Ich dich aber mehr!Meine Liebste und ich befinden uns mitten im frühmorgendlichen Aufbruchstress.
Noch einmal schnell ins Bad, wo ist meine Arbeitstasche, habe ich alles dabei, Wasserkiste mitnehmen, ohnehin schon spät dran, und so weiter.

„Warte, ich komme sofort mit!“
„Süße, nun mach endlich, ich bin spät dran!“

„Ich will mir noch einen Müsliriegel holen.“
„Ja gut, dann jetzt aber zackig.“

[Während ich mit Tasche in der linken und Wasserkiste in der rechten Hand bereits an der offenen Haustür stehe, huscht meine Liebste auf ihren Stöckelschuhen übers Parkett in die Küche. Ihre unbedachten Schritte machen dabei einen Lärm, der jede Autobahnbaustelle übertönen würde.]

„So, da bin ich, jetzt können wir.“
„Das ist schön, Schatz.“

„Halt, warte!“
„Was ist denn noch??“

„Hast du mich lieb?“
„Ja, ich habe dich lieb. Los, komm jetzt.“

„Wie doll denn?“
„Ganz doll.“

„Und wie doll genau?“
„Am dollsten. Liebste, ich muss jetzt wirklich…“

„Zeig doch mal.“
„Was denn zeigen?“

„Na, wie doll du mich lieb hast.“
„Du, ich habe gerade alle Hände voll, weißt du!?“

„Dann stell die blöde Wasserkiste doch hin!“
„Nee, ich will jetzt gehen!“

„Wie lieb hast du mich? Sag sag sag!“

[Mit einem langen Seufzer stelle ich die leere Wasserkiste und meine Aktentasche neben der Tür ab. Es kommt mir selbst ein bisschen wie Zeitlupe vor, aber vielleicht braucht man als Mann diesen Moment auch, um sich zu sammeln und zu beruhigen.
Ich breite während des Aufrichtens schon mal meine nun frei gewordenen Arme weit gestreckt aus.]

„Und?“
„Schatz. Ich habe dich sooo – lieb!“

„So doll?“
„Ja Schatz.“

„Ich dich aber mehr.“
„Pfff!“

„Ich habe dich soooooo – lieb!“
„Das ist aber nicht mehr!“

„Ich habe ja auch nicht so lange Arme wie du.“
„Tja, das ist Pech!“

„Ich habe dich von hier bis zum Mond lieb.“
„und ich dich von hier bis hinter den Mond.“

„Das hast du aber eben nicht gesagt.“
„Na und? Kann ich doch trotzdem sagen?“

„Ich habe dich so viel lieb wie Wasser im indischen Ozean ist.“
„Und ich dich so viel wie Sand in der Sahara.“

„Ich habe dich so lieb wie die Schnecke den Salat.“
„Und ich dich so wie die Katze die Maus.“

„Katze und Maus?? Die mögen sich doch gar nicht!“
„Wieso denn nicht?“

„Na die Maus rennt doch weg vor der Katze.“
„Ich meinte eher, dass die Katze die Maus am liebsten verspeisen würde.“

„Warum willst du mich verspeisen? Dann bin ich doch weg?“
„Naja ich könnte ja auch zunächst nur ein bisschen knabbern.“

„Ich frage dich, ob du mich lieb hast, und du willst nur knabbern?“
„Nein, ich meine, ich könnte und dann anschließend…“

„Du willst mich verschwinden lassen, hast du gesagt.“
„Nein, das war doch nur wegen der Katze…“

„Katzen mag ich nicht.“
„Ja, ich weiß, du hättest gerne das Klopapier-Hündchen…“

„Ja, und der würde mich auch nicht verschwinden lassen wollen!“
„Ich dich doch auch nicht!“

„Du solltest mir nur zeigen, wie doll du mich lieb hast.“
„Habe ich denn nicht?“

„Doch, aber nicht richtig.“
„Ich habe gezeigt: sooooooooooo lieb!“

„Und ich dich sooooooooooooooooooooo lieb!“
„Na schön, dann hast du mich eben mehr lieb.“

„Typisch Männer…“
„Was denn??“

„Dir ist das total egal!“
„Schatz! Können wir jetzt endlich zur Arbeit gehen?“

„Nicht einmal für eine Liebeserklärung nimmst du dir Zeit!“
„Doch, aber dir kann man es ja nicht recht machen.“

„Lieb haben hat doch nichts mit recht machen zu tun!“
„Na gut, schön, von mir aus… Mir fällt was ein.“

„Was denn?“
„Ich liebe dich.“

„Ja und?“
„Na das wiegt mehr, als jemanden lieb haben.“

„Das stimmt, aber ich liebe dich mehr.“
„Nein, ich dich.“

„Nein, ich dich!“
„Nein nein, ich dich!!“

„Kriege ich den kleinen Hund?“
„Dann will ich eine Katze.“

Blödmann! Dann frisst mein Hund deine Katze. So!“

Kopfschüttel…