So sind nun mal die Regeln! (photocase.de © wombatonline)Meine Liebste und ich sitzen im Wohnzimmer an unserem Esstisch und spielen eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“.
Da die Liebste keiner Fliege etwas zu Leide tun kann und auch sonst ein herzensguter Mensch ist, macht das Spiel große Freude…

„Ha! Und Zack! Und ab ins Häuschen! Du bist erledigt!“
„Danke Süße…“

„Du musst den Pott frei machen!“
„Ja, ich weiß.“

„So, und jetzt brauche ich eine Sechs… JAAAA! Eine Sechs!“
„Mist…“

„Wir sollten viel öfter spielen…“
„Nee, danke.“

„Was denn?? Nur, weil ich mal gewinne?“
„Das wäre ja OK, aber dein dauerndes Indianergeschrei nervt!“

„Uh bu bu bubu bu huuuu!“
„Schatz! Das nervt! Los, würfel endlich.“

„Siehst du das? Siehst du das? HIER! POING!!!“

[Meine Liebste hat eine Zwei gewürfelt. Dummerweise ermöglicht ihr das den Rauswurf meiner letzten auf dem Spielbrett verbliebenen Figur. Die Liebste nimmt ihren eigenen Kegel, hebt ihn an, zieht damit mehrere Schleifen durch die Luft und stürzt sich dann wie Spiderman auf meinen armen Kerl in Blau, der mit einem Elefantentritt vom Brett gefegt wird und irgendwo drei Meter weiter polternd hinter dem Sofa landet.]

„Toll gemacht, Schatz…“

„Ich liebe Mensch ärgere dich nicht! Und dich!“
„Das sieht man…“

„Stell dich nicht so an, du kannst bloß nicht verlieren.“
„Kann ich wohl! Aber das hier ist eher eine Hinrichtung…“

„So? Ach was! Weil ich so nett bin, hole ich deine Figur wieder.“
„Das ist sehr großzügig von dir, Frau Feldherrin.“

[Meine Liebste steht auf, räuspert sich einmal kurz, zieht ihre Ritterrüstung gerade und marschiert zum Sofa.]

„So, hier isser. Da. Zufrieden?“
„Danke Schatz. Wenn ich dich nicht hätte…“

„Du bist dran. Du brauchst eine Sechs.“
„Ach tatsächlich! Das wusste ich gar nicht?!“

„Warum bist du denn so gereizt?“
„Ich weiß selber, dass ich eine Sechs brauche!“

„Ich wollte dir doch nur helfen?“
„Du könntest mir ja mal eine Chance geben und nicht alles raushauen.“

„Nee, das darf man nicht! Wenn man rausschmeißen kann, dann muss man auch!“
„Wo steht das?“

„Das haben wir früher immer so gespielt.“
„Wer? Du und Attila, der Hunnenkönig?“

„Nö, meine Familie und ich. Wer ist denn Attila?“
„Ach, der hat früher auch ein paar Spiele mit eigenen Regeln gespielt…“

„Mensch ärgere dich nicht?“
„Nicht ganz…“

„Würfelst du jetzt oder gibst du auf?“
„Aufgeben! Pff…! Ich würfele, Schatz, ich würfele…“

[Und wie es der Zufall so will, bekomme ich eine Sechs. Und noch eine. Und eine Drei. Macht neun Felder vorrücken; und wer steht auf diesem Feld? Richtig, Frau Attila mit einem ihrer Soldaten; den ich mit stiller Genugtuung schlicht und leise in das heimische Häuschen schiebe… ]

„Mann!“
„Was ist?“

„Voll doof, der war schon fast drin!“
„Na und? Pech gehabt!“

„Du hast da bestimmt irgendwas gedreht.“
„Bitte?? Ich habe gewürfelt und sonst nichts!“

„Du hast aber den Würfel nur so leicht dahingeschoben!“
„Ich habe gewürfelt!“

„Würfeln ist, den Würfel zu werfen, nicht hinzulegen!“
„Willst du damit andeuten, ich würde betrügen?“

„Bei uns früher war das nicht erlaubt, so zu würfeln.“
„Ach nee! Und was war die Strafe dafür, bitte schön?“

[Meine Liebste nimmt ihre von mir soeben geschlagene Figur, hebt diese an, zieht damit mehrere Schleifen durch die Luft und haut meinen blauen Kameraden erneut mit einem riesigen Stoß vom Brett.
Und wo landet er? Natürlich.]

„So!“
„Sag mal, du spinnst ja wohl!“

„Tut mir leid, aber so sind nun mal die Regeln!“
„Ich habe doch gar nichts gemacht!“

„Du hast nicht richtig gewürfelt.“
„Das ist kein Grund, das halbe Spiel durchs Wohnzimmer zu werfen!“

„Mecker nicht, hol lieber deine Figur wieder.“
„DAS kannst du machen! Du hast sie ja auch weggeschossen!“

„Ich würde ja gerne, aber das geht nicht.“
„Ich denke schon, sonst spiele ich nicht weiter!“

„Du musst aber die Figur jetzt holen, tut mir ja leid, ehrlich.“
„Und wieso MUSS ICH jetzt??“

„Weil wir das früher auch immer so gespielt haben!“

Kopfschüttel…