Meine Liebste und ich haben am Wochenende Besuch; gemeinsam mit guten Freunden sitzen wir in unserem Wohnzimmer, trinken Wein und futtern Snacks.
Alles in allem: es ist Schwung in der Bude!

„Schatz, wieso trinkst du eigentlich nur Weißwein?“
„Tja, ich weiß auch nicht… Heute mag ich den lieber, Süße.“

„Möchtest du meinen Rotwein hier mal probieren?“
„Nein, lass mal, danke.“

„Na schön, dann lass uns anstoßen!“
„So? Auf was denn??“

„Hm… Darauf, dass Nina und Jörg da sind!“
„Salute! Auf Nina und Jörg!“

[Wir alle erheben unsere Gläser über die Mitte des Tisches und stoßen gemeinsam an; das allerdings so heftig, dass der Liebsten ihr Glas etwas verrutscht und sich ein ordentlicher Teil des guten italienischen Rotweins wenig später auf ihrer weißen (!) Hose wiederfindet!]

„Oh nein, oh nein!! Schatz!“
„Das ist jetzt Pech, würde ich sagen…“

„Meine Hose!! Was mache ich denn jetzt?!“
„Ähm… Soll da nicht Weißwein helfen?“

„Genau! Weißwein auf Rotwein! Genau! Gib dein Glas!“
„Wie bitte?? Mein Glas?“

„Gib her!“

[Noch bevor ich Herr der Lage werden kann, reißt mir die Liebste mein Weißwein-Glas aus der Hand, das noch gut zur Hälfte gefüllt ist, und gießt es sich mit einem einzigen Schwung über ihre Hose!
Nina und Jörg sitzen wie angewurzelt und mit offenem Mund auf dem Sofa und vergessen darüber offensichtlich auch, ihre Gläser wieder zu senken. Ich meine, ich bin ja schon so Einiges gewöhnt, aber jetzt weiß ich auch nicht so richtig, was ich nun sagen soll…]

„Und jetzt??“
„Ähm, Schatz, sag mal…“

„Das hilft nicht!“
„Du hast dir jetzt nicht gerade ein Glas Weißwein über…“

„Aber das ist doch das Geheimrezept, oder nicht??“
„Schon, aber…“

„Der Rotwein-Fleck ist aber noch da! Hier!“
„Das ist er, ja…“

„Und jetzt?? Weißwein hilft ja gar nicht!“
„Aber Schatz, man benutzt den Weißwein doch nur, um…“

„Du hast gesagt, ich soll Weißwein nehmen!“
„Aber doch nicht so!“

„Wie sehe ich denn jetzt aus, guck dir das mal an!“
„Stimmt, bleib so, ich hole nur schnell meine Kamera!“

„Quatsch! Gib mir bitte mal die Serviette.“
„Welche Serviette??“

„Na die da!“
„Schatz! Da liegen doch die ganzen Süßigkeiten drauf!“

„Zieh einfach schnell weg, dann bleibt alles auf dem Teller!“
„Was?? Sind wir hier bei David Copperfield, oder was??“

„Alles muss man selber machen!“

[Meine Liebste greift das Ende der Serviette, die auf dem Süßigkeitenteller liegt und mit M&Ms, Keksen und Lakritze beladen ist. Mit einem raschen Schwung reißt die Liebste die Serviette vom Teller! Erstaunlich! Weniger erstaunlich ist allerdings das sicher jedermann bekannte Geräusch von M&Ms, die über den Parkettboden hüpfen und allesamt – zusammen mit der Lakritze und den Keksen – im Wohnzimmer weit verstreut zum Liegen kommen.
Immerhin haben Nina und Jörg schon mal ihre Gläser wieder leicht gesenkt; zu Wortäußerungen sind sie aber noch nicht wieder fähig…]

„Mist, im Fernsehen klappt das doch immer!“
„Sag mal, was machst du denn da, spinnst du jetzt völlig??“

„Ich wollte die Serviette!“
„Die hast du ja jetzt!“

„Aber die ist ja voller Zucker!“
„Ach tatsächlich?? Komisch!“

„Oh, oh, oh, oh!!!“
„Was ist denn jetzt schon wieder!“

„Mir läuft der Wein in den Schuh!“
„WAS??“

„Am Bein runter, am Bein runter!“
„Ich breche zusammen…“

[Meine Liebste zieht ihren rechten Schuh aus und hüpft nun auf einem Bein im Wohnzimmer herum… Leicht überfordert mit den aktuellen Ereignissen geht mir dieser alte Werbespot für eine Haftpflicht-Versicherung durch den Kopf, wo im Kaufhaus ein Fußball die Rolltreppe herunter springt und durch die Verkettung unglücklicher Zufälle das halbe Einkaufszentrum in Schutt und Asche legt… Währenddessen neigt sich Jörg bereits hilfsbereit in Richtung Boden, um ein paar M&Ms aufzusammeln, allerdings ohne die Liebste dabei auch nur einen Moment lang aus den Augen zu lassen.]

„Mann, ist das ein Mist! Schadet Wein meinem Nagellack??“
„Schatz, wie wäre es, wenn du dich einfach mal kurz hinsetzt…“

„Ich habe aber auch ein Pech!“
„Und wir erst…“

„Was soll das heißen!“
„Och…“

„Ich ziehe mich jetzt erst mal aus!“
„Wie bitte??“

„Na die Hose!“

[Während die Liebste bereits ihren Hosenknopf geöffnet hat, richtet sich Jörg wieder auf und vergisst angesichts der Entwicklung wohl die M&Ms; was ich ihm nicht wirklich übel nehmen kann. Nina scheint gerade etwas sagen zu wollen, kommt aber nicht weit…]

„Die Hose kommt sofort in die Waschmaschine.“
„Lass die Hose an!!“

„Wieso? Ich habe mich ganz nass gemacht!“
„Geh vielleicht erst einmal ins Schlafzimmer, oder??“

„Ach so, ja…“
„Himmel…!“

[Meine Liebste macht den Knopf ihrer Hose wieder zu und hüpft auf einem Bein durch die Wohnzimmertür in den Flur. Ein paar M&Ms, die sich auf den Weg der Liebsten verirrt hatten, lassen dabei leider zerplatzend ihr Leben. Aus der Ferne hört man die Liebste noch…]

„Schatz?“
„Ähm… Ja?“

„Frag mal Nina und Jörg, ob sie noch was trinken wollen!“
„Mache ich, Liebste, mache ich…“

„Mann, habe ich ein Glück gehabt!
„Ähm… Wieso jetzt Glück??“

„Na stell dir vor, ich hätte mir meine Bluse bekleckert!“

Kopfschüttel…