt dreinblickenden Augen fragend an.]

“Schatz…”
“Was ist??”

“Das mag ich nicht…”
“Was ist denn das überhaupt, was du da kaust?”

“Das scheint wohl Kuskus-Salat zu sein…”
“Ja und??”

“Kuskus mit Kümmel oder so… Das mag ich nicht…”
“Aha. Kuskus mit Kümmel?? Dann tu ihn weg.”

“Wegtun? Wohin denn?”
“Geh in die Küche und schmeiß ihn in den Mülleimer.”

“Auf keinen Fall, in der Küche sitzen tausend Leute!”
“Na und??”

“Das mache ich nicht, wie sieht denn das aus!?”
“Na schön, dann wirf den Salat da hinten ins Gebüsch.”

“Schatz!”
“Was denn?? Wenn du das alles nicht willst, dann iss ihn!”

“Kannst du den nicht weiteressen?”
“Ich??”

“Was hast du denn da überhaupt auf deinem Teller?”
“Nudelsalat.”

“Und wie ist der?”
“Sehr gut.”

“Können wir die Teller tauschen?”
“Och Schatz! Nee!”

“Bitte, bitte, bitte!”
“Dann muss ich das blöde Kuskus-Zeug ja essen!”

“Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte!”
“Himmel! AUSNAHMSWEISE, also gib her…”

[Wir tauschen unauffällig die Teller und das Unheil geht weiter...]

“Schmeckt besch…, ähm, schmeckt mies, oder??”
“Ja…”

“Danke, dass du das für mich machst, mein Schatz.”
“Ja ja, schön…”

[Nachdem ich das Kümmel-Kuskus hinuntergewürgt habe und mich anschließend frage, warum ich nicht selbst in die Küche zum Mülleimer gegangen bin, ist die Liebste schon wieder in Startposition für die nächste Runde am Buffet.
OK, also schnell das Kuskus vergessen und auf ein Neues!]

“So, jetzt habe ich Bauernsalat, der wird ja wohl schmecken.”
“Ja… Ich habe dann NOCH EINMAL Nudelsalat genommen…”

“Der Nudelsalat ist echt lecker!”
“Ja, dann guten Appetit dieses Mal…”

[Meine Liebste führt die gefüllte Gabel zum Mund, kaut ein paar Bissen und wendet mit hochgezogenen Augenbrauen und Kälbchenaugen ihren Kopf langsam in meine Richtung...]

“Ähm…”
“Liebste, du willst doch wohl nicht sagen, dass…”

“Doch… Das mag ich auch nicht…”
“Aber du magst doch Bauernsalat, oder nicht??”

“Ja, aber nicht diesen hier…”
“Vergiss es.”

“Was soll ich vergessen?”
“Ich nehme NICHT deinen Teller!”

“Aber…”
“NEIN!”

“Aber Schatz, ich…”
“Nee, nix Schatz!”

“Darf ich einen Happen von deinem Nudelsalat haben?”
“Was??”

“Och bitte!”

[Die Liebste schiebt ihre Gabel in den Berg leckeren Nudelsalat auf meinem Teller und bedient sich fleißig. Dabei setzt sie ein Strahlen und Lächeln auf ihr Gesicht, das jede Salzsäule zum Schmelzen bringen könnte...]

“Du kannst auch hier von mir was nehmen?”
“Nee, danke.”

“Och bitte, hier! Nimm doch mal was von dem Bauernsalat.”
“Nein, geh weg damit!”

“Probier doch mal!”

[Die Liebste nimmt ihre Gabel, belädt sie mit ihrem verschmähten Bauernsalat und schiebt sie mir in den Mund. Ich muss zugeben, dass auch ich mir unter einem Bauernsalat etwas anderes vorgestellt hatte...]

“Schmeckt nicht, oder?”
“Ähm, da stimme ich dir größtenteils zu, ja…”

“Der Nudelsalat ist aber echt spitze!”
“Deswegen habe ich ihn auf MEINEM Teller…”

“Darf ich noch mal eben schnell, nur ein bisschen?”

[Es lohnt nicht, den gesamten weiteren Verlauf aufzuschreiben; denn jeder weiß, wie es nun weitergeht. Während die Liebste meinen Teller leer futtert (ohne diese zu tauschen), muss ich nach und nach den Bauernsalat auslöffeln. Das geht dann so über Kreuz; was man manchmal für einen Blödsinn macht...
Allerdings habe wohl nur ich dieses Gefühl, die Liebste hingegen findet das anscheinend ganz normal.]

“So, jetzt haben wir die Teller wieder leer.”
“Endlich…”

“Danke mein Schatz, dass du den Bauernsalat gegessen hast.”
“Gern geschehen trifft es jetzt nicht so ganz…”

“Willst du noch was?”
“Vielleicht.”

“Vielleicht?? Wovon hängt das ab?”
“Ob ich dann auch essen darf, was ich auf dem Teller habe!!”

“Darfst du doch?”
“Da bin ich mir nicht mehr so sicher…”

“Weißt du was? Ich tue dir jetzt als Dankeschön einen Gefallen!”
“Aha, und was schwebt dir da so vor?”

“Ich bin satt, aber ich hole dir jetzt gerne noch einen Teller.”
“Hm…”

“Mit allem drauf, was du haben willst!”
“Und du bist wirklich satt?”

“Ja.”
“Dann könnte ich das tatsächlich wagen…”

“Was möchtest du denn haben?”
“Nudelsalat.”

“Nudelsalat??”
“Nudelsalat.”

“Aber den hattest du doch jetzt schon zweimal!?”

Kopfschüttel…

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