Meine Liebste und ich treffen uns am Samstagnachmittag zuhause, nachdem die Liebste mit ihrer Freundin Nicole den ganzen Tag über in der Stadt zum Shoppen war.
Ich musste/wollte/durfte nicht mit, insofern ein denkwürdiger Tag, der im Kalender vermerkt werden sollte…

„Hallo Schatz! Ich bin wieder da!“
„Hallo Süße! Habt ihr einen schönen Tag gehabt?“

„Ja. War super.“
„Aha.“

„Ist schon was anderes, mit einer Frau shoppen zu gehen…“
„Das kann ich mir bildhaft vorstellen.“

„Und was hast du so gemacht in der Zwischenzeit?“
„Ähm, also ich habe hier ein bisschen…“

„Das ist schön, Schatz.“
„Ja, so viel also dazu…“

„Willst du sehen, was ich alles mitgebracht habe?“
„Ähm…“

„OK, warte, ich packe eben schnell aus.“
„Habe ich eine Wahl?“

„Nein.“
„Tja…“

[Ich setze mich also auf unser Sofa, während die Liebste mit ihren 27 Tüten im Schlafzimmer verschwindet.
Nach gefühlten 2 Stunden kommt sie neu bekleidet zurück und stellt sich in den Türrahmen, damit ich auch alles gut sehen kann.]

„Und? Was meinst du?“
„Der Rock ist toll, so einen hast du doch gesucht, oder?“

„Ja! Und jetzt habe ich endlich so einen!“
„Fein.“

„Und was noch?“
„Ähm… Die Bluse?“

„Ja, die Bluse.“
„Die ist auch gut.“

„Gut??“
„Sehr gut, sehr schön, passt gut zum Rock.“

„Habe ich auch extra dafür gekauft.“
„Ja. Und die Schuhe sind auch klasse.“

„Welche Schuhe??“
„Ähm, die Schuhe, die du da an hast?“

„Die sind doch gar nicht neu!?“
„Ach so?“

„Die habe ich doch schon ewig!“
„Habe ich aber noch nie gesehen?“

„Ich habe sie ja auch noch nie an gehabt.“
„Ähm…“

„Aber zu dem Rock passen die jetzt endlich!“

[Meine Liebste dreht sich auf dem Absatz um und verschwindet erneut im Schlafzimmer, um das Outfit zu wechseln.
Dann kommt sie wieder und alles geht von vorne los, und zwar insgesamt dreimal.
Während ich mich frage, wie diese Frau vorher ohne diese ganzen Sachen überhaupt leben konnte, zieht die Liebste aus einer kleinen Tüte einen zirka tassengroßen Gegenstand, der in Geschenkpapier verpackt ist.]

„Hier, für dich habe ich auch was mitgebracht.“
„Für mich??“

„Ja, möchtest du es haben? Da ist ganz viel Liebe drin!“
„Was ist da drin?? Liebe??“

„Mach es doch auf!“

[Die Liebste gibt mir das Geschenk und ich prüfe anhand des Gewichtes und der Form zunächst, was da wohl drin sein könnte. Es fühlt sich leicht und weich an; ohne feste Konturen.]

„Und? Noch kannst du raten, was da drin ist!“
„Hm… Ein paar Socken??“

„Socken! Ich schenke dir doch keine Socken!!“
„Da bin ich aber erleichtert; vielleicht eine, ähm… Unterhose?“

„Unterhosen schenke ich dir auch nicht mehr, darf ich ja nicht.“
„Richtig, darfst du nicht.“

„Obwohl ich das gar nicht verstehen kann.“
„Was verstehst du denn daran nicht??“

„Ich könnte dir doch mal wieder einen schicken Slip schenken??“
„Du meinst, so wie den letzten, den du mir gekauft hast??“

„Kann ich doch nicht wissen, dass du keine Strings magst!“
„Männer tragen nun mal keine String-Unterhosen!“

„Manche schon.“
„Ja, aber die bekommen auch viel Geld dafür.“

Blödmann, ich fand die gut!“
„Schön, und was ist hier jetzt drin??“

„Mach auf!“

[Ich öffne vorsichtig die drei Klebestreifen, die das Geschenkpapier zusammen halten. Und zum Vorschein kommt… ]

„Ist der nicht süüüß??“
„Ähm… Das ist ja ein…“

„Ein Schutzengel, genau.“
„Schutzengel?? Für mich sieht es eher aus wie ein Bärchen…“

„Ja, aber das ist ein Schutzengel, ein Schutzbärchen sozusagen.“
„Danke, aber… Was soll ich damit??“

„Ich dachte, dass du dir den ins Auto hängst.“
„Ins Auto??“

„Ja, da ist eine große Schlaufe dran, siehst du?“
„Und DEN soll ich mir jetzt ins Auto hängen??“

„Klar, ich meine, so wie du fährst, brauchst du den!“
„Bei aller Liebe, aber ich hänge mir NICHT so ein Ding an den Spiegel!“

„Warum nicht? Das machen viele?“
„Viele ja, ich: NEIN!“

„Jetzt sei doch nicht so!“
„Liebste, ich hänge mir doch nicht so ein Gedöns ins Auto!“

„Och bitte, das ist in diesem Fall GANZ wichtig!!“
„Wieso gerade in diesem Fall?“

„Weil ich den gleichen habe, hier! Das bringt Glück!“

[Die Liebste zieht aus ihrer Handtasche ein weiteres Bärchen, identisch mit dem, welches ich gerade in der Hand halte.]

„Das Glück funktioniert nur, wenn wir das beide machen!“
„Heißt das, dass du dir das Ding auch in dein Auto hängen willst??“

„Ja!“
„NEIN!“

„Och bitte!“
„Himmel!“

„Ich dachte, du findest das romantisch…“
„Es ist ja auch nett gemeint, aber…“

„Du bist so doof, nie freust du dich über was, was ich mache!“
„Ich freue mich ja, aber…“

„Ich mache das doch nur, weil ich dich so lieb habe.“
„Ähm, also…“

„Alles, was ich mir ausdenke, ist immer verkehrt.“
„Also so kann man das nun auch nicht…“

„Ich kann dir ja schließlich keine Blumen mitbringen, oder??“
„Es tut mir ja leid, aber…“

„Na schön, dann gib her.“
„Und dann? Was dann?“

„Dann schenke ich die Bärchen eben Tanja.“
„Tanja?? Und was soll die dann damit??“

„Die kann den einen dann ja ihrem Freund schenken.“
„Aha…“

„Vielleicht will der das Bärchen ja für sein Auto haben.“
„Tja, also ich befürchte, das wird ähnlich schwierig werden…“

„Ähnlich schwierig wie bei Nicole?“
„Wieso Nicole? Was hat die denn jetzt damit zu tun??“

„Na von Nicole habe ich die Bärchen ja gekriegt!“

Kopfschüttel…