Meine Liebste ist am Wochenende zwei Tage allein zuhause gewesen; ich war zur Abwechslung mal solo unterwegs und habe mich mit alten Freunden getroffen.
„Dann kann ich endlich mal in Ruhe machen, wozu ich sonst nicht komme“, hat sie gesagt.
Und wohl auch getan…

„Hallo Schatz, na, habt ihr Spaß gehabt?“
„Ja, Süße. Ich soll dich von allen schön grüßen.“

„Danke.“
„Und? Was hast du so gemacht hier?“

„Och, nicht viel.“
„So?“

„Ach doch, ich habe mich auf nächste Woche vorbereitet.“
„Nächste Woche? Wieso? Was ist denn nächste Woche?“

„Da ist Altkleidersammlung.“
„Wie bitte??“

„Altkleidersammlung! Wo man die alten Sachen in die Säcke…“
„Ich weiß, was eine Altkleidersammlung ist!“

„Warum fragst du denn dann??“
„Ich frage nicht, ich wundere mich!“

„Worüber?“
„Dass DU das Wort Altkleidersammlung überhaupt kennst.“

„Was soll das denn heißen!?“
„Du hast noch NIE was aussortiert!“

„Das stimmt ja gar nicht!“
„Zumindest kann ICH mich nicht daran erinnern.“

„Ich habe sogar schon einen ganzen Sack voll gemacht.“
„Mit Klamotten?“

„Jawohl! Und das sind alles Sachen, die man gut abgeben kann.“
„Aha… Hätte ich nicht gedacht, dass du…“

„Ich hatte ja Zeit am Wochenende.“
„Ja… Und wo hast du den Sack hingestellt?“

„Der steht im Arbeitszimmer, wieso?“
„Ach, ich wollte ihn nur mal sehen.“

„Sehen?? Das ist ein weißer Plastiksack mit roten…“
„Jaja, ich weiß, wie ein Altkleidersack aussieht.“

„Und was gibt es da dann jetzt zu sehen?“
„Ich muss mich davon überzeugen, dass ich das nicht träume…“

„Du bist so doof!“
„Ich sehe schon die Schlagzeilen in der Zeitung morgen…“

„Jaja, mach du dich ruhig über mich lustig!“

[Ich gehe in unser Arbeitszimmer und tatsächlich: da steht ein Altkleidersack, der etwa dreiviertel gefüllt ist. Ich bin wirklich erstaunt!
Die Liebste hat noch nie etwas aussortiert, geschweige denn weggeworfen, sofern es sich nicht um ein verschlissenes oder stark beschädigtes Kleidungsstück gehandelt hat.
Da sie den Sack noch nicht zugebunden hat, werfe ich einen Blick hinein, um mich restlos von diesem Wunder zu überzeugen.]

„Und?“
„Ist das hier eine Jeans??“

„Ja. Die ist uralt, aber wohl noch zu gebrauchen.“
„Du trennst dich von einer Jeans??“

„Warum nicht?“
„Klar, warum nicht… Was ist das denn hier??“

„Das ist ein T-Shirt.“
„Hm, das kommt mir irgendwie so bekannt vor…“

„Das sollte es auch.“
„Ähm, sag mal, ist das nicht eigentlich meins??“

„Ja, aber das hast du doch 10 Jahre nicht mehr an gehabt?“
„Kann sein, aber wieso ist das da jetzt drin??“

„Willst du das alte Ding etwa behalten??“
„Nein, aber… Und das hier?? Das ist ja MEIN alter Pullover!“

„Stimmt. Der ist alt und hässlich.“
„Das ist aber doch mein Malerpullover!“

„Du malst ja gar nicht!“
„Nein, ich meine, so für Renovierungen und so!“

„Echt?“
„Ja, echt! Wieso sind hier auch Sachen von mir drin??“

„Da sind NUR Sachen von dir drin.“
„Was??“

„Meinen Schrank mache ich dann vielleicht beim nächsten Mal.“

Kopfschüttel…