Helmut guckt schon (photocase.de © WalC1)Meine Liebste und ich verbringen mal wieder einen Abend in der Tanzschule Renz, Bronze-Kurs.
Die Vorgeschichte kann man hier im Blog nachlesen, mittlerweile ist es schon unsere zehnte Tanzstunde; und wir sind richtig gut!

„Aua!“
„Oh, habe ich dich getreten? Entschuldige, Süße.“

„Nein, du hast mich nicht getreten. Meine Schuhe drücken.“
„Ich habe dir gleich gesagt, dass du die erst einlaufen sollst.“

„Jive ist aber auch mit so viel Getrappel.“
„Getrappel??“

„Hoffentlich kommt gleich Foxtrott oder Rumba oder…“
„Aua!“

„Was denn?“
„Jetzt hast du mich getreten!“

„Das war aber nicht meine Schuld!“
„Ach so! Dann war es wohl MEINE Schuld, oder was?“

„Ich wusste nicht, dass du einen Platzwechsel machen willst.“
„Soll ich das nächste Mal vielleicht ein Schild hoch halten??“

„Nein, aber führen würde schon reichen.“
„Ich führe doch, aber du lässt mich ja nicht!“

„Jawohl lasse ich dich! Mist, jetzt sind wir raus…“
„Gut, fangen wir wieder an.“

[Wir gehen zurück in die Ausgangsposition.]

„Helmut muss auch denken, dass wir doof sind.“
„Helmut? Wieso?“

[Helmut ist unser wirklich ausgezeichneter Tanzlehrer, der sich über uns stets köstlich amüsiert. Ich denke, dass er uns mag…
Und das ist schlecht, weil er uns daher ständig im Auge behält.]

„Der guckt schon, schau mal.“
„Dann reiß dich zusammen, sonst kommt er gleich.“

„Aua!“
„Ja Schatz, ich wollte starten!“

„Ich war aber noch nicht so weit!“
„Entschuldige, aber ich dachte, ich soll führen?“

„Aber doch nicht so!“
„Jawohl so!“

„Mist, also noch einmal.“
„Ich kann dir auch mit links ein Zeichen geben?“

„Helmut hat aber gesagt, dass die Herren mit rechts führen.“
„Na gut, dann eben mit rechts.“

„Kein Wunder, dass du nicht so gut führen kannst.“
„Wie bitte?? ich führe ausgezeichnet!“

„Kannst du ja gar nicht, das verstehe ich auch.“
„Was? Was verstehst du?“

„Na, weil du doch Linkshänder bist.“
„Was hat denn das damit zu tun?“

„Du kannst eben mit rechts nicht so gut führen.“
„Helmut hat auch gesagt, dass sich die Damen FÜHREN LASSEN sollen.“

„Ich mache doch, was du willst?“
„Kann ich das bitte schriftlich haben?“

„Jetzt lass uns tanzen, sonst ist das Lied gleich vorbei.“

[Wir starten und tanzen Jive, was das die Tanzfläche hergibt.
Voreinander, nebeneinander, hin und her, vor und zurück.
Es muss göttlich aussehen.]

„Das sieht voll blöd aus.“
„Was? Wer?“

„Na wir! Eher du.“
„Warum denn ich?? Läuft doch super!“

„Du machst viel zu große Schritte mit links.“
„Ich mache Rück-Platz, Seit und Seit, so wie wir es gelernt haben.“

„Außerdem stehen wir gar nicht richtig in Tanzrichtung.“
„Schatz! ich will hier tanzen und nicht Architektur studieren.“

„Aua!“
„Was ist denn jetzt wieder??“

„Du hast auf meinen Ring gedrückt!“
„Was habe ich??“

„Du hast meine Hand so fest gedrückt!“
„Ich muss dich doch fest halten, wenn wir hier hin und her schleudern.“

„Aber nicht so doll!“
„Tut mir leid, warum nimmst du den Ring nicht einfach ab?“

„Den nehme ich nicht ab.“
„Und warum nicht?“

„Weil der schick ist.“
„So wie deine Schuhe?“

„Soll ich die vielleicht auch ausziehen??“
„Ja und den Rest auch. Dann kommt Helmut bestimmt gleich rüber…“

„Sehr witzig, Schatz, wirklich sehr witzig.“
„Aua!“

„Was denn??“
„Du hast mir absichtlich auf den Fuß getreten!“

„Hast du ja auch verdient!“
„Ich rufe Helmut, wenn du das noch einmal machst!“

„Ruf ihn doch! Was willst du ihm denn sagen?“
„Ich sage ihm nichts, ich frage ihn was.“

„Und was?“
„Ob man hier mal die Dame tauschen kann!“

„Pff! Mit wem willst du denn hier lieber tanzen, bitte??“
„Mit seiner Assistentin.“

„Na die wird sich bedanken!“
„Wieso? Die freut sich bestimmt, wenn ich…“

„…wenn du ihr auf die Füße trittst, wolltest du wohl sagen?“
„Nein, wollte ich nicht, ich wollte… AUA!“

„Du tanzt mit mir! Und mit sonst keiner! KLAR?“
„Ahh, mein Fuß…“

„Hör auf, so zu humpeln! Ist ja peinlich!“
„Aber du hast mir doch…“

[In diesem Moment entdecken wir Helmut, der sich neben uns gestellt hat und uns fragend ansieht. Dabei hat er dieses fiese kleine Grinsen im Gesicht und man spürt förmlich, dass ihm gleich seine Standardfrage für solche Momente über die Lippen quillt, ob man denn auch klarkomme oder ob er behilflich sein könne.
Bevor er jedoch etwas sagen kann, kommt ihm die Liebste zuvor.]

„Alles klar hier, macht großen Spaß! Kein Problem!“
„Schatz, ich würde gerne eine kleine Pause…“

„Wir müssen nur den Platzwechsel noch üben, stimmt´s Schatz?“
„Ja, ähm, stimmt, ja… Danke Helmut, wir kommen klar…“

„Helmut, kann man hier auch mal die Herren tauschen?“
„Meiner ist kaputt.“

Kopfschüttel…