NaviMeine Liebste und ich sind im Auto unterwegs, um Freunde zu besuchen. Während ich mich aufmerksam durch den Verkehr auf Deutschlands Autobahnen kämpfe, nickt meine Liebste auf dem Beifahrersitz für eine halbe Stunde ein.
Und wacht wieder auf.

„Wo sind wir denn?“
„Kurz vor Lübeck Süße.“

„Das ist ganz schön voll hier…“
„Es geht, du hast ja fein geschlafen.“

„Habe ich gar nicht. Und du bist schuld!“
„Bitte? Warum denn ich?“

„Weil hier ständig das Navi quatscht.“
„Das hast du doch selber angemacht; ich brauche das gar nicht.“

„Du hättest es ja leiser machen können.“
„Habe ich auch gedacht, aber ich habs nicht hingekriegt.“

„Hättest mich ja fragen können!“
„Aber Schatz, ich dachte, dass du schläfst?“

„Habe ich aber nicht, das sagte ich ja schon!“
„Sind wir ein bisschen gereizt jetzt?“

„Nein. Blödmann.“
„Aha, ja. Nein, gar nicht gereizt, natürlich nicht…“

„Wieso quatscht das Navi? Geht doch nur geradeaus.“
„Da waren ein paar Autobahnkreuze, aber eigentlich…“

„Eigentlich was?“
„Warum fährst du immer mit Navi, obwohl du den Weg kennst?“

„Ich habe das immer an.“
„Ja, ich weiß, aber warum?“

„Dann sehe ich, ob da ein Stau ist zum Beispiel.“
„Hier ist kein Stau.“

„Das wüsstest du ja ohne das Navi gar nicht.“
„Ich höre doch Radio?“

„Hörst du ja gar nicht!“
„Nein, weil ich es vorhin wegen dir leise gedreht habe.“

„Ich habe es aber trotzdem gehört.“
„Schatz, wir sind auf der Autobahn, nicht im Schlafzimmer.“

„Ich kann nicht schlafen, schon gar nicht, wenn du fährst.“
„Wie meinst du denn das jetzt?“

„Du fährst immer so dicht auf.“
„Das stimmt doch überhaupt nicht!“

„Wohl. Da! Jetzt schon wieder!“
„Schatz, der ist doch aber vor mir gerade reingezogen!“

„Damit rechnet man als guter Autofahrer.“
„Ach und ich bin ein schlechter Autofahrer, ja?“

„Du fährst eben wie ein Mann.“
„Und wie fahren Männer bitte schön??“

„Zu schnell, zu ungeduldig, zu riskant.“
„Ich fahre nicht zu schnell, sondern zügig.“

„Ja klar. Neben dir kriegt man nicht mal ein Auge zu.“
„Also für mich sah es aber so aus, als hättest du selig geschlafen!“

„Hörst du mir nie zu?? Das Navi hat mich wach gehalten!“
„Dann mache ich es jetzt aus.“

„Nein, lass das an!“
„Wieso denn?“

„Weil ich sehen will, wann wir da sind.“
„Halbe Stunde, reicht das nicht?“

„Nein, ich wollte gleich mal bei den beiden anrufen.“
„Warum?“

„Um ihnen zu sagen, wann wir ankommen.“
„Und dafür brauchst du es auf die Minute genau, oder was?“

„Nein, aber wenn jetzt gleich ein Stau kommt, dann ändert sich doch die Ankunftszeit.“
„Hier ist kein Stau! Und es kommt auch keiner!“

„Männer! Immer alles wissen! Es könnte doch sein?“
„Gut, na gut. Dann ruf an und dann mache ich es aus.“

„Nee, das beibt an!“
„Schatz!“

„Was denn?? Fahr langsamer, sonst verstehe ich ja nichts.“

[Meine Liebste ruft bei unseren Freunden an und teilt die Ankunftszeit mit; obwohl wir absolut pünktlich sind und das meiner Meinung nach gar nicht notwendig ist. Das Navi behaupte, dass wir um 15.37 Uhr da seien. Aber da ich so rasen würde, könnte es auch früher sein, vielleicht so 15.25 Uhr. Es könne aber natürlich auch noch ein Stau kommen; dann würde es später werden…]

„Wir sollen uns keinen Stress machen, hat sie gesagt.“
„Ach was! Tatsächlich?“

„Machst du mal das Navi aus?“
„Bitte?? Ich denke, das muss immer an bleiben??“

„Es zeigt eine Stauumfahrung an, Baustelle in 15km.“
„Was? Wo!“

„Da. Siehst du?“
„Das darf doch wohl nicht wahr sein…“

„Drück auf Stopp.“
„Warum denn? Ich meine, du hast doch recht gehabt!“

„Natürlich habe ich recht, aber drück jetzt Stopp!“
„Aber jetzt ist das Navi doch sinnvoll, warum denn nun aus?“

„Ich kenne die Baustelle da. Da ist in Wirklichkeit gar nichts.“
„Ähm… Bist du dir da ganz sicher??“

„Natürlich! Oder willst du schon wieder an mir zweifeln!?“
„Nein, nein. Ich mache aus. So.“

„OK. Und jetzt fahr einfach weiter. Da ist nichts.“

[Wir kommen 45 Minuten zu spät bei unseren Freunden an…]

„Wenn du schon mal fährst!“

Kopfschüttel…