Von allem einfach reichlichMeine Liebste und ich haben beschlossen: jetzt fängt die Weihnachtszeit an! Nach diversen Überlegungen, wie wir jetzt unsere Wohnung entsprechend mit Weihnachtskram vollhängen, haben wir uns dann doch für die schönste aller Vorbereitungen entschieden: das Kekse backen.

„Wollen wir denn dann jetzt mal?“
„Ja Süße, ich habe in der Küche schon was vorbereitet.“

„Ich freue mich richtig drauf!“
„Ich auch, mal sehen; Backen ist ja nicht so deine Stärke…“

„Naja gut, aber ich halte mich immer streng an die Rezepte.“
„Was hast du dir denn eigentlich ausgesucht?“

„Ja Kekse eben. Die man so mag.“
„Schatz, Kekse sind nicht gleich Kekse!“

„Du hast zu mir gesagt: such dir mal was aus.“
„Das stimmt, und was denn nun?“

„Vanillekipferl.“
„Oh nein! Die sind ganz schön aufwendig.“

„Gar nicht! Und Zimtsterne.“
„Oh, oh… Hast du dir auch irgendetwas Normales ausgesucht?“

„Ja.“
„Und?“

„Nussecken.“
„Nussecken?? Schatz, das sind ja alles total aufwendige Kekse!“

„Aber die mag ich am liebsten.“
„Hast du dafür auch alle Zutaten gekauft gestern?“

„Natürlich! Ich habe extra einen Taschenrechner mitgenommen.“
„Du hast einen Taschenrechner zum Kekse backen gekauft?“

„Nein, ich habe einen zum Einkaufen mitgenommen.“
„Schatz, die haben jetzt schon moderne Kassen, die…“

Blödmann! Ich habe damit die Mengen berechnet.“
„Was?“

„Naja Mehl, Eier, Nüsse, Zucker und das alles.“
„Dafür hast du einen Taschenrechner gebraucht??“

„Wieso nicht? Jetzt haben wir wenigstens genug von allem.“
„Und wie hast du dann 768 Gramm Mehl gekauft?“

„Habe ich nicht. Ich habe von allem einfach reichlich gekauft.“
„Trotz Taschenrechner??“

„Ich habe extra mehr genommen für den Fall, dass ich mich verrechnet oder verlesen habe.“
„Ja aber… Na gut, was soll´s. Lass uns anfangen.“

[Die Küche steht voll mit Schüsseln, Schälchen, Backblechen, Backpapier und natürlich tausend Zutaten. Zwischen den ganzen Sachen liegt ein großes rotes Weihnachtsbackbuch, das aussieht, als hätte es schon mindestens 50 Jahre auf dem Buckel.]

„Das hat schon meine Oma gehabt, das Backbuch!“
„Ist das denn nach der Euroumstellung überhaupt noch gültig?“

„Ach? Kann das… DU BLÖDMANN, DU BLÖDER!“
„Haha! Reingefallen!“

„Wir fangen jetzt mit den Vanillekipferl an.“
„Gut! Lass uns alle Zutaten in die Küchenmaschine tun.“

„Och nee!“
„Was denn??“

„Nicht die doofe Maschine, die habe ich noch nie benutzt.“
„Na und? Es ist doch viel leichter damit!?“

„Das passt aber nicht zum romantischen Kekse backen.“
„Romant… OK. Dann knetest du eben alles mit den Händen.“

„Wieso denn ich??“
„Ja du willst ja die Maschine nicht!“

„Ich habe gestern gerade meine Nägel gemacht.“
„Schatz, das ist doch wohl…“

„Kannst du das nicht machen? Bitte, bitte, bitte!“
„Ich wollte jetzt eigentlich die Nüsse schälen.“

„Ach, muss man die schälen? – MANN, DU BIST SO DOOF!“
„Haha! Wieder reingefallen!“

„Schatz, bitte, kannst du denn nicht kneten?“
„Was jetzt genau?“

„Nicht, was du denkst! Macho!“
„Machos kneten keinen Kipferl-Teig.“

„Jetzt hör auf, das soll doch hier alles nett und lustig sein!“
„Du meinst nette Zimtsterne und lustige Nussecken?“

„MAAAAAANNNN!!“
„Schon gut, schon gut. Ich knete ja. Gib mal die Mandeln.“

„Gleich, ich muss vorher noch die Tüte falten.“
„Was?“

„Die Mandeltüte. Da sind 300 Gramm drin.“
„Ähm… Wir brauchen 150 Gramm.“

„Eben, darum falte ich sie ja.“
„Um dann was zu tun?“

„Ich schneide sie in der Mitte durch und habe die Hälfte.“
„Ach was, das mache ich nach Gefühl, gib…“

„Nein! Du hast gesagt, Vanillekipferl sind schwer, also!“
„Haben wir eigentlich auch Rum?“

„Rum? Nee, den brauchen wir nicht für die Kekse.“
„Nein, aber für mich, wenn das so weiter geht…“

[Die folgenden Stunden machen großen Spaß! Ich knete und knete und rolle Teig aus und kümmere mich um alle lästigen Sachen. Meine Liebste ist verantwortlich für die genauen Mengen der Zutaten, und sie nimmt es sehr genau. Die Diskussion darüber, dass man ja schließlich mit einem Messbecher nur total ungenau 150 Gramm Zucker abschätzen könne, sowie das Ausstechen der klebrigen Zimtsterne erspare ich Ihnen jetzt hier…]

„La lala laa! Super, jetzt noch die Nussecken, ja?“
„Ich bin schon dabei, wo sind denn die Haselnüsse?“

„Na da! Direkt vor deiner Nase.“
„Nein, ich meine die gemahlenen.“

„Wieso? Im Rezept stand 400 Gramm Haselnüsse.“
„Ja, aber doch GEMAHLENE! Die hier sind ja ganz!“

„Ach so, das wusste ich nicht. Na und?“
„Süße, ich kann doch nicht 400 Gramm GANZE Nüsse in den Teig…“

„Warum denn nicht? Andere haben wir doch nicht.“
„Ja was sollen das denn für Nussecken werden??“

„Wir haben doch das Caipirinha-Set.“
„Was? Wie kommst du denn jetzt darauf?“

„Können wir denn die Nüsse nicht, also so wie die Limetten beim Caipi?“
„Ach! Und dann vielleicht noch Cachaca drüber?“

„Schmeckt denn das??“
„SCHATZ!!“

„Und jetzt?“
„Jetzt schütten wir einfach Mandeln rein, die haben wir noch.“

„Das geht ja wohl nicht!“
„Warum denn nicht?“

„Dann sind es ja keine Nussecken, sondern Mandelecken.“
„Die schmecken dann doch aber auch!“

„Ich wollte aber Nussecken.“
„Und ich wollte einfach nur Kekse und keinen Schnickschnack!“

„Der Schnickschnack hier bist du!“
„Und du bist eine wandelnde Mandelmadame mit Mehl am T-Shirt!“

„Ich will Nussecken!“
„Kriegst du nicht, kriegst du nicht!“

„Mann, du gehst mir echt auf die Nüsse!“

Kopfschüttel…