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Von allem einfach reichlich

30. November 2006, aus der Schublade Essen und Trinken

Von allem einfach reichlichMeine Liebste und ich haben beschlossen: jetzt fängt die Weihnachtszeit an! Nach diversen Überlegungen, wie wir jetzt unsere Wohnung entsprechend mit Weihnachtskram vollhängen, haben wir uns dann doch für die schönste aller Vorbereitungen entschieden: das Kekse backen.

“Wollen wir denn dann jetzt mal?”
“Ja Süße, ich habe in der Küche schon was vorbereitet.”

“Ich freue mich richtig drauf!”
“Ich auch, mal sehen; Backen ist ja nicht so deine Stärke…”

“Naja gut, aber ich halte mich immer streng an die Rezepte.”
“Was hast du dir denn eigentlich ausgesucht?”

“Ja Kekse eben. Die man so mag.”
“Schatz, Kekse sind nicht gleich Kekse!”

“Du hast zu mir gesagt: such dir mal was aus.”
“Das stimmt, und was denn nun?”

“Vanillekipferl.”
“Oh nein! Die sind ganz schön aufwendig.”

“Gar nicht! Und Zimtsterne.”
“Oh, oh… Hast du dir auch irgendetwas Normales ausgesucht?”

“Ja.”
“Und?”

“Nussecken.”
“Nussecken?? Schatz, das sind ja alles total aufwendige Kekse!”

“Aber die mag ich am liebsten.”
“Hast du dafür auch alle Zutaten gekauft gestern?”

“Natürlich! Ich habe extra einen Taschenrechner mitgenommen.”
“Du hast einen Taschenrechner zum Kekse backen gekauft?”

“Nein, ich habe einen zum Einkaufen mitgenommen.”
“Schatz, die haben jetzt schon moderne Kassen, die…”

Blödmann! Ich habe damit die Mengen berechnet.”
“Was?”

“Naja Mehl, Eier, Nüsse, Zucker und das alles.”
“Dafür hast du einen Taschenrechner gebraucht??”

“Wieso nicht? Jetzt haben wir wenigstens genug von allem.”
“Und wie hast du dann 768 Gramm Mehl gekauft?”

“Habe ich nicht. Ich habe von allem einfach reichlich gekauft.”
“Trotz Taschenrechner??”

“Ich habe extra mehr genommen für den Fall, dass ich mich verrechnet oder verlesen habe.”
“Ja aber… Na gut, was soll´s. Lass uns anfangen.”

[Die Küche steht voll mit Schüsseln, Schälchen, Backblechen, Backpapier und natürlich tausend Zutaten. Zwischen den ganzen Sachen liegt ein großes rotes Weihnachtsbackbuch, das aussieht, als hätte es schon mindestens 50 Jahre auf dem Buckel.]

“Das hat schon meine Oma gehabt, das Backbuch!”
“Ist das denn nach der Euroumstellung überhaupt noch gültig?”

“Ach? Kann das… DU BLÖDMANN, DU BLÖDER!”
“Haha! Reingefallen!”

“Wir fangen jetzt mit den Vanillekipferl an.”
“Gut! Lass uns alle Zutaten in die Küchenmaschine tun.”

“Och nee!”
“Was denn??”

“Nicht die doofe Maschine, die habe ich noch nie benutzt.”
“Na und? Es ist doch viel leichter damit!?”

“Das passt aber nicht zum romantischen Kekse backen.”
“Romant… OK. Dann knetest du eben alles mit den Händen.”

“Wieso denn ich??”
“Ja du willst ja die Maschine nicht!”

“Ich habe gestern gerade meine Nägel gemacht.”
“Schatz, das ist doch wohl…”

“Kannst du das nicht machen? Bitte, bitte, bitte!”
“Ich wollte jetzt eigentlich die Nüsse schälen.”

“Ach, muss man die schälen? – MANN, DU BIST SO DOOF!”
“Haha! Wieder reingefallen!”

“Schatz, bitte, kannst du denn nicht kneten?”
“Was jetzt genau?”

“Nicht, was du denkst! Macho!”
“Machos kneten keinen Kipferl-Teig.”

“Jetzt hör auf, das soll doch hier alles nett und lustig sein!”
“Du meinst nette Zimtsterne und lustige Nussecken?”

“MAAAAAANNNN!!”
“Schon gut, schon gut. Ich knete ja. Gib mal die Mandeln.”

“Gleich, ich muss vorher noch die Tüte falten.”
“Was?”

“Die Mandeltüte. Da sind 300 Gramm drin.”
“Ähm… Wir brauchen 150 Gramm.”

“Eben, darum falte ich sie ja.”
“Um dann was zu tun?”

“Ich schneide sie in der Mitte durch und habe die Hälfte.”
“Ach was, das mache ich nach Gefühl, gib…”

“Nein! Du hast gesagt, Vanillekipferl sind schwer, also!”
“Haben wir eigentlich auch Rum?”

“Rum? Nee, den brauchen wir nicht für die Kekse.”
“Nein, aber für mich, wenn das so weiter geht…”

[Die folgenden Stunden machen großen Spaß! Ich knete und knete und rolle Teig aus und kümmere mich um alle lästigen Sachen. Meine Liebste ist verantwortlich für die genauen Mengen der Zutaten, und sie nimmt es sehr genau. Die Diskussion darüber, dass man ja schließlich mit einem Messbecher nur total ungenau 150 Gramm Zucker abschätzen könne, sowie das Ausstechen der klebrigen Zimtsterne erspare ich Ihnen jetzt hier...]

“La lala laa! Super, jetzt noch die Nussecken, ja?”
“Ich bin schon dabei, wo sind denn die Haselnüsse?”

“Na da! Direkt vor deiner Nase.”
“Nein, ich meine die gemahlenen.”

“Wieso? Im Rezept stand 400 Gramm Haselnüsse.”
“Ja, aber doch GEMAHLENE! Die hier sind ja ganz!”

“Ach so, das wusste ich nicht. Na und?”
“Süße, ich kann doch nicht 400 Gramm GANZE Nüsse in den Teig…”

“Warum denn nicht? Andere haben wir doch nicht.”
“Ja was sollen das denn für Nussecken werden??”

“Wir haben doch das Caipirinha-Set.”
“Was? Wie kommst du denn jetzt darauf?”

“Können wir denn die Nüsse nicht, also so wie die Limetten beim Caipi?”
“Ach! Und dann vielleicht noch Cachaca drüber?”

“Schmeckt denn das??”
“SCHATZ!!”

“Und jetzt?”
“Jetzt schütten wir einfach Mandeln rein, die haben wir noch.”

“Das geht ja wohl nicht!”
“Warum denn nicht?”

“Dann sind es ja keine Nussecken, sondern Mandelecken.”
“Die schmecken dann doch aber auch!”

“Ich wollte aber Nussecken.”
“Und ich wollte einfach nur Kekse und keinen Schnickschnack!”

“Der Schnickschnack hier bist du!”
“Und du bist eine wandelnde Mandelmadame mit Mehl am T-Shirt!”

“Ich will Nussecken!”
“Kriegst du nicht, kriegst du nicht!”

“Mann, du gehst mir echt auf die Nüsse!”

Kopfschüttel…



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15 Kommentare zu “Von allem einfach reichlich”

  1. rico sagt:

    Selten so gelacht!
    Danke :o )

  2. Markus sagt:

    Bon appétit! ;)

  3. ardent sagt:

    Romantisches Kekse Backen??? Da werde ich ja richtig neidisch. Mal sehen ob ich meinen Liebsten auch zum “gemeinsamen” Backen/Kneten/Teigrollen überreden kann..?

  4. Micky sagt:

    Sorry, aber “Ich habe gestern gerade meine Nägel gemacht.” ist doch sowas von … aaaah!

    Dann darf man auch keine Kekse wollen, wenn einem die Nägel wichtiger sind.

    Aber ansonsten … ich werde meinen Mann aussperren, wenn ich heuer Kekse backe.

  5. Mohs sagt:

    danke, ich betrachte das als lehrreiche information für meine eigens initiierte keksebackaktion nächste woche.
    Bin mal gespannt, was das gibt.

  6. Pepino sagt:

    Und wieder ein genialer Spruch für’s Poesi-Album (oder zumindest für die Toilettenwand): “Machos kneten keinen Kipferl-Teig.” :-D

  7. der_rex sagt:

    great. nice blog. sweet stories. imho: sell your kitchen machine, pussy whip. :) jede geschichte zeigt mir schmerzlich, was ich als maxisingle doch so arg vermisse. mmuuuoooaaaahhhhhhahahahahh…:)

  8. little-wombat sagt:

    ouh mann, n paar butterplätzchen hätten es doch auch getan ;-)
    das beste ist die tüte falten, damit man nur die hälfte der menge bekommt…. ouuhh mann, ouhhh mann… *grins*

  9. donner-littchen sagt:

    Danke, wie immer köstlich und ich meine damit nicht die Blädzschen.

  10. Peter sagt:

    nüsse schälen… lol ich werf mich ausm fenster!
    absolut genital :D

  11. Eugen sagt:

    400 Gramm nicht gemahlene Nüsse im Teig, das wäre was für richtige Feinschmecker :-D

  12. Miriam sagt:

    Mmh, nächsten Sonntag werd ich mit meinem liebsten Plätzchen backen… Auweia, mir schwahnt übles…

  13. Kopfschüttler sagt:

    Also ich sehe, dass hier viele Gäste ebenfalls einen Backabend/Wochenende planen.

    Das freut mich und lasst euch nur eins gesagt sein:

    NUR DAS ERGEBNIS ZÄHLT! :-)

  14. Lucky sagt:

    Wenn mein $HERZALLERLIEBSTESENGELCHEN das ließt, will sie auch Kekse! Und ich habe gar keine Strom betrieben Küchenhilfe. :cry:

    Abgesehen davon, war es wie immer ein Vergnügen hier zu lesen.

  15. Thomas sagt:

    Vanillekipferl? Zimtsterne? Nußecken?

    Das kommt mir so herlrlich bekannt vor. Liest Deine Frau auch die Brigitte und hat sie die ganzen Backanleitungen der letzten Jahre gesammelt?
    Bei uns war das Auswahlkriterium “das klingt spannend!”
    Das Ende vom Lied war, dass ich die Küche – sonst eher mein Revier – das Wochenende über gemieden habe und nur zu komplizierten Operationen herbeigeordert auf das Schlachtfeld beordert wurde… also zum Zimtsternteig ausrollen und Sterne ausstechen, Kipferlteig in Portionen rollen usw.

    Okay, keine Frage, die Kekse sind alle oberlecker aber ich bin davon überzeugt EINGACHE Kekse hätten genausogut geschmeckt und wäre wesentlich weniger aufwändig gewesen.

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