So eine hat nicht jeder (photocase.de © kunstfisch)Meine Liebste und ich machen am Sonntag einen kleinen Spaziergang. Wir scheinen genau die Viertelstunde erwischt zu haben, in der es mal nicht regnet. Wir wollen aber auch nur einmal kurz Luft schnappen.
Ich bleibe kurz stehen.

„Schatz? Was machst du da?“
„Ich glaube, meine Uhr ist stehen geblieben, Süße.“

„Deine tolle High-tech Superduper Rennfahrer-Uhr??“
„Meine Uhr. Ja.“

„Ich dachte, die kann nicht kaputt gehen?“
„Sie ist ja auch nicht kaputt.“

„Und wieso geht sie dann nicht mehr?“
„Da ist mir wohl aus Versehen das Stellrad rausgesprungen…“

„Na, dann ist ja gut.“
„Sag mal grade, wie spät es ist.“

„Ähm… So ungefähr viertel nach Vier.“
„Geht das vielleicht auch etwas genauer??“

„Also, ähm… Es müsste so kurz nach…“
„Was ist? Kannst du deine eigene Uhr nicht lesen??“

„Doch, aber das hier ist eigentlich nicht meine Uhr.“
„Aha. Und wem gehört die dann?“

„Naja, sie gehört schon mir.“
„Aber?“

„Aber ich benutze sie nicht als Uhr.“
„Zeig mal her!“

[Die Liebste nimmt ihre Uhr vom linken Arm ab und drückt sie mir in die Hand. Es handelt sich eigentlich eher um einen 3cm breiten und 2cm dicken schwarzen Armreifen, der nicht geschlossen ist und sich zum Anlegen leicht dehnen lässt.
Oben drauf ist so eine Art weißes Mini-Fischauge mit einer kleinen Glaskuppel drauf. Schaut man genau hin, entdeckt man in der Mitte eine Miniatur-Zeigeranzeige, die trotz des Lupeneffektes des Fischauges nicht genau abzulesen ist.
Einfach nur zwei Zeigerchen, keine Zahlen oder Striche…]

„Und? Wie spät ist es?“
„Tja… Kann ich nicht sagen. Was ist denn das für eine Uhr!“

„Ich finde die total schön.“
„Ja, aber man kann doch die Zeit gar nicht ablesen!“

„Na und?“
„Aber dafür trägt man doch eine Uhr, oder nicht?“

„Also ich finde meine Uhr klasse, so eine hat nicht jeder.“
„Kein Wunder, man kann ja auch die Zeit nicht ablesen!“

„Dafür brauche ich sie ja auch gar nicht.“
„Sondern??“

„Ich finde, die steht mir.“
„Sowas kann man auch wirklich nur Frauen verkaufen!“

„Wieso!“
„Kein Mann würde sich so eine Uhr an den Arm machen!“

„Ich mir deine Untertasse auch nicht!“
„Untertasse??“

„Viel zu groß.“
„Quatsch!“

„Deine Uhr hat mehr Zeiger als mein ganzes Auto!“
„Und bei deiner Uhr merkt man erst gar nicht, wenn sie stehen bleibt!“

„Habe ich dir die ungefähre Zeit gesagt oder nicht??“
„Schon, aber ungefähr reicht mir doch jetzt nicht!“

„Warum?“
„Man stellt doch eine Uhr nicht ungefähr!“

„Ich schon, das geht bei der hier auch gar nicht anders.“
„Aber… Das heißt also, du weißt nie genau, wie spät es ist?“

„Wieso?“
„Kein Wunder, dass du ständig zu spät kommst!“

„Natürlich weiß ich immer genau, wie spät es ist!“
„Mit der Uhr da?? Niemals!“

„Trotzdem.“
„Aha! Und warum kannst du es dann ausgerechnet jetzt nicht sagen??“

„Weil ich mein Handy zuhause gelassen habe.“

Kopfschüttel…