Meine Liebste sitzt an ihrem Schreibtisch am Computer, als ich am Abend nach Hause komme. Sie ist voll konzentriert und klebt sozusagen mit ihrer Nase am Bildschirm.
Ich setze mich auf den Stuhl neben ihr und schaue mir meine Liebste eine Zeit lang an…

„Hallo Schatz, du, ich muss hier echt noch arbeiten.“
„Das sehe ich, Süße.“

„Fein.“
„Was machst du denn da genau?“

„Ach, nur den Rest für heute, sonst nichts.“
„Na gut…“

[Ich kann nicht genau sehen, was sie da macht, aber auf dem Monitor sind tausend Tabellen, Zahlen und Felder zu erkennen. Es wird sich wohl um ein Programm ihrer Firma handeln, vielleicht das CRM oder ein Finanzsystem oder so.
Ich weiß, dass Verwaltungskram und Zahlen nicht gerade zu den Lieblingsbeschäftigungen meiner Liebsten gehören…]

„Du Schatz, ich muss mich hier wirklich konzentrieren jetzt.“
„Jaja, ich will dich ja auch gar nicht stören.“

„Und warum beobachtest du mich dann??“
„Ich sitze doch nur hier??“

„Ja, aber du starrst mich an!“
„Möchtest du, dass ich gehe?“

„Nein, aber du sollst mich nicht beobachten.“
„Ich interessiere mich doch nur dafür, was du so machst?“

„Dann kann ich mich aber nicht konzentrieren!“
„Ist ja schon gut, ich gehe ins Wohnzimmer rüber.“

„Nee, bleib mal lieber hier.“
„Aber du hast doch eben gesagt, dass ich…“

„Ich habe NICHT gesagt, dass du gehen sollst!“
„Sondern??“

„Du sollst mich nur nicht so angucken.“
„Wo soll ich denn hingucken??“

„Keine Ahnung, irgendwo anders hin eben.“
„Aha…“

„Setz dich doch einfach vor deinen eigenen Computer?“
„Nee, ich habe den ganzen Tag schon vorm Bildschirm gesessen.“

„Oder lies die Zeitung da, die magst du doch?“
„Diese c’t habe ich schon gelesen.“

„Dann mach halt irgendwas!“
„Ich werde jetzt in die Küche gehen.“

„Nein, bleib bitte hier!“
„Aber Schatz, ich denke, du musst dich konzentrieren??“

„Muss ich ja auch.“
„Dann kann ich doch auch gehen, oder nicht??“

„Nein, ich glaube, ich brauche dich gleich.“
„Wofür??“

„Ich muss doch was drucken.“
„Dann druck doch!“

„Das funktioniert aber nicht!“
„Was funktioniert nicht!? Der Drucker??“

„Worauf soll man den sonst drucken?? Natürlich der Drucker!“
„Oh, Entschuldigung vielmals!“

„Ich muss unbedingt die Reisekostenabrechnung drucken.“
„Und?“

„Ich habe schon 20-mal Drucken geklickt, aber kommt nichts.“
„Dann lass mich mal eben nachschauen…“

„NEIN!“
„Nicht??“

„Nein, ich will es ja selber hinkriegen!“
„Aha… Und wie lange probierst du das schon??“

„Och… So ne halbe Stunde?“
„Lass mich doch nachsehen, das kann ja nur eine Kleinigkeit sein!“

„Nee, sag mir lieber, was ich machen muss.“
„Ist der Drucker an? Kabel dran?“

„Ja.“
„Eingeschaltet?“

„Natürlich.“
„Und es kam keine Fehlermeldung am Bildschirm?“

„Nein.“
„Ist denn der richtige Drucker eingestellt?“

„Wieso, haben wir mehrere??“
„Nein, aber es könnte ja sein, dass…“

„Also solche Tipps kann ich mir auch selber geben!“
„Ich meine doch nur, ob…“

„Wenn du mich schon unterbrichst, dann aber bitte sinnvoll!“
„ICH unterbreche dich??“

„Ich war ja voll damit beschäftigt, das habe ich doch gesagt!“
„Ich will dir doch aber nur helfen!?“

„Dann mach, dass das doofe Ding druckt!“
„Heiße ich Bibi Blocksberg, oder was??“

„Ich wüsste nicht, dass Bibi Blockberg je was gedruckt hätte.“
„Ach wirklich?? Ich meinte eher, dass ich nicht zaubern kann.“

„Soll das heißen, dass du mir nicht helfen kannst hier?“
„Jedenfalls nicht, indem ich hier nur rumsitze!“

„Eene meene Kartoffelbrei, flux den Drucker herbei! Hex hex!“
„Was wird das jetzt??“

„Du hast doch mit Bibi Blocksberg angefangen!?“
„Boah, ich muss echt mehr Lebertran trinken…“

„Druckt immer noch nicht…“
„DAS nennst du also konzentriertes Arbeiten??“

„Ich glaube, du musst mir doch helfen…“
„Oh! Ich?? Ich darf?? Diese Ehre, mein Gott…“

„Los, dann mach mal.“

[Die Liebste steht von ihrem Stuhl auf und bietet mir diesen mit einer eindeutigen Handgeste zum Platz nehmen an. Obwohl ich ihr in diesem Moment mal wieder den Hals umdrehen könnte, setze ich mich mit leicht verzogenen Mundwinkeln vor ihren Computer und die Liebste stellt sich dicht hinter mich.
Ich klicke auf den Menüpunkt Einstellungen und dann auf Druckerauswahl in dem merkwürdig anmutenden Programm.]

„Hex hex!“
„Schatz, was soll das??“

„Ich dachte, das hilft vielleicht…“
„Das tut es NICHT!“

„Mach da bloß nichts kaputt!“
„Gib mir mal einen Augenblick, ja??“

„Aber nichts verstellen!“
„Hallo?? Ohne was ändern geht es ja wohl nicht!?“

„Und du weißt, was du da tust??“
„Ich denke schon. Ich habe ja noch gar nichts gemacht.“

[In dem Menü entdecke ich ein gutes Dutzend Druckereinträge. Natürlich frage ich mich, woran das wohl liegt, denn an dem Rechner hängt wirklich nur ein einziger Drucker.
Bei genauerem Hinsehen wird mit klar, dass das alles Netzwerkdrucker sind; die Liebste scheint via Internet und VPN noch mit ihrem Firmennetzwerk verbunden zu sein.]

„Und??“
„Sag mal, wie oft hast du schon auf Drucken geklickt?“

„Weiß nicht mehr, so 20-, 30-mal? Wieso?“
„Weil der Drucker wahrscheinlich schon funktioniert hat.“

„Da ist aber nichts rausgekommen??“
„Du hast ja auch auf einen anderen Drucker gedruckt.“

„Auf einen anderen??“
„Kennst du einen Drucker mit dem Namen JJAV06_MH?“

„Ähm… Das ist das Kürzel von meiner Chefin??“
„Dann hat sie jetzt zirka eine Tonne Papier in ihrem Drucker liegen.“

„Heißt das, ich habe von hier aus auf IHREN Drucker gedruckt??“
„Sieht so aus…“

„Das geht??“
„Das geht. Weil du die Verbindung zur Firma nicht getrennt hast.“

„Oh… Das kann sein…“
„Ist ja nicht so schlimm.“

„Doch.“
„Warum? Ist doch nur Papier?“

„Die Reisekostenabrechnung ist nicht das Problem, aber…“
„Aber??“

„Ich hatte das gleiche Problem eben mit einem PDF…“
„PDF?? Was hast du denn da gedruckt??“

„Die Bedienungsanleitung vom Drucker…“

Kopfschüttel…