Zwanzig Minuten, Liebste (photocase.de © onesecondupndown)Meine Liebste muss aufstehen; ihr Wecker klingelt nun schon zum vierten mal.
Es ist ziemlich genau 7.21 Uhr und damit nähern wir uns dem Klingelzeitpunkt meines Weckers: 7.30 Uhr. Das ist für gewöhnlich eine sehr angenehme Zeit, finde ich…

„Ich will nicht aufstehen!“
„Du musst aber, Süße.“

„Aber ich will nicht!“
„Steh jetzt auf und lass mich noch zwei Minuten, ja?“

„Wieso zwei Minuten?“
„Dann muss ich auch aufstehen.“

„In genau zwei Minuten?“
„So ungefähr, und jetzt lass mich!“

„Ich bleibe auch noch eine klitzekleine Minute liegen.“
„Schön.“

[Meine Liebste schmeißt sich noch einmal unter ihre Bettdecke und zieht diese bis zur Nasenspitze hoch. Da unter der Decke der Liebsten meistens – für gewöhnliche Menschen – lebensbedrohliche Temperaturen so um die 50-60 Grad herrschen, kann ich schon verstehen, dass sie morgens immer friert, wenn sie sich aus dem Bett schält…]

„Schatz?“
„Ja, Liebste?“

„Was machst du da?“
„Ich stehe auf, was sonst.“

„Wie! Jetzt??“
„Schatz, es ist kurz vor halb, ich muss aufstehen.“

„Aber das geht nicht!“
„Und warum nicht??“

„Ich muss ins Bad!“
„Aber du liegst doch noch da!“

„Nee, ich muss ins Bad jetzt!“
„Ach! Und ich?“

„Wie lange brauchst du denn?“
„Zwanzig Minuten?“

„Das geht nicht!“
„Also hör mal, du wolltest um sieben Uhr aufstehen!“

„Ja, aber das habe ich doch nicht geschafft.“
„Aber ich muss jetzt auch ins Bad!“

„Wieso denn zwanzig Minuten? Brauchst du doch sonst nicht!“
„Ich wollte duschen, darf ich das?“

„Und ich?“
„Dir würde eine Dusche auch nicht schaden…“

„Nein, ich meine, und was mache ich??“
„Keine Ahnung, ich gehe jetzt jedenfalls.“

„Dann komme ich mit.“
„Was heißt das, du kommst mit!“

„Naja, du kannst ja duschen und ich putze schon mal Zähne.“
„Och nee!“

„Was denn??“
„Du weißt ganz genau, dass ich das nicht mag!“

„Ja, aber das verstehe ich sowieso nicht.“
„Was? Dass ich morgens gerne meine Ruhe im Bad haben
will?“

„Ich störe dich doch aber nicht!“
„Wenn du das Badezimmer betrittst, sieht es zwei Minuten später aus wie im
Friseursalon!“

„Das stimmt gar nicht!“
„Wohl stimmt das! Überall liegt dann was rum!“

„Das liegt aber nicht an mir.“
„Sondern?“

„Am Badezimmer.“
„Wie bitte??“

„Das ist einfach viel zu klein!“
„Klar, unser Bad ist zu klein! Sonst noch was??“

„Ich habe viel zu lange Haare.“
„Ähm…“

„Ja, weil ich da immer so viel kämmen muss.“
„Dann schneide sie doch ab!“

„Wieso? Gefallen dir meine Haare nicht?“
„Doch, so meinte ich das nicht…“

„Warum soll ich die denn abschneiden??“
„Sollst du ja gar nicht!“

„Aber du hast doch…“
„Dann brauchst du sie nicht mehr kämmen, hast du doch selbst gesagt!“

„Nee, aber kurze Haare sind doch viel aufwendiger?“
„Aufwendiger? Aber…“

„Natürlich! Die muss man dann doch jeden morgen stylen!“
„Aha, naja…“

„Ich schneide doch nicht meine Haare ab, nur weil…“
„Weil was!“

„…weil du morgens alleine im Bad sein willst!“
„Das ist ja wohl total schwachsinnig!“

„Eben!“
„Nein, ich meinte deine Schlussfolgerung!“

„Du hast gesagt, ich hätte zu lange Haare!“
„Nein! Das hast DU gesagt!“

„Ich wollte doch nur ins Bad!“
„Dafür hattest du ja auch bereits eine halbe Stunde Zeit!“

„Mit kurzen Haaren müsste ich doch noch früher aufstehen!“
„Du hast aber lange Haare, schon vergessen??“

„Und darüber solltest du froh sein.“
„Ich?? Wieso ich denn??“

„Weil du deshalb schon in zwanzig Minuten ins Bad kannst!“

Kopfschüttel…