Weißt du, was schlimm ist?Meine Liebste und ich freuen uns immer sehr, wenn wir uns abends nach einem gruseligen Arbeitstag wiedersehen. Meistens ist die Liebste vor mir zuhause; dann sitzt sie an ihrem Schreibtisch und springt lachend auf, sobald ich durch die Tür komme. Also: Tür aufschließen, reingehen, Liebste ist da. Ich freue mich auf sie!

„-„
„Schatz, ich bin da!“

„-„
„Süße?“

„-„
„Scha-a-aatz!“

„-„
„Schatz? – SCHAATZ??“

„-„
„Bist du gar nicht da?“

„Hm nam re brr nnn…“
„Wo bist du denn??“

„Hm mhm hier mhhmm…“

[Ich höre sie in der Wohnung irgendwo wimmern, aber ich kann sie nicht sehen. Am Schreibtisch sitzt sie nicht und sonst sind anscheinend alle Zimmer dunkel.]

„Schatz?“

„Rmmh jm ehm ich bin hier.“
„Wo?“

„Im Wohnzimmer.“
„Ach hier!“

[Meine Liebste liegt zusammengekauert auf dem Sofa unter einer braunen Decke, die sie bis zur Nasenspitze hochgezogen hat.]

„Ich bin krank.“
„Huch! Was hast du denn??“

„Ich habe Husten und Schnupfen und Kopfweh und alles.“
„Das tut mir wirklich Leid Süße, kann ich denn etwas für dich tun?“

„Nein.“
„Du hast ja einen ganz heißen Kopf! Fieber?“

„Nö.“
„Ich glaube aber schon!“

„Nee.“
„Hm. Warst du beim Arzt?“

„Weißt du, was schlimm ist?“
„Nein, was denn?“

„Ich habe nichts zum Schnupfen.“
„Was?“

„Für meine Nase.“
„Taschentücher? Haben wir keine mehr?“

„Doch.“
„Aber?“

„Das ist kein Tempo.“
„Ja und?“

„Wir haben nur, ähm, Cien.“
„Cien?“

„Ja Cien, ich will aber Tempos.“
„Ja tut mir Leid, Tempos haben wir wohl jetzt nicht.“

„Mir tut meine Nase schon weh, weil ich keine Tempos habe!“
„Aber du hast die doch neulich selber gekauft, Schatz?“

„Die sind ja auch billiger.“
„Aber warum holst du die denn, wenn du sie gar nicht willst?“

„Normalerweise bist DU ja immer krank.“
„Ach! Und für mich reichen auch die billigen, oder wie?“

„Männernasen sind viel unempfindlicher.“
„Das stimmt ja überhaupt gar nicht!“

„Mecker mich nicht an, ich bin krank!“
„Ja aber… Na gut. Was möchtest du denn jetzt?“

„Ich will Tempos!“
„Ja aber Schatz, wir haben keine!“

„-„
„Schatz.“

„-„
„Schatz?“

„-„
„Warum schmollst du denn jetzt?“

„Weil wir keine…“
„Wir haben keine Tempos, ja, ich weiß!“

„-„
„Och Schatz!“

„Kannst du mir nicht welche…“
„Welche holen? Jetzt noch?? Nee!“

„Aber meine Nase…“
„Die Läden haben schon zu und woher soll ich denn jetzt…“

„Meeee! Hm nam re brr nnn…“
„Moment, warte, mir fällt da was ein…“

[In meiner Notebooktasche müsste ich noch Taschentücher haben. Damit ich auf Reisen immer gewappnet bin, verwahre ich dort Kleinigkeiten, die man immer mal wieder brauchen kann, wenn man unterwegs ist. Labello, Kaugummi, Taschenmesser, Taschentücher… Ich bete, dass es sich um Tempos handelt!]

„Hmm mmm rm grmmm meeeenhhhmmm….“
„Schatz, Schatz, schau! Ich habe Tempos!“

„Wo hast du die denn jetzt her?“
„Hier, ich hatte noch welche in meiner Tasche vom Notebook.“

„Hm.“
„Ja was denn? Nicht gut? Sind Tempos!“

„Nee.“
„WAS??“

„Die sind ja uralt.“
„Na und?“

„Die will ich nicht.“
„Schatz! Du hast Schnupfen, du wolltest Tempos, ich habe Tempos. Nimm!“

„Nee, das ist ja noch blöder jetzt.“
„Was denn??“

„Jetzt hast du Tempos, aber die kann ich nicht nehmen. Bäh!“
„Aber die sind doch völlig in Ordnung!“

„Du kannst ja auch keinen Pulli anziehen, der drei Jahre im Schrank lag.“
„Was?“

„Weil der dann müffelt.“
„Ach und die Tempos hier müffeln?“

„Bestimmt, so alt wie die sind.“
„Das weißt du doch gar nicht! Und wenn schon…“

„Was heißt denn UND WENN SCHON!“
„Na du kannst es sowieso nicht riechen, selbst wenn es so wäre!“

„Das ist total gemein von dir.“
„Och Schätzchen, ich meine es doch nur gut.“

„Meeee! Hm nam re brr nnn…“
„Was?“

„Hmm mmm rm grmmm meeeenhhhmmm….“
„Ich verstehe kein Wort, was?“

„Ich habe auch keine Nasentropfen mehr.“
„Warte, ich glaube ich habe im Schrank noch…“

„Rmmm ehhmllm halleenmmmmm…“
„Bitte? Was? WAS IST DENN JETZT WIEDER??“

„Die hast du schon benutzt, oder? Hm rhm mehm…“

Kopfschüttel…