Wie kann man bloß! (photocase.de © goenz)Meine Liebste und ich haben bereits Eintrittskarten für einen Ball zum Tanz in den Mai erstanden. Und damit wir uns auf der Tanzfläche nicht alleine blamieren, haben wir auch gleich zwei Karten für ein Pärchen aus unserem Bekanntenkreis gekauft.

„Und? Was hat er gesagt?“
„Wer hat was gesagt, Süße?“

„Na Stefan.“
„Wozu??“

„Zu den Karten für den Maiball.“
„Ach so, ja, alles gut, er wollte mir schon das Geld geben.“

„Und? Hat er?“
„Nein, ich habe abgelehnt, weil ich ihm die Karten nicht geben konnte.“

„Und warum hast du sie ihm noch nicht gegeben??“
„Weil du sie eingesteckt hattest und mir noch gar nicht gegeben hast!“

„Ach so…“
„Dreimal habe ich dich schon daran erinnert.“

„Tatsächlich? Nee, das stimmt nicht, das war nur ein Mal!“
„Es war dreimal, und zuletzt gestern Morgen.“

„Morgens darfst du mich so was auch nicht fragen.“
„Und warum nicht?“

„Morgens habe ich Stress und keinen Kopf für so was.“
„Du hast keine Zeit, mir zwei Karten aus deinem Portmonee zu geben??“

„Das ist nicht so das Problem.“
„Sondern?“

„Die sind nicht in meinem Portmonee.“
„Naja schön, und wo dann?“

„In meiner Handtasche.“
„Oh entschuldige! Und wo ist da jetzt der Unterschied??“

„Du hättest sie dir ja auch schon längst selber nehmen können.“
„Ich gehe doch nicht einfach an deine Handtasche!“

„Warum denn nicht?“
„Weil ich da nie was finde, das hatten wir doch schon.“

„Was soll denn das heißen? Ich habe da immer Ordnung.“
„Neulich, weißt du noch?“

„Was?“
„Da wollte ich den Autoschlüssel aus deiner Handtasche nehmen.“

„Na das war ja wohl auch total dämlich von dir!“
„Die Tasche war proppevoll und man konnte gar nichts finden!“

„Trotzdem hättest du sie ja nicht gleich ausschütten müssen!“
„Schatz! Es ging um Leben und Tod!“

„Nur, weil du den Wagen schnell wegfahren wolltest.“
„Schatz! Es war DEIN Wagen, den die Politesse aufschreiben wollte!“

„Wie kann man bloß eine Handtasche ausschütten!“
„Du hast mir dann ja auch verboten, noch mal darin zu wühlen.“

„Zwischen Wühlen und Rausnehmen ist ein großer Unterschied!“
„Außerdem will ich gar nicht wissen, was du da alles so drin hast.“

„Wieso? Was soll denn da drin sein?“
„Da sie ständig voll ist, wird es wohl mehr als Handy und Geld sein.“

„Natürlich. Was man eben so braucht. Kaugummi, Labello, …“
„… Und auch Ballkarten.“

„Genau.“
„Und? Gibst du sie mir jetzt?“

„Nein.“
„Nein??“

„Nein.“
„Soll ich sie mir vielleicht selber nehmen? Ohne Wühlen?“

„Ähm, nein, besser nicht.“
„Das verstehe ich jetzt nicht, du hast doch eben gesagt, dass…“

„Jaja, ich weiß, was ich gesagt habe.“
„Also gut, ich fasse zusammen: ich darf nicht, und du willst nicht?“

„Ich will schon, aber ich kann nicht.“
„Ich denke, du hast immer Ordnung in deiner Handtasche?“

„Habe ich ja auch. Ich schütte ja auch nicht deine Jacke aus.“
„Das lässt dir echt keine Ruhe, was?“

„Wie kann man nur…“
„Es tut mir leid, OK? Kannst du mir jetzt die Karten geben? Bitte?“

„Hat das nicht noch Zeit?“
„Warum denn nicht jetzt??“

„Es geht jetzt eben nicht so schnell!“
„Und warum nicht?“

„Kannst du mich nicht nachher noch einmal daran erinnern?“
„Kann ich schon, aber warum geht es denn jetzt nicht??“

„Ich weiß es nicht mehr.“
„Ich habe dich doch aber gerade daran erinnert!“

„Ja, aber ich weiß nicht mehr, welche Handtasche es war…“

Kopfschüttel…