Ich bin doch ganz nett (photocase.de © evali)Meine Liebste und ich sitzen am Abend im Wohnzimmer und schauen „Wer wird Millionär“. Natürlich wissen wir immer jede richtige Antwort schon längst, bevor es der Kandidat weiß. Wobei sich unser Wissen leider doch des häufigeren als grob fahrlässige Vermutung herausstellt…

„Wir sollten da auch mal mitmachen, Schatz.“
„Naja, also ich weiß ja nicht, Süße…“

„Wieso?? Wir sind doch immer ganz gut, oder?“
„Und warum willst du dann nie mit mir Trivial Pursuit spielen?“

„Das ist doch wohl etwas ganz anderes!“
„Wieso? Was ist denn da anders? Da geht´s auch um Allgemeinwissen.“

„Da verliere ich aber dauernd. Nee!“
„Das ist die völlig falsche Einstellung, so kann das ja auch nicht klappen!“

„Eben! Bei Günther Jauch würde ich mich viel wohler fühlen.“
„Du?? Du würdest vor Nervosität vom Stuhl fallen!“

„Und wenn der mir hilft bei den schwierigen Sachen?“
„Und warum sollte er?“

„Weil der das immer macht, wenn er die Leute da mag.“
„Ach! Und dich mag er dann? Das weißt du jetzt schon?“

„Natürlich! Ich bin doch ganz nett, oder?“
„Ja…“

„Ja nicht??“
„Doch, Schatz. Du bist sehr nett. Er wird dich mögen.“

„Nein, jetzt sag doch mal, ob der mich wohl mag?“
„Ich denke schon, doch.“

„Ich meine, warum sollte er denn nicht?“
„Ähm…“

„Jetzt sag doch mal!“
„Tja, also, mir fällt da nichts ein, warum er dich nicht…“

„Das ist ja wieder typisch! Danke! Blödmann!“
„Blödmann?? Wieso denn Blödmann??“

„Das ist genau dasselbe wie mit meinen Hosen.“
„Was??“

„Wenn ich dich frage, ob etwas an mir gut aussieht, sagst du immer ja!“
„Also, ich…“

„Das kann ja gar nicht sein! Und das seit Jahren!“
„Aber wenn es doch aber immer gut aussieht?“

„Unmöglich! Du bist mir da überhaupt gar keine Hilfe!“
„Neulich habe ich doch aber auch mal Nein gesagt, oder?“

„Ja, aber da ging es ja um den Gürtel.“
„Habe ich Nein gesagt oder nicht!?“

„Das war was anderes, weil du das wieder nicht verstanden hast!“
„Mir gefiel das nicht, ich hab´s gesagt und dann war es wieder verkehrt!“

„Solche Gürtel trägt man eben schief, das ist so!“
„Und mir gefiel das nicht!“

„Na schön, dann hast du eben einmal was gesagt.“
„Dann nenn mich auch nicht Blödmann!“

„Bist du aber!“
„Warum denn bitte??“

„Weil du nicht sagst, was der Jauch an mir nicht mögen könnte!“
„Deine ewige Plapperei vielleicht!“

„Wieso? Rede ich dir zu viel??“
„Nein, aber dem Herrn Jauch vielleicht.“

„Was soll ich denn weglassen?“
„DAS WEISS ICH DOCH JETZT NICHT!“

„Ja dann hilft es mir ja auch nicht!“
„Bewirb dich doch, und dann sehen wir weiter.“

„Ach! Und erst dann sagst du mir, was dir an mir nicht passt??“
„Wir reden doch hier von Günther Jauch, nicht von mir!“

„Also den könnten Sachen stören, die dich nicht stören?“
„Vielleicht?“

„Zum Beispiel?“
„Ich brech zusammen…“

„Zum Beispiel?“
„Beispielsweise, dass du immer alles in Frage stellst!“

„Das ist doch aber Sinn und Zweck von Wer wird Millionär!“
„Naja, stimmt… Vielleicht kein gutes Beispiel, zugegeben…“

„Ich stelle also alles in Frage, ja??“
„Manches.“

„Und das passt dir nicht?“
„Doch, schon, aber…“

„Du hättest also lieber ein kleines Dummchen ohne Hirn?“
„Schatz! Das ist doch überhaupt gar nicht…“

„Ich gehe zu Günther Jauch!“
„Aber Schatz, ich meinte doch nur, dass…“

„Und das lasse ich mir von dir nicht vermiesen!“
„Schatz!“

„Auch wenn du immer was an mir rumzumeckern hast…“
„Aber ich…“

„…der Jauch wird mich mögen! Blödmann!“

Kopfschüttel…